Nach elf Jahren beim Marktführer World Wrestling Entertainment (WWE) hat Cesaro, bürgerlich Claudio Castagnoli, das Unternehmen verlassen. Sein Vertrag war ausgelaufen und beide Parteien konnten sich nicht auf eine Verlängerung einigen. Dieser Schritt wirft viele Fragen auf: Was waren die Gründe für Cesaros Abschied und wie könnte seine Zukunft im Wrestling aussehen?
Gründe für den Abschied
Laut Berichten des Wrestling Observers war Cesaro mit dem Angebot der WWE unzufrieden. Dave Meltzer gab ein Update, dass Cesaro eigentlich nicht mit dem Gedanken in die Verhandlungen gegangen sei, die WWE zu verlassen. Ein wichtiger Grund spielte hierbei auch die finanzielle Situation. Meltzer ist sich sicher, dass Cesaro nicht die gleichen Konditionen angeboten bekommen habe, wie Kevin Owens oder Sami Zayn bei ihrer Vertragsverlängerung.
Zwar war Cesaro für diverse bevorstehende Shows eingeplant, doch Langzeitpläne gab es für den Eidgenossen anscheinend nicht. Man hatte auch nicht vor, etwas daran zu ändern, falls kein neuer Vertrag in trockenen Tüchern landen sollte, was letztlich auch nicht geschehen ist.
Es heißt, dass WWE und Cesaro in Vertragsverhandlungen standen, sich allerdings nicht auf einen neuen Deal einigen konnten. Man wollte dem Schweizer anscheinend eine Verlängerung zu den bereits bestehenden Konditionen anbieten, dies lehnte Cesaro jedoch ab.
Die Tatsache, dass er die letzten sieben Matches seiner Karriere verloren hatte, ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass sich bereits abgezeichnet haben soll, dass Cesaro nicht erneut unterschreiben würde.
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Ein kleiner Nebenton schwingt bei dieser Aussage mit: Cesaro: „Ich kenne einige Wrestler wie z.B. Big E, die mir sagten, dass sie es mögen, mich gewinnen zu sehen. Ich schätze diese Rückendeckung sehr.“
WWE-Karriere im Rückblick
Für Cesaro endet damit eine 11-jährige Arbeit für den Marktführer. Er begann bei der Developmental-Liga FCW (Florida Championship Wrestling), ehe es ihn ein Jahr später ins Main Roster verschlagen hatte. Insgesamt kann Cesaro auf acht Titel bei WWE zurückblicken, darunter:
- Ein Run als United States Champion
- Fünf Regentschaften als WWE Raw Tag Team Champion (viermal mit Sheamus, einmal mit Tyson Kidd)
- Zwei Runs mit der WWE SmackDown Tag Team Championship, jeweils einmal an der Seite von Sheamus und Shinsuke Nakamura
- Sieg in der André the Giant Memorial Battle Royal im Jahr 2014
Für den aktuell größten deutschsprachigen Star von WWE ist das Match nach knapp zehn Jahren beim Marktführer die erste große Titelgelegenheit - wird ihm der späte große Wurf als Lohn für seine jahrelangen Top-Leistungen gegönnt?Einen weiteren möglichen Grund für einen Sieg Cesaros riss er selbst in einem emotionalen Backstage-Interview nach der Show an: Cesaro meinte darin, dass er gern derjenige wäre, der den Titel "in die Welt trägt", wenn WWE "wieder aufmacht", also wieder dauerhaft vor Fans veranstalten und auf Tour gehen kann.
Gerade mit Blick auf eine potenzielle Tournee in Cesaros europäische Heimat wäre ein Titelgewinn des "Swiss Superman", der kürzlich bei WWE verlängert hat, eine strategische Entscheidung, die gewissen Sinn ergeben würde.
Cesaro nutzte die Gelegenheit auch, um Dankesworte an die Fans zu richten, die nicht nach Drehbuch klangen: Der 40-Jährige sagte, dass die WWE-Fans für ihn eine Familie seien, so abgedroschen das klinge. Er habe sich immer auf sie verlassen können, immer seinen Spaß mit ihnen gehabt, wenn er ihn gebraucht hatte - egal, ob sie ihn bejubelt oder ausgebuht oder mit ihrem Beachball-Spiel genervt hätten ("Aber wehe, ihr bringt nochmal einen Beachball mit!").Er versprach seinen Anhängern zum Abschluss, den Titel für sie zu gewinnen: "Ich liebe, was ich tue. Und die Liebe wird immer siegen."
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Mögliche Zukunft
Technisch gesehen bedeutet dies, dass der gebürtige Claudio Castagnoli ohne Non-Compete-Clause auf dem freien Markt sein dürfte, da sein Vertrag schlicht und ergreifend ausgelaufen ist und nicht vorzeitig beendet worden war. Aktuell sind natürlich noch keine Informationen darüber bekannt, wohin es Cesaro verschlagen könnte - wie gewohnt halten wir euch dabei jedoch auf dem Laufenden.
Zunächst sind diese Berichte vor der eigentlichen Entscheidung zu lesen. Denn: AEW oder andere Ligen können dennoch jetzt, da Cesaro nun ein Free-Agent ist, ein Angebot senden. Allerdings zeigen diese Offenbarungen, dass die Verhandlungen nicht am Wrestler gescheitert sind. Das Angebot hat also Cesaro nicht gefallen.
Im vergangenen Jahr hat Claudio Castagnoli - ehemals: Cesaro - WWE nach elf Jahren verlassen und sich eine neue Herausforderung bei Konkurrent AEW gesucht. Der Schweizer - einst auch Ringpartner von Tim Wiese bei dessen WWE-Gastspiel - will nun dabei helfen, dass AEW auch im deutschsprachigen Raum noch stärker Fuß fasst.Auf den Wechsel zum frei empfangbaren Sender DMAX am Sonntag soll nach dem Wunsch des 42 Jahre alten Modellathleten bald der nächste Paukenschlag folgen. Im SPORT1-Interview formuliert der „Swiss Superman“ seine Vision, spricht über die Gründe seines WWE-Abgangs - und räumt mit einer Spekulation rund um seine erste öffentliche Begegnung mit AEW-Boss Tony Khan auf.
Die AEW hat da auch Einflüsse aus anderen Richtungen aufgegriffen, zum Beispiel auch von der kleinen Liga CHIKARA, in der ich und andere Kollegen wie Orange Cassidy früher auch waren. Ich glaube, dass bei AEW für jeden Fan-Geschmack was dabei ist. Ich will nicht zu viele Vergleiche ziehen, aber was mir an AEW in jedem Fall gefällt ist, dass der Fokus noch etwas mehr auf der Action und Arbeit im Ring liegt. Da fühle ich mich pudelwohl, denn im Herzen bin ich doch eher „Pro Wrestler“ als Entertainer.
Für mich ist es gerade eine schöne Herausforderung und Motivation, mich mit den jungen Leuten zu messen und mich zu testen, ob ich trotz meines Alters noch athletisch mithalten kann mit dem, was die jungen Talente machen. Natürlich kommt es auch manchmal zu Reibung, wenn es zwei unterschiedliche Generationen miteinander zu tun bekommen, die einen unterschiedlichen Blick auf das Wrestling haben und worauf es dabei ankommt. Aber ich kann für meinen Teil nur sagen, dass ich gerade auch deswegen unglaublichen Spaß dabei habe.
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Castagnoli: Natürlich - und ich hoffe vor allem auch, dass es auch nach Deutschland geht, denn das muss einfach sein! Ich kann jetzt nichts versprechen, denn ich weiß über Tonys Pläne noch nicht mehr als alle anderen, aber ich presche da jetzt mal vor: Es wäre einfach toll, wenn es dieses Jahr schon so weit wäre! Für mich nicht zuletzt auch deshalb, weil ich wegen der Pandemie und meines Wechsels jetzt bald vier Jahre nicht mehr in Deutschland wrestlen konnte.
Frühere Erfolge
Zuvor war der technisch versierte Allrounder für Promotions wie Ring of Honor in den Ring gestiegen, wo er mit Chris Hero die „Kings of Wrestling“ bildete, aber auch bei CHIKARA, Combat Zone Wrestling und Pro Wrestling NOAH zeigte er sein großes Talent. Von Oktober 2010 bis Juli 2011 war er zudem PWG World Champion. Auch in verschiedenen europäischen Ligen war Castagnoli unterwegs, allen voran natürlich Westside Xtreme Wrestling, wo er sich zweimal zum wXw World Heavyweight Champion krönte.
Abschließend lässt sich sagen, dass Cesaros Abschied von WWE viele Fragen aufwirft und seine zukünftige Karriere mit Spannung erwartet wird. Ob er nun bei AEW, in der Independent-Szene oder anderswo Erfolge feiern wird, bleibt abzuwarten.
