Die Geschichte und Techniken des Karate

Karate bedeutet wörtlich: leere (unbewaffnete) Hand. Unter dieser japanischen Bezeichnung ist die Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung weltbekannt geworden. Den japanischen Karate-Lehrern aber ist es vor allem zu verdanken, dass Karate heute weltbekannt ist.

Ursprünge und Entwicklung des Karate

Die Ursprünge des Karate gehen bis ins sechste Jahrhundert n. Chr. zurück. Es wird gesagt, dass Bodhidarma, der 28. Nachfolger Buddhas, die Mönche des Shaolin Klosters im Zen-Buddhismus und in gymnastischen Kampfübungen unterrichtete. Das Shaolin-Kloster wurde im Laufe seiner Geschichte mehrere Male durch die jeweiligen politischen Machthaber zerstört, die Mönche wurden getötet bzw. vertrieben. Die Mönche, die fliehen konnten, sorgten für das Überleben der Shaolin-Techniken.

Von dort aus gelangte es über Okinawa nach Japan. Okinawa ist der Geburtsort des eigentlichen Karate, dass früher Tode oder Tode jitsu genannt wurde. Über Okinawa drangen die Selbstverteidigungskünste nach Japan und wurden dort perfektioniert. Die berühmtesten Meister des Karate, wie Funakoshi, Miyagi und Mabuni stammten aus Okinawa. Sie verbreiteten ihre Art des Karate in Japan.

Seit etwa dem 14. Jahrhundert bestand in Okinawa eine Selbstverteidigungskunst, die man Tode nannte. Aufgrund der politischen und kulturellen Verbundenheit Okinawas mit China ist davon auszugehen, dass bereits diese Art der Selbstverteidigung viele Elemente des Chinesischen Ch'uan-fa besaß. Während der folgenden Jahrhunderte war es den Einwohnern Okinawas wiederholt verboten, Waffen zu tragen. Diese Verbote hatten zur Folge, dass die Methode der waffenlosen Selbstverteidigung sich relativ stark ausdehnte.

Enormen Aufschwung nahmen die Kampfkünste auf Okinawa nachdem im Jahre 1609 der Japanische Satsuma-Clan die Inseln unterworfen hatte. Im Jahre 1629 schlossen sich die verschiedenen Stile Okinawas in einer geheimen Konferenz zusammen, um gemeinsam die jap. Invasoren zu bekämpfen. Sie kombinierten die verschiedenen Techniken und schufen ein neues System, genannt Te (oder Okinawa-Te).

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Zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts, nachdem sich die Spannungen zwischen Okinawanern und Japanern abgeschwächt hatten, bildeten sich drei führende Schulen: Shuri-Te, Naha-Te und Tomari-Te (benannt nach den drei Städten Shuri, Naha und Tomari). Die Stile aus Shuri und Tomari bezeichnete man als Shorin-Ryu. Das Karate aus der Stadt Naha, das Naha-Te, wurde auch Shorei-Ryu genannt. Einer der ersten bekannten Lehrer des Shorei-Ryu war Kanryo Higashionna. Einer seiner Schüler, Chojun Miyagi (1888-1953) , gilt heute als der Begründer des Goju-Ryu Karate.

Im Jahre 1921 machte Gichin Funakoshi (er gilt als Begründer des Shotokan-Karate) zum ersten Mal eine Demonstration des Karate in Japan. Danach folgten auch andere Karate-Lehrer aus Okinawa seinem Beispiel, z.B. Miyagi, Mabuni u. a.

Von Japan drang Karate-do in die ganze Welt. Die JKA bewahrt die Tradition Funakoshis, Karate zur Entwicklung eines erhabenen Geistes und einer Haltung der Demut zu lehren. Karate dient als Selbstverteidigung und als Mittel zur Gesunderhaltung des Körpers.

Wärend der Keicho Ära (1596 - 1615) um 1600 besetzte der Shimazu Clan das Königreich Ryukyu. Die Ryukyu Inseln waren zu dieser Zeit unabhängig von Japan, die Insel Okinawa eine Teil des Reiches. Der Shimazu Clan untersagte den Okinawanern das Tragen von Waffen. Dieser Erlass bestärkte die Riege der Okinawa Bushi (Krieger Kaste) im Ausüben und Perfektionieren waffenloser Selbstverteidigungsarten. Der Ursprung dieser Kampfkünste wird in China vermutet, mit dem Okinawa einen regen Warenaustausch hatte.

Karate in der Moderne

In der Moderne, der Neueren Geschichte erlebte Karate eine neue Prägung. In der Meji-Zeit wurden Überprüfungen der Physischen Konstitution von Karatebetreibenden durch Schul- und Militärärzte auf Okinawa durchgeführt. Die Vertreter der Regirungsstellen waren überrascht, welcher Unterschied in der körperlichen Entwicklungzwischen normaler Bevölkerung und den Karate-Adepten bestand.

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Um 1901/1902 berichtete eine Schulkommission unter Leitung von Shintaro Ogawa über die Ergebnisse bei den Gesundheitskontrollen auf Okinawa. Arme und Beine, sowie der gesamte Körper der Karateka war viel stärker entwickelt als bei Bewohnern Okinawas gleichen Alters, bei etwa gleicher Ernährung. Besonders das Reaktionsvermögen und die Balance waren besonders gut ausgprägt.

Nach langen und harten Jahren im Untergrund wurde der Wert des Karate auch von offiziellen Regierungsstellen Japans erkannt. Der einstige Charakter des Karate als pure Selbstverteidigung begann sich zu wandeln. Karate Meisterschaften nach harter Arbeit den entscheidenen Schritt zur Verbreitung des Karate. Karate wurde als sportliche Übung zur Ertüchtigung der Jugend akzeptiert.

Im vierzigsten Jahr der Meiji-ära (1908) wurde Karate als physical exercise (Körperertüchtigung) in das Sportcurriculum der Junior High School auf Okinawa integriert. Nach dem Russisch-Japanischen Krieg begann Funakoshi 1905 Karate mit einer ausgewählten Gruppe der Öffentlichkeit zu präsentieren. Er wurde von der Medica Association eingeladen Seminare zum Thema „Karate as Physical Education“ zu geben.

1922 Gichin Funakoshi demonstrierte Karate vor dem japanischen Kaiser dann auch direkt in Tokyo. Es stellte Karate der Öffentlichkeit auf der ersten Ausstellung des Ministerium für Bildung um 1922 im Educational Museum in Ochanomizu in Tokyo vor. In der Folge wurde Karate in Japan besonders in Tokyo sehr populär. Viele Universitäten nahmen Karate in ihr Lehrprogramm auf. An vielen Bildungseinrichtungen wie der Keio Universität, der Waseda Uni,Tokyo Daigaku der Hitotsubashi Dai, Takushoku Dai, Japan Medical University, Chuo Daigaku und First High School wurden Karate-Clubs gebildet, die es noch heute gibt.

Karate wurde durch die Meister Okinawas als Sport für die Jugend bekannt und geachtet. Das Karate erfuhr durch Meister Funakoshi eine Transformation hinsichtlich der Strukturierung von Trainingsmethoden (z.B. Kumite) und der Anpassung von Begrifflichkeit (Techniken und Kata wurden mit japanischen Namen versehen). Meister Funakoshi schrieb verschiedene Bücher, die dem Karate in der breiten Öffentlichkeit eine breitere Akzeptanz verschaffte. Das erste Buch war Ryukyu Kempo: Karate.

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Mit dem Erfolg in Japan durchdrang der erhabene Geist des Budo das Karate. Die Einheit von Körper und Geist - der Weg - wird zum Ziel. Schließlich wurde Karate-do Dank Meistern wie Funakoshi, Mabuni, Miyagi u.a.

Die Bedeutung der Kata im Karate

Kata ist ein fundamentaler Bestandteil des Karate-Trainings und besteht aus einer choreographierten Abfolge von Bewegungen, die verschiedene Angriffs- und Verteidigungstechniken repräsentieren. Mit dem Laufen einer Kata erlebt man sozusagen die Geschichte eines Kampfes um daraus zu lernen. Diese Abfolgen helfen Karateka, ihre Fähigkeiten und ihr Verständnis für die Kampfkunst zu vertiefen.

Die Entwicklung der Kata, wie man sie heute kennt, begann auf der Insel Okinawa, wo verschiedene Kampfstile aus China und Japan aufeinandertrafen und sich vermischten. Die Bewohner Okinawas entwickelten ihre eigene Kampfkunst, die später als Karate bekannt wurde.

Die ersten Karate-Meister schufen Kata, um ihre Techniken und Prinzipien systematisch zu unterrichten. Diese Kata wurden von Generation zu Generation weitergegeben und bildeten die Grundlage für die verschiedenen Stilrichtungen des Karate, die sich im Laufe der Zeit entwickelten. Einige der ältesten und bekanntesten Kata sind beispielsweise Kusanku, Naihanchi und Passai.

Mit der Verbreitung des Karate in Japan und später weltweit wurden die Kata weiter entwickelt und verfeinert. Heute gibt es in den verschiedenen Stilrichtungen des Karate eine Vielzahl von Kata, die unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Schwerpunkte aufweisen.

Die Kata haben im Karate-Training mehrere wichtige Funktionen:

  • Technik- und Prinzipienvermittlung: Kata sind eine effektive Methode, um Techniken und Prinzipien des Karate systematisch zu vermitteln und zu erlernen. Durch das Üben von Kata erlangen Karateka ein tieferes Verständnis der Kampfkunst und können ihre Fähigkeiten verbessern.
  • Körperliche Fitness: Das Üben von Kata fördert die körperliche Fitness, da es Kraft, Ausdauer, Flexibilität, Gleichgewicht und Koordination trainiert. Kata sind eine ausgezeichnete Ergänzung zum Kihon- (Basistechniken) und Kumite-Training (Partnerübungen).
  • Geistige Disziplin: Kata erfordern hohe Konzentration und mentale Stärke. Durch das kontinuierliche Üben der Kata entwickeln Karateka geistige Disziplin und Selbstkontrolle, die für die Beherrschung der Kampfkunst unerlässlich sind.
  • Selbstverteidigung: Kata enthalten praktische Anwendungen (Bunkai) für Selbstverteidigungssituationen. Durch das Studium und Üben der Kata lernen Karateka, wie sie ihre Techniken in realen Situationen effektiv einsetzen können.
  • Kulturelles und historisches Erbe: Kata sind ein wichtiger Teil des kulturellen und historischen Erbes des Karate. Durch das Erlernen und Bewahren der Kata tragen Karateka dazu bei, die Traditionen und das Wissen der Kampfkunst für zukünftige Generationen lebendig zu halten.

Es ist niemals das Ziel eine Kata einfach nur stumpf auswendig zu lernen. Das tiefe Verstehen und Hinterfragen offenbart erst die Lektionen. Frag also unsere Trainer, wenn du in einer Kata unsicher bist, wie die Geschichte dazu aussieht.