Konny Reimann: Karate, Gewalt und ein Neuanfang

Konny Reimann (68), Deutschlands bekanntester Auswanderer und Fernsehliebling, steht immer auf der Sonnenseite - denkt man, oder? Doch der Eindruck täuscht.

In der neuen Autobiografie von Manuela und Konny Reimann spricht der Kult-Auswanderer offen wie nie zuvor seine schwierige Kindheit an.

Als Kind war Konny Reimann schwerer häuslicher Gewalt ausgesetzt.

In seinem Buch „Einfach machen: Wie unsere Träume Realität wurden und unser Leben zum Abenteuer“, das er gemeinsam mit seiner Frau Manu (55) geschrieben hat, erzählt er von den unfassbaren Schrecken.

Sein Stiefvater war ein gefühlsloser und brutaler Schläger.

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„Als ich vier Jahre alt war, stand ich in unserer Wellblechhütte auf dem Bett und musste mit ansehen, wie er meinen kleinen Bruder, ein Kleinkind, brutal verprügelte.

Er hielt ihn an den Füßen, also kopfüber in der Luft und schlug mit einem Gürtel mit voller Wucht auf ihn ein.

Ja, Leute, das waren schlimme Zeiten“, beschreibt er eine seiner ersten schrecklichen Erinnerungen.

Prügel waren an der Tagesordnung: Trauriger Höhepunkt: „Einmal schlug er mir mit der Faust so heftig ins Gesicht, dass das Blut an die Wand spritzte.“

Die Gewalt wurde Teil des Alltags, Konny und seine Geschwister hätten sich regelmäßig in einer Reihe aufstellen müssen, Uwe habe sie dann mit einem Gürtel geschlagen: "Diese Gewalt fand so oft statt, ich kann mich erinnern, dass die Schläge irgendwann gar nicht mehr wehtaten. Ich ließ das einfach immer wieder über mich ergehen.

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Konny Reimann habe in ständiger Angst gelebt.

Einst habe er sogar die Haustür zugenagelt, um seinen Stiefvater vom Betreten der Wohnung abzuhalten.

Ob Uwe auch Konnys Mutter körperlich angriff, wisse er nicht mehr - allerdings gehe er davon aus.

Im Alter von 17 Jahren konnte Konny endlich flüchten, weil er seine Ausbildung als Schiffsmaschinenbauer begann und ins Werft-Wohnheim zog.

Karate als Rettung

Der Sport hat Konny schließlich gerettet.

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Als Kunstturner entdeckte er seine Liebe zum Karate.

Er wollte sich verteidigen!

Und das gelang ihm.

„Mein Stiefvater drohte mir wieder Schläge an.

Diesmal stand ich ganz ruhig da und sagte zu ihm: ,Wenn du mich jetzt schlägst, schlage ich zurück‘ “, erinnert er sich.

Ein Wendepunkt!

Zeitgleich fing er mit Karate an, um sich in Zukunft wehren zu können.

Karate habe ich mit 17 Jahren angefangen.

Trotzdem wollte ich in der Lage sein mich wehren zu können.

Karate hat mir damals sehr viel Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen gegeben.

Konny hat Wado Ryu unter Heinrich Reimer in Hamburg betrieben.

Anzumerken ist auch noch, dass in Konys Karate-Pass zwar Wado-Ryu steht, aber sein persönlicher Stil nur eingeschränkt mit dem vergleichbar ist, was man heute in Wado-Vereinen so sieht.

Das liegt zu einen natürlich daran, dass das Wado heute sich weiterentwickelt hat ("Früher ham wa das aber anders gemacht") und zum anderen daran, dass Konny in seiner aktiven Zeit (wie die meisten damaligen Schüler von Heinrich) eher aufs Kämpfen geprägt wurde als auf Prüfungskarate.

Konny soll generell sehr ehrgeizig gewesen sein.

Ein neues Leben in Amerika

Manuela, 55, und Konny Reimann, 68, sind seit 20 Jahren verheiratet und wahre Kult-Auswanderer: 2004 sind sie mit ihren Kindern Jason, 33, und Janina, 36, zunächst in den US-amerikanischen Bundesstaat Texas gezogen.

Inzwischen lebt das Paar auf Hawaii, dokumentiert wurde die Lebensreise der Familie von Fernsehkameras.

Sie waren Teil von Sendungen wie "Goodbye Deutschland" und "Die Reimanns".

Nach der Arbeit kommt das Vergnügen!

Mittlerweile alleine auf Konny Island.

Er sieht aus, als hätte er das Glück gepachtet.

Der Auswanderer hat aus seiner schlimmen Vergangenheit gelernt.

Er gibt seinen Kindern das, was er früher nie bekam: Liebe, Anerkennung und die ganze Welt als Spielwiese!

Reimanns Sinn für größenwahnsinnige Projekte begeisterte auch die TV-Zuschauer (mittlerweile sind die Reimanns bei „Goodbye Deutschland!“ gelandet).

So errichtete er eigenhändig einen knallblau gestrichenen Leuchtturm und eine 1000-Quadratmeter-Villa für zahlende Gäste.

Dazu kommen weitere Investitionen, etwa ein Seegrundstück am örtlichen Moss Lake mit Bootssteg und Gästehäusern, fortan liebevoll „Konny Island“ genannt.

Derzeit in Planung, so verrät der Bauherr, ist ein Campingplatz.

Die 600 Meter lange Wasserleitung hat er schon verlegt, natürlich eigenhändig, so wie alles in seinem Reich.

„Da bin ich penibel“, sagt er und rührt in seinem Pott Kaffee.

„Ich baue gleich für die nächsten 20 Jahre.

Die Amerikaner machen das nicht so gründlich.“

Es wäre vielleicht gut, die Sprache zu beherrschen.

Fast am ersten Tag hatte ich einen Job, zwei Tage später hatten wir ein Haus.

So problematisch war das alles nicht.

Aber es ist nun mal eben Amerika und nicht Deutschland.

Hier wird einem das sehr einfach gemacht.

Das kann man mit Deutschland überhaupt nicht vergleichen.