Kampfsportarten wie Ringen, Kickboxen, Judo oder Mixed Martial Arts (MMA) liegen absolut im Trend. Da sie neben Kraft und Ausdauer auch Schnelligkeit und Flexibilität erfordern, sind sie ideal, um die körperliche Fitness zu verbessern. Erfolgt jedoch während der Ausübung kein geeigneter Schutz, bergen sie ein hohes Verletzungsrisiko.
Was ist ein Blumenkohlohr?
Unter einem Blumenkohlohr, oft auch Ringerohr genannt, verstehen Mediziner eine aus einem Bluterguss resultierende Verformung des äußeren Ohres, die blumenkohlartig erscheint. Das Blumenkohlohr ist eine bleibende Verformung der Ohrmuschel. Wird allerdings die Ohrmuschel verletzt, kommt es ohne richtige Behandlung zu einem Blumenkohlohr. Bleibt eine adäquate Behandlung aus, kommt es zu dauerhafter Verformung des Knorpels, was man umgangssprachlich als Blumenkohlohr oder Ringerohr bezeichnet.
Das Außenohr, auch äußeres Ohr bezeichnet, besteht aus Knorpel, der unter anderem für die Formgebung des Ohres zuständig ist und das Ohr flexibel und beweglich hält. Die um den Knorpel liegende Haut ist von Blutgefäßen durchzogen, die den Knorpel mit Nährstoffen versorgen.
Ursachen für ein Blumenkohlohr
Ein Blumenkohlohr entsteht durch wiederholte Verletzungen der Ohrmuschel, z. B. durch Schläge oder Reibung beim Kampfsport. Auslöser ist oftmals eine Verletzung im Rahmen diverser Kampfsportarten. Nicht nur bei klassischen Kampfsportarten, sondern auch beim Fußball oder Rugby kann es zu Verletzungen am äußeren Ohr kommen und letztendlich zu einem Blumenkohlohr. Durch Schläge oder dem Aneinanderreiben der Köpfe, zum Beispiel beim Boxen oder Judo, können Hämatome am Ohr entstehen.
Heftige Schläge auf das Ohr, häufig beim Kampfsport, aber auch bei Mannschaftssportarten wie Fußball oder Handball, führen zu einem Bluterguss auf der Ohrmuschel. Kommt es nun zu einer Krafteinwirkung auf die Ohrmuschel, beispielsweise durch einen festen Schlag oder starkes Reiben, kann es zur Ansammlung von Blut zwischen Knorpel und Haut kommen. Wird die Ohrmuschel bei einer stumpfen Verletzung umgeknickt oder geprellt, platzen diese Blutgefäße auf. Es bildet sich ein Bluterguss (Hämatom) zwischen dem Knorpel und der Knorpelhaut, welcher nicht abfließen kann und Mediziner als Othämatom bezeichnen.
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Auch unsachgemäßes Stechen eines Piercings im Bereich des Knorpels, kann zu einem Othämatom führen.
Wie entsteht ein Blumenkohlohr?
Durch das Anschwellen des Ohrs, verformt sich der Knorpel, was man schließlich als Blumenkohlohr bezeichnet, und die Verbindung zwischen Haut und Knorpel wird unterbrochen. Der Knorpel wird nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt und kann im schlimmsten Fall absterben und schrumpfen. Bleibt dieser Bluterguss unbehandelt, wird der Knorpel nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt - er kann sich verformen oder sogar teilweise absterben. Außerdem wird der Bluterguss zunächst durch weiches Bindegewebe, später durch Knorpelgewebe ersetzt.
Bei ausbleibender oder unzureichender Behandlung kommt es im Zuge einer fehlenden Nährstoffversorgung zum Absterben des Knorpels. Typisch für den elastischen Knorpel der Ohrmuschel ist es, dass er sich nicht regenerieren kann. Das heißt, wenn es wiederholt zu einem Othämatom durch Schläge oder Gewalteinwirkungen kommt, so wird der Bluterguss bindegewebig umgebaut und eine bleibende Entstellung der Ohrmuschel ist die Folge.
Symptome eines Blumenkohlohrs
Das Blumenkohlohr ist durch eine sichtbare, aber oftmals schmerzlose Schwellung gekennzeichnet, die Betroffene oft als kosmetisches Problem empfinden. Auch wenn das Trauma typischerweise schmerzhaft ist, so ist das Othämatom in der Regel schmerzfrei (Bluterguß am Ohr) und stellt sich lediglich als rötliche Schwellung dar.
Neben den kosmetischen Verformungen kann das Blumenkohlohr auch zu einer Hörbeeinträchtigung führen. In schwerwiegenden Fällen, wenn der durch den Bluterguss hervorgerufene Druck auf das Mittel- und Innenohr zu stark ist, kann sich eine Symptomatik in Form von Schwerhörigkeit und Tinnitus bis zum vollständigen Hörverlust zeigen. Folgeschäden in Bezug auf das Gehör können auftreten, wenn der durch den Bluterguss hervorgerufene Druck auf das Mittel- und Innenohr zu stark ist.
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Diagnose eines Blumenkohlohrs
Die Diagnose erfolgt am klinischen Bild (Bluterguß am Ohr). Es imponiert eine enorme Schwellung an der Vorderseite der Ohrmuschel, welche als Vorwölbung gut tastbar und in schweren Fällen auch sichtbar ist. In diesem Fall kommt es vor, dass die natürliche Faltung im Bereich der Ohrmuschel nicht mehr zu sehen ist.
Kommen Menschen mit Verdacht auf ein Blumenkohlohr in die Praxis, befragen Ärztinnen und Ärzte sie zunächst in einem Gespräch (Anamnese), ob es kürzlich einen Unfall oder einen Schlag auf das Ohr gab.
Im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung müssen verschiedene Begleitverletzungen ausgeschlossen werden. Hierfür macht der Arzt zusätzlich eine Hörprüfung mit Hilfe einer Stimmgabel oder ermittelt den vom Patienten noch wahrnehmbaren Frequenzbereich durch Aufzeichnung eines Audiogramms. Bei Verdacht auf eine zusätzliche Felsenbeinfraktur erfolgt außerdem die Aufnahme eines Computertomogramms, durch das mögliche Beschädigungen des Felsenbeins, sowie des Schläfenbeins, des Gehörgangs, des Mittelohrs oder des Kiefergelenks erkannt werden können.
Behandlung eines Blumenkohlohrs
Prinzipiell kann bei jeder Person in Folge einer starken Gewalteinwirkung am Ohr ein Blumenkohlohr entstehen. Ein Bluterguss im Ohr entsteht durch starke Krafteinwirkung, z. B. Schläge oder Quetschungen. Bei einem Bluterguss, auch wenn er noch so klein ist, sollte umgehend der Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden, um langfristig ein Blumenkohlohr zu vermeiden.
Frische Blutergüsse am Ohr können durch Punktion und einen Druckverband behandelt werden. Zunächst wird der Facharzt die Stelle des Blutergusses punktieren, damit das Blut abfließen kann. Im Anschluss daran wird ein Druckverband angelegt, damit der Knorpel sich nicht verformt. Damit sich der Bluterguss nicht ausbreitet, ist es wichtig, ihn sofort zu kühlen und etwa mithilfe eines Kompressionsverbands zusammenzudrücken. Aus kleineren Blutergüssen saugen Ärztinnen und Ärzte mit einer Nadel überschüssiges Blut ab. Dies geschieht unter lokaler Betäubung.
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Die Behandlung des Othämatoms (Bluterguß am Ohr) erfolgt in den meisten Fällen konservativ. Kleine Schwellungen werden mit einem Druckverband behandelt oder punktiert. Dabei wird am höchsten Punkt der Vorwölbung durch eine sterile Punktionsnadel in den Bluterguss gestochen und das Blut bzw. die Flüssigkeit abgezogen. Anschließend wird ein Druckverband angelegt.
Bei einer besonders schweren Verletzung muss das Othämatom mit Hilfe einer Operation gerichtet werden. Bei schwerwiegenden Fällen ist jedoch eine Operation notwendig, die in Form einer Knorpelfensterung erfolgen kann. Ist der Bluterguss größer oder besteht er bereits seit mehr als zwei Tagen, ist häufig ein operativer Eingriff nötig. Dabei entfernt die Ärztin oder der Arzt unter lokaler Betäubung flüssiges und geronnenes Blut. Dadurch kann sich die Knorpelhaut wieder an den Knorpel anlegen und ihn über die Blutgefäße mit frischem Blut versorgen. Unterstützend legt man einen Kompressionsverband an.
Knorpelfensterung
Ist der Knorpel noch nicht abgestorben, folglich hat sich noch kein Blumenkohlohr ausgebildet, besteht die Möglichkeit der Knorpelfensterung, bei der der Chirurg ein kleines Fenster in die Ohrmuschel schneidet. Daraufhin kann das angestaute Blut durch diese kleine Öffnung abfließen. Durch das operative Ausschneiden eines kleinen Fensters (Knorpelfensterung), kann das angestaute Blut des Ergusses abfließen. So wird die Versorgung des Knorpels mit Nährstoffen wieder hergestellt. Anschließend wird auch hier ein modellierender Verband (z.B. aus Ölwatte) angelegt.
Bei Anwendung der Knorpelfensterung kann die Operation unter örtlicher Betäubung ambulant erfolgen. Der Chirurg setzt auf der Ohrmuschelrückseite einen Hautschnitt, sodass über ein angelegtes Knorpelfenster das Blut abfließen kann. Um ein Nachlaufen des Blutes zu verhindern, verschließt der Mediziner die Ohrmuschel beidseitig mit einer sogenannten Matratzennaht und bedeckt das Ohr mit einem straffen Verband. Der Eingriff dauert etwa eine Stunde.
Rekonstruktion des Ohres
Ist der Knorpel jedoch bereits abgestorben, ein Blumenkohlohr ist dementsprechend schon entstanden, muss eine Rekonstruktion des Ohres erfolgen. Wer allerdings schon länger mit einem Blumenkohlohr lebt und sich dieses wieder richten lassen möchte, kann sich mit einer ästhetischen Operation helfen lassen. Dazu entfernt der Chirurg über einen Schnitt den verknöcherten Bluterguss und bringt den Knorpel wieder in seine richtige Form.
Bei wiederkehrenden Othämatomen, welche auch nach operativer Versorgung auftreten können, gibt es die Möglichkeit ein Knorpelstück von der Hinterseite der Ohrmuschel zu entnehmen. Die Wunde wird durch eine Naht verschlossen und kann erneute Verklebungen der Knorpelhaut und damit eine erneute Ansammlung von Flüssigkeit verhindern.
Nach der Behandlung
Nach der Behandlung bekommst Du einen Druckverband am Ohr angelegt, den Du für die ersten Tage nach der Operation tragen solltest. Dieser Druckverband soll dafür sorgen, dass es nicht erneut zu einer Flüssigkeitsansammlung zwischen Knorpel und Knorpelhaut kommen kann. Des Weiteren solltest Du für die ersten zwei Wochen ganztags und für weitere vier Wochen nachts ein Stirnband tragen. Du solltest für vier bis sechs Wochen nach dem Eingriff auf Sport verzichten. Gesellschaftsfähig bist Du nach etwa einer Woche.
Bei der Therapie ist eine prophylaktische Antibiotikumgabe oft angeraten, um eine Komplikation dieser Erkrankung zu verhindern: die Knorpelhautentzündung (Perichondritis). Denn durch eine spätere Einwanderung von Keimen und Bakterien (z.B. Staphylococcus aureus) in die Wunde oder Punktionsstelle, kann eine schwere Entzündung entstehen. Deshalb sollte der behandelnde Arzt auch immer auf ein steriles Arbeitsumfeld achten, um eine Infektion nicht zu provozieren.
Im Fall einer Operation können unter anderem Komplikationen wie Blutung, Entzündung oder Wundheilungsstörungen vorkommen. Allgemeine Operationsrisiken umfassen unter anderem Blutung, Entzündung und Wundheilungsstörungen. Speziell bei einer operativen Korrektur des Ohres können sichtbare Knorpelkanten, eine überschießende Narbenbildung und Nekrosen der Haut auftreten.
Wie kann man einem Blumenkohlohr vorbeugen?
Blumenkohlohren kannst Du vorbeugen, indem Du bei Sportarten wie Boxen, Wrestling, Rugby, Ringen und asiatischen Kampfsportarten auf einen geeigneten Schutz Deiner Ohren achtest. Ein geeigneter Schutz, um Blumenkohlohren zu vermeiden, gibt es einen speziellen Ohrenschutz, der von den meisten Profisportlern und Hobbysportlern getragen wird. Ein einfacher Ohrschutz und Helme mit integriertem Ohrschutz sind nicht unsportlich, sondern beugen Verletzungen und Hörschäden vor. Diese sind zumeist in ihrer Größe verstellbar, sodass Du eine entsprechende Größeneinstellung für Dich wählen kannst.
