Heinz Reisiger: Eine Judo-Biografie

Es gibt eine lange Tradition von herausragenden Persönlichkeiten im Judo, die durch ihr Engagement und ihre Leistungen den Sport geprägt haben. Eine solche Persönlichkeit ist Heinz Reisiger, dessen Leben und Karriere hier beleuchtet werden soll.

Sportärzte des Jahres: Ein Überblick

Die Auszeichnung „Sportarzt des Jahres“ wird jährlich von den Verbandsärzten Deutschland e.V. und der GOTS auf dem Jahreskongress der GOTS verliehen. Das Vorschlagsrecht steht dem Vorsitzenden der Verbandsärzte, dem Präsidenten und den Vizepräsidenten der GOTS zu.

Vorschläge können auch Sportärzte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie das Präsidium der „Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention“ einreichen. Über die Auszeichnung als „Sportarzt des Jahres“ entscheidet der Vorstand der GOTS mit einfacher Mehrheit.

Kriterien für die Auszeichnung

Der „Sportarzt des Jahres“ muss einige Voraussetzungen erfüllen: unter anderem die kontinuierliche Betreuung einer Nationalmannschaft einer olympischen Sportart als Verbandsarzt bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und/oder Olympischen Spielen, absolute Zuverlässigkeit in Sachen Antidoping, aktiver Einsatz im betreuenden Verband zur Vermeidung von Sportverletzungen und Sportschäden, strikte Einhaltung einer ethisch sauberen Medizin sowie überdurchschnittliche Kenntnisse und Fähigkeiten auf dem Gebiet der praktischen Sportmedizin.

Sportärzte der letzten Jahre

Hier ist eine Übersicht der Sportärzte der letzten Jahre, die für ihre Verdienste ausgezeichnet wurden:

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  • 2024: Prof. Dr. med. Christian Fink (Österreich) und Prof. Dr. med. Volker Schöffl (Bamberg)
  • 2023: Dr. Christian Nührenbörger (Luxemburg)
  • 2022: Dr. Karheinz Zeilberger (posthum)
  • 2021: Prof. Dr. Anja Hirschmüller

Prof. Dr. Christian Fink (Sportarzt des Jahres 2024)

In diesem Jahr erhält Prof. Dr. Christian Fink (Österreich) diese Auszeichnung. Sein Werdegang führte ihn von Oberösterreich über Innsbruck unter anderem nach Vail, Pittsburgh, Melbourne und Perugia. Früh suchte er die besten Mentoren der Welt - und wurde selbst zu einem.

An knapp 200 Originalarbeiten, darunter Schlüsselstudien zur Kreuzbandrekonstruktion, zur Rolle der Quadrizepssehne, zur MPFL- und Meniskuschirurgie, zur Rückkehr in den Leistungssport nach schwerer Verletzung und vielen weiteren Themen hat er maßgeblich mitgewirkt. 30 Buchbeiträge verfasst und über 400 Vorträge gehalten.

Seine größte Leistung liegt darin, dass er es geschafft hat, eine Brücke zu schlagen: zwischen Spitzensport und klinischer Versorgung, Grundlagenforschung und OP-Saal, Reha-Strategie und Return-to-Sport-Diagnostik. Fink versteht Operieren nie als Selbstzweck, sondern als Teil eines Ganzen - mit einem klaren Bekenntnis zur Ethik und interdisziplinären Rehabilitation.

Christian Fink sagt: „Ich sage meinen Patienten: Die Operation macht vierzig Prozent aus, das ´Danach´ sechzig.“ Dieses Zitat zeigt klar seine Haltung: Für ihn beginnt Erfolg nicht im OP und endet dort auch nicht. Erfolgreiche Behandlung, insbesondere im Spitzensport, heißt: verstehen, begleiten, abfangen. Und manchmal auch ehrlich sein.

Er ist einer, der sich traut, offen über die Schattenseiten der Sportmedizin zu sprechen. Über den Druck, die Erwartungshaltung und als Arzt selbst im Rampenlicht zu stehen. Und darüber, wie wichtig es ist, nicht nur die Verletzung, sondern den Menschen dahinter zu sehen.

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Christian Fink ist ein Arzt, der in der Champions League des internationalen Spitzensports mitarbeitet - und der dabei die Füße am Boden behält. Ein Arzt, der sich nicht nur mit Skalpell, sondern auch mit Sprache einsetzt - als Lehrer an zwei Universitäten, als Betreuer dutzender Dissertationen, als Kongresspräsident und als Präsident bzw. Repräsentant diverser internationaler Gesellschaften.

Mit seiner Innsbrucker Gemeinschaftspraxis „Gelenkpunkt“ gemeinsam mit der Privatklinik Hochrum hat er ein internationales Modell für moderne Sportmedizin geschaffen und mit der Gründung der „OSMI-Stiftung“ Forschung und Prävention neu gedacht. Seine Arbeit ist geprägt von fachlicher Exzellenz, internationaler Strahlkraft - und einer großen Nähe zum Menschen.

Prof. Dr. med. Volker Schöffl (Sportarzt des Jahres 2024)

Der Orthopäde, Unfallchirurg und erfolgreiche Sportmediziner Prof. Dr. med. Volker Schöffl (Bamberg) ist zum GOTS-Sportarzt des Jahres 2024 gekürt worden. Er wurde auf dem 39. Jahreskongress der Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin geehrt.

Schöffl erhält die Auszeichnung unter anderem für sein unermüdliches Engagement bei der medizinischen Betreuung von Spitzensportlern, vor allem im Klettersport. In dieser Sportart, die er auch selbst aktiv betreibt, hat sich der Arzt international einen Namen gemacht.

Neben seiner chirurgischen Tätigkeit als Spezialist für sportartspezifische Verletzungen der Hand und Finger im Klettersport und in der interdisziplinären Sportmedizin, übernahm Volker Schöffl unter anderem die Leitung des Sportmedizinischen Stützpunktes im Deutschen Alpenverein und damit die Betreuung aller Nationalkaderathleten des DAV (Dt. Nationalmannschaft Sportklettern, Dt. Nationalmannschaft Skibergsteigen, Expeditionskader).

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Er ist Delegierter der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin in der Medizinischen Kommission der UIAA (Union Internationale de l´ Association de l´ Alpinisme) und war Expeditionsleiter und Arzt mehrerer Kletterexpeditionen in Nepal, Borneo, Thailand, Laos, Burma etc.

Schöffl übernahm in seiner bisherigen Laufbahn die sportmedizinische Betreuung vieler nationaler und internationaler Veranstaltungen, z.B. Sportklettern WM/EM in München und Erlangen, Weltcups, Deutsche Meisterschaften und viele mehr.

Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen unter anderem bei Verletzungen und Überlastungserscheinungen bei Sportkletterern, der Leistungsdiagnostik im Sportklettern und Skibergsteigen und bei den Risiken kindlichen Leistungskletterns.

Darüber hinaus leistet er unermüdliche Aufklärungsarbeit im Bereich der Prävention von Sportverletzungen, u.a. durch Buchveröffentlichungen, Artikel und Vorträge .

Einen regelrechten Paukenschlag setzte Schöffl vor einem Jahr mit seinem Rücktritt aus der Medical Commission der IFSC (International Federation of Sport Climbing). Als Arzt wollte er es nicht mehr mitverantworten, dass aktive Kletterer sich für Erfolge in Wettkämpfen förmlich „herunterhungern“ und so ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.

Jahrelang beriet er die Kommission, Trainer und Funktionäre zum Thema des RED-S Syndrom (Relative Energy Deficiency in Sport). Als Folge von Essstörungen, Untergewicht und maximaler Erschöpfung beinhaltet das Syndrom gravierende und langfristige gesundheitliche Folgen für betroffene Sportler - von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Unfruchtbarkeit bis hin zum Tod.

Als sich im Verband keine Veränderung abzeichnete, setzte der Arzt mit seinem Austritt ein Zeichen, welches ein mediales Beben nach sich zog und Veränderungen von Reglements in der Kletterszene beschleunigte.

„Ich freue mich riesig über die Ehrung zum Sportarzt des Jahres 2024“, sagt Schöffl. Und weiter: „Allen jungen Kollegen möchte ich mit auf den Weg geben, nach bestem medizinischem Wissen zu handeln und Haltung zu zeigen - auch wenn es manchmal viel Gegenwind gibt. Ich wünsche mir für ´meine´ Sportler, dass sie alle ihre Wettkämpfe gewinnen.

Dr. Christian Nührenbörger (Sportarzt des Jahres 2023)

Leiter der Abteilung für Sportorthopädie und Chef de service adjoint de la Médecine du Sport et de la Prévention am Centre Hospitalier de Luxembourg (CHL) ist von Europas größter Vereinigung für Sportorthopädie zum „Sportarzt des Jahres 2023“ gekürt worden.

Nührenbörger, der in diesem Jahr gleichzeitig Kongresspräsident der Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin und Gastgeber in Luxemburg ist, wird für seine länderübergreifenden Verdienste in der Sportmedizin geehrt. Die Auszeichnung wird bereits zum 2. Mal einem Luxemburger zuteil - 2016 war bereits Dr. Axel Urhausen vom CHL zum Sportarzt des Jahres ernannt worden.

„Mir fehlen die Worte, ganz große Überraschung. Ihr seid verrückt“, sagt Nührenbörger, der von der Auszeichnung völlig ´überrumpelt´ wurde. „Ich danke der GOTS, den Verbandsärzten, meinen Kollegen Romain Seil und Axel Urhausen und natürlich meiner Familie für die Unterstützung. Es ist mir eine große Freude, den Titel anzunehmen.“

Mit Dr. Christian Nührenbörger ist die nicht-chirurgische Sportorthopädie als Säule der sportmedizinischen Betreuung auch in Luxemburg nicht mehr wegzudenken. Inzwischen musste im Wartezimmer des CHL für seine Notfall-Sprechstunde sogar ein Nummer-Zieh-Gerät installiert werden.

Nührenbörger studierte Humanmedizin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (D), mit Auslandsaufenthalten in Lille und in den USA. Seine Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie absolvierte er u.a. an der Klinik für Unfallchirurgie der Universität Magdeburg, dem Krankenhaus für Sportverletzte Hellersen sowie der Orthopädischen Klinik der Universität des Saarlandes in Homburg/Saar. 1997 erfolgte die Promotion mit einer Dissertation zu „Frakturen und Luxationen der Fußwurzelknochen“.

Er absolvierte Zusatzbezeichnungen in Sportmedizin und Chirotherapie sowie Ausbildungen in Osteopathischer Medizin, Atlastherapie sowie Manualmedizinischer Diagnostik und Therapie bei bewegungsgestörten Säuglingen und Kindern.

Seit 2004 ist er tätig im Centre Hospitalier de Luxembourg. In Containern auf dem Klinik-Parkplatz gestartet, hat er es mit seiner Hartnäckigkeit geschafft, in Teamarbeit mit Romain Seil, seinen Bereich als Leiter der Sportorthopädie in der Sportmedizin zu etablieren.

Nührenbörger verfügt über langjährige Erfahrungen in der sportmedizinischen Betreuung von Vereinen, Verbänden und Nationalmannschaften in Deutschland und Luxemburg in verschiedensten Sportarten - u.a. Rudern, Fußball, Triathlon - bei nationalen und internationalen Sportereignissen. So war er als Arzt u.a. bei den 3 letzten Olympischen Spielen für Luxemburg, sowie bei den Europa-Spielen und den Europäischen Jugendspielen.

Der Arzt hat sein Engagement und Fachwissen aber nicht nur bei der Betreuung von Sportlern auf höchstem Niveau bewiesen - sein Einsatz gilt genauso den Freizeit- und Gesundheitssportlern bis hin zum „bewegten oder zu bewegenden“ Patienten. Er legt großen Wert auf die ethischen Grundprinzipien des ärztlichen Berufs.

So fiebert er mit seinen Sportlerpatienten und freut sich über gute Leistungen, lehnt aber Erfolge um jeden Preis ab. Seine Haltung im Kampf gegen Doping und Machtmissbrauch im Sport war und ist immer eindeutig und exemplarisch.

Seit 2003 ist Christian Nührenbörger Mitglied der GOTS, seit 2022 im Vorstand, arbeitet im Komitee Kindersportorthopädie und der Kommission Bildung mit.

Dr. Karheinz Zeilberger (posthum Sportarzt des Jahres 2022)

Es fällt mir nicht leicht, hier vor Ihnen zu stehen und eine Laudatio auf den verstorbenen Kollegen Dr. Karlheinz Zeilberger, meinem Hausarzt und Freund zu halten. Viel lieber wäre mir, er würde vor Ihnen stehen und einen Vortrag aus seinem umfangreichen Wissensspektrum halten.

Ich könnte mir gut vorstellen: ein Referat zum Thema „Adäquate Anwendung der Laktat-Leistungsdiagnostik bei der Trainingssteuerung im Hochleistungssport.“ Ein Thema, das auch von vielen unseren Trainern nicht wirklich verinnerlicht wurde. Aber auch ein Referat über Antidoping, über die Reanimation am Spielfeldrand oder das brisante Thema „Schmerzmittel im Sport“ könnte ich mir sehr gut vorstellen. In diesen Themen u.v.a. war unser Kollege Dr. Karlheinz Zeilberger sattelfest.

Seine sportmedizinische Karriere begann er am Lehrstuhl für Sportmedizin und Prävention an der TU München unter Prof. Dr. med. Dieter Jeschke. Seit 1988 betreute er als Verbandsarzt der DESG die deutschen Eisschnellläufer und Short Tracker, ebenso bei den Olympischen Spielen 1998, 2002 und 2006.

Bei der Sportphysiotherapie im Deutschen Olympischen Sportbund hat er die Sportpysiotherapeuten für Weltmeisterschaften und Olympische Spiele mit vorbereitet. Im Antidoping Kampf war er für die Dopingkontrollagentur PWC GmbH und den Internationalen Skiverband FIS tätig und für die Verbände des BLSV hat er Antidoping-Seminare veranstaltet.

Seit 1991 war Dr. Zeilberger Mitglied des Bayerischen Sportärzteverbandes und als Schatzmeister hatte er unsere Finanzen immer im Griff. Er war Mitinitiator bei den sportmedizinischen Untersuchungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wurden. Die erste, die zusagte, war übrigens 2010 die Techniker Krankenkasse. Inzwischen sind es weit über zwanzig Krankenkassen. Eine Aktion, die dann auch in der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention bundesweit ausgebaut worden ist.

Sein sportmedizinisches Wissen hat er mit uns allen immer geteilt. Seinen Sportlerinnen und Sportlern, Patientinnen und Patienten war er ein unersetzlicher Ratgeber und Freund - nicht nur in seiner stark frequentierten sportmedizinischen Untersuchstelle des BLSV und des BSÄV in München.

Seine Nominierung zum Sportarzt des Jahre 2022 hat ihn noch vor seinem, auch für uns doch überraschenden Tod, erreicht und er hat sich riesig gefreut. Posthum möchten seine Familie, die heute auch anwesend ist, und ich für diese großartige Ehrung bedanken.

Der Tod ist ja für uns alle ein täglicher Begleiter. Nicht nur wir Mediziner behaupten ja, der Tod sei etwas Normales und gehöre zum Leben. Aber wenn er uns dann das Liebste, einen Freund, ein Mitglied aus unserer Familie oder liebgewordene Mitmenschen wegnimmt, stehen wir erstmal da und fragen uns: „Warum?“ Eine Antwort weiß ich nicht und wenn ich es versuchen wollte, würde die Antwort immer nur ein müder Versuch einer Erklärung sein.

Karlheinz, Du fehlst nicht nur deiner Familie, die heute alle da sind, sondern auch uns sehr.

Prof. Dr. Anja Hirschmüller (GOTS-Sportärztin des Jahres 2021)

Sie hat eine unbestrittene sportorthopädische Expertise, wissenschaftliche Super-Power, praktische Erfahrung, ein internationales Netzwerk, unglaubliche Präzision, Umsetzungsvermögen, Schlüsselpositionen in diversen Sportverbänden, wissenschaftlichen Gesellschaften und Komitees.

Dazu kommen Führungsstärke, Menschlichkeit, Bescheidenheit und immer gute Laune - dementsprechend immer mit einem ehrlichen Lächeln auf den Lippen. Anja Hirschmüller, sie ist «das Gesamtpacket» einer perfekten Sportorthopädin. Und daneben: auch noch ein toller Mensch, eine liebevolle Mutter und eine riesige Inspiration für viele junge Ärzte. Aber auch für alle, die das Privileg haben, mit Anja Hirschmüller Zeit zu verbringen.

Ihr Lebenslauf ist beeindruckend: Nach dem Studium in Tübingen, Heidelberg, Montpellier und Freiburg folgten die Facharztausbildung für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie 2014 die Habilitation für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin an der Universität Freiburg. 2008, 2012, 2016 und 2018 begleitete sie als Mitglied des deutschen Paralympic-Teams die Olympia-Sportler nach Peking, London, Rio de Janeiro und Pyeongchang und ist seit 2017 leitende Ärztin Leitungssport des Deutschen Behindertensportverbandes.

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