Einzelkämpfer Abzeichen: Geschichte und Voraussetzungen

In den 1960er-Jahren vollzog sich nicht nur in Europa ein militärischer Wandel.

Ursprünge und Entwicklung der Kampfschwimmer

Bereits bei der Gründung der Bundesmarine 1956 lagen Pläne für Kampfschwimmer-Einheiten vor. Die ersten Schulungen begannen jedoch erst im Januar 1959 mit der Hilfe Frankreichs, das im Indochinakrieg die Rolle des Kampfschwimmers ("Nageur de Combat") zum Einzelkämpfer ausgebaut hat.

Der erste deutsche Kampfschwimmer-Zug (zehn Soldaten, drei Unteroffiziere) wurde im August 1959 dem Seebataillon in Wilhelmshaven-Sengwarden mit Standorten in Eckernförde und Borkum unterstellt.

Laut Fregattenkapitän Sebastian Schuldt, der seit September 2022 das Kommando Spezialkräfte der Marine führt, war dies eine logische Standortwahl: "Zu der Zeit des Kalten Krieges lag die Bedrohung in der Ostsee quasi vor den Molenköpfen des Marinestützpunkts", der damals zudem einziger deutscher Tiefseehafen in der Ostsee war (inzwischen zählt auch Rostock dazu).

Die Hallenausbildung der Kampfschwimmer wird in List auf Sylt, die Freiwasserausbildung in Eckernförde und Kappeln-Olpenitz durchgeführt.

Lesen Sie auch: Das Einzelkämpfer Abzeichen der Wehrmacht

Das Konzept der deutschen Kampfschwimmer ist längst nicht mehr rein an einen Wasserauftrag gebunden. Vielmehr werden wie bei den Navy SEALs Wasser und auch die Luft dazu genutzt, sich unbemerkt anzunähern, um anschließend Kampfaufträge an Land durchzuführen.

Der Kampfschwimmer wird zu einer "Triphibie" und ist bis heute der Soldat mit dem breitesten Ausbildungsspektrum innerhalb der Kampfeinheiten der Bundeswehr. Das taktische Tauchen - vor allem in Zusammenarbeit mit einem U-Boot - ist sein Alleinstellungsmerkmal, zudem ist der Kampfschwimmer aber auch Fallschirmspringer, Speedbootpilot, Sprengstoffexperte, Einzelkämpfer und vieles mehr.

Die Rolle der Kampfschwimmer im Kontext der Spezialkräfte

Bereits Anfang der 1970er-Jahre haben die Kampfschwimmer die Grundbefähigung für die spätere Zuordnung zu den Spezialkräften - sie sind die älteste und erfahrenste Eliteeinheit der Bundeswehr.

Der Auftrag für die Soldaten ist breit gefächert. So gehören die militärische Aufklärung gegnerischer Häfen und Küstenanlagen, der Schutz von Schiffen oder Evakuierungs-, Rettungs- und Bergungseinsätze ebenso dazu wie im Zivilbereich Terrorismusbekämpfung oder Geiselbefreiungen zum Beispiel bei von Piraten gekaperten Handelsschiffen.

Seit 2014 sind die Kampfschwimmer Kern des Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM).

Lesen Sie auch: Einzelkämpfer Stufe 2 in der Bundeswehr

Einsätze deutscher Kampfschwimmer sind wegen der Geheimhaltung kaum öffentlich geworden. In den 1970er-Jahren nehmen die "Froschmänner" vermehrt an NATO-Übungen teil.

Kampfschwimmer sind auch beim ersten "Out-of-area-"Einsatz der Bundeswehr dabei, als Teil der "Operation Wüstensturm" während des Golfkrieges im Irak (1990-1991).

Ausbildung und Voraussetzungen

Die dreijährige Ausbildung zum Kampfschwimmer ist neben der zum Piloten eine der längsten, teuersten und körperlich forderndsten Ausbildungen der Bundeswehr. Die Soldaten lernen, mit ständiger Kälte, Nässe und auch Dunkelheit umzugehen.

Entsprechend hart - und für Außenstehende möglicherweise unmenschlich wirkend - ist die Ausbildung. So dient die Zeit der Hallenausbildung dazu, die angehenden Kampfschwimmer an ihre Grenzen zu führen und ist daher nicht als Ausbildung zu verstehen, sondern eher als ein weiteres Auswahlverfahren.

Nach der Hallenausbildung geht es ins Freiwasser zur Einsatzausbildung: Das Tauchen und das Langstreckenschwimmen werden geübt.

Lesen Sie auch: Änderungen beim Einzelkämpferabzeichen

Früher konnte nur Kampfschwimmer werden, wer bereits bei der Bundeswehr war. Mittlerweile können sich auch Zivilisten bewerben, die dann direkt nach der Grundausbildung in die Kampfschwimmer-Ausbildung beginnen. 50 Prozent der Kandidaten sind einem Marine-Video von 2021 zufolge Zivilisten.

Aber nicht jeder ist geeignet, Kampfschwimmer zu werden. So scheiterten jahrelang viele Bewerber bereits am sogenannten Sauerstofftoleranztest - bei dem festgestellt wird, ob ein Mensch unter Druck (in der Druckkammer) 100 Prozent Sauerstoff verträgt.

Die Durchfall-Quote bei der Ausbildung ist dennoch hoch. Laut Fregattenkapitän Schuldt schließen von etwa 100 Bewerbern durchschnittlich sechs die Ausbildung erfolgreich ab.

Wer sich für die Ausbildung bewirbt, muss nach Marine-Angaben mindestens 17 Jahre alt sein, die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und darf nicht vorbestraft sein. Weitere körperliche Grundvoraussetzungen werden in einem eintägigen Check in Kiel/Kronshagen überprüft. Dazu kommen diverse sportliche Fähigkeiten, deren Mindestanforderungen deutlich überboten werden sollten - ein späteres Scheitern ist ansonsten programmiert. Eine Altersgrenze nach oben gibt es für fertig ausgebildete Kampfschwimmer nicht.

Das Kommando Spezialkräfte (KSK)

Das Kommando Spezialkräfte (KSKKommando Spezialkräfte) ist der Spezialkräfteverband des Deutschen Heeres und der Division Schnelle Kräfte (DSKDivision Schnelle Kräfte) unterstellt. Mit seinen in der Bundeswehr einzigartigen Fähigkeiten trägt das KSKKommando Spezialkräfte entscheidend zur Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland sowie ihrer Bürgerinnen und Bürger bei.

Der Auftrag des KSKKommando Spezialkräfte kann im Allgemeinen nicht von konventionellen Einheiten erfüllt werden. Er verlangt eine besondere Ausbildung, Ausrüstung und eine an den Auftrag angepasste Struktur. Die Soldaten sind so ausgebildet, dass sie jederzeit und weltweit in allen Klimazonen eingesetzt und auf unterschiedlichste Art und Weise an den gewünschten Ort gelangen können. Das bedeutet Einsätze im Gebirge, im Dschungel, in der eisigen Arktis oder in der Wüste.

Bei ihren Einsätzen handelt es sich im Wesentlichen um offensive und verdeckte Operationen an vorderster Front und in einem gefährlichen Umfeld, die der Geheimhaltung unterliegen. Operationen des Kommandos Spezialkräfte können auch erfolgen, wenn der Einsatz herkömmlicher Kräfte nicht oder noch nicht angemessen erscheint.

Führung und Organisation

Auf militärstrategischer Ebene führt das Bundesministerium der Verteidigung, Abteilung Strategie und Einsatz, die Spezialkräfte. Im national geführten Einsatz führt die Abteilung Spezialoperationen im Einsatzführungskommando der Bundeswehr bei Potsdam die Einsatzverbände und Soldaten im Auslandseinsatz. Im Einzelfall nimmt das KSKKommando Spezialkräfte Aufgaben eines Leitverbandes wahr. Agieren die Spezialkräfte multinational, werden sie durch einen streitkräftegemeinsamen multinationalen Gefechtsstand taktisch geführt.

Im Grundbetrieb ist das Kommando Spezialkräfte der Division Schnelle Kräfte (DSKDivision Schnelle Kräfte) unterstellt.

Gliederung

Das Kommando gliedert sich in den Stab, in Kommandokräfte sowie in Unterstützungskräfte, zu denen auch das Sanitätseinsatzversorgungszentrum gehört. Darüber hinaus verfügt das Kommando Spezialkräfte über eine eigene Abteilung Weiterentwicklung. Dieser Bereich ist einzigartig im Heer. Hier wird nach den Vorgaben des Kommandeurs KSKKommando Spezialkräfte und General Spezialkräfte Heer die Weiterentwicklung der Waffen und Technik vorangetrieben. Ein dort enthaltenes Rüstungsdezernat verantwortet die Masse der Rüstungsprojekte für die Spezialkräfte des Heeres und setzt ihren Anspruch „einsatzbereit - jederzeit - weltweit“ in materielle Lösungen um. Viele innovative, technisch hochwertige Produkte, die bei den Spezialkräften erfolgreich eingesetzt wurden, werden später auch in anderen Verbänden der Bundeswehr eingeführt.

Fähigkeiten und Ausrüstung

Die Fähigkeiten der Spezialkräfte des Heeres sind vielseitig. Jeder Kommandosoldat verfügt über eine komplexe Ausbildung und eine umfangreiche Ausstattung. Die Kommando- und Unterstützungssoldaten des KSKKommando Spezialkräfte werden speziell für ihren Auftrag ausgewählt und ausgebildet und sind mit ihren Fähigkeiten einzigartig in der Bundeswehr. Die Soldaten des KSKKommando Spezialkräfte sind Fallschirmspringer, Sprengstoffexperten oder Fernmeldespezialisten.

Spezialkräfte variieren ihre eingesetzten Waffen und Gerät je nach Einsatzszenario. Das KSKKommando Spezialkräfte nutzt das Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug Serval. Der Transportpanzer Fuchs ist ein echtes Multitalent auf drei Achsen. Mit dem Motorschlitten Ski-Doo ist die Truppe im Schnee beweglich. Mit MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörpersystem bekämpft die Truppe hauptsächlich gepanzerte Ziele. Mit dem Gewehr G29 bekämpfen Scharfschützen Ziele auf den Punkt. Mit der Pistole P30 bekämpfen Soldaten Ziele auf kurze Entfernung. Das ATF Dingo schützt Soldaten im Einsatz vor Beschuss und Sprengfallen.

Historische Einsätze und Anerkennung

„Die Fähigkeit, im Notfall eigene Staatsbürger im Ausland aus Gefahr für Leib und Leben retten zu können, gehört zur grundlegenden Verantwortung eines jeden Staates.“ Dies stellte 1994 der damalige Bundesminister der Verteidigung Volker Rühe fest und befahl die Aufstellung eines Spezialkräfteverbandes der Bundeswehr. Auslöser damals: die notwendige Evakuierung von sieben Mitarbeitern des Radiosenders Deutsche Welle und vier ihrer Familienangehörigen aus dem damaligen Bürgerkriegsland Ruanda.

Zwischen 1995 und 1996 wurden die ersten Kommandosoldaten in enger Zusammenarbeit mit amerikanischen und britischen Spezialkräften ausgebildet. Auch die Grenzschutzgruppe 9 der heutigen Bundespolizei brachte ihre Erfahrungen in die umfangreiche Ausbildung der Soldaten mit ein.

Am 20. September 1996 wurde das Kommando Spezialkräfte in Dienst gestellt. Neben den Kommandokräften erhielt das KSKKommando Spezialkräfte eigene Führungs-, Sanitäts- und Fernmeldeeinheiten als Unterstützungskräfte, um weltweit schnellstmöglich und autark eingesetzt werden zu können.

Seit 1998 operiert das KSKKommando Spezialkräfte im Ausland. Spezialkräfteeinsätze fanden rund um die ganze Welt, in Afghanistan, Ägypten, auf den Philippinen, in Bosnien und Herzegowina, im Kosovo, in Jordanien, Tunesien und Mali statt.

Öffentliche Anerkennung erfuhr das KSKKommando Spezialkräfte, als es Kommandosoldaten gelang, im ehemaligen Jugoslawien international gesuchte Kriegsverbrecher aufzuspüren und dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu überführen.

Als der Deutsche Bundestag nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 die deutsche Beteiligung an der Operation Enduring Freedom beschloss, zählten Kommandosoldaten des KSKKommando Spezialkräfte zu den deutschen Kräften der ersten Stunde in Afghanistan. Seitdem war das KSKKommando Spezialkräfte bis 2021 durchgängig vom Bundestag mandatiert in Afghanistan im Einsatz und erfüllte seinen Auftrag im Einsatzspektrum der Spezialkräfte.

Am 7. Dezember 2004 verlieh der damalige USUnited States-Präsident George W. Bush dem Kommando Spezialkräfte USUnited States Navy Presidential Unit Citation. Dies ist die höchste Auszeichnung der Vereinigten Staaten von Amerika, die Einheiten für ihre Tapferkeit bekommen können.

Bush betonte den bewiesenen Mut, den Einfallsreichtum und den Kampfgeist des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr. Außerdem wurden 40 verschiedene multinationale Orden an einzelne KSKKommando Spezialkräfte-Soldaten, das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit an drei Soldaten des KSKKommando Spezialkräfte und das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold für besonders herausragende Leistungen unter Gefahr für Leib und Leben an sechs Kommandosoldaten des KSKKommando Spezialkräfte verliehen.