Der japanische Judosport greift seit Jahrhunderten auf ein vielfältiges technisches Repertoire im Angriff und in der Verteidigung zurück.
Grundlagen der Hebeltechniken
Zu den spektakulärsten Techniken im Bodenkampf zählen die verschiedenen Hebeltechniken, die nur in dieser Sportart eingesetzt werden.
Diese können entweder als Einzeltechnik oder auch zusammen mit Halte- oder Würgetechniken in verschiedensten Kampfsituationen wie dem Kampf gegen eine Bankposition oder Bauchlage wie auch aus eigener Rückenlage genutzt werden.
Gerade diese Vielfalt der Einsatz- und Kombinationsmöglichkeiten machen Hebeltechniken interessant für Judoka.
So berichtet einer der Autoren - Katsuhiko Kashiwazaki - davon, dass ihm Hebel stets sehr nützlich waren, um seine körperlichen Nachteile im Randori durch einen auf Hebeltechniken ausgerichteten Bodenkampf zu kompensieren.
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Sein Mitautor, Koji Komuro, wiederum hat sich diesen Techniken insbesondere deshalb verschrieben, um die technische Vielfalt des Judo zu erhalten - und das sowohl aus der Position des Angreifers Tori als auch des Verteidigenden Uke.
Bedeutung des Trainings
Die Erlernung und Festigung der Techniken muss sehr genau erfolgen, um sie einerseits auch variabel und erfolgreich einsetzen zu können, andererseits aber auch keine unnötigen bzw. unkalkulierbaren Verletzungsrisiken zu produzieren.
In ihrem Buch setzen sich die Autoren deshalb sehr intensiv mit dem Training der verschiedenen Hebeltechniken auseinander.
Ihr Augenmerk gilt sowohl den Armgelenks- bzw. Ellenbogengelenkshebeln als auch den Handgelenkshebeln.
Spezifische Hebeltechniken
Zu den vorgestellten Hebeltechniken gehören mit Juji-gatame und Ude-garami zwei sehr häufig in Wettkämpfen zum Einsatz kommende Techniken, aber auch Hebeltechniken in spezifischen Kampfpositionen gehören zum Trainingsprogramm.
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So werden Juji-gatame und Ude-garami wie auch Ashi-gatame und Sankaku-gatame im Kampf gegen eine Bankposition oder Bauchlage verwendet.
Bei eigener Rückenlage haben sich Juji-gatame, Sankaku-gatame, Hiza-gatame, Ude-gatame und Ude-garami als wirkungsvoll erwiesen.
Bei eigener Bankposition wiederum können primär Waki-gatame und Ude-garami für eine erfolgreiche Aktion genutzt werden.
Für diese Kampfsituationen bieten die Autoren eine gelungene Kombination von Text und Bild, mit der in der Vorbereitung und Durchführung des Techniktrainings gut gearbeitet werden kann.
Übergänge und Kombinationen
In gleicher Weise bietet das Buch auch Trainingsbeispiele und Beschreibungen der Bewegungsabläufe, um Übergänge von Halte- zu Hebeltechniken - wie zum Beispiel vom Kuzure-kesa-gatame zum Waki-gatame oder vom Kami-shiho-gatame zum Juji-gatame zu gelangen.
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In gleicher Weise bietet das Trainingsbuch auch Beispiele für Übergänge von Würge- zu Hebeltechniken wie zum Beispiel von Okuri-eri-jime zu Juji-gatame oder von Sankaku-jime zu Sankaku-gatame.
Angriff und Verteidigung
Die beiden abschließenden Kapitel zur Erarbeitung von Hebeltechniken im Angriff thematisieren den Übergang von der Standposition zu Hebeltechniken wie zum Beispiel von Tomoe-nage zu Juji-gatame oder von Uchi-mata zu Juji-gatame und die Möglichkeiten, mit Hebeltechniken eine Verteidigung zu überwinden.
Natürlich kann man auch selbst in eine Situation geraten, in der der Gegner eine Hebeltechnik anwenden will, aus der man sich gerne und effektiv befreien will und muss.
Dazu gibt es (nur) zwei Angebote von den beiden Autoren, was schon deutlich macht, dass das Entkommen aus einem einmal gut angesetzten Hebel zu den sehr schwierigen Bewegungsaufgaben im Judo zählt.
Das Buch "Einführung in die Hebeltechniken des Judo"
"Einführung in die Hebeltechniken des Judo: Anwendung in Kampfsituationen" von Jennifer Romswinkel ist ein umfassendes Werk, das sich mit den grundlegenden Prinzipien und Anwendungen von Hebeltechniken im Judo beschäftigt.
Romswinkel erklärt detailliert die Mechanik und Physik hinter den Hebeltechniken und wie sie effektiv in verschiedenen Kampfsituationen eingesetzt werden können.
Sie geht auf die Bedeutung der richtigen Körperhaltung, Balance und Timing ein, um maximale Wirkung zu erzielen.
Die Autorin legt großen Wert darauf, die theoretischen Konzepte mit praktischen Übungen zu verknüpfen, um den Lernprozess zu unterstützen.
Alle gebrauchten Bücher werden von uns handgeprüft.
Der Bodenkampf erfährt derzeit wieder wachsendes Interesse.
Deshalb legen wir erstmalig in deutscher Sprache ein Buch von zwei der aktuell weltbesten Bodenspezialisten vor.
In diesem Buch widmen sich die Autoren ausschließlich den Kansetsu-waza (Hebeltechniken) des Judo, wie sie in Randori und Wettkampf angewendet werden können.
Nach der Vorstellung der Grundformen werden Anwendungen in typischen Situationen des Bodenkampfes erläutert.
Dieses Buch ist losgelöst von den - in Japan durchaus ganz anderen - Prüfungsordnungen der Judo-Fachverbände.
Trotzdem deckt die Zusammenstellung der Techniken sowohl die allermeisten Anforderungen der Kyu- und Dan-Prüfungsordnung des Deutschen Judo-Bundes (DJB) ab, wie auch die Anforderungen der Rahmentrainingspläne für die angehenden Leistungskader.
Insofern wendet sich dieses Buch sowohl an Breiten- als auch an Leistungssportler sowie an deren Trainer.
Besonders empfehlenswert ist es für alle Nachwuchskämpfer ab etwa 14 Jahren.
Das vorliegende Buch ist ein gemeinsames Werk zweier absoluter Spitzenkönner des Bodenkampfes.
- Katsuhiko Kashiwazaki (8. Dan): Zwischen 1975 und 1981 fünfmal Japanischer Meister, wurde durch die Art, wie er 1981 in Maastricht Weltmeister in der Klasse bis 65 kg wurde, zur Legende; gegenwärtig Professor an der Internationalen Budo-Universität.
- Koji Komuro: Ehemaliger japanischer Nationalkämpfer, zweifacher Weltmeister in der Katame-no-Kata sowie Ü30-Weltmeister im Wettkampf, erfreut sich großer Popularität auch deshalb, weil er erfolgreich Ausflüge in andere Kampfsportarten, wie dem 'Brazilian Jiu-Jitsu' (BJJ), unternommen hat.
Aus dem Japanischen übersetzt von Jennifer Romswinkel (Längere Japan-Aufenthalte und erste Erfahrungen als Übersetzerin während des Masterstudiums 'Regionalwissenschaft Japan' an der Universität Bonn; hat Judo im Beueler-Judo-Club e.V.
