Der Weg zum Karate-Meister: Eine Reise der Disziplin und Hingabe

Der schwarze Gürtel ist das fast schon mythische Symbol des Karate-Meisters. Aber wie kann man ihn erreichen? Die einfache Antwort lautet natürlich: Üben, üben, üben. Hier erfährst du, was genau "Üben" bedeutet und wie du die Ausdauer aufbringst, um es zu schaffen.

Die Bedeutung von Übung und Wiederholung

In jedem Training wiederholen wir die gleichen Techniken, üben die Abwehrbewegungen auf verschiedenen Stufen, die Angriffe, mal alleine, mal mit Partner, mal in der Kata. Immer wieder, bis sie uns in Fleisch und Blut übergehen.

Ein wahres Sprichwort, das natürlich auch für die Kampfkunst gilt. Wer möchte ihn nicht - den schwarzen Gürtel? Es ist beeindruckend, was manche Kampfkunst-Meister immer wieder vollbringen.

Gerade jetzt, in den Zeiten des Corona-Virus, trennt sich dabei die Spreu vom Weizen. Denn die einen trainieren nur, wenn sie ins Dojo gehen. Das ist jetzt nicht möglich, somit ist der äußere Antrieb weg und man sagt sich vielleicht noch "eigentlich sollte ich ja" aber dann weiß man nicht, wo anfangen und überhaupt, da müsste noch etwas geputzt werden und sowieso ist die Couch gerade sehr bequem. Die anderen trainieren weiter, unabhängig davon, dass der äußere Anlass wegfällt.

Schon die Art, was "üben" eigentlich ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch: Manche üben, manche spielen nur. Dieser Sinnspruch stammt aus der Musik.

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Der Unterschied zwischen Üben und Spielen

Zwei Musiker arbeiten jeden Tag je eine Stunde mit ihrem Instrument. Die eine - nennen wir sie Antonia - wird immer besser, macht Fortschritte, schafft schwierigste Passagen. Der andere - nennen wir ihn Bertram - tritt auf der Stelle, obwohl er die gleiche Zeit investiert. Warum? Für Bertram ist die Sache klar: Antonia hat einfach mehr Talent, eine natürliche Gabe. Aber der Unterschied ist: Bertram spielt. Er nimmt sein Instrument, spielt Lieder und Übungen die er beherrscht, bei den kniffligen Stellen huddelt er etwas, das geht schon. Antonia hingegen übt.

Sie spielt Übungen, die nicht schön klingen, aber die Finger richtig trainieren. Sie lernt Stücke und wiederholt die schwierigen Stellen so oft, bis sie sie besser beherrscht als die leichten. Wenn du Karate-Meister werden willst, dann sei eine Antonia: Übe, und spiele nicht. Es geht nicht darum, möglichst schnell drei Meister-Katas ungefähr laufen zu können und dafür dann einen schwarzen Gürtel zu bekommen. Es geht darum, die Techniken wirklich zu beherrschen.

Im Zweifel die Grundschule des Weißgurtes noch einmal - zum zehntausendsten Mal - zu wiederholen, damit sie stimmt. Nicht huddelig, weil man es halt machen muss, sondern konzentriert, um die letzten Fehler auszumerzen, die letzten Prozente herauszukitzeln. Bruce Lee wird das folgende Zitat in den Mund gelegt: Ich fürchte nicht den Mann, der 10.000 Kicks einmal geübt hat, aber ich fürchte mich vor dem, der einen Kick 10.000 mal geübt hat.

Die richtige Geisteshaltung

Ich muss trainieren, wirklich üben. Seltsamerweise macht das einigen Menschen Schwierigkeiten, während es anderen leicht von der Hand geht. Dazu gibt es einen interessanten TED Talk, der aus der Perspektive des Fitness-Trainings diese Unterschiede analysiert: Danach geht es um die Wahrnehmung. Worauf fokussiere ich meinen Blick, während ich trainiere? Habe ich eine hohe Motivation, eine "das will ich schaffen"-Mentalität? Achte ich auf das Ziel, das ich erreichen möchte? Oder lasse ich meinen Blick schweifen und beobachte die Landschaft?

Tatsächlich beeinflusst diese Form der Wahrnehmung, wie schwierig bzw. anstrengend eine Übung scheint. Wer beim Laufen hoch motiviert auf das Ziel achtet, hält die Distanz für kürzer und fühlt sich nach dem Lauf weniger erschöpft als jemand, der geringe Motivation hat und den Blick schweifen lässt.

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Tatsächlich hat die Studie den wortwörtlichen Blick getestet, d. h. die eine Hälfte der Teilnehmer wurde angehalten, nur auf die Zielfahne zu achten, während die andere die Umgebung mit betrachten sollte. Der Unterschied in der gefühlten Anstrengung, die für die gleiche Aufgabe nötig war, war signifikant. Wenn du also richtig üben willst, um ein Karate-Meister zu werden willst, auch bei den schwierigen Stellen durchhalten und auch dann weitermachen willst, wenn es gerade unpassend ist. Dann benötigst du die richtige Geisteshaltung:

Nur wenn du ein klares Ziel vor Augen hast, bist du motiviert genug, um so zu üben, dass du ein wirklicher Meister wirst. Das Ziel ist nicht eine externe Belohnung, die du dir für den Erfolg erlaubst. Keine Duplos zwischen den Seiten im Buch für die Uni, und immer wenn man die Seite durchgearbeitet hat, darf man das entsprechende Duplo essen. Das ist nur kurzfristig. Es geht darum, das Wissen des Buches wirklich im eigenen Kopf haben zu wollen. Das Wissen selbst ist aber nicht der Selbstzweck, es kann nicht als Ziel dienen.

Es gibt einen Grund, warum ich das Buch verstehen will: Es ist der Traumberuf, für den ich studiere. Ich will in diesem Beruf aufgehen, ich will eine Koryphäe sein, ich will, dass ich meine Arbeit richtig gut mache. Dafür brauche ich das Wissen. Das ist mein Ziel: dieser Traumberuf. Wenn wir uns dieses Bild vor Augen halten - den Karate-Meister, der wir einmal sein wollen, unser zukünftiges Ich, das den schwarzen Gürtel gar nicht tragen muss, weil es selbst weiß: Ich kann das! und somit keine externen Zeichen dafür benötigt - wenn dieses Bild in unserem Kopf ist, dann fallen die Übungen plötzlich leicht.

Dann macht es Spaß, die Techniken zu wiederholen, die schwierigen Stellen einzuschleifen, auf die kleinen Details zu achten. Denn all dies ist nicht mehr so anstrengend, weil es einem Zweck dient: Ich gestalte mein zukünftiges Ich.

Inspiration durch Vorbilder

Niemals werde ich so gut werden wie Rauscher Hanshi oder Kehl Renshi. Aber diese Vorbilder täglich zu erleben hat mir das Bild gegeben, was ich erreichen möchte. Es hat meinen Blick fokussiert auf diese Vorbilder, auf dieses Ziel. Noch heute scheint mir daher manche Übung leichter, die für andere eine Plage ist.

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Habe ein Ziel, ziehe daraus die Motivation zu üben - und der beschwerliche Weg zum Karate-Meister wird leichter - und er wird dir viel Freude bringen.

Ein Motivations-Kick

Düsseldorf · Thomas Stückel ist 23 Jahre alt, IT-Experte bei der Itergo in Düsseldorf und war als Karatekämpfer bereits deutscher Hochschulmeister. Thomas Stückel hat den schwarzen Gürtel 1.Dan. Sein Ziel ist es, weiter in der deutschen Karate-Spitze mitzukämpfen. Er sieht aus wie der nette Junge von nebenan, der keiner Fliege, was zuleide tun würde. Doch wenn irgendjemand Thomas Stückel quer käme, ist der nur 1,68 Meter große Mann ganz groß.

Der gebürtige Siegburger kann nicht nur Karate, er ist ein Meister mit schwarzem Gürtel in der Kampfsportart. 2014 war er deutscher Hochschulmeister, die vergangenen beiden Jahre langte es zum Vize. Steht er nicht auf der Matte, sitzt er meist im Büro vor dem Laptop. Stückel ist Wirtschaftsinformatiker, der sich als IT-Experte bei der Itergo in Düsseldorf in die Tiefen von Algorithmen und Datenstrukturen vertieft.

Früh war der heute 23-Jährige im Visier der Wirtschaft. Als Student nach Mettmann gekommen, studierte er an der Fachhochschule der Wirtschaft. Als fertiger Wirtschaftsinformatiker war er wie alle seines Fachs heiß begehrt bei den Unternehmen. "Da ich im dualen Studium bereits bei der Itergo gearbeitet hatte, nahm ich deren gutes Jobangebot an", sagt Stückel. Der 23-Jährige studierte an der FHDW in Mettmann und arbeitet jetzt bei der Itergo in Düsseldorf.

Schon seit dem 10. Schuljahr und dann auf dem Wirtschaftsgymnasium interessierten ihn die Zusammenhänge von Wirtschaft und Informatik. Viel früher lockte ihn aber der Kampfsport. Als Neunjähriger ging er mal zum Judo-Probetraining. Bruce Lee, Karate-Kid und Jackie Chan: Stückel faszinierte eher Karate und so begann er beim SC Taisho in Siegburg das Kampfsporttraining.

Schnell erkämpft er sich die Gürtel bis zum heute schwarzen mit dem 1. Dan. Er hat eine eiserne Disziplin - im Hochschulstudium ebenso wie in den Vorbereitungszeiten vor wichtigen Wettkämpfen, denn es ging immer weiter sportlich bergauf. Als Stückel 2014 deutscher Hochschulmeister im Karate wurde, freute er sich auf die internationalen Wettkämpfe. Das klappte leider (noch) nicht: Ein Handbruch verhinderte den Start bei den Europameisterschaften.

Mittlerweile kein Student mehr und im Volljob, hat er von seinen Karatefähigkeiten nichts eingebüßt. Klappt der IT-Fachmann den Laptop zu, fährt er mindestens vier Mal die Woche zum Training nach Duisburg mit dem Bundestrainer. Stückel gehört jetzt zur deutschen Karate-Spitze. In der Minus-60-Kilo-Klasse schaffte er jüngst den dritten Platz bei den deutschen Meisterschaften. "Das Training ist hart, macht aber auch den Kopf frei." Probleme, die 60-Kilo-Marke beim Körpergewicht zu halten, hat er nicht. "Ich muss meist futtern, um nicht abzunehmen", erzählt er.