Karat: Eine Definition von "Silly" und ein Blick auf die Rockgeschichte

Karat gehört mit den Puhdys, City und Silly zu den erfolgreichsten DDR-Rockbands, denen nach der Wende viele Fans treugeblieben sind. Unterdessen mussten sich die Fans aber schon von vielen dieser Musiker verabschieden: Die Puhdys haben sich vor sieben Jahren aufgelöst, City stand vor wenigen Tagen das letzte Mal auf der Bühne.

Turbulenzen und Veränderungen bei Karat

Für Karat ist es nicht die erste Turbulenz: Nach dem Tod von Frontmann Herbert Dreilich im Jahr 2004 hatte dessen Sohn Claudius das Erbe seines Vaters als Stimme von Karat angetreten. Wegen eines Streits um Namensrechte mit der Witwe des Bandgründers Dreilich trat die Band von 2006 bis Juni 2007 als „K...!“ auf.

Aktuell trennt sich Karat von zwei Musikern: Schlagzeuger Schwandt (75) war seit 1976 bei Karat, Bassist Liebig (68) seit 1986. Die Nachfolge an Schlagzeug und Bass sei bereits geklärt. Die neuen Kollegen sollen im März vorgestellt werden. Im März sollen die Nachfolger feststehen, im Juni spielt Karat in Leipzig.

„Verschiedenste Einflüsse und vieles mehr können zur Folge haben, neue Wege suchen zu müssen und dann auch zu gehen“, heißt es da etwas kryptisch. Es ist dann noch von einer „Schweigevereinbarung“ die Rede, die „zu unserer Überraschung nicht eingehalten wurde“.

Es sei aber auch der dringende Wunsch der verbliebenen drei Bandmitglieder, "die Musik, die Karat ausmacht, auch weiter live auf der Bühne zu spielen, neue Songs zu komponieren, tolle Texte zu entwickeln, einfach kreativ zu sein und das unseren, so viele Jahre lang treuen Fans, Freunden und allen Musikbegeisterten zu präsentieren".

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Die Anfänge und Erfolge von Karat

Karat stand am 22. Februar 1975 erstmals in Pirna auf der Bühne - gegründet von Herbert Dreilich, Ulrich Swillms und Henning Protzmann. Den größten Triumph feierte Karat mit dem Titel „Über sieben Brücken“ mit einem Text des Leipziger Schriftstellers Helmut Richter (1933-2019), der 1980 von Peter Maffay gecovert wurde. Jetzt gibt es nun nur noch einen Musiker, der schon zu DDR-Zeiten dabei war: Gitarrist Bernd Römer.

Karat und die "Rock-Legenden"

Drei der populärsten Bands, deren Karriere in der DDR begonnen hatte, haben sich vor zwei Jahren zum Tournee-Projekt „Rock-Legenden“ zusammengefunden. Die Bühne ist vollgepackt mit Verstärkern und Instrumenten. Gleich drei Schlagzeuge thronen auf einem Podest. Schnell ist klar, hier spielen nicht drei Bands nacheinander, sondern miteinander.

Der erste Akt dieser hochmusikalischen Geschichtsstunde gehört Karat, die gleich mit „Der blaue Planet“ einsteigen in ein gut halbstündiges Best-of-Programm. Vor einen Jahr erst haben sie an gleicher Stelle ihr 40. Bühnenjubiläum gefeiert. Nun singt Sänger Claudius Dreilich wieder die klug arrangierten Legenden vom „Schwanenkönig“ und vom „Albatros“.

Und prompt steigt die ganze Waldbühne bei „Über sieben Brücken musst Du gehen“ mit ein. Dreilich fordert Lautstärke. „Ich bin froh, dass ich es Deutsch singen kann.“ Und er erzählt, dass sie immer gefragt werden, ob sie von diesem einen Lied denn nicht langsam genug haben. Jenem Lied, das von unzähligen Musikern gecovert wurde, darunter auch höchst erfolgreich von Peter Maffay.

Was wurde aus dem Ostrock?

Auch wenn es damals kaum einer zugegeben hätte, so ein bisschen neidisch war man schon auf diese Bands aus dem Osten, die es mit einer wortmächtigen Leichtigkeit schafften, eine eigene Rockmusik mit deutschen Texten zu kultivieren, während man sich in West-Deutschland noch vornehmlich auf Englisch versuchte. Was man im Westen einst etwas überheblich als Ostrock abtat, hat Einzug gehalten in die gesamtdeutsche Rockgeschichte.

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Silly und Toni Krahl

Ab 24. Juni geht Toni Krahl mit Silly auf Tour. Es war die Sensation des Frühjahrs: Nachdem im Dezember nach 50 Jahren mit City Schluss war, stieg Toni Krahl bei Silly ein und wird nun neben Sängerin Julia Neigel am Mikrofon rocken. Ich will den Geist von Tamaras Songs einfangen und ihnen dann, durch meine Seele gefiltert, meine eigene Prägung verleihen.

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