Goitzsche Front: Ostgold - 25 Karat – Eine musikalische Reise

Besondere Zeiten bringen besondere Klänge hervor. So ist es auch bei den vier Jungs von Goitzsche Front aus Bitterfeld. Die Deutschrock-Band orientiert sich musikalisch an Punk und Oi-Skin Musik und stellt auch allein durch ihre Kleidung immer wieder heraus, dass sie zwar aus dem Osten kommen, aber keine Faschisten sind. Drummer Tom Neubauer trägt beispielsweise ein T-Shirt mit durchgestrichenem Hakenkreuz bei den Auftritten.

Wenn man es genau nehmen will, kommt hier kein ganz neues Album auf uns zu, sie haben sich ihr aktuelles Studioalbum Ostgold einfach nochmal vorgenommen und mit ihm eine kunterbunte Reise durch die verschiedenen Musikstile dieser Welt gemacht.

Bereits 2020 veröffentlichte die Goitzsche Front das Album „Ostgold“ und konnte damit nicht nur überall punkten sondern holte auch ein paar neue Follower ins Boot. Bitterfelds Beste haben sich noch einmal an ihr 2020 erschienenes Erfolgsalbum „Ostgold” (Platz zwei der Charts!) herangemacht. Nun haben die stolzen „Ostrocker“ sich die Songs nochmal vorgenommen und ihnen den einen und anderen neuen Anstrich verpasst.

Auf ihrer neuen Platte „Ostgold - 25 Karat“ wagen die Musiker von GOITZSCHE FRONT ein musikalisches Experiment. Alle Songs des Albums wurden neu interpretiert und geben einen Einblick in die musikalische Bandbreite der Band.

Es ist eine musikalische Reise, alle OSTGOLD Hymnen wurden neu interpretiert und erstrahlen in einem neuen Gewand. OSTGOLD - 25 Karat vereint verschiedene Stile und Genre wie kein Album zuvor. Es überrascht, lässt inne halten und verleitet auf ganz besondere Art zum pogen und feiern. Goitzsche Front sprengen Grenzen, riskieren mehr als je zuvor.

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Grundsätzlich bewegt sich die Band mit „25 Karat Ostgold“ etwas vom ursprünglichen Bandsound weg, doch ist das Album als Experiment zu verstehen, auf dem die Musiker zeigen, welche Talente noch in Ihnen schlummern. Die Band spielt mit Genre wie zum Beispiel Country, Ballermann-Disco, Polka, Reggae, Ska und hinterlässt dabei positiven bleibenden Eindruck, bzw. schafft sie es, bereits bestehende Ohrwürmer zu intensivieren. Auch vor klassischen Momenten schrecken die Bitterfelder nicht zurück und ziehen eindrucksvoll eine Menge Register ihres Könnens.

Die musikalische Vielfalt von "Ostgold - 25 Karat"

Bereits im „Intro“ lässt sich schon erahnen, wo der erste Halt in unserer musikalischen Reise sein wird. Das Intro der Neuinterpretation wirkt beim ersten Hören fast ein bisschen ätherisch und erinnert an den Anfang eines Westerns. Es weckt auf jeden Fall Neugier, wie es weitergeht.

Spätestens nach den ersten Klängen von „Wir sind aus Gold“ ist dann auch dem Letzten klar, dass wir im wilden Westen bzw. im Country angekommen sind. Schon das, nun wie aus einem klassischen Western entliehen klingende, „Intro” und das entsprechend country-lastige „Wir sind aus Gold” machen richtig Laune. Das zweite Lied „Wir sind aus Gold“ macht mit den Westernklängen weiter und wirkt damit zwar im Einklang mit dem Intro, gemessen am Ursprungslied von 2020 verliert die Aussage aber leider ein wenig an Kraft. Darüber hinaus lässt sich das Stück gut hören. Nicht so brachial wie das Original und um einiges gefühlvoller geht es im ersten Song gleich mal richtig verrückt los- verrückt aber keinesfalls schlecht.

Weiter geht’s mit einer ordentlichen Dosis Ska. „Die Goitzsche brennt“ ist ein absoluter Partykracher. „Die Goitzsche brennt“ erfreut mit Blues Einflüssen und ist damit weit weniger brachial als das Original. Eine gute Entscheidung, ist das Lied doch somit wieder nah an den Ursprüngen der OI-Skin Musik, die viele Bands zwischenzeitlich etwas aus den Augen verloren haben. Ein treibender Rhythmus gemischt mit den für diesen Stil so typischen Bläsern und herauskommt ein Song, der schon beim anhören dafür sorgt, dass man sofort das Tanzbein schwingen möchte. Diesen Song wünsche ich mir definitiv auf der Setlist beim nächsten Livekonzert.

Kommen wir mit „Was bleibt“ in der Rock Version ein wenig in die vertrauten Gefilde zurück. Hier kommt eine krachende Prise Deutschrock wie aus dem Lehrbuch auf uns zu. Ganz zu schweigen von der rasanten Rockversion der im Original berührend sanften Ballade. Am 29. Oktober erschien endlich die 25 Karat-Edition des Ostgold-Albums! Goitzsche Front haben sich für das Release etwas ganz besonderes überlegt: Ein neues Video zur Hymne Was bleibt in der Rock Version! Dieses entstand mit Freunden in kurzer Zeit. Hier kommt eine krachende Prise Deutschrock wie aus dem Lehrbuch auf uns zu.

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Hatte uns Sänger Pascal Bock bisher gezeigt, dass er durchaus auch zu melodiösen Gesang imstande ist, holt uns das vierte Lied „Was bleibt“ wieder zurück zum rauen Ton, den wir sonst von ihm gewöhnt sind.

Machen wir mal einen kleinen Abstecher in die tropischen Klänge. Mit „Meine kleine Welt“ verbreitet ein schönes karibisches Flair. Dafür geht es in „Meine kleine Welt“ in gute laute Klänge und es entsteht der Wunsch, in einer Hängematte am Strand zu liegen. Nur Bockis tiefe grölende Stimme ist in diesen Zeilen etwas gewöhnungsbedürftig. Irgendwie passt sie dann doch nicht so ganz in dieses Klanggewand. Ebenso folgen Reggae-Elemente in den Liedern „Meine kleine Welt“ oder „Luther“.

Mit „Spieglein, Spieglein“ geht es nochmal zurück in den Western, aber dieses Mal sind wir eher im Italowestern gelandet. Auch „Spieglein, Spieglein“ kommt ruhiger daher als im Original, verliert dabei jedoch nicht an Kraft. Hier finden sich auch die Westernklänge vom Anfang wieder. Mit diesem Sound hätte Sergio Leone einen seiner alten Klassiker unterlegen können.

Wenn es vorher schon düster war, dann wird es jetzt erst recht finster. „Schwarze Raben“ ist fast schon ein Stück Klassik- unterlegt mit Bockis tiefer Stimme. „Schwarze Raben“ fängt ruhig und fast schon traurig an, wird allerdings im Refrain sehr kraftvoll und sogar eindringlich. Diese Interpretation steht dem Lied weitaus besser als die Version von 2020 und lässt den Zuhörer fühlen, wie ernst es den Musikern mit diesem Lied tatsächlich ist.

Weiter geht es wieder mit positiver Stimmung und ´nem „Rucksack voller Bier“. Mit „Rucksack voller Bier“ entführen uns die Jungs aus Bitterfeld zu ihren Anfängen und das anders als in der 2020er Version nicht nur textlich, sondern auch musikalisch. Jetzt gibt es eine kleine Verschnaufpause am Lagerfeuer, denn nur mit ihren Akustikinstrumenten sorgen die Musiker hier für die richtige Atmosphäre. Wir dürfen hier die Entwicklung der Band in verschiedenen Facetten hören und mit einer Portion Humor begleiten.

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Der nachfolgende Song dürfte für viele jetzt doch etwas schwierig werden. Dazu kommt noch die Polka-Version von „Ein ganz normaler Irrer“. Denn mit „Ein ganz normaler Irrer“ geht es in die Volksmusik. Wer für den ein oder anderen Schwank empfänglich ist, wird hier auf seine Kosten kommen, aber wer mit so etwas doch ein kleines Problem haben sollte, der muss jetzt wohl doch etwas leiden.

Es kann natürlich keine musikalische Weltreise geben, ohne nicht auch einen Halt im Reggae zu machen. Die Neuinterpretation von „Luther“ im Ska - Punk Stil ist so gelungen wie witzig und konterkariert gleichzeitig die Ernsthaftigkeit der namensgebenden Person. Mit „Luther“ kommt dieser genau jetzt. Zwischenzeitlich erfreut uns Sänger Pascal sogar mit Rap - Einlagen. Wirklich eine mehr als gelungene Neuinterpretation!

„Fahr zur Hölle“ holt uns dann wieder zurück in den Ernst dieser Tage. Zu den ruhigeren Klängen im Westerngewand gesellt sich auch „Fahr zur Hölle“. Akustisch, langsam aber dafür sehr eindringlich holt uns dieser Song nach all der guten Laune wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. War das Original laut und treibend, überzeugt auch hier die Eindringlichkeit weit mehr. Trotz all dem ist er sehr stimmig und lässt sich sehr gut anhören. Manchmal sind es eben doch die leisen Klänge, die einen Unterschied machen.

Nach dem Schatten geht es wieder zurück ins Licht. Doch schon mit “LMAE” kehren GOITZSCHE FRONT zurück zu rauem Gesang, wenn auch wieder mit Ska Einflüssen. Diese unterstreichen den eher komödiantischen Teil des Liedes, der in der Ursprungsversion etwas unterging. Mit „LMAE“ geht es wieder ein wenig zurück in den Ska. Hier wird der ganze Schwermut aus dem vorhergehenden Song wieder abgestreift und man kann wieder ordentlich das Tanzbein schwingen.

Wenn vorher schon Partystimmung war dann geht es jetzt so richtig los. Genauso verhält es sich beim nächsten Song „Große Lieder“. Denn der Pfeffiman übernimmt das Ruder und ehe wir uns versehen, finden uns am Ballermann wieder. Wer vorher noch nicht am ausrasten war, wird es spätestens jetzt tun. Und natürlich wird hier der Pfeffi in Strömen fließen.

Unser vorletzter Halt wird nochmal ein bisschen klassisch. Wie wichtig der Band das Lied „Was bleibt“ eigentlich ist, wird daran deutlich, dass von diesem sogar zwei neue Versionen auf dem neuen Album sind. „Große Lieder“ klingt wie die Musik aus den Varietees im Berlin der 20er Jahre.

Zum Schluss werden wir nochmal richtig formell. In der zweiten und die CD beschließende Variante ist auch Gastmusiker MASCHINE wieder dabei, der die Band schon auf derA 2020er CD bei diesem Lied unterstützte. Bei „Was bleibt“ in einer Klassik-Version feat.

Goitzsche Front sind zurück und zeigen ihre 5. Sinfonie im neuen Gewand mit untypischen Klängen. Die Jungs brachten bereits vor einigen Monaten die Lieder „Wir sind aus Gold“ im Country Stil, „Meine kleine Welt“ im Reggae Stil oder „L.M.A.E.“ im Ska Stil heraus. Damals war ich sehr überrascht, da man ja seine eigenen Songs noch einmal komplett neu aufnahm und sich selbst in gewagte Ebenen begab. Alle drei Lieder machen durch ihre Comic-Videos einen besonderen Auftritt her. Doch fragte ich mich immer wieder, kann man noch mehr experimentieren oder war es das schon? Das Intro sowie auch bereits die Videos lassen einen in einen Western hineindenken. Somit startet man klangvoll in die Westernversion von „Wir sind aus Gold“ und „Spieglein, Spieglein“. Wenn man sich dann mit dem Western Thema abgefunden hat, wird man direkt mit „Die Goitzsche brennt“, „L.M.A.E.“ und „Große Lieder“ in den Ska-Bereich geholt. Ein heftigerer Stilbruch geht definitiv nicht. Wer dann meint, mehr Stile kann man nicht in ein Album legen, der irrt.

Ich kann mich nach einigem Hören einfach nicht mit diesem Album anfreunden. Es ist ein gutes Experiment, was man sicherlich einmal machen kann. Das Album an sich wäre wohl in nur einer Stilrichtung schöner gewesen, denn die Kombination aus 8 oder 9 Stilrichtungen wird einige verschrecken. Sicherlich kann man klassische Elemente immer mal wieder aufgreifen oder auch einmal eine Trompete in das Lied einfließen lassen, doch gibt es da von der Band andere Lieder, die da eindrucksvoller gewirkt hätten. Ja es ist OSTGOLD 25 KARAT und nicht MONUMENT 25 KARAT, aber ich hätte mir hier eher einen bunten Goitzsche Front Mix der letzten Jahre gewünscht und dann nur mit 2 oder 3 musikalischen Stilrichtungen. Doch die Fanbox kann definitiv so manch Schrecken nehmen, denn die kann leuchten und macht aus eurem Boxen-Regal einen Hingucker schlechthin.

Gesamt betrachtet ist die Neuinterpretation mehr als nur gelungen.

Fazit: Abwechslungsreichtum ist das Hauptthema dieser Veröffentlichung, welche ich als durch und durch gelungen empfinde. Den bisherigen Fans und Followern empfehle ich die Scheibe nicht nur wegen der wunderschönen Sammelbox, denn ich fände es klasse, wenn eine meiner bevorzugten Bands mehr Mut zu Experimenten zeigen würde. Und wer die Goitzsche Front tatsächlich noch nicht kennt - unbedingt anchecken. Der Mix aus Punk-getränkten deutschsprachigem Rock, Heavy Rock und wahrlich dreckigem Street Rock geht straight seinen Weg vorwärts und holt immer mehr Menschen in die Clubs.

Dass die Jungs aus Bitterfeld immer mal wieder für Überraschungen sorgen ist nicht neu. Dass sie dabei Grenzen überschreiten und auch das ein oder andere Experiment wagen ebenfalls nicht.Und doch überrascht dieses Album mehr als man vermuten wird.Nein, es ist kein Unplugged oder Akustikalbum, es ist ein erneutes musikalisches Experiment.