Ein Räuber in Rio de Janeiro hatte sich das Wochenende bestimmt anders vorgestellt - zum Beispiel mit einem neuen Handy. Stattdessen gab es Prügel.
Du hattest bestimmt auch schon mal eine schlechte Idee, die du im Nachhinein bereut hast. Ob diese Idee allerdings ganz so mies war, wie die eines Räubers in Rio de Janeiro, wagen wir zu bezweifeln. Dieser versuchte am Samstag, 5. Januar, UFC-Kämpferin Polyana Viana zu bestehlen - und bereute es schnell.
Wie Viana MMAJunkie.com erzählte, wartete die 26-Jährige vor ihrem Zuhause auf ein Taxi, als sich der Mann neben sie setzte. «Er fragte mich nach der Uhrzeit. Ich antwortete ihm, doch er blieb weiter neben mir sitzen. Als ich mein Handy wegstecken wollte, sagte er: ‹Gib mir das Telefon und wehr dich nicht, ich bin bewaffnet.› Im gleichen Moment fasste er an seine Waffe.»
Später sollte sich herausstellen, dass es sich nur um eine Attrappe gehandelt hatte, und da der Mann sehr nah bei ihr sass, hätte er vermutlich auch keine Zeit gehabt, sie zu gebrauchen, so Viana. «Ich stand auf, schlug zweimal zu und verpasste ihm noch einen Kick.» Der Räuber fiel zu Boden und die Kampfsportlerin setzte nach, würgte den Täter, der innert Sekunden zum Opfer geworden war. Dann setzte sie sich wieder hin und meinte: «Jetzt warten wir auf die Polizei.»
UFC-Boss Dana White schrieb zu einem Post auf seiner Instagram-Seite, auf dem Viana und der Pechvogel zu sehen sind: «Auf der linken Seite eine unserer UFC-Kämpferinnen und auf der rechten der Typ, der versucht hat, sie auszurauben. Eine ganz schlechte Idee.»
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Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass jemand versucht hat, die toughe Brasilianerin zu bestehlen. Doch auch zwei Männer auf einem Motorrad in Belém hatten kein Glück.
Slap Fighting: Umstrittene Sportart erobert die USA
Eine gezielte Ohrfeige, der Empfänger wackelt einen Moment lang unsicher auf den Beinen und sackt schliesslich zusammen. Er ist k.o. Die neue US-Slap-Fighting-Show «Power Slap» ist nichts für schwache Nerven. Seit dem 18. Januar wird sie auf dem amerikanischen Sender TBS und auf der Videoplattform Rumble gezeigt.
Es ist ein Sport wie kein anderer: Zwei sogenannte «Slap-Fighter» ohrfeigen sich abwechslungsweise und erhalten dafür Punkte. Die Punkte werden von der Jury nach folgenden Kriterien vergeben: Wie hoch der Schaden, den die Schläge verursachen ist, und wie der Empfänger auf den Schlag reagiert. Also zum Beispiel, wie lange er braucht, um sich vom Schlag zu erholen und weiterzumachen. Doch: Im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten darf sich der Empfänger oder die Empfängerin aber nicht wehren. Das Ziel: ein K. o.
Im osteuropäischen Raum ist Slap-Fighting schon länger populär, nun hat Dana White, der Präsident der Kampfsportorganisation UFC dafür gesorgt, dass der Sport in den USA eine Plattform bekommt. Die Fernsehsendung verzeichnet laut verschiedenen Nachrichtenportalen bisher im Durchschnitt 275'000 Zuschauerinnen und Zuschauer.
Obwohl das Novum auf Interesse stösst, wird bereits viel Kritik laut. So Neurowissenschaftler und ehemaliger WWE-Kämpfer Chris Nowinski. Der Neurowissenschaftler weist auf dessen starr gekrümmte Hand hin und spricht von einer ersten Hirnverletzung. Er schreibt: «Er wird nie wieder derselbe sein.» Das auch, weil der Slap-Fighter einen vorübergehenden Gedächtnisverlust erlitten hatte.
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Während es bei Dana White Kritik hagelt, ist es um einen anderen involvierten Giganten still: Getränkehersteller Monster Energy. Das typische grüne «M» - das Logo des Getränks - ist in der Serie unter anderem auf den Kleidern der Teilnehmenden und auf dem Tisch zwischen ihnen zu sehen. Auch wird das Getränk in Interviews prominent platziert. Denn Monster Energy ist der erste offizielle Partner und Hauptsponsor von Power-Slap.
Dass Monster Energy beim Sport mitmischt, ist nicht neu. Dass das Ganze still geschieht, schon. Nur Slap-Fighting fehlt - noch?
Auch auf den Social-Media-Kanälen von Monster Energy fehlt von der Sportart jede Spur. Zwischen Videos von Surfern und BMX-Fahrern ist keine einzige Ohrfeige zu sehen. Abonniert wurde das offizielle Power-Slap-Profil auf Instagram von Monster Energy auch nicht.
Auf die Zurückhaltung angesprochen, fällt die Antwort von Monster Energy kurz aus: «Zu dieser Zeit müssen wir die Anfrage respektvoll ablehnen.» Weiter steht, dass der Hauptfokus der Marke auf Surfen, Skaten, BMX sowie weiteren Sportarten liegt. Monster Energy soll also lieber mit Surfen statt Power-Slap in Verbindung gebracht werden? Auch die Frage zu den Gründen und, ob Monster Energy sich der gesundheitlichen Risiken der Sportart bewusst sei, bleibt unbeantwortet.
Auskunft gab auch Power-Slap nicht. Doch im Gegensatz zu Monster Energy wird jedoch in einer Mitteilung von einer erfreulichen Partnerschaft gesprochen. Wie genau diese Partnerschaft aussieht, wird nicht offengelegt.
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Energy-Drink-Marken sind dafür bekannt, adrenalingetriebene Stunts und teilweise risikoreiche Sportarten zu unterstützen. So stand auch Konkurrent Red Bull schon wegen tödlichen Unfällen im Zusammenhang mit ihren Stunts in der Kritik. Doch geht Monster Energy mit der Power-Slap-Partnerschaft zu weit?
Wie gefährlich oder ungefährlich die Sportart wirklich ist, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Dem Sport wurde zwar im Oktober von der Nevada Sportkommission grünes Licht gegeben. Doch dass viel Unsicherheit herrscht, zeigen auch die Fragen, welche die Sportkommission laut The Insider an Whites Team stellte: «Werdet ihr sicherstellen, dass niemand stirbt? Und dass niemand schwere Hirnverletzungen davonträgt?» Das Team habe versichert, dass das seine höchste Priorität sei.
Eine Garantie gibt es dennoch nicht, zeigt das Beispiel des polnischen Kraftsportlers Artur Walczak, der Ende 2021 infolge eines anderen Slap-Fighting-Anlasses ins Koma gelegt worden war und verstarb. Die Todesursache sei laut Polish News Multiorganversagen, das auf eine irreversible Schädigung des zentralen Nervensystems zurückzuführen war.
Dass die Sportart reguliert wird, bringt Regeln mit sich, die für mehr Sicherheit sorgen; das sagen zumindest die Köpfe hinter Power-Slap. Zum Beispiel gibt es vier Gewichtsklassen. Zudem müssen alle Teilnehmenden einen Mundschutz und Ohrstöpsel aus Baumwolle tragen.
McGregor-Comeback: Der Super-Proll des Kampfsports ist wieder da
Nach dem verlorenen Kampf gegen Floyd Mayweather war es zumindest sportlich gesehen ruhig um Conor McGregor. Am Wochenende steigt der Ire wieder in den Ring.
«Ich werde ihn zerreissen.»«Er wird zerfallen.»«Er hat ein Kinn aus Glas.»«Ich glaube an einen vernichtenden Knockout.»
Da ist er also wieder. Der Mann, der in einem halbstündigen Podcast mehr Drohungen aussprechen kann, als andere es in ihrem ganzen Leben je tun werden. Conor McGregor, ein Scharfschützengewehr im MMA-Käfig, so seine Selbstanalyse.
Der Berüchtigte, so sein Kampfname, der auch in grossen Buchstaben auf seinen Bauch gestochen ist, hat eine fast zweijährige Wettkampfpause hinter sich. Seine Frau Dee Devlin brachte in dieser Zeit einen Sohn zur Welt. Die beiden waren schon lange vor McGregors Karriere ein Paar. Der Name des Sohns, er passt: Conor McGregor Junior.
Conor McGregor Senior konnte sich die Auszeit problemlos leisten. Seinen letzten Kampf bestritt und gewann er im November 2016 gegen Eddie Alvarez. Und als er sich vor gut einem Jahr im Boxen versuchte und gegen Floyd Mayweather unterging, da verdiente er dennoch 75 Millionen Dollar. Eine Farce, so das Verdikt vieler Zuschauer und Experten.
McGregor kehrt nun in sein Revier zurück, den Käfig. Die eingangs erwähnten Zitate stammen von ihm. Und sie gelten Khabib Nurmagomedow, einem Russen, gerade 30 geworden, 26 Kämpfe, 26 Siege. Er ist der Mann, gegen den McGregor am Sonntagmorgen um ca. 4 Uhr MEZ antreten wird. Aus eigentlich ganz pragmatischen Gründen: Wegen seiner zweijährigen Inaktivität wurden dem Iren seine beiden Titel aberkannt. Nurmagomedow erbte.
Der Kampf findet in Las Vegas statt. Das gehört sich mittlerweile so bei McGregor. Und doch war es nicht immer abzusehen. Der Ire verlor im April einmal mehr die Kontrolle über sich selbst, so macht es den Anschein, so wäre es wenn der Mann im Video nicht McGregor wäre. Der Selbstvermarkter hat aber einfach das gemacht, was er - neben dem Kämpfen - am besten kann: sich vermarkten, Aufmerksamkeit generieren. Nach einer Pressekonferenz mit anderen MMA-Kämpfern attackierte er deren Bus mit einem Absperrgitter und einem Transportkarren.
Dana White, Präsident der Ultimate Fighting Championship (UFC), sagte nach dem Vorfall, er wolle nichts mehr mit McGregor zu tun haben. Und der Übeltäter selbst kam vor Gericht. Erst nachdem er sich mit den Betroffenen auf einen Vergleich einigte, Sozialstunden absolvierte und an einem Anti-Aggressionstraining teilnahm, wurde die Klage fallen gelassen. Somit darf McGregor wieder Arbeitsverträge unterschreiben, auch jenen für den Kampf mit Nurmagomedow. Den Russen soll er übrigens im April gesucht haben, als er den Bus angriff.
McGregor schreibt lauter solche Geschichten, er ist nicht nur ein grossartiger Kämpfer, sondern eben auch eine Marke. Zu dieser hat er sich selbst gemacht, mit seinen polarisierenden Sprüchen und seinen extravaganten Auftritten. Die Kombination macht ihn reich, nur Mayweather, Lionel Messi und Cristiano Ronaldo verdienten 2017 mehr. Auf McGregors Brust prangt ein Gorilla, der gerade ein Herz verspeist, darunter sein eigener Nachname und ein Tiger. Und eben das Wort berüchtigt.
McGregors Gegner Nurmagomedow aber ist nicht nur der brave Widersacher. Auch er teilt vor dem Kampf aus. Es bleibt ihm ja fast nichts anderes übrig. Allerdings ist er bei seinem Trash Talk um einiges zurückhaltender. McGregor spreche wie ein Hund, sagt Nurmagomedow bei BT Sports. Er selbst sei eher wie ein Löwe und warte. Seine Taktik: «Ich werde ihn müde machen, er hatte schon immer Ausdauerprobleme.» Tatsächlich liegen McGregors Stärken vor allem in seinem Timing und seiner Schnelligkeit.
Nurmagomedow kann bei dem Kampf zwei Weltmeister-Titel verlieren. Für McGregor geht es primär um die Rettung seines Rufs als einer der besten MMA-Fighter überhaupt. Und sollte das nicht klappen? McGregor sagt, er sei offen für einen Rückkampf gegen Mayweather.
