Die einen halten sie für barbarische Kämpfe, andere wiederum für die olympiareife Königsdisziplin des Kampfsports. Klar ist, dass Mixed Martial Arts (MMA) in den vergangenen Jahren enorm an Popularität gewonnen hat - auch in Deutschland.
Der Aufstieg von MMA und die Rolle der UFC
Treiber des fulminanten Aufstiegs der Sportart ist die wachsende Anzahl von Fans auf der ganzen Welt, die den Veranstaltern steigende Einnahmen aus Live-Events und Sponsoring bescheren. Das verdeutlichen insbesondere Zahlen der amerikanischen Ultimate Fighting Championship (UFC), des weltweit größten Veranstalters der Sportevents mit Hauptsitz in Las Vegas. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz 2023 um gut 14 Prozent gegenüber 2022 und erzielte damit einen Rekordwert von 1,3 Milliarden US-Dollar (1,19 Milliarden Euro). Durch den Erfolg sind die bekanntesten Protagonisten der Sportart finanziell längst zu Superstars aufgestiegen. Der wohl schillerndste von ihnen, der Ire Conor McGregor (36), verdiente laut „Forbes“ im Jahr 2020 - als er seinen letzten Kampf gewonnen hatte - rund 180 Millionen US-Dollar.
Die UFC („Ultimate Fighting Championship“) ist die bekannteste MMA-Organisation der Welt und existiert erst seit weniger als 30 Jahren. Dennoch gehören die Events der Liga neben der NBA, NFL und NHL jetzt schon zu den beliebtesten der Welt. Seit 2001 ist Dana White (53) Präsident und Gesicht der UFC.
Was ist MMA?
Mixed Martial Arts bedeutet eine Kombination aus verschiedenen Kampfkünsten, darunter Boxen, Kickboxen, Taekwondo und Brazilian Jiu-Jitsu. Die Fighter versuchen sich mit ihren jeweiligen Kampfkünsten und Strategien am Ende durchzusetzen.
Vollkontakt-Kampfsport mit Risiko
Für das viele Geld müssen McGregor und Co. auch viel leisten. Denn Mixed Martial Arts zählt zu den sogenannten Vollkontakt-Kampfsportarten, bei denen man seinen Gegner in einem aus mehreren Runden bestehenden Kampf auf vielfältige Weise besiegen kann. Dabei werden verschiedene Kampfsport- bzw. Kampfkunstarten wie Kickboxen, Judo oder Karate miteinander vermischt. Erlaubt ist nahezu alles - egal ob Treten, Schlagen, Ringen oder Werfen - bis einer der Wettkämpfer durch Abklopfen aufgibt, k. o. geht oder der Schiedsrichter den Kampf abbricht.
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Nicht selten erleiden die Sportler bei den Kämpfen ernsthafte Verletzungen insbesondere am Kopf, die wie im Fall des Portugiesen João Carvalho im Jahr 2016 auch tödlich enden können. Folgen der jahrelangen Schläge und Stöße können unter anderem Gedächtnisverlust, Sprechprobleme oder Süchte sein - typische Symptome des sogenannten Boxersyndroms, einer degenerativen Erkrankung des Gehirns.
Immer wieder steht MMA wegen dieser gesundheitlichen Risiken in der Kritik. Doch trotz oder gerade wegen der harten Gangart hält sich das Interesse an dem Kampfsport, der längst nicht nur von dem Geschehen im Käfig lebt. Denn ähnlich wie beim Boxen fasziniert auch das Spektakel, welches um die Kämpfe herum stattfindet. Hierzu zählen unter anderem spektakuläre Eröffnungszeremonien und Halbzeitshows, die die mehrstündigen Events auflockern sollen.
Regeln im MMA
Viele denken, dass es in dem Sport keine oder fast keine Regeln gibt. Seit 2009 gelten in den meisten Organisationen die „Unified Rules of Mixed Martial Arts“. Ein kleiner Einblick in das Regelwerk:
- keine Angriffe unter der Gürtellinie
- Kniestöße oder Tritte gegen den Kopf eines Gegners, der sich am Boden befindet, sind verboten
- Verboten sind auch: Kopfstöße, Haare ziehen, beißen, in die Augen greifen, in die Handschuhe oder in den Mund greifen
- Schläge oder Griffe an die Kehle sind verboten
- Ellbogenschläge dürfen nicht senkrecht nach unten erfolgen
Insgesamt gibt es 31 Fouls wie unsportliches Verhalten oder verbotene Angriffe, die mit entsprechenden Strafen geahndet werden (Verwarnung, Punktabzug, Disqualifikation)
Gewichtsklassen in der UFC
In der UFC gibt es aktuell neun verschiedene Gewichtsklassen:
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- Strohgewicht, bis 52,15 kg
- Fliegengewicht, bis 57 kg
- Bantamgewicht, bis 61 kg
- Federgewicht, bis 66 kg
- Leichtgewicht, bis 70 kg
- Weltergewicht, bis 77 kg
- Mittelgewicht, bis 84 kg
- Halbschwergewicht, bis 93 kg
- Schwergewicht, bis 120 kg
Begriffe im MMA
Ähnlich wie in der NFL wird im MMA mit englischsprachigen Begriffen nur so um sich geworfen. Hier eine kleine Auswahl:
- Takedown: Den Gegner aus der Balance bringen und auf den Boden werfen.
- Submission: Bestimmte Hebel und Griffe, mit denen der Gegner zur Aufgabe gezwungen werden soll.
- Knockout: Der Schiedsrichter stoppt den Kampf, wenn der Fighter durch einen Schlag oder Kick ohnmächtig wird.
- Ground and Pound: Schläge aus der Oberlage, während der Gegner auf dem Rücken liegt.
- Judges: In der UFC sitzen bei jedem Kampf drei Punkterichter neben dem Käfig und bewerten den Kampf pro Runde.
- Decision: Punktentscheidung, die eintritt, nachdem der Kampf die volle Distanz erreicht hat.
- Main Card: Die Hauptkarte eines Events.
- Weight Cut: Vor einem Event müssen alle MMA-Fighter zum Einwiegen.
Oktagon MMA: Wachstum in Europa
Die 2016 gegründete Kampfsportorganisation Oktagon MMA erzielte acht Jahre später bereits einen Umsatz von 10 Millionen Euro, 2023 stiegen die Erlöse auf 17 Millionen Euro. Hinter dem nach eigenen Angaben größten Veranstalter von MMA-Events in Europa steht das Gründerduo Pavol Neruda (40) und Ondrej Novotny (47), die unter anderem langjährige Erfahrungen im PR-Bereich beziehungsweise als Sportkommentator bei Eurosport sammelten. Neruda und Novotny setzen vor allem auf große Events, mit denen sie in den vergangenen zwei Jahren bereits mehrere Zehntausend Fans in Locations wie die Kölner Lanxess Arena locken konnten.
Mit einem Megaevent erreicht der Hype am Samstag nun einen vorläufigen Höhepunkt: Rund 60.000 Fans werden im „Deutsche Bank Park“ in Frankfurt am Main erwartet. Das wohl bislang größte MMA-Event Europas stößt damit in Sphären vor, die in der Regel nur der ortsansässige Bundesligist Eintracht Frankfurt oder Musikstars wie Harry Styles (30) erreichen.
Oktagon 62 in Frankfurt
Mit „Oktagon 62“ findet die Reihe am Samstag nun ihren vorläufigen Höhepunkt. Im Mittelpunkt stehen dabei die deutschen Kämpfer Christian Eckerlin (37) und Christian Jungwirth (37), die den „Main Fight“ des Abends austragen. Daneben sind zehn weitere Kämpfe geplant. Und auch eine Halftime-Show soll während des sechsstündigen Events stattfinden.
Vor über 59.000 Fans im Stadion der Eintracht gewann MMA-Kämpfer Christian Eckerlin den lang erwarteten Kampf gegen Landsmann Christian Jungwirth und holte sich die inoffizielle Krone als „King of GErMMAny“.
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Übertragung und Reichweite von Oktagon
Wer sich den Kampf lieber auf der Couch anschauen möchte, kann das Event über Oktagons hauseigenen Plattform für Preise zwischen 12,99 Euro bei Kauf im Vorfeld oder 15,99 Euro am Wettkampftag anschauen. Anders als in den USA tut sich der deutsche Markt mit diesem sogenannten Pay-per-View-Verfahren jedoch immer noch schwer. Den Großteil der Zuschauer dürfte Oktagon daher mit der Übertragung über den Streamingdienst RTL+ erreichen, der sich vorab die Rechte an dem Event sicherte. Laut eigenen Angaben rechnen die Veranstalter hier mit mehreren Millionen Zuschauer.
Neben den Einnahmen aus Ticketpreisen und Streaming-Angeboten dürften auch die Gelder von Sponsoren dem Veranstalter die Taschen füllen. Neben Rexona oder Vittel konnte Oktagon dabei unter anderem auch den Reifenhersteller Continental als Partner an Land ziehen.
Zielgruppe und Social-Media-Strategie
Das Event dürften laut einer aktuellen Studie von Statista insbesondere männliche und gut verdienende Personen verfolgen. Demnach sind rund drei Viertel der deutschen MMA-Fans Männer und etwa 43 Prozent von ihnen verfügen über ein hohes Einkommen. Den Großteil dieser kaufkräftigen Gruppe bilden laut Statista junge Menschen. Fast 80 Prozent sollen demnach entweder zur Generation der Millennials oder der jüngeren Generation Z zählen. Allein auf Instagram kommt Oktagon MMA Deutschland schon nach zwei Jahren auf dem Markt mittlerweile auf gut 150.000 Follower, einzelne Beiträge erreichen dabei sogar mehr als eine Million Menschen.
Von den Reichweiten der amerikanischen UFC mit rund 43 Millionen Follower auf Instagram ist Oktagon allerdings noch weit entfernt. Auch auf YouTube, der wohl wichtigsten Social-Media-Plattform zum Teilen von Videos, liegt Oktagon MMA Deutschland mit seinen fast 100.000 Klicks aktuell weit hinter den acht Milliarden Aufrufen der UFC.
Vergleich: UFC vs. Oktagon
Die UFC ist die wahrscheinlich Prestigeträchtigste Organisation, die zwar bestrebt ist die Weltbesten Kämpfer anzuheuern, aber trotzdem extrem mit Personenkult arbeitet. Oktagon hat das Prinzip der Vermarktung von der UFC übernommen, mit dem Unterschied dass dort noch weniger Wert auf die direkte Qualität der Kämpfer gelegt wird. So werden beispielsweise irgendwelche Youtube Prominenten oder Kämpfer die europaweit höchstens Mittelfeld sind, gerne mal für irgendwelche Titelkämpfe oder Main Events gebucht weil sie sich aus verschiedenen Gründen besser vermarkten lassen.
| Merkmal | UFC | Oktagon |
|---|---|---|
| Sitz | Las Vegas, USA | Tschechien |
| Umsatz 2023 | 1,3 Milliarden US-Dollar | 17 Millionen Euro |
| Social Media (Instagram) | 43 Millionen Follower | 150.000 Follower (Deutschland) |
| Fokus | Weltweite Top-Kämpfer, Personenkult | Europäische Expansion, Storytelling |
Die Zukunft von MMA in Deutschland und Europa
Immer wieder zieht es daher deutsche Kämpfer wie den Düsseldorfer Islam Dulatov nach Übersee in die Champions League der MMA. Die Oktagon-Gründer Neruda und Novotny planen derweil in den nächsten Jahren weiteres Wachstum, um sich in Europa zu etablieren. Gelingen soll das durch größere Shows, die in weiteren Ländern stattfinden. Mixed Martial Arts ist auf der Überholspur!
Als Veranstalter möchte man noch internationaler werden und vor allem in Europa zum Marktführer. "Wir wären gerne wie die Formel 1 des Kampfsports. Wie bei einem Grand Prix bringen wir große Events von Land zu Land. Es herrscht große Begeisterung und die ganze Stadt lebt diese Events. Das wollen wir auch mit Oktagon erreichen", so Naruda.
Den Sport olympisch zu machen, ist das große Ziel.
