Anna-Maria Gradante: Eine deutsche Judo-Kämpferin und Hebamme

Anna-Maria Gradante, geboren am 26. Dezember 1976 in Remscheid, ist eine bekannte deutsche Judoka. Bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 gewann sie die einzige Bronzemedaille für das deutsche Judo-Team. Heute arbeitet Anna-Maria Gradante als Hebamme.

Frühe Jahre und Judo-Anfänge

Aufgewachsen ist sie in Wermelskirchen als Tochter eines sizilianischen Vaters und einer deutschen Mutter. Mit drei Jahren kam sie eher zufällig mit dem Judosport durch ihren Bruder Corrado Gradante in Berührung. Zunächst war sie Mitglied beim Remscheider TV, seit 2008 startet sie für Bayer 04 Leverkusen.

Schon mit drei Jahren begann Anna-Maria Gradante unter Anleitung von Dirk Mähler beim BSC Remscheid mit dem Judo. Ihr Bruder Corrado sollte sich dort ertüchtigen, also schickte ihre Mutter Ruth sie gleich mit. Zunächst sei das für sie aber "mehr so eine Art Krabbelstunde" gewesen. "Ich musste mich schon früh gegen Jungen durchsetzen", erzählte sie mit 16 Jahren dem Remscheider Generalanzeiger (1994).

Sportliche Karriere

Eine Ausbildung machte sie bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Ihr jetziger Trainer ist Paul Klenner.

Anna-Maria Gradante, die leichtgewichtige Judokämpferin aus dem rheinischen Remscheid, gilt als ein bisschen schludrig und manchmal unentschlossen. Dass ein wahrer Vulkan in dem kleinen, unscheinbaren Persönchen wohnen soll, erschließt sich dem Betrachter erst, wenn sie auf der Matte zur Sache geht. Dem Remscheider Generalanzeiger (RGA) hat sie einmal verraten, dass sie "besonders dickköpfig" sei (17.1.1996). Ihre Mutter sagt, das Temperament habe sie von ihrem Vater Giuseppe, einem gebürtigen Sizilianer; von dem habe sie "wohl durchaus was abgekriegt".

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Ihre Unzuverlässigkeit hätte sie beinahe die Olympiateilnahme 2000 und damit Bronze gekostet, weil sie vorher nicht die Vereinbarung mit Bundestrainer Norbert Littkopf einhielt, rechtzeitig das Gewichtslimit von 48 Kilo zu bringen. Sydney - Eigentlich wollte sie der Deutsche Judo-Bund gar nicht nominieren, weil sie 50 Gramm zu schwer war. Das NOK entschied zum Glück anders. Denn ausgerechnet Anna-Maria Gradante, 23, gewann Bronze und damit die erste Medaille für Deutschland!

Mit einer Ellenbogenverletzung aus dem verlorenen 48-kg-Halbfinale gegen Ljubow Bruletowa (Russland) ging die Remscheider Diätassistentin im Kampf um Platz 3 auf die Matte. Und besiegte die verdutzte Chinesin Shinxin Zhang mit einem Blitzangriff durch Hüftwurf nach 16 Sekunden. „Davon habe ich immer geträumt. Es ist einfach phantastisch“, jubelte Anna-Maria, „ich habe die einzige Bronze-Chance genutzt, und die hieß Schnellangriff.

Wichtige Erfolge

  • Olympiadritte 2000
  • WM-Dritte 1999
  • EM-Zweite 1997

Neuanfang als Hebamme

Seit Januar 2009 arbeitet sie als Hebamme im Gummersbacher Kreiskrankenhaus. Nachdem sie ihre Profisportlerkarriere aufgebeben hatte, fand sie im Hebammendasein eine neue Berufung. 2006 fing sie die Hebammen-Ausbildung an. Damit begann auch die Abnabelung vom Judo. Zunächst arbeitete sie in Wuppertal, später in Gummersbach und St. Augustin. Stellenweise war sie auch selbstständig. Als Hebamme arbeitet sie in ihrer Wahlheimat Köln.

„Wie viele Kinder ich inzwischen auf die Welt gebracht habe, weiß ich nicht. Aber es macht immer noch Spaß“, sagt die sympathische Geburtshelferin. Jede Geburt sei spannend und anders, da jede Frau eine individuelle Begleitung brauche. Und es gibt noch einige andere Parallelen: „Die Fingernägel bleiben kurz, die Haare zusammengebunden und man ist in stickigen Räumen mit vielen Leuten gleichzeitig“, zieht sie lachend den Vergleich.

Privatleben und Verbindung zum Judo

Heute allerdings spielt der Sport im Leben der 43-Jährigen nur noch eine untergeordnete Rolle. Zwar schaut sie sich auch ab und an Wettkämpfe von EM, WM oder Olympia im Fernsehen oder im Internet an - zusammen mit ihrem Lebensgefährten Siggi Pranke, ebenfalls ehemaliger Judoka, und der gemeinsamen Tochter Jasmin (6). Lebensmittelpunkt ist neben ihrer Familie jetzt vor allem ihr Beruf.

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Sportlich fit hält sie sich mit Laufen und Klettern. Vor allem aber ihre Tochter hält sie auf Trab. Die Begeisterung für Judo nehme bei ihr schon zu. Das ein oder andere Mal sei Gradante mit ihr zur Probe auf der Matte gewesen. Noch sei sie aber zu jung für ein dauerhaftes Training. Zu dem Sport drängen wolle sie Jasmin auf keinen Fall. „Hauptsache sie hat Spaß bei dem, was sie macht“, sagt Gradante. Über die Vergangenheit frage ihre Tochter aber viel und schaue sich auch gerne die Bilder von damals an, ergänzt die Mutter.

Ab und zu ist die ehemalige Bergische zu Besuch in der Heimat - etwa um die Familie zu besuchen. Ihr Bruder Corrado Gradante, durch den sie überhaupt erst mit drei Jahren zum Judo kam, ist nach wie vor beim Remscheider TV aktiv, in dem sich auch Anna-Maria Gradante als Judoka verdient machte. Zu Veranstaltungen des RTV, etwa zu Karneval oder im Advent, komme sie immer gerne wieder.

Einen Lagerkoller hatte die ehemalige Judoka während des Shutdowns übrigens nicht: Die Situation sei ähnlich den Trainingslagern von früher gewesen, merkt sie lachend an. Davon profitiert sie nun - ob im Privatleben oder im Kreißsaal bei der kurzen Begleitung von Paaren auf dem Weg zu neuem Leben. Sie ist übrigens froh, so eine außergewöhnliche Situation wie aktuell nicht in ihrer aktiven Zeit miterlebt haben zu müssen.

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