Das deutsche Judo trauert um seinen ersten Olympiasieger. Im Alter von 70 Jahren ist am Mittwochnachmittag Dietmar Lorenz gestorben, der für die DDR 1980 in Moskau Gold in der offenen Gewichtsklasse gewonnen hatte. Dies gab der Deutsche Judo-Bund (DJB) bekannt.
Dietmar Lorenz schrieb mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1980 Judogeschichte. Er war der erste Judoka, dem es als Halbschwergewichtler gelang, in der Kategorie Open als Sieger die Matte zu verlassen.
Frühe Jahre und Anfänge
Am Anfang des Weges von Dietmar Lorenz zu einem der erfolgreichsten deutschen Judoka stand der Zufall, oder genauer gesagt - die Baupolizei. Denn hätte die nicht 1967 in seiner Heimatgemeinde Langenbuch (Thüringen) den Tanzsaal gesperrt und so den Turnern die Trainingsstätte verschlossen, wäre Dietmar Lorenz wahrscheinlich nie auf der Judomatte gelandet. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte Dietmar Lorenz sportlich so alles probiert, was in seiner näheren Umgebung an Möglichkeiten angeboten wurde.
Geb. in Langenbuch (Thür.); Skisport, Eishockey, Fußball u. Turnen; Ausbildung zum Kfz-Schlosser; währenddessen mit Judotraining begonnen; zum SC Dynamo Hoppegarten delegiert (Trainer: Gerd Schneider u. Dietmar Hötger); Obltn. der VP; 1970 kam Dietmar Lorenz aus dem Thüringer Ort Langenbuch bei Schleiz, wo er als 16-Jähriger mit Judo begann, nach Berlin.
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Der ursprünglich Thüringer begann in Langenbuch als Akrobat. doch als eines Tages die Sporthalle wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste, meldete er sich im benachbarten Mühltroff, wo er auch die Schule besuchte, bei der Judosektion der dortigen BSG Fortschritt.
Seitdem er in Berlin ist, nennen ihn seine Freunde nur „Itze“. Sein Spitzname ist eine Ableitung aus dem Thüringischen. Da kommt das Wort „jetzt“ umgangssprachlich kaum vor.
Erfolge und Titel
Lorenz, der mit 16 zum SC Dynamo Hoppegarten gewechselt war und für die Berliner seine größten Erfolge feierte, war zudem viermal Europameister und holte zweimal WM-Bronze. Eine Bilanz, die aller Ehren wert ist.
1972 wurde er Dritter der DDR-Meisterschaften in der Open-Kategorie, 1973 Vizemeister im Halbschwergewicht und in der Open-Klasse. Ebenfalls 1973 errang er international seine ersten Medaillen: EM-Dritter in der Open-Klasse, WM-Dritter im Halbschwergewicht. Nachdem Dietmar Lorenz 1974 erneut EM-Bronze (diesmal im Halbschwergewicht) geholt hatte, wurde er viermal Europameister (1975 und 1977 im Halbschwergewicht sowie 1978 im Halbschwergewicht und Alle Kategorien).
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Schon vor Olympia hatte er in der Open-Kategorie tüchtig mitgemischt, war 1978 in Helsinki sogar Doppel-Europameister geworden.
Olympische Spiele
Olympia blieb für ihn immer das größte Erlebnis, immerhin war er schon 1976 in Montreal dabei, wurde Fünfter im Halbschwergewicht. Vier Jahre später in Moskau wurde es dann Bronze im Halbschwergewicht vor dem Goldtriumph in der Open-Kategorie. Eigentlich ein Halbschwergewicht, düpierte Lorenz gerne wie bei seinem Olympiasieg die teils deutlich massivere Konkurrenz in der offenen Klasse.
Auf zwei Ereignisse seiner aktiven Laufbahn war Dietmar Lorenz immer besonders stolz. Er war der erste deutsche Olympiasieger, der 1980 in Moskau als Halbschwergewichtler -95 kg in der Open-Kategorie gewonnen hat. Und dass er zwei Jahre zuvor überhaupt als erster Nichtjapaner den Kano-Cup gewonnen hat. „Ich war nach Anton Geesinks Olympiasieg der Zweite, dem es gelang, die japanische Vorherrschaft zu durchbrechen“, sagte Lorenz mit etwas Stolz in der Stimme.
Dass diese Open-Kategorie 1984 zum letzten Mal auf dem Programm stand, bedauerte Lorenz: „Als Leichter den Schweren ein Bein zu stellen, war und ist sehr reizvoll, selbst wenn das heute bei EM und WM recht selten geworden ist.“
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Weitere Erfolge und Auszeichnungen
Darüber hinaus war er zwei Mal WM-Dritter und vier Mal Europameister sowie 1977 mit seinem Verein SC Dynamo Hoppegarten Europacup-Gewinner.
1978 war er der erste Nicht-Japaner der beim legendären Kano-Cup in Tokio siegte.
Karriereende und weitere Tätigkeiten
Lorenz, der nach Moskau seine aktive Laufbahn beendete, arbeitete danach zehn Jahre lang als Nachwuchstrainer. Nach seiner aktiven Zeit war Dietmar Trainer an der Kinder- und Jugendsportschule im Sportforum. Anschließend war er Assistenztrainer des DDR-Männertrainers Dietmar Hötger.
Durch den mit der Wiedervereinigung einhergehenden Zusammenbruch des DDR-Sportsystems wurde Lorenz unmittelbar nach der Wende arbeitslos. Seit 1993 ist Dietmar Lorenz in einem Projekt des Berliner Vereins für Sport und Jugendsozialarbeit engagiert. Später war Dietmar in der Jugendsozialarbeit in Marzahn tätig. Die Jugendlichen schätzten seine ruhige, bodenständige Art.
Ehrungen und Andenken
Itze, wie ihn seine Freunde nannten, hatte immer ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte und war stets hilfsbereit. Er blieb immer bescheiden und zurückhaltend trotz seiner riesigen Erfolge. Beim U21-Europacup war der Träger des 7. Dans ein gern gesehener Ehrengast.
Dietmar war bis zuletzt dem SC Berlin verbunden. Nun hat er seinen letzten Kampf am 8.
Die traurige Nachricht bewegt seine Freunde, viele Judoka und Fans, für die er ein Idol war.
Über den DJB
Der deutsche Judobund (DJB) wurde 1953 gegründet und organisiert seit der deutschen Einheit achtzehn Landesfachverbände unter sich. Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs der DJB zum größten Kampfsportfachverband Deutschlands. Heute vertritt der DJB 200.000 Judoka in Deutschland. In den letzten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts feierte der DJB mehrere Erfolge auf internationaler Ebene und etablierte sich im Geschäft der großen Judonationen.
Zusammenfassung der Erfolge von Dietmar Lorenz
| Erfolg | Jahr |
|---|---|
| Olympiasieger (Offene Klasse) | 1980 |
| Europameister | 1975, 1977, 1978 (Halbschwergewicht), 1978 (Alle Kategorien) |
| WM-Dritter (Halbschwergewicht) | 1973 |
| Kano-Cup Sieger | 1978 |
