Hamburg - Er wollte mit einem gewaltigen Feuerwerk ins neue Jahr starten. Doch für den 20-Jährigen endete die Silvesternacht in Hamburg tödlich. Jetzt wurde bekannt: Der junge Mann, der von einer Kugelbombe zerrissen wurde, war Corre A. - ein großes Karate-Talent.
Trauer um ein Karate-Talent
Corre A. war Mitglied der deutschen Karate-Nationalmannschaft. Der DKV trauert um Corre Ahnsehl, der bei einem tragischen Unfall in der Silvesternacht ums Leben gekommen war. Ahnsehl, der in den vergangenen Jahren zu den Besten seiner Zunft im DKV-Nachwuchs-Bereich gehörte, wurde 20 Jahre alt.
"Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden der Trauer bei seinen Eltern, Verwandten, Bekannten und Freunden", zeigte sich DKV-Präsident Wolfgang Weigert zutiefst erschüttert über den viel zu frühen Tod Ahnsehls. "Corre hatte das Leben noch vor sich. Dass er nicht mehr unter uns ist, schmerzt uns - insbesondere diejenigen, die ihn über viele Jahre im Nachwuchs-Bereich begleitet hatten."
Trainer trauert um seinen Schützling
Für Angehörige, Freunde und den TSV Reinbek (Schleswig-Holstein) begann das Jahr 2025 mit einem Trauerfall, wie zuerst das „Hamburger Abendblatt“ und die „Morgenpost“ berichteten. Karate-Chef-Landestrainer Timo Stieger-Fleischer (43) sagt zu BILD über Corre A.: „Das ist für uns unbegreifbar. Ich habe ihn lange trainiert. Er war eines der größten Karate-Talente, die wir hatten. Mit acht Jahren fing er an. Corre sei tödlich verunglückt. Der Vater bat mich, alle zu informieren.“
Der tragische Unfall
Der 20-Jährige lebte bei seinen Eltern in Hamburg. Dort ging er mit einem Freund an Silvester auf ein Feld und zündete das Feuerwerk. „Er hat es im Internet bestellt. Es kam aus Holland. Das war nach derzeitigem Ermittlungsstand eine Fehlzündung“, erklärt Stieger-Fleischer.
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Der Unglücksort: ein Kohlrabifeld östlich des Oortkatenweges im Hamburger Stadtteil Ochsenwerder. Zum Jahreswechsel war Corre A. dort gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Kumpel Kalle unterwegs, um Feuerwerk zu zünden. Zunächst verwendeten sie wohl handelsübliche Raketen. Irgendwann soll Corre A. seinem Begleiter dann aber gesagt haben, er habe noch etwas ganz Besonderes dabei: eine selbst gebaute Kugelbombe.
Ein Freund warnte Corre noch vor selbstgebauten BombeDem Freund war die Sache nicht geheuer. Bevor er das Feld verließ und auf Abstand ging, soll er Corre A. noch eindringlich davor gewarnt haben, die Bombe zu zünden. Hätte Corre A. nur auf seinen Freund gehört.
Im selben Moment, in dem Corre A. die Lunte in Brand setzte, kam es auch schon zur Detonation. Da er dabei direkt in die Abfeuervorrichtung schaute - ein Abflussrohr aus Plastik - erlitt Corre A. erhebliche Gesichts- und Kopfverletzungen. Rettungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr Hohendeich versuchten, den jungen Mann zu reanimieren - doch es war schon zu spät. Corre A. starb noch vor Ort.
Auf diesem Feld starb der junge Mann durch eine KugelbombeFoto: Jan Henrik Dobers
Der junge Sportler hätte sich vorher über Kugelbomben informiert: Man schieße sie aus einem Rohr ab, und in 100 bis 300 Meter in der Luft explodierten sie dann. Doch die Kugelbombe, die Corre A. entzündete, „scheint direkt detoniert zu sein“, sagt Stieger-Fleischer. „Die Jungs dachten, wenn sie sich an den Plan halten, dann kann man das kontrollieren. Sie haben nicht damit gerechnet, dass es fehlerhaftes Material gibt.“ Die Polizei spricht von „nicht zugelassener Pyrotechnik“.
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Der Freund versuchte noch, Corre wiederzubeleben. Doch als Feuerwehr und Notärztin wenig später eintrafen, konnten sie nichts mehr für den jungen Mann tun. Die Notärztin soll nach Informationen des „Abendblatt“ vor Ort davon gesprochen haben, noch nie so schwere Verletzungen gesehen zu haben.
Sportliche Erfolge von Corre A.
Corre A. als Karate-Kämpfer bei einem WettkampfFoto: privat
2021 hatte Corre Ahnsehl, der beim TSV Reinbek seine sportliche Heimat gefunden hatte, seinen größten Erfolg auf nationaler Ebene gefeiert: In Coburg war er deutscher U18-Meister in der Gewichtsklasse -55 geworden. Noch im selben Jahr war er Teil des Teams gewesen, das bei den Europameisterschaften im finnischen Tampere an den Start gegangen war. Darüber hinaus gewann er 2019 (U16 / -45 Kilogramm) und 2023 (U21 / -60 Kilogramm) bei den nationalen Titelkämpfen die Silbermedaille. Im vergangenen Jahr war er, bei seinem ersten Start in der Leistungsklasse, auf Rang sieben bei den "-67ern" notiert worden.
Sein langjähriger Trainer beim TSV Reinbek, Timo Stieger-Fleischer, hatte gegenüber dem Hamburger Abendblatt gesagt, dass Corre schon mit sieben oder acht Jahren technisch und taktisch so gut gewesen sei wie ein 15-Jähriger. Corre war viele Wochen für den Karatesport unterwegs. Erst hatte er ein Turnier in Österreich (Austrian Junior Open), welches er gewinnen konnte, anschließend kämpfte er in Kroatien in der Youth League, zwischendurch gab es immer wieder Trainingslager vom Bundeskader. Dann hatte er sich endlich für die Europameisterschaft qualifiziert und ein neuer Sponsor wurde gefunden: SBJ/Adidas nahm unseren Sportler unter Vertrag. Leider machte eine Verletzung Corre zu schaffen, so dass er nicht top-fit zur EM in Finnland anreisen konnte. Dennoch kann er stolz sein, auch wenn nach dem ersten Kampf leider keine weitere Chance bestand, um die Medaillen zu kämpfen. Ein paar Wochen später, nachdem er wieder gesund war, zeigte er in Budapest /Ungarn mit dem 5. Platz der Konkurrenz, dass er zur europäischen Spitze gehört. Auch der internationale Banzai Cup in Berlin konnte gewonnen werden.
In Karate war er ein Ausnahmetalent, gewann bei Deutschen Meisterschaften mehrfach Gold und Silber: Nun ist Corre A. tot. Der junge Hamburger (20) baute seine eigene Silvesterbombe. Und starb an deren Wucht.
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Wer war Corre A.?
In einem Interview mit dem "SHZ" aus dem Jahr 2021 erzählte Vater Michael, sein Sohn sei ein kränkliches Kind gewesen, habe nach der Geburt zwischen Leben und Tod geschwebt und auch noch als Erwachsener unter ADHS gelitten, einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung.
Corre A. kam zu Karate, um Energie abzubauen„Der Kleine biss sich durch, war ein richtiges Energiebündel“, erzählte Vater Michael. Gezielt habe er deshalb für seinen Sohn eine Sportart gesucht, bei der er überschüssige Energie abbauen konnte. So kam der Junge zu Karate - und war schnell erfolgreich.
Corre A. liebte den NervenkitzelCorre A. galt als „Reinbeks Karate-Kid“, denn obwohl er am Ochsenwerder Elbdeich zuhause war, trainierte er bei der Turn- und Sportvereinigung TSV Reinbek östlich von Hamburg. In den vergangenen Jahren siegte Corre A. bei etlichen internationalen Topturnieren, zeichnete sich auf höchster Ebene aus. Vor vier Jahren wurde er Deutscher Junioren-Meister im KarateNach fünf deutschen Vize-Meisterschaften gelang ihm 2021 mit dem Gewinn der deutschen Junioren-Meisterschaft der große Wurf. Im selben Jahr gab Corre A. in Finnland sein Debüt bei einer Europameisterschaft und zählte fortan zur nationalen Elite. Sein Coach Timo Stieger-Fleischer nannte ihn einmal ein „Ausnahmetalent“.
Corre sagte mal: „Es ist ähnlich wie beim Karate, ich mag das Adrenalin“Die Schattenseite: Corre A. hatte offenbar die Neigung, bis an die Grenzen des Machbaren zu gehen, suchte den Nervenkitzel. Vor einem Jahr fing er beispielsweise mit dem Motorradfahren an und sagte darüber in einem Zeitungsinterview: „Es ist ähnlich wie beim Karate, ich mag das Adrenalin, bin fokussiert und fühle mich sehr lebendig.“
Trauerfeier für Karate-Kämpfer
Corre hatte gerade seine Schule abgeschlossen und plante eine Lehre als Sport- und Fitnesskaufmann.
Familie, Freunde und sein Sportverein planen jetzt eine große Trauerfeier für das Karate-Talent. „Damit alle sich von ihm verabschieden können“, so Stieger-Fleischer.
| Jahr | Wettbewerb | Ergebnis |
|---|---|---|
| 2021 | Deutsche U18-Meisterschaft | Gold (-55 kg) |
| 2019 | Nationale Titelkämpfe | Silber (U16 / -45 kg) |
| 2023 | Nationale Titelkämpfe | Silber (U21 / -60 kg) |
