Karate ist eine Kampfkunst, deren Ursprünge bis etwa zum Jahr 500 n. Chr. zurückreichen. Chinesische Mönche, die keine Waffen tragen durften, entwickelten aus gymnastischen Übungen im Laufe der Zeit eine spezielle Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Diese Kampfkunst galt auch als Weg der Selbstfindung und Selbsterfahrung.
Ursprung und Philosophie des Karate
Als Sport ist Karate relativ jung: Erst Anfang des vergangenen Jahrhunderts entstand in Japan aus der traditionellen Kampfkunst ein Kampfsport mit eigenem Regelwerk. Auch heute noch spiegelt sich im Karate-Do die fernöstliche Philosophie wider. Übersetzt bedeutet "Karate-Do" so viel wie "der Weg der leeren Hand".
Im wörtlichen Sinne heißt das: Der Karateka (Karatekämpfer) ist waffenlos, seine Hand ist leer. Das "Kara" (leer) ist aber auch ein ethischer Anspruch. Danach soll der Karateka sein Inneres von negativen Gedanken und Gefühlen befreien, um bei allem, was ihm begegnet, angemessen handeln zu können. Im Training und im Wettkampf wird dieser hohe ethische Anspruch konkret verdeutlicht.
Nicht Sieg oder Niederlage sind das eigentliche Ziel, sondern die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung und äußerste Konzentration. Die Achtung vor dem Gegner steht an oberster Stelle.
Die drei Säulen des Karate
Das Karatetraining baut auf drei großen Säulen auf:
Lesen Sie auch: Mehr über Karate
- Kihon: Die Grundschule. Es umfasst die grundlegenden Techniken, die das Fundament des Karate bilden.
- Kumite: Das Üben bzw. der Kampf mit einem oder mehreren Gegnern.
- Kata: Eine stilisierte und choreographierte Kampf gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner, der einem festgelegten Muster im Raum folgt.
Karate als Sport für Körper und Geist
Karate wird leider oftmals gleichgesetzt mit Bretterzerschlagen. Dieses Vorurteil entstammt öffentlichen Schauvorführungen, die auf Publikumswirksamkeit abzielen und Karate zur zirkusreifen Artistik erklären. In Wirklichkeit ist Karate jedoch alles anderes als ein Sport für Selbstdarsteller.
Im Training und Wettkampf werden Fuß- und Fauststöße vor dem Auftreten abgestoppt. Voraussetzung dafür ist Selbstdisziplin, Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Partner und natürlich eine gute Körperbeherrschung, die im Kihon (Grundschule) systematisch aufgebaut wird. Aufgrund seiner vielseitigen Anforderungen an Körper und Geist ist Karate ideal als Ausgleich zu den Anforderungen des Alltags: Der Karateka trainiert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Das macht fit!
Mit Entspannungstechniken, Atemübungen und Meditation steigert er seine Konzentrationsfähigkeit und schult die eigene Körperwahrnehmung.
Karate als Selbstverteidigung
Viele Karateka üben ihren Sport aus, um sich im Notfall selbst verteidigen zu können. Und tatsächlich ist Karate eine wirksame und praktikable Verteidigungsart. Kraft und körperliche Statur spielen in der Karate-Selbstverteidigung nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Gelassenheit.
Nur wer bei einem Angriff nicht in Panik gerät, kann sich sinnvoll verteidigen. Deshalb vermitteln spezielle Lehrgänge neben technischen Fertigkeiten auch die psychologischen Komponenten der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. Diese Aspekte machen Karate-Selbstverteidigung insbesondere für Frauen und Mädchen interessant.
Lesen Sie auch: Rapserdflöhe bekämpfen mit Karate Zeon
Karate für alle Altersgruppen
Ob Ausgleichssport, allgemeine Fitness oder Selbstverteidigung: Karate eröffnet allen Altersgruppen und Interessenlagen ein breites sportliches Betätigungsfeld. Karate ist nicht nur spannend für alt und jung. Durch die Vielseitigkeit fördert Karate Gesundheit und Wohlbefinden. Auch deshalb haben sich viele junge und ältere Menschen für diesen Sport entschieden.
In den meisten Vereinen gibt es Anfängerkurse, die den Einstieg leicht machen: Stufe um Stufe wachsen Geschicklichkeit und Leistungsvermögen. Die farbigen Gürtel der Budo-Sportarten sind dabei Hilfe und Ansporn.
Wettkampfdisziplinen im Karate
Im Karate werden grundsätzlich zwei Wettkampfdisziplinen unterschieden:
- Kumite (Freikampf): Zwei Karateka stehen sich auf einer Kampffläche gegenüber und versuchen, wertbare Stoß-, Schlag- und Tritttechniken anzubringen. Die Kriterien sind so gehalten, dass Verletzungen der Kampfpartner ausgeschlossen sind: Wer sich nicht daran hält, wird disqualifiziert!
- Kata: Eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehrtechniken gegen mehrere imaginäre Gegner, die sich aus verschiedenen Richtungen nähern. Man unterscheidet rund 50 verschiedene Katas, deren Ästhetik im Einklang von Kampfgeist, Dynamik und Rhythmik liegt.
Stilrichtungen im Karate
Es gibt weltweit eine ganze Reihe von Disziplinen, da es auch eine große Anzahl Organisationen und Karate Stilrichtungen gibt. An den in Europa bekannteren Karate Stilen Shotokan, Goju Ryu, Shito Ryu und Wado Ryu zeige ich grob die geschichtlichen Zusammenhänge.
Hierzu muss man wissen, das Karate zunächst kein „offenes System“ gewesen ist, die Übergabe der Kenntnisse erfolgten an wenige Personen und es entwickelten sich stärker abgegrenzte „Systeme“. Hier sind verschiedene Strömungen auch wieder zusammengeführt worden.
Lesen Sie auch: Die Lehre im Karate Dojo
Eine der bekanntesten Stilrichtungen ist der Shōtōkan-Stil. Charakteristisch für diese Stilrichtung ist ein tiefer Stand, der dynamische und kraftvolle Bewegungen ermöglicht. Jede Shōtōkan-Technik kann entweder als eine Angriffstechnik oder als eine Verteidigungstechnik eingesetzt werden.
Karate als olympische Disziplin
Bei den kommenden Olympischen Spielen dürfen erstmals Karateka antreten. Viele verbinden Karate mit Actionfilmen und zergeschlagenen Ziegelsteinen. Aber der Kampfsport hat nichts mit Schlägereien zu tun, sondern viel mit Gleichgewichtssinn und innerer Ruhe. Inzwischen wird er sogar im Reha-Sport eingesetzt.
Im Karate gibt es zwei Disziplinen, den Zweikampf, Kumite, und die sogenannten Formen, die Kata. Anders als in anderen Sportarten ist die Kata ein historisches Erbe, das viele Jahre von Meister zu Meister weitergegeben wurde.
Karate für Menschen mit Einschränkungen
Helga Balkie ist an Multipler Sklerose erkrankt und dadurch auch erblindet. Sie hat von Kindheit an viel Sport getrieben und damit gezielt ihre Muskulatur trainiert. Nicht jeder lernt auf die gleiche Weise. Als Trainer bist du immer schon gefordert zu schauen: Wie tickt dein Athlet und wie vermitteltest du ihm das am besten?
Oder mit welchen Übungen kannst du ihn am besten motivieren? Und das ist bei Leuten mit Rollstuhl oder mit geistiger Behinderung nicht anders.
Die 20 Regeln des Shotokan Karate
- Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.
- Im Karate macht man nicht die erste Bewegung.
- Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.
- Erkenne Dich selbst zuerst, dann den Anderen.
- Intuition ist wichtiger als Technik.
- Lerne Deinen Geist zu kontrollieren und befreie ihn dann.
- Unglück geschieht immer durch Unachtsamkeit.
- Glaube nicht, dass Karate nur im Dojo stattfindet.
- Karate üben heißt ein Leben lang zu arbeiten; darin gibt es keine Grenzen.
- Verbinde Dein alltägliches Leben mit Karate, dann wirst Du myo finden.
- Wahres Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn Du es nicht beständig wärmst.
- Denke nicht ans Gewinnen, doch denke darüber nach, wie Du nicht verlierst.
- Verändere Deine Verteidigung gegenüber dem Feind.
- Der Kampf entspricht immer der Fähigkeit, mit keyo (unbewacht) und jitsu (bewacht) umzugehen.
- Stelle Dir Deine Hand und Deinen Fuß als Schwert vor.
- Wenn Du den Ort verlässt, an dem Du zuhause bist, machst Du Dir zahlreiche Feinde. Ein solches Verhalten lädt Dir Ärger ein.
- Anfänger müssen alle Haltungen ohne eigenes Urteil meistern, erst danach erreichen sie einen natürlichen Zustand.
- Die Kata muss ohne Veränderung korrekt ausgeführt werden, im wirklichen Kampf gilt das Gegenteil.
- Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell - alles in Verbindung mit der richtigen Atmung.
- Erinnere Dich und denke immer an kufu - lebe die Vorschriften jeden Tag.
Karate Ausrüstung
Karate ist mehr als nur ein Kampfsport - es fordert Körper und Geist gleichermaßen. Damit du sicher und effektiv trainieren kannst, brauchst du die richtige Ausrüstung. Hier erfährst du, welche Bekleidung von Anzug bis Karate Gürtel, Schutzausrüstung und Trainingsgeräte dich optimal beim Karate unterstützen.
| Ausrüstung | Beschreibung |
|---|---|
| Karateanzug (Gi) | Hochwertiger Anzug für Bewegungsfreiheit und Langlebigkeit. |
| Gürtel | Zeigt den Trainingsgrad des Karateka. |
| Kampfweste und Körperschutz | Schutzausrüstung für sicheres Training. |
| Kopfschutz | Schützt den Kopf bei Partnerübungen oder Sparring. |
| Tiefschutz | Schützt den Unterleib. |
| Unterarmschutz | Schützt die Unterarme. |
| Boxsäcke, Boxdummys und Schlagpratzen | Zum effektiven Üben von Schlag- und Tritttechniken. |
| Trainingswaffen | z.B. Trainingsschwerter, Trainingsstöcke, Bokken oder der klassische Bo-Stab ideal. Sie fördern Koordination, Präzision und erweitern dein Repertoire. |
