Der DKV trauert um Corre Ahnsehl, der bei einem tragischen Unfall in der Silvesternacht ums Leben gekommen war.
Für Angehörige, Freunde und den TSV Reinbek (Schleswig-Holstein) begann das Jahr 2025 mit einem Trauerfall, wie zuerst das „Hamburger Abendblatt“ und die „Morgenpost“ berichteten.
In Karate war er ein Ausnahmetalent, gewann bei Deutschen Meisterschaften mehrfach Gold und Silber: Nun ist Corre A. tot.
Der junge Hamburger (20) baute seine eigene Silvesterbombe. Und starb an deren Wucht.
Der Unglücksort: ein Kohlrabifeld östlich des Oortkatenweges im Hamburger Stadtteil Ochsenwerder. Zum Jahreswechsel war Corre A. dort gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Kumpel Kalle unterwegs, um Feuerwerk zu zünden.
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Zunächst verwendeten sie wohl handelsübliche Raketen. Irgendwann soll Corre A. seinem Begleiter dann aber gesagt haben, er habe noch etwas ganz Besonderes dabei: eine selbst gebaute Kugelbombe.
Die Tragödie der Silvesternacht
Etliche Schwerverletzte, schwere Schäden und fünf Böller-Tote gab es in Deutschland unter anderem durch sogenannte Kugelbomben in der Silvesternacht. Nun ist die Identität eines der Opfer bekannt geworden: der 20-jährige Karate-Kämpfer Corre A.
Er wollte mit einem gewaltigen Feuerwerk ins neue Jahr starten. Doch für den 20-Jährigen endete die Silvesternacht in Hamburg tödlich. Jetzt wurde bekannt: Der junge Mann, der von einer Kugelbombe zerrissen wurde, war Corre A. - ein großes Karate-Talent.
Ein Freund warnte Corre noch vor selbstgebauten Bombe. Dem Freund war die Sache nicht geheuer. Bevor er das Feld verließ und auf Abstand ging, soll er Corre A. noch eindringlich davor gewarnt haben, die Bombe zu zünden. Hätte Corre A. nur auf seinen Freund gehört.
Im selben Moment, in dem Corre A. die Lunte in Brand setzte, kam es auch schon zur Detonation. Da er dabei direkt in die Abfeuervorrichtung schaute - ein Abflussrohr aus Plastik - erlitt Corre A. erhebliche Gesichts- und Kopfverletzungen.
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Rettungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr Hohendeich versuchten, den jungen Mann zu reanimieren - doch es war schon zu spät. Corre A. starb noch vor Ort.
Die Notärztin soll nach Informationen des „Abendblatt“ vor Ort davon gesprochen haben, noch nie so schwere Verletzungen gesehen zu haben.
Karate-Chef-Landestrainer Timo Stieger-Fleischer sagte nun der „Bild“: „Das ist für uns unbegreifbar. Ich habe ihn lange trainiert. Er war eines der größten Karate-Talente, die wir hatten. Mit acht Jahren fing er an. Corre sei tödlich verunglückt. Der Vater bat mich, alle zu informieren“.
Der 20-Jährige lebte bei seinen Eltern in Hamburg. Dort ging er mit einem Freund an Silvester auf ein Feld und zündete das Feuerwerk.
„Er hat es im Internet bestellt. Es kam aus Holland. Das war nach derzeitigem Ermittlungsstand eine Fehlzündung“, erklärte Stieger-Fleischer.
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So schwere Verletzungen noch nie gesehen, sagt die Notärztin. Der junge Sportler hätte sich vorher über Kugelbomben informiert. Man schieße sie aus einem Rohr ab, und in 100 bis 300 Meter in der Luft Würden sie dann explodieren. Doch die Kugelbombe, die Corre A. entzündete, „scheint direkt detoniert zu sein“, sagte Stieger-Fleischer: „Die Jungs dachten, wenn sie sich an den Plan halten, dann kann man das kontrollieren. Sie haben nicht damit gerechnet, dass es fehlerhaftes Material gibt.“
Die Polizei spricht von „nicht zugelassener Pyrotechnik“.
Der Freund versuchte noch, Corre wiederzubeleben. Doch als Feuerwehr und Notärztin wenig später eintrafen, konnten sie nichts mehr für den jungen Mann tun.
Wer war Corre A.?
Ahnsehl, der in den vergangenen Jahren zu den Besten seiner Zunft im DKV-Nachwuchs-Bereich gehörte, wurde 20 Jahre alt.
In einem Interview mit dem "SHZ" aus dem Jahr 2021 erzählte Vater Michael, sein Sohn sei ein kränkliches Kind gewesen, habe nach der Geburt zwischen Leben und Tod geschwebt und auch noch als Erwachsener unter ADHS gelitten, einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung.
Corre A. kam zu Karate, um Energie abzubauen. „Der Kleine biss sich durch, war ein richtiges Energiebündel“, erzählte Vater Michael. Gezielt habe er deshalb für seinen Sohn eine Sportart gesucht, bei der er überschüssige Energie abbauen konnte. So kam der Junge zu Karate - und war schnell erfolgreich.
Corre A. liebte den Nervenkitzel. Corre A. galt als „Reinbeks Karate-Kid“, denn obwohl er am Ochsenwerder Elbdeich zuhause war, trainierte er bei der Turn- und Sportvereinigung TSV Reinbek östlich von Hamburg.
In den vergangenen Jahren siegte Corre A. bei etlichen internationalen Topturnieren, zeichnete sich auf höchster Ebene aus.
Sein Coach Timo Stieger-Fleischer nannte ihn einmal ein „Ausnahmetalent“.
Corre sagte mal: „Es ist ähnlich wie beim Karate, ich mag das Adrenalin“. Die Schattenseite: Corre A. hatte offenbar die Neigung, bis an die Grenzen des Machbaren zu gehen, suchte den Nervenkitzel.
Vor einem Jahr fing er beispielsweise mit dem Motorradfahren an und sagte darüber in einem Zeitungsinterview: „Es ist ähnlich wie beim Karate, ich mag das Adrenalin, bin fokussiert und fühle mich sehr lebendig.“
Sportliche Erfolge
2021 hatte Corre Ahnsehl, der beim TSV Reinbek seine sportliche Heimat gefunden hatte, seinen größten Erfolg auf nationaler Ebene gefeiert: In Coburg war er deutscher U18-Meister in der Gewichtsklasse -55 geworden.
Noch im selben Jahr war er Teil des Teams gewesen, das bei den Europameisterschaften im finnischen Tampere an den Start gegangen war. Darüber hinaus gewann er 2019 (U16 / -45 Kilogramm) und 2023 (U21 / -60 Kilogramm) bei den nationalen Titelkämpfen die Silbermedaille.
Im vergangenen Jahr war er, bei seinem ersten Start in der Leistungsklasse, auf Rang sieben bei den "-67ern" notiert worden.
Vor vier Jahren wurde er Deutscher Junioren-Meister im Karate. Nach fünf deutschen Vize-Meisterschaften gelang ihm 2021 mit dem Gewinn der deutschen Junioren-Meisterschaft der große Wurf.
Im selben Jahr gab Corre A. in Finnland sein Debüt bei einer Europameisterschaft und zählte fortan zur nationalen Elite.
Sein langjähriger Trainer beim TSV Reinbek, Timo Stieger-Fleischer, hatte gegenüber dem Hamburger Abendblatt gesagt, dass Corre schon mit sieben oder acht Jahren technisch und taktisch so gut gewesen sei wie ein 15-Jähriger.
So lange musste er auf diesen Tag warten, so viele bittere Niederlagen in Deutschen Meisterschafts-Finalkämpfen musste er mental überstehen. Insgesamt wurde Corre dreimal Vize-Deutscher Meister und einmal Dritter in den letzten Jahren. Fast alle anderen großen Turniere konnte er bereits gewinnen, doch nie war das Glück bei einer Deutschen Meisterschaft am Ende auf seiner Seite. Aufgeben kam für Corre aber nie in Frage.
Und nun war es endlich so weit, alles passte und das Glück war da in Ludwigsburg. Am Ende einer globalen Pandemie, die jedem von uns, auch besonders dem Leistungssport stark zugesetzt hat, war Corre fit, mental stark und das Glück war auf seiner Seite.
Wie alle erhofft hatten, qualifizierte sich Corre für das Finale und dieses Mal konnte er dieses Finale endlich gewinnen. Mit 6:0 war sein Gegner chancenlos, gegen unsere Bundeskadersportler und Europameisterschaftsteilnehmer. DEUTSCHER MEISTER DER JUNIOREN -55KG! Herzlichen Glückwunsch, Champion zu diesem tollen Titel!
Reaktionen auf den Tod
„Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden der Trauer bei seinen Eltern, Verwandten, Bekannten und Freunden", zeigte sich DKV-Präsident Wolfgang Weigert zutiefst erschüttert über den viel zu frühen Tod Ahnsehls.
"Corre hatte das Leben noch vor sich. Dass er nicht mehr unter uns ist, schmerzt uns - insbesondere diejenigen, die ihn über viele Jahre im Nachwuchs-Bereich begleitet hatten."
Corre hatte gerade seine Schule abgeschlossen und plante eine Lehre als Sport- und Fitnesskaufmann. Familie, Freunde und sein Sportverein planen jetzt eine große Trauerfeier für das Karate-Talent.
Tabelle: Corre A.s Erfolge im Überblick
| Jahr | Wettbewerb | Platzierung |
|---|---|---|
| 2019 | Deutsche Meisterschaft (U16 / -45 kg) | Silber |
| 2021 | Deutsche U18-Meisterschaft (-55 kg) | Gold |
| 2023 | Deutsche Meisterschaft (U21 / -60 kg) | Silber |
| Im vergangenen Jahr | Leistungsklasse (-67 kg) | Rang 7 |
