Kampfsport lernen ab 50: Ein umfassender Ratgeber

Viele Menschen trauen sich gerade in der Großstadt bei Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus, weil sie Angst haben, überfallen zu werden. Aus diesem Grund macht Selbstverteidigung für Senioren durchaus Sinn.

Natürlich verfügen Rentner nicht mehr über den selben Grad der Beweglichkeit oder die Kraft, wie junge Menschen, trotzdem gibt es Techniken, mit denen sie sich verteidigen können.

Selbstverteidigung für Senioren

Bei dem Thema Selbstverteidigung für Senioren sollten bereits am Anfang die Klischees eliminiert werden: Es geht nicht darum, einen Rentner zu einem Karate-Genie auszubilden. Gerade im Alter verfügen viele Menschen nicht mehr über die Kraft oder die Beweglichkeit, um dies möglich zu machen.

Wie können sich Senioren verteidigen?

Um einen Angreifer abzuwehren, sind nicht immer Kampftechniken vonnöten. Sie können beispielsweise auch den Regenschirm oder einen Spazierstock zur Selbstverteidigung nutzen. Die Selbstverteidigung für Senioren hat einen Vorteil: Kaum ein Angreifer wird damit rechnen, dass ein Rentner sich zur Wehr setzt.

Auch Selbstverteidigung für Rollstuhlfahrer ist ein wichtiges Thema, bei dem die Nachfrage stetig steigt. Senioren müssen keinen Kampfsport beherrschen, um sich wehren zu können.

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Selbstverteidigungskurse, die für ältere Menschen ausgelegt sind, befassen sich meist mehr mit dem Training von Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Sie lernen, wie Sie gefährliche Situationen schnell erkennen und vermeiden können.

Durch das Betreiben eines Kampfsports können Ängste abgebaut werden. Wer Selbstsicherheit ausstrahlt, hat das Risiko eines Angriffs schon um ein Vielfaches verringert. Es spricht jedoch nichts dagegen, auch im Alter Sport zu treiben und fit zu bleiben.

Kampfsport ab 50: Mehr als nur Selbstverteidigung

Ansonsten wird Kampfsport ab 50 meist eher als Hobby oder Sport ausgeübt und nicht zur Selbstverteidigung. Machen kannst du theoretisch alles was du willst und was dein Körper mitmacht. Klar kann man mit 50 noch mit Muay Thai anfangen. Natürlich ja. Klar kann man mit 50 noch mit Muay Thai anfangen.

Viele Gyms, Schulen, Vereine haben extra Training/Gruppen für ältere Leute. Ü50-Gruppen, etc. Niemand wird von dir Dinge verlangen die junge Athleten machen, die auf Turnieren Titel und Siege erreichen sollen. Und du kannst auch Kampfarten mit hohen Tritten erlernen, niemand erwartet das du senkrecht geführte Sidekicks ausführen kannst.

Such dir verschiedene Stile und Schulen/Gyms und mach erstmal Probetrainings. Lass dir erklären was die da eigentlich trainieren, was den Stil/die Stile ausmacht die da trainiert werden. Lass dir Zeit und wäge ab bevor du einen Vertrag unterschreibst.

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Einen Kampfsport sollte man längerfristig und mit wahrer Hingabe trainieren und lernen. Kampfsport richtig ausgeübt ist etwas fürs ganze Leben, auch im Alter.

Die körperliche Verfassung

Gravierender als das biologische Alter ist die körperliche Verfassung. Wer gravierende Gelenkprobleme, Bandscheibenvorfälle, starkes Übergewicht etc. hat, sollte in keinem Alter mit Kampfsport beginnen, sondern lieber ein auf seine Situation zugeschnittenes, individuelles Trainingsprogramm absolvieren. Hier empfiehlt sich in erster Linie eine Mischung aus moderatem Ausdauertraining und Krafttraining.

Für alle anderen ist Kampfsport sicher eine gute Alternative, da Kampfsport alle Komponenten der körperlichen Fitness anspricht:

  • Kraft
  • Schnellkraft
  • Ausdauer
  • Beweglichkeit/Mobilität
  • Koordinative Fähigkeiten

Darüber hinaus weisen neueste Erkenntnisse in der Gehirnforschung darauf hin, dass koordinativ anspruchsvolle Bewegungen eine gute Vorsorge gegen Demenz darstellen. Dies gilt wohl umso mehr, wenn darüber hinaus noch die Interaktion mit einem Partner hinzukommt.

Dazu kommt, dass Kampfsport in der Regel innerhalb fester Gruppen betrieben wird und daher noch eine zusätzliche soziale Komponente hat.

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Geeignete Kampfsportarten für Best Ager

Auch wer sein Leben lang Sport gemacht hat und noch relativ fit ist, wird feststellen müssen, dass mit zunehmendem Alter einiges anders wird: Man wird langsamer, die Regeneration braucht etwas länger und an der einen oder anderen Stelle „zwickt“ es heute doch etwas mehr als früher.

Daher sollten Sportarten, die stark auf Schnelligkeit und Explosivität basieren sowie ein wettkampforientiertes Training beinhalten, eher ausscheiden. Stattdessen sollten Sportarten und/oder Trainingsgruppen gewählt werden, die zum einen von den erforderlichen Bewegungsmustern geeignet sind und zum anderen aufgrund der Ausrichtung der Gruppe (Breitensport) es dem Sportler erlauben, der eigenen Fitness und dem eigenen Kenntnisstand entsprechend, mitzutrainieren.

Im Folgenden werden einige populäre Kampfsportarten kurz vorgestellt, wobei Sportarten wie Fechten oder Kendo, für die eine (kostspielige) Spezialausrüstung erforderlich ist, nicht berücksichtigt werden.

Aikido

Aikido ist eine japanische Kampfkunst aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Kampfsportart Aikido ist defensiv: Hauptziel ist, die Bewegunsgenergie, die in einem Angriff steckt, abzuleiten und es dem Gegner oder der Gegnerin zu erschweren, den Angriff fortzuführen. Dazu gibt es spezielle Wurf- und Haltetechniken. Auf einen Gegenangriff wird verzichtet. Die Grundidee beim Aikido ist nicht, die angreifende Person zu bezwingen, sondern sie zur Aufgabe zu bewegen. Beim Aikido gibt es weder Alters- oder Gewichtsklassen noch eine Aufteilung nach Geschlechtern. Alle trainieren miteinander.

Boxen

Boxen gilt neben Ringen als die älteste Kampfsportart der Welt: Schon auf über 5000 Jahre alten Höhlenzeichnungen sind Boxer und Ringer abgebildet. Beim modernen Boxen versuchen die Sportler und Sportlerinnen Schläge auf den gegnerischen Kopf oder den Oberkörper zu landen, um Punkte zu erzielen oder einen Kampf durch K. O. zu gewinnen. Schläge auf den Kopf oder andere empfindliche Körperteile sind auch mit angemessener Schutzbekleidung gefährlich. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland das Leichtkontaktboxen. Hier sind harte Schläge verboten, um Verletzungen zu vermeiden. Es gibt keinen K. O.: Über Sieg und Niederlage wird ausschließlich nach Punkten entschieden.

Capoeira

Die afro-brasilianische Kampfkunst Capoeira vereint Kampf, Musik und Tanz. Capoeira entstand im 17. Jahrhundert unter den Sklaven auf den Plantagen Brasiliens als eine Art Kampftanz. Im 20. Jahrhundert kamen Einflüsse anderer Kampfsportarten hinzu. Bei Capoeira kämpft man nicht gegen sein Gegenüber, sondern spielt mit ihm. Zwei Personen inszenieren in fließenden Bewegungen einen Kampf. Es gibt eine Vielzahl von Bewegungen und Bewegungskombinationen, darunter Kopfstöße, Würfe und Fußfeger, wobei Angriffe im letzten Moment gestoppt werden oder der Gegner oder die Gegnerin ausweicht. Den Bewegungsabläufen liegen unterschiedliche erlernbare Regeln zugrunde. Es gibt Capoeira-Meisterschaften, aber nicht alle betrachten Capoeira als Wettkampfsport, da der Wettkampfgedanke nicht zum kulturellen Hintergrund der Capoeira passe.

Jiu Jitsu

Die Kampfsportart Jiu Jitsu geht auf die japanischen Samurai zurück. Die Grundidee ist „Siegen durch Nachgeben“. Deshalb ist die erste Verteidigungsmaßnahme beim Jiu Jitsu schnelles und geschicktes Ausweichen, um dann die Kraft eines Angriffs gegen die angreifende Person selbst zu verwenden. Dazu stehen verschiedene Wurf-, Griff-, Hebel- und Schlagtechniken zur Verfügung. Je nach Art des gegnerischen Angriffs gehören zur Selbstverteidigung beim Jiu Jitsu auch Tritte und Würgen. Es gibt verschiedene Schulen des Jiu Jitsu, in denen jeweils unterschiedliche Techniken bevorzugt werden.

Judo

Der Jiu-Jitsu-Lehrer Jigoro Kano entwickelte Judo (deutsch: der „sanfte Weg“) Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Jiu Jitsu. Kano setzte den Schwerpunkt beim Judo auf Griffe, Hebel und Würfe - gefährliche Kampftechniken wie Schläge und Tritte strich er zugunsten von Fallübungen aus dem Training. Bei einem Judo-Wettkampf ist das Ziel, den Gegner oder die Gegnerin zu Boden zu bringen und dort für eine bestimmte Zeit festzuhalten. Außerdem gibt es Punkte für eingesetzte Wurf- und Grifftechniken.

Karate

Um 500 nach Christus erschufen chinesische Mönche aus gymnastischen Übungen eine waffenlose Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich diese Kampftradition in Japan unter dem Namen Karate als Sport mit eigenem Regelwerk. Beim Karate erlernt man Stoß-, Schlag- und Tritttechniken. Schläge und Tritte müssen aber im Training und im Wettkampf abgestoppt werden, bevor sie den Gegner oder die Gegnerin berühren. Das erfordert eine gute Körperbeherrschung, die bei dieser Kampfsportart systematisch trainiert wird.

Kickboxen

Kickboxen nahm als „Sport-Karate“ seinen Anfang in den USA der 1970er Jahre. Die Kampfsportart verbindet Schlagtechniken des klassischen Boxens mit Tritttechniken aus Karate und Taekwondo. Es gibt verschiedene Wettkampfarten des Kickboxens. Die Hauptvarianten sind Leicht-, Semi- und Vollkontakt. Die ersten beiden werden wie Karate auf der Matte ausgeübt. Es geht um die Anzahl der gelandeten Treffer und darum, wie sauber die Kämpfenden die Schlag- und Kicktechniken ausführen. Beim Vollkontakt-Kickboxen im Boxring ist ein Sieg auch über K. O. möglich.

Krav Maga

Krav Maga ist hebräisch und bedeutet auf Deutsch „Kontaktkampf“. Der Selbstverteidigungsstil wurde für israelische Sicherheitskräfte entwickelt. Nach eigenem Selbstverständnis ist Krav Maga kein Sport, sondern ein Selbstverteidigungssystem. Deshalb gibt es auch keine sportlichen Wettkämpfe. Krav Maga beruht vor allem auf den intuitiven menschlichen Reaktionsmustern und Reflexen. Es geht weniger um Spezialtechniken wie in der asiatischen Kampfkunst, sondern um einfache und dennoch effektive Methoden, um sich gegen Angriffe zu wehren.

Ringen

Seit 708 vor Christus ist Ringen eine Disziplin der antiken olympischen Spiele und ist bis heute olympisch. Schon in der Antike waren beim Ringen Schläge und Tritte verboten. Heute geht es bei der Kampfsportart darum, den Gegner oder die Gegnerin mit beiden Schultern auf die Matte zu bringen oder Punkte zu sammeln. Es gibt zwei Ringstile: griechisch-römisch und Freistil. Beim griechisch-römischen Ringen dürfen nur die Arme und der Oberkörper eingesetzt und festgehalten werden. Beim Freistil setzen die Sportler und Sportlerinnen auch ihre Beine ein und dürfen ihr Gegenüber auch unterhalb der Taille festhalten. Punkte gibt es für Techniken wie Würfe, Schleuder- und Hebelgriffe.

Taekwondo

Taekwondo ist eine koreanische Kampfsportart und bedeutet auf Deutsch „Fuß, Faust, Disziplin“. Taekwondo stammt aus der Zeit um 50 vor Christus und ist seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts der populärste Kampfsport in Korea. Es ähnelt vordergründig chinesischen oder japanischen Selbstverteidigungsstilen, ist aber eine selbständige Kampfsportart, die seit dem Jahr 2000 olympische Disziplin ist. Besondere Merkmale von Taekwondo sind die ausgeprägten Fußtechniken, Tritte, Drehungen und Sprünge. Der Gebrauch der Hände ist erlaubt, sie werden aber nicht so oft eingesetzt wie etwa beim Karate.

Wing Chun (Wing Chun Kung-Fu, Wingtsun)

Wing Chun ist ein spezieller Kung-Fu-Stil. Kung-Fu ist der Oberbegriff für unterschiedliche chinesische Kampfkünste. Ähnlich wie bei Aikido kommt es auch beim Wing Chun darauf an, die Kraft des gegnerischen Angriffs durch Schritttechniken und geschickte Wendungen abzuleiten.

Kampfsport und Gesundheit

Menschen verfolgen mit Kampfsport in der Regel zwei Ziele: Sie möchten ihre Fähigkeit zur Selbstverteidigung steigern und ihre körperliche Fitness verbessern. Tatsächlich trainieren die meisten Kampfsportarten körperliche Fähigkeiten wie Beweglichkeit, Gleichgewicht, Koordination und Kondition.

Studien haben positive Effekte von regelmäßigem Kampfsporttraining auf die körperliche Fitness nachgewiesen. Außerdem scheinen die Bewegungsabläufe bei asiatischen Kampfkünsten die Knochengesundheit besonders gut zu fördern . Studien haben zum Beispiel eine verbesserte Knochendichte bei jungen Menschen nachgewiesen, die Judo, Karate und Taekwondo ausüben. Als Gesundheitssport für Menschen über 60 Jahre sind vor allem „weiche“ Kampfsportarten gut geeignet.

Kampfsport kann sich zudem günstig auf die psychische Gesundheit auswirken. Die Rituale für Achtsamkeit, die Teil traditioneller asiatischer Kampfkünste sind, fördern die Selbstachtung und die Wertschätzung des Gegenübers. Eine neuere Studie liefert Hinweise darauf, dass Menschen, die japanische Kampfkünste über einen längeren Zeitraum regelmäßig ausüben, zufriedener und weniger anfällig für psychische Erkrankungen sind als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Außerdem lassen sich mit Kampfsportarten Aggressionen zielgerichtet abbauen. Und schließlich verleiht Kampfsport Sicherheit. Das Wissen, sich bei Gefahr angemessen verteidigen zu können fördert die Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein.

Welcher Kampfsport für Sie der richtige ist, hängt von Ihren persönlichen Vorlieben, körperlichen Voraussetzungen und Zielen ab. Wichtig ist, dass Sie sich wohlfühlen und Spaß an der Bewegung haben. Probieren Sie verschiedene Stile aus und finden Sie den Kampfsport, der zu Ihnen passt.

Kampfsportart Geeignet für Besondere Merkmale
Aikido Defensive Selbstverteidigung Abwehr von Angriffen, keine Gegenangriffe
Boxen Kraft und Ausdauer Schlagtechniken, Leichtkontaktboxen für Anfänger
Judo Kraft, Koordination Griffe, Hebel, Würfe
Karate Körperbeherrschung Stoß-, Schlag- und Tritttechniken
Taekwondo Bein-Techniken Tritte, Drehungen und Sprünge
Wing Chun Abwehr von Angriffen Ausweichen, Ableiten von Kraft

Fazit: Es ist nie zu spät, mit Kampfsport anzufangen. Achten Sie auf Ihre körperlichen Voraussetzungen, wählen Sie eine geeignete Sportart und finden Sie eine Trainingsgruppe, in der Sie sich wohlfühlen. Kampfsport kann Ihnen helfen, fit zu bleiben, Selbstvertrauen aufzubauen und sich im Notfall zu verteidigen.