Schwingen: Der Schweizer Nationalsport

Das Schwingen, gelegentlich auch als «Hoselupf» bezeichnet, ist eine traditionelle Form des Gürtelringens in der heutigen Schweiz. Es gilt als Schweizer Nationalsport, somit als Teil der Schweizer Nationalidentität, und ist in den letzten Jahrzehnten als solcher salonfähig geworden.

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest

B. Mehr als 350 000 Besucher werden an diesem Wochenende zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Mollis erwartet. Es geht um Könige, Tempel und einen Zuchtstier. Gesucht wird ein neuer König. Doch auch wenn die Schweiz politisch etwas anders tickt als Deutschland, eine Monarchie wollen die Eidgenossen nicht einführen.

Der Schwingerkönig

Gesucht wird der neue König im Sägemehl. So darf sich der Sieger des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (Esaf) nennen - und so wird er auch behandelt. Dem Sieger des nur alle drei Jahre stattfindenden größten und wichtigsten Sportfests der Schweiz winken lukrative Werbeverträge und größtmögliche Popularität in der Alpenrepublik.

Einer dieser Könige ist Christian Stucki. Ein Mann wie ein Schrank, gelernter Forstwart, 1,98 Meter groß, Schuhgröße 51 und zu besten Zeiten 150 Kilogramm schwer. Er krönte sich 2019 in Zug zum Schwingerkönig und gewann so mit dem Kilchberger Schwinget 2008 und dem Unspunnen Schwinget 2017 die drei prestigeträchtigsten Titel im Schwingen - den Grand Slam. Das gelang vor ihm nur dem dreifachen Schwingerkönig Jörg Abderhalden. Zur Krönung wurde Stucki 2019 zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt, als erster Schwinger überhaupt und noch vor der Tennis-Ikone Roger Federer.

„Das hätte ich mir natürlich nie träumen lassen, einmal Sportler des Jahres zu sein“, sagt der heute 40-jährige Hüne, der auch zwei Jahre nach seinem Karriereende noch immer einer der populärsten Vertreter seines Sports ist.

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Die Schwing-Arena

Jetzt ist wieder Sägemehlzeit in der Schweiz. In der kleinen, 3500 Einwohner zählenden Gemeinde Mollis im Kanton Glarus wird an diesem Wochenende der nächste König gekrönt - der Nachnachfolger Stuckis. Die Bühne könnte größer nicht sein: Auf dem nahen Flugplatz ist in den vergangenen Monaten die größte mobile Arena der Welt entstanden - ein Festgelände, so groß wie 100 Fußballfelder und ein Stadion mit 56 500 Plätzen. Die Schwing-Arena hat 850 Meter Umfang, ihr Durchmesser beträgt 280 Meter, die Gesamtfläche 49 000 Quadratmeter.

Nur 4000 Tickets im freien Verkauf An Tickets für die Arena zu kommen, ist weit schwieriger, als Karten für das Endspiel einer Fußball-WM zu ergattern. Nur 4000 gelangen in den freien Verkauf, sie waren innerhalb einer Viertelstunde vergriffen. Ein Sitzplatz für zwei Tage kostet 290 Franken. 34 000 Karten verteilt der Eidgenössische Schwingverband (ESV) an seine Klubs, 18 500 gehen an Sponsoren.

Verpflegung am Fest

Insgesamt werden zu dem dreitägigen Spektakel mehr als 350 000 Besucher erwartet - zum Vergleich: im Kanton Glarus leben gerade einmal 42 000 Menschen. Für sie stehen zehn Festzelte, 40 Verpflegungsstände und 696 Toiletten bereit. Am gesamten Wochenende werden rund 450 000 Würste, vier Tonnen Ruchbrot, 265 000 Liter Bier, 24 000 Liter Wein, 5400 Liter Schnaps und 125 000 Portionen Kaffee über die Theke gehen. Rund 9000 Helferinnen und Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Auch die Schweizer Armee und der Zivilschutz unterstützen das Event mit 8910 Arbeitstagen. Die Veranstaltung hat einen Etat von rund 40 Millionen Franken (42,5 Millionen Euro).

Trotz dieser eindrucksvollen Zahlen zählt das Schwing- und Älplerfest zu den bodenständigsten Festen der Schweiz. Wer zum ersten Mal bei einem Schwingfest ist, kann über die auf den ersten Blick völlig skurrile Veranstaltung nur immer wieder den Kopf schütteln und denkt sich frei nach Asterix: Die spinnen, die Schweizer!

Selbstregulierung und Ordnung

Das Publikum sorgt selbst für Ordnung und Anstand Wo sonst auf der Welt beginnt ein Sportwettkampf bereits morgens um 8 Uhr vor voll besetzten Tribünen? Das ist nötig, damit die 274 Schwinger, darunter sechs Auslandsschwinger, über ihre Runden kommen. Das Publikum kann sich in den riesigen Festzelten bereits ab 5.30 Uhr mit Speis und traditionsgemäß viel Trank auf den Wettkampftag einstimmen, der dann in ein Unterhaltungsprogramm bis 3 Uhr in der Früh des nächsten Tages münden wird. Wo sonst hat mindestens jeder zweite Besucher ein Taschenmesser oder ein noch größeres Messer dabei, um sein Znüni oder sein Vesperplättli auf der Tribüne zuzubereiten? Dazu fließt schon ab dem frühen Morgen der Alkohol in Form von Wein, Bier oder Schnaps in rauen Mengen, selbst bei größter Hitze - und das ganze auch immer aus Glasflaschen.

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Es gibt auf den Festplätzen kaum Polizei - aber keine Schlägereien, keine Vermüllung, nichts. Warum funktioniert das beim Schwingen so einfach? „Das ist natürlich auch eine Publikumsfrage“, sagt Christian Stucki. „Das ist beim Schwingen sehr selbstregulierend. Wenn einer auf der Tribüne aus der Reihe tanzt, gibt es ringsum ein paar Leute, die sich nicht scheuen einzugreifen und zu sagen: so nicht. Man schaut aufeinander und man sagt einander aber auch, wenn etwas nicht passt. An einem Schwingfest kannst du deinen Rucksack samt Portemonnaie drei Stunden am Platz stehen lassen - da fehlt nichts.“

Doch auch der Schwingerkönig staunt: „Es ist ein Phänomen, dass es so gut funktioniert mit so vielen Leuten auf einem Haufen. Wenn es so bleibt, werden wir noch lange Freude an den Schwingfesten haben.“

Tradition und Brauchtum

Ein Stück weit „Heile-Welt-Atmosphäre“ Dieses Miteinander, die Geselligkeit, die Partystimmung sind einige Gründe, warum das Schwingen in den letzten zehn bis 15 Jahren so enorm an Popularität gewonnen hat - aber nicht die einzigen. Wie kaum eine andere Veranstaltung pflegen Schwingfeste Traditionen und vermitteln damit ein Stück weit „Heile-Welt-Atmosphäre“. Neues auszuprobieren, ist dem ultrakonservativen Schwingverband zutiefst suspekt. Ein lange diskutierter Videobeweis wurde nicht einmal erprobt. Es gibt keine Anzeigetafel, keine Bandenwerbung, keine Trikotsponsoren. Bisher scheint dieses extreme Traditionsbewusstsein mehr Segen als Fluch für den Sport und seine Athleten zu sein.

Professionalisierung des Schwingens

Denn obwohl der Schwingverband gerne so tut, als seien im Sägemehl lupenreine Amateure am Werk, hat sich das Schwingen im Zuge der explodierenden Popularität in den vergangenen Jahren extrem professionalisiert. Es gibt eine eigene, zweiwöchentlich erscheinende Schwingerzeitung namens „Schlussgang“ mit einer Auflage von 20 000 Exemplaren. Panini gibt, analog zu einer Fußball-WM, seit Jahren ein Sammelalbum mit Klebebildern zum Eidgenössischen Schwingfest heraus. Das Schweizer Fernsehen überträgt alle zehn großen Schwingfeste von der ersten bis zur letzten Sekunde live, in diesem Jahr mehr als 100 Stunden.

In Mollis wird alles an Technik aufgefahren, was möglich ist. 50 Mitarbeiter und 14 Kameras (darunter eine Spinnenkamera, die über die gesamte Schwing-Arena fliegen kann) fangen das Geschehen in und um die Sägemehlringe ein. Mehr als 20 Stunden wird am Samstag und Sonntag live aus dem Glarnerland gesendet. Wenn die beiden erfolgreichsten Festteilnehmer am Sonntagnachmittag zum Schlussgang antreten, dürfen die Fernsehmacher auf Einschaltquoten von bis zu 75 Prozent hoffen.

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Werbung und Sponsoring

Anlass für Streit und Diskussionen geben immer wieder die strengen Regularien bezüglich Werbung und Sponsoren. So dürfen die Schwinger in der Arena nur auf ihrer Kappe für einen persönlichen Sponsor werben, auf den Trainingsanzügen stehen meist die Sponsoren des jeweiligen Teilverbands - das war’s an Werbung im Stadion. Sobald es am Kampfrichtertisch vorbei geht, ist alles werbefrei. Dem Interesse der Firmen scheint dies keinen Abbruch zu tun. Versicherungen, Autofirmen, Küchenhersteller - die Wirtschaft engagiert sich gerne im Sägemehl.

Schwinger verdienen durch Werbung heute doppelt so viel, wie vor zehn Jahren. 3,37 Millionen Franken haben die Athleten 2024 durch Werbung verdient - ein Rekordwert. Es heißt, dass ein Schwingerkönig etwas falsch mache, wenn er in den drei Jahren nach seinem Titel nicht an die eine Million Franken verdiene. Grand-Slam-Sieger Stucki dürfte das geschafft haben, noch heute ist er für den deutschen Discounter Lidl der populäre Botschafter in der Schweiz. „Dass ich einmal von meinem Sport leben kann, hätte ich auch nie gedacht“, sagt Stucki.

Einnahmen und Gaben

Zehn Prozent kassiert der Verband Zehn bis 15 Sportler können dank Sponsoring mit dem Schwingen ihren Lebensunterhalt verdienen. Zugeben würde das kaum einer, denn Vollprofitum wird in Schwingerkreisen nicht gern gesehen. Alles dürfen sie dabei ohnehin nicht behalten. Zehn Prozent ihrer Werbeeinnahmen müssen die Schwinger dem Schwingerverband abgeben, dieser verwendet es für die Nachwuchsförderung und die Dopingbekämpfung. König Stucki sieht das mittlerweile gelassen. „Wenn man etwas Erfahrung hat, ist das ein Frage der Vertragsgestaltung mit dem Sponsor: Man vereinbart eine Summe, und dann gibt es eben noch zehn Prozent für den Verband obendrauf.“

An den Schwingfesten selbst gibt es kein Geld, sondern Sachpreise zu gewinnen. Im sogenannten Gabentempel stehen Preise im Wert von rund einer Million Franken, darunter ein kleines Auto, Werkzeuge aller Art, Holzmöbel, ein Whirlpool, ein Boot oder Kuhglocken. In der Regel einigt sich der Schwinger allerdings mit dem Spender darauf, dass das Tier beim Züchter bleibt und er dafür den finanziellen Gegenwert erhält. Umrahmt werden die Kämpfe von Jodlerchören und der Präsentation der Lebendpreise, neben dem Sieger-Zuchtstier noch Kühe und Pferde. Idylle pur - und ein Stück heile Welt. Das gilt auch im Sägemehlring. Am Ende des Kampfes hilft der Sieger dem Verlierer auf und wischt ihm das Sägemehl vom Rücken - auf ein gutes Miteinander.

Die Geschichte des Schwingens

Die genauen historischen Wurzeln des Schwingens liegen im Dunklen der mittelalterlichen Geschichte, auch wenn häufig darauf verwiesen wird, dass bereits auf diversen Darstellungen aus dem 13. Jh. - etwa auf dem Chorgestühl der Kathedrale in Lausanne und im Skizzenbuch des Villard de Honecourt etwa 1235 - Gürtelringer-Darstellungen mit im Schwingen möglichen Griffkonstellationen auftreten.

Mehrere historische Quellen in der internationalen Ringbuchliteratur legen ähnliche, mehr oder weniger «bäuerliche» Ringtraditionen nahe: so beschreibt etwa Pietro del Monte in De dignoscendis hominibus (1492) einen in der norditalienischen Poebene verbreiteten Ringstil mit festen Griffen an einem geschirrartigen Gurt, und der Codex Wallerstein - auch bekannt als Baumanns Fechtbuch (Augsburg, 1470er) sowie dessen Plagiator Albrecht Dürer (1512) bezeichnen das Umfassen des Rückens des Gegners als «pawren» bzw. «pauren»-Ringen, in klarer Abgrenzung zu den adelig-militärischen Ringtraditionen.

In jedem Fall scheint das Schwingen eng mit den Hirten und Sennen verbunden zu sein, die es zur Unterhaltung auf der Alp, möglicherweise auch zur Vergabe der Weidegründe nutzten (ähnlich wie es für das «Rangg(e)ln» im Salzburgischen und Tiroler Raum belegt ist, wodurch quasi eine frühe Form des Profiringers entstand, da es für Bauern vorteilhaft war, gute Ranggler als Hirten anzuwerben, nachdem diese die bevorzugten Weidegründe für die Herde «ausranggeln» konnten).

Daran erinnert auch, dass noch heute «Sennenschwinger» aus reinen Schwingvereinen in dunkler Hose und farbigen Hemd zusammen mit «Turnerschwingern» in der Nationalturn-Uniform - weisses Trikot und weisse Hose - bei den Schwingfesten («Schwinget») antreten. Früher oder später - ob schon im 13. Jahrhundert, wie von einigen Autoren postuliert, klar urkundlich fassbar erstmals 1592 - wurde das Schwingen auch Teil der Festkultur.

Bis heute gibt es hier Sachpreise, der Hauptpreis ist in der Regel ein Stück Lebendvieh, meist ein Stier («Muni»). Da solche Schwingfeste häufig auf Sonn- und Feiertage fielen, wurden sie von der Obrigkeit nicht selten bei Strafe verboten, im reformierten Bern ebenso wie im mehrheitlich katholischen Nidwalden.

Von diesem Nischendasein befreit wurde das Schwingen ab dem 19. Jahrhundert, als das Schwingen 1805 als offizieller Bewerb im ersten Unspunnenfest aufgenommen wurde.

Die Schwinghose

Charakteristisch und essenziell ist im Schwingen das «Sportgerät» - die Schwing(er)hose, eine aus festem Zwilch-Stoff genähte kurze, vorne und hinten im Schritt offene «Überhose» mit einem eingeschobenen festen Ledergürtel. Jeder «Gang», d.h. jedes Match beginnt damit, dass die beiden Schwinger «zusammenfassen», also idente Griffe einnehmen, ähnlich wie dies in verschiedenen traditionellen Ringstilen der Fall ist: die rechte Hand fasst den offenliegenden Gurt am Rücken des Gegners, die linke Hand das «Gestöss», des geraffte Hosenbein an der Aussenseite des rechten Oberschenkels.

Was einfach klingt, ist bereits eine recht komplexe taktische Handlung, für die man sich Zeit nimmt: ein wunschgemässer Griff ist essenziell für den weiteren Kampfverlauf. Ziel ist es, den Gegner auf den Rücken zu werfen oder zu rollen, wobei die Mitte beider Schulterblätter zusammen mit dem oberen oder unteren Rücken, oder einer Rückenseite gleichzeitig den Boden berühren muss.

Auch das Festhalten des Gegners in der Ringerbrücke für mehr als drei Sekunden (wird vom Schiedsrichter laut ausgezählt «21 - 22 - 23 - Gut») führt zum Resultat. Es gibt jedoch nicht selten auch unentschiedene («gestellte») Gänge. Am Ende des Ganges werden die beiden Schwinger nach einem dem Nationalturnen entlehnten System «benotet», die Skala reicht von 8.50 für eine chancenlose Niederlage bis hin zu 10.00 für einen «Plattwurf» (= Schwung aus dem Stand, der den Gegner direkt in die Rückenlage bringt). Zusätzliche Notenabzüge sind möglich.

Der Sägemehlring

Geschwungen wird heute in einem sieben bis vierzehn Meter durchmessenden Kreis aus gestampftem und befeuchtetem Sägemehl, während Schwingfeste früher «auf der Alp» häufig auf Gras durchgeführt wurden. Das Sägemehl ist eine nicht ganz unproblematische Oberfläche, nachdem sich im Kampfverlauf nicht selten Vertiefungen oder gar Löcher bilden, die eine Zusatzgefahr darstellen können.

Um Verletzungen der Knöchel vorzubeugen, werden hohe Schuhe getragen, die häufig auch Versteifungen besitzen. Verletzungen der Kniegelenke etc. Da es im Schwingen keine Gewichtsklassen gibt, haben grössere und schwerere Schwinger gewisse Vorteile. Zwar ist es möglich, durch Taktik, Technik und Schnelligkeit gewisse Nachteile in Kraft und Masse wettzumachen, in der Praxis bringen die Top-Schwinger in der Regel mindestens 100-110 austrainierte Kilos auf die Waage, nicht selten auch deutlich mehr.

Die Techniken

Die Techniken im Schwingen haben traditionelle, im Laufe der Zeit gewachsene Namen, etwa «Kurz», «Stich», «Schlungg», «Tätsch», «Gammen», «Päckli», «Brienzer», «Lätz», «Wyberhacken» oder «Äusserer Haken». Einige dieser Techniknamen, ebenso wie die damit bezeichneten Techniken zeigen starke Parallelen mit Ringbüchern aus dem frühen 16. Jahrhundert, insbesondere mit dem sog. Landshuter Ringbuch, gedruckt in mehreren Auflagen ab 1490 vom Landsburger Drucker Hans Wurm.

Gerade die Technikfamilie des Hakens (auch im modernen Freistilringen spricht man von hakeln, in der englischsprachigen Nomenklatur von grapevining) ist im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit sehr stark vertreten, die Bezeichnung «Haken» findet sich auch in den Werken von Hans Talhoffer (1440er-1460er), Baumanns Fechtbuch (1470er) oder Fabian von Auerswald (1539).

Schwinger-Lehrbücher

Nach dieser etwas langatmigen Einführung soll hier ein kurzer Überblick über die Entwicklung der Schwinger-Lehrbücher geboten werden, die ein sehr interessantes, aus Sicht des Autors häufig zu wenig beachtetes Forschungsfeld darstellen.

Anleitung zum Schwingen und Ringen

Den Anfang bildet die «Anleitung zum Schwingen und Ringen» von Prof. Dr. med. Rudolf Schärer (Bern 1864, dem Autor vorliegend in der 3. Auflage von 1893). Es handelt sich dabei um das erste und älteste Schwinger-Lehrbuch, auf dessen diesbezüglichen Verdienst in den Folgewerken wiederholt verwiesen wird.

Nicht zuletzt auf Schärer dürfte auch die bereits angesprochene Verbindung von Schwingen und Ringen im Schweizer Raum zurückgehen. So schreibt er auf S. 68: «Die genannten Schwingerregeln und Schwünge sind ebensosehr als Ringerkünste zu betrachten. Schärer war lange als «Turnlehrer» und Kampfrichter tätig und wurde von befreundeten Turnlehrern und Turnvereinen animiert, doch ein Lehrwerk für den praktischen Gebrauch, eine Systematisierung und breitere Verbreitung der beiden Sportarten zu schreiben, nachdem bis dahin die Unterweisung nur auf lokaler Basis erfolgt war.

Nach längeren dienstlichen Verzögerung und wiederholter Rücksprache mit Schwingern aus dem Emmental und dem Berner Oberland (beides traditionelle Schwinger-Hochburgen) ging das Werk 1864 in den Druck. Nach einer allgemeinen und teilweise nationalistisch gefärbten (Zitat S. Wie am Beispiel sichtbar, widmet Schärer jedem Schwung etwa anderthalb bis zwei Seiten Text und ergänzt diesen durch eine Tuschezeichnung im Anhang. Die Beschreibung enthält über eine reine Beschreibung der Technik hinaus bereits taktische Hinweise, wie ein Schwung erfolgreich anzuwenden sei, in diesem Fall ein Verweis auf Finten auf der Gegenseite. Dargestellt sind die Schwinger nur in kurzer, geschlossener Schwinghose und Hemd, mit nackten Beinen und barfuss.

Schwingen. Lehrbuch

Das zweitälteste dem Autor vorliegende Handbuch ist das vom Eidgenössischen Schwingerverband herausgegebene Werk «Schwingen. Lehrbuch» (Bern 1912). Dieses Werk versucht, das Schwingen etwas breiter zu kontextualisieren, so findet sich im ersten Kapitel der Versuch eines Überblicks über bekannte Ringtraditionen weltweit.

Es ist zu bemerken, dass sich mit dem Ende des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts der Blick der Öffentlichkeit stark geweitet hat, nachdem dies die Zeit war, in dem sich verschiedene Ringer und Ringstile auf mehr oder weniger professionelle Weise in der Öffentlichkeit profilierten und verschiedene Stile und Schulen internationale Ableger schufen, die auch aktiv um Kundschaft warben. So wird denn auch auf Stile wie catch as catch can, Sumo, Jiu-Jitsu oder Shuai Jiao bzw. Chin Na / Qin Na (?) verwiesen, teilweise ohne die Namen der Stile zu nennen. Aus heutiger Sicht liest sich das Kapitel recht stark wertend gefärbt, partiell in seiner Oberflächlichkeit auch erheiternd.

So lesen wir etwa «Die Türkei hat ihren eigenen, ziemlich kunstlosen Ringkampf.» (S. 6), dass sich neuerdings auch das «Kano Jiu Jitsu» (Anmerkung: es dürfte sich dabei um die von Katsuma Higashi und H. Irving Hancock propagierte Schule handeln, die tatsächlich unter diesem Namen beworben wurde, faktisch aber mit Jigoro Kano nichts zu tun hatte und vielmehr aus den Nahkampftraditionen eines oder mehrerer alter Ryu hervorgegangen sein dürfte) nach Europa gedrungen sei, «das aber mit dem eigentlichen Ringen nichts zu tun» habe, da es «an Rücksichtslosigkeit nur noch übertroffen wird durch das Chinische Ringen, welches diese Bezeichnung aber nicht verdient, da es in Rohheiten überhaupt keine Grenzen kennt» und «das Stossen der Finger in die Augen und das gleichzeitige Würgen des Halses mit der anderen Hand besonders bevorzugt» werde.

Abgesehen davon, dass diese Aussagen teilweise jeder sachlichen Grundlage entbehren und alles andere als exakt sind, fragt man sich unwillkürlich, was die betreffenden Autoren sagen würden, wenn sie mit klassischen europäischen Werken zum Thema - etwa Fiore dei Liberi oder Baumanns Fechtbuch - konfrontiert worden wären… jedoch ist anzumerken, dass die Abqualifizierung fremder Ringstile aufgrund von «Kunstlosigkeit» oder «Rohheit» in dieser Zeit keinen Einzelfall darstellt.

An dieses Kapitel schliessen sich Empfehlungen zur Vorbereitung und Ausbildung an. In weiterer Folge werden die Techniken erläutert, die im Vergleich zum Vorgänger eine beträchtliche Erweiterung erfahren haben, was nicht zuletzt auf die fortlaufende Systematisierung des Sports, also die Sammlung und Gruppierung der im gesamten Ausübungsraum gebräuchlichen Techniken zurückzuführen sein dürfte (wobei in diesem Zusammenhang darauf zu verweisen ist, dass auch die Ausrüstung und Trainingsweise in der Zwischenzeit eine beträchtliche Entwicklung durchlaufen hat - die Schwingerhose nähert sich der heutigen Form an und wird über einer langen Hose getragen -, die Schwinger tragen Schuhe, man schwingt ganzjährig auf Sägemehl etc.). Abbildung und Beschreibung rücken zusammen auf eine Seite, auch Konter werden jeweils mit erwähnt.

Das Schwingen

Ebenfalls vom Eidgenössischen Schwingerverband herausgegeben wurde das Folgewerk «Das Schwingen» im Jahr 1930 (dem Autor liegt die 3. Dieses Werk scheint Anleihen aus beiden Vorgängerwerken zu ziehen. D.

Einflussfaktoren auf den Erfolg

stehen z.B. zu später Absprung etc. die tatsächlich zum eigenen Erfolg, d.h. kennen, um eine Leistung richtig einordnen zu können. Ausgleich können evtl. wird) ist die Gruppengröße.

Tabelle: Vergleich einiger Aspekte des Schwingens

Aspekt Details
Besucher ESAF Mehr als 350.000
Bierkonsum ESAF 265.000 Liter
Werbeeinnahmen Schwinger (2024) 3,37 Millionen Franken