Wanderlei Silva: Eine legendäre MMA-Karriere bei Pride und UFC

Wanderlei Cesar Silva, für MMA- und PRIDE-Fans eine Legende, hat in seiner Karriere 33 Kämpfe gewonnen, 11 verloren und nur ein Unentschieden erreicht. Er zählt noch heute zu den größten Kriegern des MMAs und ist vor allem für seine legendären Schlachten bei Pride und der UFC bekannt.

Die glorreichen Zeiten bei Pride

Vor 14 Jahren trug der legendäre MMA-Kämpfer Wanderlei Silva auf dem Höhepunkt seiner Karriere bei Pride einen der brutalsten K. o.-Siege aller Zeiten davon. Die jüngeren MMA-Fans haben von diesen „glorreichen“ Zeiten nichts mehr mitbekommen, als bei den ausschließlich in Japan ausgetragenen MMA-Kämpfen noch alles erlaubt war und die Kämpfer wie Gladiatoren moderner Zeiten zu den von Nobuyuki Sakakibara (dem heutigen Rizin-Vorsitzenden) organisierten Kämpfen in den Ring traten.

Eine der hervorragendsten Figuren von Pride war zweifelsohne der brasilianische MMA-Kämpfer Wanderlei Silva. Der Brasilianer war lange Zeit Mittelgewicht-Champion und trug 2003 mit ein paar markanten Siegen den Grand Prix davon: Gegen Sakuraba, nach einem epischen Kampf gegen den Olympia-Judo-Champion Yoshida und im Finale mit einem monströsen K. o. gegen seinen großen Rivalen Rampage Jackson.

Um zu sehen, wie dominant der sogenannte „Axe Murderer“ war, genügt schon ein Blick auf seine Erfolgsbilanz in Japan: 28 Kämpfe, 24 Siege, davon 16 durch K. o. Silva hat sogar Superfight-Herausforderungen zu Catchweight-Kämpfen angenommen, und das gegen weit massivere Gegner als er wie Mirko Cop oder Mark Hunt.

Soccer-Kicks als Spezialität

Pride galt nicht zu Unrecht als die brutalste MMA-Organisation aller Zeiten und das vor allem aufgrund äußerst lascher Regeln. Ein Blick auf den K. o.-Sieg von Wanderlei Silva über Yuki Kondo gibt Aufschluss: Nach einem monströsen linken Haken macht der Brasilianer den am Boden liegenden Japaner noch mit Stomps (Fußtritten) fertig.

Lesen Sie auch: MMA-Geschichte: Legendäre Kämpfe

Die japanische Organisation erlaubte solche Fußtritte am Boden. Kämpfer wie Mauricio Shogun Rua und Wanderlei machten die Soccer-Kicks zu ihrer Spezialität.

Wechsel zur UFC und Kämpfe in Deutschland

Im Dezember 2007 kehrte Silva in die UFC zurück und duellierte sich dort unter anderem mit Chuck Liddell, Rich Franklin und Michael Bisping. 2009 trafen Wanderlei Silva und Rich Franklin im Hauptkampf der UFC 99 in Köln aufeinander - Franklin siegte hauchdünn nach Punkten. Im Juni 2009 fand in der Kölner Lanxess Arena UFC 99 statt - der erste von zwei Events der Ultimate Fighting Championship auf deutschem Boden.

Das internationale Publikum in Köln schlug sich von Beginn an auf die Seite des früheren PRIDE-Meisters Silva, doch Franklin verließ am Ende das Octagon als knapper Punktsieger. Jetzt forderte die brasilianische Legende bei der UFC 147, seinem Heimspiel in Belo Horizonte, Revanche.

Rückkampf gegen Rich Franklin

Etwas mehr als drei Jahre später gingen Silva und Franklin am Samstag in den Rückkampf, diesmal in Brasilien und über die maximale Distanz von fünf Runden à fünf Minuten. Aus sportlicher Sicht wird es um wenig gehen, da beide Kämpfer ihre besten Jahre hinter sich haben, aber wer denkt, dass sie deswegen nicht alles geben werden, liegt völlig falsch.

Silva war schon in Köln der Meinung, er habe genug getan, um den Sieg zugesprochen zu bekommen. Für den Rückkampf versprach er gegenüber SPOX einen eindeutigen vorzeitigen Sieg gegen den Amerikaner.

Lesen Sie auch: MMA-Geschichte: Wanderlei Silva

In der Zwischenzeit sicherte sich Silva Siege gegen Michael Bisping und Cung Le und verlor gegen Chris Leben, während Franklin gegen Vitor Belfort und Forrest Griffin verlor, dafür aber Chuck Liddell in den Ruhestand beförderte.

Silvas anfälliges Kinn

Es ist unmöglich, über Wanderlei Silvas Chancen im Jahr 2012 zu sprechen, ohne sein anfälliges Kinn zu erwähnen. Quinton Jackson schlug ihn mit einem gut ausgeführten Haken k.o., und auch Chris Leben knipste Silva im Infight mühelos die Lichter aus. Doch was bedeutet das wirklich, wenn man gegen jemanden ins Octagon steigt, der nicht eben für seine Schlagkraft bekannt ist?

Rich Franklin ist ein perfektes Beispiel für einen früher großen UFC-Star, der in allen Bereichen gut ist, aber nirgends herausragend. Anders als Silva hat er selbst nicht maßgeblich abgebaut - das Feld ist in den letzten Jahren nur an ihm vorbeigezogen. Insofern würde es nicht überraschen, wenn er von 100 Kämpfen gegen Wanderlei Silva die Mehrheit von sich entscheiden könnte.

Silva vor heimischem Publikum

Am Samstag in Belo Horizonte werden sie nur einmal kämpfen. Wanderlei Silva ist motiviert, in seinem ersten Kampf vor heimischem Publikum in vierzehn Jahren den alten Axe Murderer ein letztes Mal zu entfesseln. Sein starkes Kinn mag der Vergangenheit angehören, aber seine Explosivität hat er sich bewahrt. Silva ist noch dazu in der Lage, den Gegner zu überwältigen, wie wir zuletzt im Kampf gegen Cung Le beobachten konnten.

Er wird mit 14.000 Zuschauern im Rücken versuchen, noch einmal an frühere Erfolge anzuknüpfen, die Niederlage von 2009 auszugleichen. Die Taktik ist klar: Schnell gewinnen, denn je länger der Fight läuft, desto überwältigender werden die stilistischen Vorteile des vielseitigen Amerikaners.

Lesen Sie auch: Details zum epischen Kampf

Franklins Strategie

Rich Franklin wird gut beraten sein, Silvas Schlagdistanz zu meiden und den Brasilianer aus sicherer Entfernung mit Legkicks zu bearbeiten. Silva wird nicht versuchen, ihn zu Boden zu bringen, weil Franklin dort im Vorteil ist. Er muss versuchen, Silva auszupowern und dann methodisch zu zerpflücken. In einer späten Runde wäre ein Knockoutsieg durch Rich Franklin keine absolute Überraschung mehr, während ein solcher Sieg für Silva mit größter Wahrscheinlichkeit in der ersten oder zweiten Runde erfolgen müsste.

Am Ende des Tages wird Wanderlei Silva motivierter sein, den Sieg mehr wollen, und das dürfte das Zünglein an der Waage sein.

Rücktritt vom MMA-Sport

Vor wenigen Tagen verkündete Wanderei Silva in einer Videobotschaft das Ende seiner MMA-Karriere. Die brasilianische Kampfsportlegende geht im Alter von 38 Jahren in den Ruhestand. Zum Abschied ging Silva mit seinem aktuellen Arbeitgeber, der UFC, hart ins Gericht.

„Ich verabschiede mich aus dem Ring. Nach dem heutigen Tag wird Wanderlei Silva nicht mehr kämpfen“, sagt Silva. „Meine Karriere ist vorbei. Die Sportler bekommen nicht mehr den Respekt, den sie verdienen.

Silva klagt in der Videobotschaft über die vielen Verletzungen, die man im MMA-Sport erleidet und darüber, dass die Kämpfer seiner Ansicht nach zu wenig Geld bekommen, während die UFC durch sie viel Geld verdiene. Außerdem beschuldigt er die UFC, ihn unter Druck gesetzt zu haben, damit er am 31. Darüber hinaus kritisiert Silva, die UFC würde ihn öffentlich schlecht darstellen: „Sie versuchten, die Fans gegen mich aufzuhetzen. Meine Fans, die mir seit 20 Jahren folgen, länger als diese Organisation überhaupt existiert. Ich habe dabei geholfen, diesen Sport aufzubauen.

Zum letzten Mal hörte man im Mai von Silva, als er vor einem unangekündigten Dopingtest der staatlichen Sportkommission von Nevada flüchtete. Silvas Anhörung vor der Kommission, um diese Angelegenheit zu klären, wurde bereits mehrfach verschoben. Am morgigen Dienstag, dem 23. September, soll es endlich dazu kommen.

Silva tritt mit einer Kampfbilanz von 35-11-1 zurück. Aufgrund seines aggressiven Kampfstils entwickelte er sich nach der Jahrtausendwende bei PRIDE FC in Japan zu einem wahren Superstar.

Lebenslange Sperre und Autounfall

Sollte er sich eines Tages für eine Rückkehr entscheiden, muss er sich aller Voraussicht nach außerhalb der USA nach Kämpfen umschauen, denn der Brasilianer wurde am Dienstag von der Sportkommission Nevadas auf Lebenszeit gesperrt. Der Grund: Silva flüchtete im Mai vor einem unangekündigten Dopingtest.

Anfang Juli sollte Wanderlei Silva ursprünglich bei UFC 175 auf seinen Erzrivalen Chael Sonnen treffen. Knapp fünf Wochen vor dem Kampf wollte die Sportkommission bei beiden Sportlern unangekündigte Dopingtests durchführen. Chael Sonnen nahm den Test wahr und fiel durch. Wanderlei Silva wurde in seinem eigenen Gym in Las Vegas von einem Mitarbeiter der Sportkommission besucht und zur Abgabe einer Blut- und Urinprobe aufgefordert.

Silvas Anwalt Ross Goodman kündigte an, das Urteil anzufechten. Er führte an, dass Silva zum Zeitpunkt des Dopingtests noch gar keine Lizenz beantragt hatte und somit nicht unter Aufsicht der Sportkommission hätte stehen dürfen. Kommissionsmitglied Bill D. Brady erwiderte, dass Kämpfer oftmals erst wenige Tage vor einem Kampf eine Lizenz ausgestellt bekommen.

„Wenn du vor einem Test wegrennst, ist das so ziemlich das schlimmste, was du machen kannst“, sagte Pat Lundvall, ein Mitglied der Kommission. „Ich überlege, was schlimmer sein könnte. Vielleicht gefälschten Urin abzugeben. Natürlich ist es sehr schlecht, Steroide in deinem System zu haben. Aber vor einem Test wegzulaufen, ist wirklich schrecklich für den Sport.

Und so entschieden sich die Mitglieder der Kommission am Ende einstimmig dafür, Wanderlei Silva lebenslang für Kämpfe im US-Bundesstaat Nevada zu sperren. Außerdem muss er eine Geldstrafe in Höhe von 70.000 US-Dollar zahlen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Sportkommissionen der anderen US-Bundesstaaten die Entscheidungen aus Nevada respektieren und Suspendierungen ebenfalls durchsetzen.

Die brasilianische MMA-Legende Wanderlei Silva war von gut zwei Wochen in einen Autounfall verwickelt. In seiner Heimatstadt Curitiba wurde er von einem Auto angefahren, als er mit dem Fahrrad unterwegs war. Er erlitt eine Fraktur des rechten Fußes und einige Wunden im Gesicht. Silva selbst sagte, dass er möglicherweise nur Dank seines Helmes überlebte. Der Unfallverursacher kümmerte sich um Wanderlei Silva und brachte ihn ins Krankenhaus. Silva wurde bereits im Jahr 2016 angefahren, als er mit dem Fahrrad unterwegs war.

Silvas Verhältnis zu seinen Fans

Wanderlei Silva zählt noch heute zu den größten Kriegern des MMAs und ist vor allem für seine legendären schlacht bei Pride und der UFC bekannt. Nun sprach „The Axe Murderer“ über seine Beziehung zu den Fans und seine von Höhen und Tiefen geprägte Karriere.

„Es ist toll; die Fans wissen gar nicht, wie sehr sie mir durch schwierige Zeiten geholfen haben. Athleten wissen, dass es Tage gibt, an denen man gerne trainiert, während man an anderen Tagen ist man müde und unmotiviert. Ich hatte auch solche Zeiten, wurde jedoch immer von vielen Leuten unterstützt und sowas ist unbezahlbar, man kann sowas nicht kaufen.“

Auch zu der immernoch anhaltenden Begeisterung der Fans sprach Silva:„Es gibt nichts über dem Moment, in dem die Fans einen im Ring anfeuern. Wenn ich das nicht mehr fühle, dann werde ich aufhören, doch vorher nicht. Ich weiss, dass ich noch viel zeigen kann und vorher werde ich nicht aufhören. Ich höre immer wieder, dass ich viele Menschen auf der Welt inspiriert habe und solche Leute verdienen meinen Respekt. Es ist eine Geben-und-Nehmen-Beziehung, es ist Freundschaft. Es lässt sich mit einer Ehe vergleichen: Wenn einer etwas falsch macht, muss der andere eingreifen. Meine Fans mögen mich und ich mag sie. Das wird für immer anhalten. In meinen Kämpfen geht es sich um mehr als Siegen oder Verlieren. Mein Ziel ist es, die Emotionen der Zuschauer einzufangen.