Der Kampfsport Judo, dessen Wurzeln bis ins achte Jahrhundert zurückreichen und übersetzt „sanfter Weg“ bedeutet, hat sich von einer Übung zur Persönlichkeitsentwicklung zu einer weltweit verbreiteten Wettkampfsportart entwickelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Judo einen Aufschwung, der 1964 mit der olympischen Premiere der Männer in Japan einen Höhepunkt fand. Deutschlands Judoka haben international immer wieder für Erfolge gesorgt.
Olympische Triumphe deutscher Judoka
Bisher gab es drei Olympiasiege für Deutschland:
- Frank Wieneke: 1984 in Los Angeles (Halbmittelgewicht)
- Ole Bischof: 2008 in Peking (Halbmittelgewicht)
- Yvonne Bönisch: 2004 in Athen (Frauen)
Das unbestrittene Gesicht der Sportart ist der Franzose Teddy Riner, der 2012 und 2016 Olympiagold gewann und elfmal Weltmeister wurde. Zwischen 2010 und 2020 blieb er in 154 Kämpfen unbesiegt.
Der Kampf auf der Tatami
Gekämpft wird auf mittelharten Matten, genannt Tatami. Es gibt eine Vielzahl von Wertungen, mit denen Punkte errungen werden können. Ziel ist es, den Gegner durch Anwendung verschiedener Techniken kontrolliert in die Rückenlage zu bringen.
Paul Barth: Eine Judo-Legende
Paul Barth, geboren 1945 in München-Laim, kam als Jugendlicher über seine Schwester zum Judo. Mit dem TSV München-Großhadern gewann er zwei Mal die deutsche Judo-Mannschaftsmeisterschaft. International errang er 1968 eine Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in Lausanne. Höhepunkt seiner Karriere war Olympisches Bronze im Halbschwergewicht 1972 in München. 1973 wurde er Deutscher Judomeister und holte mit der Mannschaft Platz 3 bei der EM in Madrid.
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Kindheit und Karriere
- Geboren 1945 in München-Laim
- Bankkaufmann bei der Stadtsparkasse München
- Einstieg in den Judoverein TSV München Großhadern durch Selbstverteidigungskurs der Schwester
- Gefördert durch den Nationaltrainer Nagatani und Gerd Egger
Barths Verständnis von Judo war zunächst als Körperertüchtigung geprägt. Begeistert wurde er durch den deutschen Nationaltrainer Takehide Nakatani im Judoverein TSV München Großhadern. Er nahm an einem Judo-Lehrgang mit dem Nationaltrainer Han Ho-san im schweizerischen Mürren teil und erreichte überraschend den dritten Platz bei seiner ersten Europameisterschaft 1968.
Miriam Butkereit: Olympia-Silber 2024
Dr. Miriam Butkereit landete den größten Erfolg ihrer Karriere. Die Judoka erreichte bei den Olympischen Spielen das Finale in der Klasse bis 70 Kilogramm und unterlag dort der Weltranglisten-Ersten Barbara Matic aus Kroatien durch einen Waza-Ari, eine kleine Wertung. Die Silbermedaille sei "surreal", sagte sie nach ihrem überraschenden Vorstoß ins olympische Finale.
Der Weg zum Finale
Auf dem Weg in den Endkampf hatte alles gepasst: Nach dem Freilos in Runde eins bezwang die Bundespolizistin, die in der Olympia-Vorbereitung noch von einem Innenbandriss und einer Gehirnerschütterung ausgebremst wurde, jeweils per Ippon erst die Australierin Aoife Coughlan und dann Gabriella Willems aus Belgien. Im Halbfinale hatte Butkereit gegen Michaela Polleres die größeren Kraftreserven, die Österreicherin wurde wegen Inaktivität disqualifiziert. Bronze ging an die Belgierin Gabriella Willems.
Für den Deutschen Judo-Bund (DJB) erwies sich das Mittelgewicht damit erneut als Medaillenbank, seit Olympia 2004 bejubelt der DJB nun schon die vierte Medaille in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm.
Medaillen im Mittelgewicht (bis 70 kg)
- 2004 Athen: Annett Böhm (Bronze)
- 2012 London: Kerstin Thiele (Silber)
- 2016 Rio: Laura Vargas-Koch (Bronze)
Weitere Erfolge deutscher Judoka
Auch andere deutsche Judoka haben bemerkenswerte Erfolge erzielt. Hier ist eine Übersicht:
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Andreas Tölzer
- Olympische Spiele 2012 in London/Großbritannien: 3. Platz
- Weltmeisterschaften 2013 in Rio de Janeiro/Brasilien: 3. Platz +100kg
- Weltmeisterschaften 2011 in Paris/Frankreich: 2. Platz
- Europameisterschaften 2006 in Tampere/Finnland: 1. Platz
Weitere Medaillen und Erfolge
- U23 Europameisterschaften 2019 in Izhesk/Rußland: Samira Bouizgarne (1. Platz)
- U18 Europameisterschaft 2016 in Vantaa/Finnland: Samira Bouizgarne (3. Platz)
- U23 Europameisterschaften 2013 in Samokov/Bulgarien: Julia Tillmanns (2. Platz)
- U17 Europameisterschaften 2006 in Miskol/Ungarn: Marc Odenthal (2. Platz)
Eduard Trippel: Silber in Tokio 2020
Judoka Eduard Trippel gewann die Silber-Medaille in der Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm im Finale gegen den Georgier Lascha Bekauri. Für Trippel ist die Silber-Medaille in Tokio der bisher größte Erfolg seiner Judo-Karriere.
Steckbrief:
- Geboren am: 26.03.1997
- Größe: 1,87m
- Beruf: Polizeikommissar
- Graduierung: 3. Dan
Igor Wandtke: Dreifacher Olympia-Teilnehmer
Igor Wandtke hat sich nun bereits für seine dritten Olympischen Spiele qualifiziert. Die Grundlage dafür legte er 2023 mit Silber beim Grand Slam in Tel Aviv. Bei den Weltmeisterschaften im Mai in Abu Dhabi erreichte er den fünften Platz.
Steckbrief:
- Geboren am: 03.11.1990
- Größe: 1,76 m
- Beruf: Sportsoldat, Master-Student Management
- Graduierung: 4. Dan
Mixed-Team gewinnt Bronze in Tokio 2020
Das Mixed-Team hat dem Deutschen Judo-Bund (DJB) bei den Olympischen Spielen in Tokio die dritte Medaille beschert. Im ersten Mannschaftswettkampf der Olympia-Geschichte erkämpfte die Auswahl um Bronzemedaillengewinnerin Anna-Maria Wagner mit einem 4:2 gegen die Niederlande erneut Bronze.
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Ergebnisse des Mixed-Teams
- Viertelfinale: 2:4 gegen Japan
- Hoffnungsrunde: 4:2 gegen die Mongolei
- Bronzefinale: 4:2 gegen die Niederlande
Die deutschen Judoka haben im Laufe der Jahre zahlreiche Erfolge bei den Olympischen Spielen gefeiert. Diese Athleten haben nicht nur Medaillen gewonnen, sondern auch die Werte und Prinzipien des Judo verkörpert.
