Aktuelle deutsche UFC-Kämpfer

Mixed Martial Arts (MMA) hat in Deutschland in den letzten Jahren stetig an Popularität gewonnen. Besonders die Ultimate Fighting Championship (UFC) - als größte und prestigeträchtigste MMA-Organisation der Welt - bietet Athleten aus allen Ländern die Möglichkeit, sich auf höchstem Niveau zu messen. Während Länder wie die USA, Brasilien oder Russland traditionell stark vertreten sind, kämpfen auch einige deutsche Athleten unter dem Banner der Ultimate Fighting Championship.

Dieser Artikel wirft einen Blick auf aktuelle deutsche UFC-Kämpfer, ihre Hintergründe und Erfolge.

Islam Dulatov

Deutschland hat einen weiteren Kämpfer in der UFC: Der 26-jährige Islam Dulatov konnte sich durch einen Sieg bei der Dana White Contender Series (DWCS) einen Vertrag in der größten MMA-Organisation der Welt sichern.

Bei der Dana White Contender Series kommt es auf Spektakel an: Wer seinen MMA-Kampf vor den Augen von Dana White gewinnt und das möglichst eindrucksvoll, der wird von der UFC unter Vertrag genommen. Der Düsseldorfer besiegte den Brasilianer Vanilto Antunes in der ersten Runde durch Knockout.

Dulatov, der im Kindesalter als Kriegsflüchtling aus Tschetschenien nach Deutschland gekommen war, hatte bereits vor zwei Jahren verkündet, dass die UFC sein Ziel sei. Bei der DWCS war seine Chance gekommen. Am absoluten Willen ließ er keine Zweifel. Er deckte seinen Gegner nach wenigen Sekunden bereits mit einem Schlaghagel ein. Viele Treffer gingen in die Deckung des Brasilianers, der aber sichtlich überrumpelt wirkte.

Lesen Sie auch: Übersicht der WWE Champions

Der Düsseldorfer dominierte den Kampf und bestimmte das Tempo. Wenn Antunes einen wilden Schwinger auspackte, zog sich der 26-Jährige clever zurück. Nach zwei Minuten setzte er erneut eine Salve an Schlägen an und streute einen Ellbogen mit ein, der den Brasilianer sauber traf und zu Boden schickte. UFC-Boss Dana White hielt es nicht mehr auf seinem Sitz.

"Ich hätte ihn gerne früher K.o. geschlagen, aber habe ihn nicht sauber getroffen", sagte der 26-Jährige nach dem Kampf im Interview. "Ein großer Dank geht an alle in Deutschland, die mich unterstützen. Ich weiß, das ganze Land hat zugesehen. Das heute war für meine Familie, meine Frau und meine Trainer. Für sie ist es besonders schwer, weil ich in der Kampfvorbereitung selbst nicht gerne mein Freund sein würde."

Er sei von seinen Brüdern, die ebenfalls MMA machen, der leichteste Gegner. Sie würden ihm bald in die UFC folgen, so Dulatov. Der Düsseldorfer hatte seinen letzten Kampf bei Oktagon absolviert, wo auch sein Bruder Tamerlan unter Vertrag steht.

Dass Dulatov (Bilanz 11-1) nun weniger Zeit für sein sehr ungewöhnliches zweites Standbein hat, ist klar: Er modelte jahrelang für Marken wie Versace, Gucci oder Hugo Boss. "Ich nehme nicht mehr so viele Modelaufträge an.

Islam Dulatov hat sein Debüt in der Ultimate Championship mit Bravour gemeistert. Der 26-Jährige besiegte den US-Amerikaner Adam Fugitt bei der Großveranstaltung UFC 318 in New Orleans in der ersten Runde durch technischen Knockout.

Lesen Sie auch: Was Sie über den Goldpreis bei 22 Karat wissen sollten

Als "Prüfung" bezeichnete Dulatov seinen Gegner im Interview. Der amerikanische Weltergewicht-Kämpfer war vor dem Duell bereits viermal in der UFC angetreten. "Andere bekommen viel leichtere Gegner zum Start", sagte er. "Dazu stehe ich auf einer großen Fightcard. Die UFC sieht in mir großes Potenzial, sagt sich: Der Junge kann mal ein Star werden, wenn er die Prüfungen besteht. Fugitt ist so eine Prüfung. Der Kampf kann ein Türöffner für mich sein."

Seinen UFC-Vertrag hatte sich Dulatov durch einen Sieg bei der Dana White Contender Series erkämpft, gegen Fugitt wollte "The Ripper", so der Spitzname des Düsseldorfers, seine Serie an vorzeitigen Siegen aufrechterhalten.

Der in Tschetschenien geborene Dulatov hatte schnell ein Gefühl für die richtige Reichweite gefunden. Immer wieder brachte er die rechte Gerade durch, wenn der etwas kleinere Fugitt nach vorne ging.Im Clinch wollte der Amerikaner seine Akzente setzen, Dulatov wusste sich aber exzellent zu verteidigen. Aus beiden Situationen löste sich der Kämpfer aus Deutschland gekonnt. Selbst nachdem er einen Tritt gegen das Bein kassiert und das Gleichgewicht kurz verloren hatte, traf er Fugitt noch im Fallen mit einer Geraden.

Knapp 90 Sekunden vor dem Ende der ersten Runde erwischte Dulatov seinen Gegner mit einem linken Haken. Fugitt ging zu Boden, nach zwei weiteren Treffern durch den UFC-Debütanten schritt der Ringrichter ein, Dulatov war der Sieger.

"Ich habe vorher gesagt, dass ich auch mit Köpfchen kämpfen kann. Aber ich werde immer auf den Knockout gehen. 12 Kämpfe, 12 Finishes. Hier sind wir!", sagte der Düsseldorfer.

Lesen Sie auch: Die besten WWE Tag Teams im Überblick

Jarjis Danho

Jarjis Danho: Der 32-Jährige ist der erste Schwergewichtler aus Deutschland in der UFC. Als Sechsjähriger floh Danho mit seiner Familie aus Syrien. In Deutschland durften die Danhos nur bleiben, weil sie den Behörden versicherten, für sich selbst sorgen zu können und keine finanzielle Unterstützung seitens der Ämter zu benötigten.

Als 14-Jähriger arbeitete Danho bereits als Türsteher in seiner damaligen Wahl-Heimat Paderborn. Seinen ersten Profikampf gewann Danho nach nur zehn Sekunden. Wenige Auftritte später klopfte bereits die UFC an. Ein Ritterschlag. Die bisherige Bilanz des "Man Mountain" beeindruckt. Sechs Siege, eine Niederlage und ein No Contest.

Ein Mann wie ein Berg. Bei Jarjis Danho alias „Manmountain“ ist der Name Programm. 1,91 Meter ist er groß, wiegt 120 Kilogramm. Ein echtes Schwergewicht also - das einzige in Deutschland, das in der UFC (Ultimate Fighting Championship) kämpft. Seit rund zwei Monaten ist der gebürtig aus dem syrischen Al-Malikiya stammende 40-Jährige in Kassel beheimatet.

Als Danho sechs Jahre alt war, kam seine Familie nach Deutschland, lebte zunächst für sieben Jahre im Westerwald in Rheinland-Pfalz. In dieser Zeit hat der Bruder von sieben Geschwistern mit dem Fußballspielen begonnen. „Ich war ziemlich gut, sogar der 1. FC Köln hätte Interesse gehabt“, erzählt der heute 40-Jährige. Doch dann ging es für ihn und seine Familie nach Paderborn. „Dadurch wurde ich aus meinem Umfeld gerissen und hatte keinen Spaß mehr am Fußball.“

Also musste ein anderer Sport her. „Ich habe eine Herausforderung gesucht. Und weil ich schon immer größer war als andere in meinem Alter, Muskeln und Kraft interessant fand und gern die Filme mit Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone angesehen habe, habe ich mit Kraftsport begonnen“, erzählt Danho.

Beim MMA (Mixed Martial Arts, auf Deutsch: gemischte Kampfkünste) ist er schließlich durch Zufall gelandet. Während seines Jobs im Sicherheitsdienst als Leiter einer Diskothek in Paderborn wurde er von Freunden gefragt, ob er die Sportart, die sich aus Techniken des Boxens, Kichboxens, Taekwondo, Muay Thai und Karate bedient, nicht mal ausprobieren möchte. Das tat Danho, fand Gefallen daran und bestritt nach ein paar Trainings bereits seinen ersten Profikampf, aus dem er schon nach etwa 15 Sekunden als Sieger hervorging. „Ich habe keinen Amateurkampf bestritten, sondern wurde direkt ins kalte Wasser geschmissen“, sagt Danho. Das liegt vor allem daran, dass Kämpfer in seiner Gewichtsklasse - der Königsklasse, wie er sagt - selten sind.

Seine immer erfolgreicher werdende sportliche Laufbahn brachte ihn zunächst nach Bielefeld und später nach Nürnberg. „Meine Trainer waren überfordert mit meinem Gewicht, meiner Kraft und meiner Ausdauer. Ich habe Zwei-Meter-Männer wie Puppen durch die Gegend geschoben“, erzählt Danho. Sein Trainer in Nürnberg kannte sich mit Schwergewichtlern aus, sodass der gebürtige Syrer schließlich acht Jahre lang dort trainierte. Es folgten zahlreiche Kämpfe, die meisten davon im Ausland.

Nun ist der 40-Jährige, der aktuell Weltranglistenplatz 18 belegt, in Kassel gelandet, lebt im Vorderen Westen und trainiert in der Lobos-Kampfsportakademie - sich und andere. Als Coach will Danho seine Erfahrung teilen, vor allem ist ihm aber die soziale Komponente wichtig. Das ist auch, was den Sport für ihn ausmacht: „Jeder ist anders und trotzdem trainieren alle zusammen.“

Bei Lobos sieht er sich mehr als Trainer fürs Leben als bloß für den Kampfsport. „Ich möchte Talente fördern, nicht nur im Sport, sondern ganzheitlich“, sagt er. In der Vergangenheit hat Danho bereits ein soziales Projekt etabliert, um Kinder von der Straße zu holen und ihnen in Kombination mit dem Sport Disziplin, Respekt und den Umgang mit Menschen zu lehren. „Das möchte ich auch in Kassel machen, da arbeiten wir schon dran“, erzählt der 40-Jährige. Dazu will er die Plattform des immer populärer werdenden MMA nutzen.

Wann er selbst wieder für einen Kampf in den Käfig steigt, steht noch nicht fest. Geplant ist Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres.

Yessin Ayari

Yessin Ayari: Seit April steht der Weltergewichtler bei der UFC unter Vertrag. In Hamburg feiert der Nürnberger sein Debüt gegen den englischen Veteranen Jim Wallhead. Eine erste Bewährungsprobe für das 23-jährige Talent. Trainiert wird Ayari von Peter Sobotta, der in Hamburg auch selbst ins Octagon steigen wird. Der "kämpfende Coach" hat nur lobende Worte für seinen Schützling. "Natürlich bin ich stolz, dass unsere jahrelange Arbeit solche Früchte getragen hat. Das hat sich der Junge verdient - ich habe ihn nur begleitet.

Peter Sobotta

Ayaris Mentor tritt selbst gegen Nicolas Dalby aus Dänemark an. Ein alter Bekannter. Der Kampf gegen den "Sharpshooter" hätte bereits im April 2013 stattfinden sollen. Damals legte den Deutschen eine Virusinfektion lahm.

Abus Magomedov

So nah war ein Kämpfer aus Deutschland einem UFC-Titel lange nicht!Abus Magomedov (34) hat seinen nächsten Sieg in der UFC gefeiert. Der Düsseldorfer besiegt den Brasilianer Michel Pereira (31) in Kansas City nach Punkten. Magomedov: „Ich bin glücklich. Das war eine harte Vorbereitung und ein harter Gegner. Top 15, ich komme.“

Magomedov steigt mit seinem dritten Sieg in Folge in der UFC-Rangliste immer weiter nach oben, gehört im Mittelgewicht jetzt zu den besten 15 Athleten der Welt. Der letzte Deutsche, der in den Rankings so weit oben stand, war Dennis Siver (46/Top-10 im Federgewicht). Heißt auch: Für Magomedov, der als Jugendlicher aus Dagestan (russische Republik) nach Deutschland kam, beginnt nun ernsthaft das Titelrennen in der Champions League des MMA. Titelträger ist dort aktuell der Südafrikaner Dricus Du Plessis (31).

Gleich zu Beginn der ersten Runde erwischt Magomedov seinen Gegner mit einem linken Schwinger, der Wirkung zeigt. Der Brasilianer wackelt bereits, fängt sich aber wieder. Direkt im Anschluss holt sich der Düsseldorfer einen Takedown und sichert sich den ersten Durchgang.

Magomedov agiert über den gesamten Kampf äußerst variabel, zeigt das ganze Spektrum (im Stand, am Boden) seiner Klasse. Im zweiten Durchgang er seinem Kontrahenten allerdings zu viel Raum, sodass er in der letzten Runde noch einmal aufdrehen muss. Am Ende des Gefechts ist es ein deutlicher Sieg für unseren Deutschen. Alle drei Punktrichter werten 30:27 (3:0-Runden) für Magomedov.

Demnächst könnte der Düsseldorfer mit einem weiteren Sieg gegen einen Top15-Kämpfer noch weiter nach oben klettern und so zu einem echten Titelanwärter aufsteigen. Das würde auch Kampfsport-Deutschland extrem guttun. Denn mittlerweile häufen sich die Gerüchte, dass die UFC 2026 oder 2027 endlich mal wieder ein Event in Deutschland organisieren könnte. Zuletzt war das im September 2016 der Fall.

Gewichtsklasse: Mittelgewicht Zeitraum in der UFC: 2022 - heute Highlight: Blitzschneller Erstrunden-K.o. Abusupiyan “Abus” Magomedov wurde in Dagestan geboren, besitzt aber die deutsche Staatsbürgerschaft und kämpfte lange Zeit in Deutschland. Nach Erfolgen in verschiedenen europäischen Promotionen gab er 2022 sein UFC-Debüt und sorgte direkt für Aufsehen: Mit einem spektakulären K.o. in der ersten Runde machte er auf seine Ambitionen in der Mittelgewichtsklasse aufmerksam.

Weitere erwähnenswerte deutsche UFC-Kämpfer

  1. Dennis Siver: Geboren in Russland, aufgewachsen in Deutschland, trat ab 2007 in der UFC an. Bekannt für sein vielseitiges Striking und seine spektakulären Spinning-Kicks.
  2. Ottman Azaitar: Aufgewachsen in Köln, debütierte 2019 in der UFC. Bekannt für seinen explosiven Kampfstil und seine Knockout-Power.
  3. Nasrat Haqparast: In Afghanistan geboren, in Hamburg aufgewachsen. Bekannt für seinen aggressiven Boxstil und soliden Bodenkampf.
  4. Nick Hein: Ehemaliger Polizeibeamter aus Köln, startete 2014 in der UFC. Bekannt für seine Zähigkeit und Disziplin, mit starkem Judo-Hintergrund.

Obwohl Deutschland bislang keinen UFC-Champion hervorgebracht hat, haben diese Kämpfer bewiesen, dass deutsches MMA-Potenzial auf der größten Bühne des Sports existiert. Dennis Siver ebnete als Pionier den Weg für viele andere, während aufstrebende Talente wie Ottman Azaitar, Nasrat Haqparast und Abus Magomedov zeigen, dass der Traum vom UFC-Gold für deutsche Athleten längst nicht unerreichbar ist.