Freier Fall im Judo: Techniken und Überwindung der Angst

Die Fallschule ist eine Grundlage des Judo. Es werden Falltechniken geübt, um so zu fallen, dass man sich dabei nicht verletzt. Die Fallschule wird in alle Richtungen durchgeführt: Vorwärts, rückwärts und seitwärts. Die Vorwärtsrolle wird bei den höheren Gurten in der Luft, als „freier Fall“ ausgeführt. Dabei nimmt der Judoka Anlauf, springt hoch, dreht sich in der Luft und kommt seitlich auf dem Rücken auf. Die Falltechniken werden jeweils auf der linken Seite sowie auf der rechten Seite geübt.

Die Technik des freien Falls

Um den freien Fall auszuführen, befolge diese Schritte:

  1. Stelle Dich gerade hin, das rechte Bein leicht nach vorne.
  2. Fasse überkreuzt in Deine Hände.
  3. Ziehe Deine Hände links an Deinem Körper vorbei, und hole mit deinem linken Bein Schwung, indem Du es möglichst weit nach hinten oben schwingst.
  4. Wie bei der Judorolle auch, fällst Du über Deine rechte Schulter.
  5. Dann bleibst Du entweder wie bei der Judorolle liegen, indem Du auf der linken Seite Deines Rückens liegst und mit der linken Hand abklopfst.
  6. Lasse das linke Bein ausgestreckt, das Rechte steht angewinkelt auf dem Boden. Dein rechter Arm liegt angewinkelt auf Deinem Bauch.

Wege zum freien Fall

Wie oben schon beschrieben und vor allem Fallen, fallen, fallen -> und zwar aus hohen Würfen, das nimmt die Blockade am ehesten.

Lass dich von einem fortgeschrittenen Partner werfen. Am Anfang wirst du geworfen, dein Tori macht quasi 100% der Arbeit und du lässt dich einfach werfen. Mit der Zeit übernimmst du einen immer größeren Part, indem dein Tori beispielsweise nur noch zu 80% oder 70% wirft, und du den Fall immer mehr selbst steuerst. Schwer zu erklären, aber am Ende läuft es darauf hinaus, dass dein Tori den Wurf ansetzt, die Bewegung unterbricht und du dann den freien Fall machst.

Übung mit Partner

Freier Fall (ggf. Dein Partner stellt sich schulterbreit und möglichst stabil hin, dafür kann er auch leicht in die Knie gehen, und streckt seinen linken Arm aus. Stelle Dich seitlich mit Deiner linken Seite vor Deinen Partner. Fasse mit Deiner rechten Hand an seinem rechten Ärmelansatz oben am Arm in den Stoff und mit Deiner Linken kurz vor seine Schulter. Du musst auf Deinem rechten Fuß stabil stehen, damit Du mit Deinem Linken vor- und zurückgehen und Schwung holen kannst. Dein Partner hilft Dir, indem er mit seiner linken Hand an Deinen rechten Ärmel greift und mit einer Halbkreisbewegung von links nach rechts Deinen Schwung unterstützt. Hole ruhig mehrmals Schwung und gehe beim letzten Mal mit Deinem Fuß hinten soweit hoch wie möglich. Dann stürzt Du Dich mit Deiner rechten Schulter voran über den Arm Deines Partners. Dieser hält während der gesamten Fallübung Deinen rechten Arm fest, um Dich zu kontrollieren. Schlage wie bei der Judorolle ab, indem Du auf der linken Seite Deines Rückens liegst und mit der linken Hand abklopfst. Lasse das linke Bein ausgestreckt, das Rechte steht angewinkelt auf dem Boden.

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Angst vor dem freien Fall überwinden

Viele Judoka haben Respekt oder sogar Angst vor dem freien Fall. Hier sind einige Tipps, um diese Angst zu überwinden:

  • Setz Dich nicht unter Druck. Steigere die Vorwärtsrollen hinsichtlich Weite u. Versuche allmählich immer weniger Druck auf den Partner auszuüben.
  • Lass dir Zeit und dich davon nicht verunsichern. Gerade am Anfang, aber auch allgemein, gibt es eigentlich keine Technik wo du wirklich eine freie Fallschule benötigst. Freier Fall ist eher eine koordinative Spielerei, um Mut und Spannung zu testen.
  • Eine gute Vorübung ist das Fallen über die gestreckten Arme (erst mit beiden Fäusten in der Matte, dann mit nur einer Faust), dabei aber nicht mit aller Wucht in die Matte rammen. Die Fäuste sollen die Matte nur leicht berühren. Stell dir vor, Du stützt Dich auf einem einzelnen Blatt Papier ab, daß Du weder zerreißen, noch zerknittern willst.
  • Den Respekt vor dem freien Fall überwindet man nur durch üben.

Die Rolle der Weichbodenmatte

Ich finde das mit der Weichbodenmatte garnicht so blöd. Um erstmal den Bewegungsablauf der Übung irgendwie draufzubekommen, darf die Übung an sich nicht mit Schmerzen verbunden sein, weil sonst sehr schnell die Lust daran vergeht. Ich habs nachher so gemacht, als die Kinder den Ablauf drauf hatten, dass ich oder einer der es kann, sie Uki Otoshi und später Sasae geworfen hab... Dabei kann ich parallel noch ein wenig Hilfestellung geben. Der freie Fall kann wehtun, sich dem Schmerz zu entziehen mag vielleicht nicht unbedingt die Methode sein, bei der die alten Haudegen nun sagen: "Das ist klasse", man kann den Kindern aber die Angst nehmen.

Ich möchte auch zu bedenken geben, dass Weichbodenmatten leider nicht den selben Effekt haben wie Judomatten.

Weitere Techniken

Mit den Wurftechniken versucht der Judoka, den Partner vom Stand in den Boden zu befördern. Dabei nutzt man Schwung und die Bewegung des Partners aus. Es gibt verschiedene Gruppen von Würfen, z.B. Hüfttechniken oder Sicheltechniken.

Mit Haltetechniken versucht man, den geworfenen Partner in Rückenlage am Boden zu fixieren. Werden diese Techniken gut durchgeführt, ist es sogar mit speziellen Befreiungstechniken sehr schwer aus ihnen zu entkommen.

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Ab einer bestimmten Altersklasse dürfen Hebel- und Würgetechniken angewendet werden, um den Partner zur vorzeitigen Aufgabe zu bringen. Diese Techniken müssen sehr gut kontrolliert ausgeführt werden, da der Partner auf keinen Fall absichtlich verletzt werden darf.

Eine Kombination ist eine Verkettung von zwei oder mehr Wurftechniken. Reagiert der Partner nicht auf einen Wurfansatz, so wird er unweigerlich geworfen. Reagiert er jedoch, wird diese Reaktion ausgenutzt und der Werfende setzt zu einer anderen Technik an, welche den Gegner nun zu Boden bringen soll.

Bei einer Kontertechnik nutzt der Gegner den Schwung und die Körperstellung des Werfers aus, wenn dieser zu einem Wurf ansetzt.

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