Ein Black Belt im Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) ist das Ergebnis von jahrelangem, intensivem Training und stetiger Weiterentwicklung. Viele fragen sich: Wie lange dauert es, bis man einen Black Belt in BJJ bekommt? Die Antwort darauf ist komplex und hängt von mehreren Faktoren ab, wie Zeitinvestition, persönlichem Engagement und den Trainingsbedingungen.
Die Grundlagen des BJJ
Brazilian Jiu Jitsu (BJJ) ist eine Kampfkunst, die sich auf Bodenkampf und Hebeltechniken konzentriert. Das Hauptziel besteht darin, den Gegner durch Techniken wie Würgegriffe und Gelenkhebel zur Aufgabe zu zwingen. Die Ursprünge des BJJ liegen im traditionellen japanischen Jiu Jitsu und im Judo. Anfang des 20. Jahrhunderts brachte der japanische Judo-Meister Mitsuyo Maeda die Techniken nach Brasilien.
BJJ im Vergleich zu anderen Kampfsportarten
Traditionelles Jiu Jitsu ist eine umfassendere Kampfkunst, die sowohl Bodenkampf als auch Schlagtechniken beinhaltet. Grappling ist ein Oberbegriff für alle Kampfstile, die sich auf den Bodenkampf konzentrieren, darunter BJJ, Ringen und Sambo. Judo konzentriert sich stärker auf Wurftechniken, während BJJ auf den Bodenkampf spezialisiert ist.
Der Weg zum Schwarzgurt
Insgesamt ist BJJ eine faszinierende Kampfsportart, die nicht nur körperlich, sondern auch geistig herausfordernd ist. Die Graduierung im Brazilian Jiu-Jitsu ist im Vergleich zu anderen Kampfsportarten mit sehr viel Zeit und Training verbunden.
Es dauert etwa 10 Jahre, bis man im Brazilian Jiu-Jitsu einen Schwarzgurt verliehen bekommt. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, bei denen es schneller geht. Ein Beispiel dafür ist BJ Penn, der nach nur 3 Jahren Training den Schwarzgurt erhalten hat.
Lesen Sie auch: Judo Schwarzgurt: Voraussetzungen und Dauer
Der durchschnittliche Zeitraum, um einen Black Belt in BJJ zu erreichen, beträgt etwa 10 bis 15 Jahre. Dies variiert jedoch je nach Person und hängt davon ab, wie oft und intensiv man trainiert. Anders als in anderen Kampfsportarten gibt es im BJJ keine festgelegte Zeitspanne für Gürtelprüfungen. Der Fortschritt basiert auf der Entwicklung von Technik und Verständnis, nicht nur auf der Anzahl der Trainingsstunden.
Faktoren, die die Dauer beeinflussen
Natürlich ist dies von mehreren Faktoren wie beispielsweise Häufigkeit des Trainings, Intensität, Talent, dem Professor, und vielen weiteren Dingen abhängig. Grob verallgemeinert kann man als Richtwert je 2 Jahre pro Gurt ansehen.
- Trainingshäufigkeit: Mindestens drei bis viermal pro Woche ist ideal, um die Techniken regelmäßig zu üben und Fortschritte zu machen. Die beste Frequenz kann jedoch je nach individuellem Fitnesslevel und Zeitplan variieren. Für Anfänger wird empfohlen, zunächst langsamer zu beginnen und die Trainingsfrequenz mit fortschreitenden Fähigkeiten zu erhöhen.
- Intensität und Engagement: Ein Schlüssel zum schnelleren Fortschritt im BJJ ist die Häufigkeit des Trainings.
- Qualität des Unterrichts: Von Professor zu Professor ist der Unterricht verschiedlich. Manche verleihen Gurte nur zu bestimmten Zeitpunkten, andere, wann immer sie es für angemessen halten.
Das Graduierungssystem im BJJ
Im BJJ gibt es allgemein 5 verschiedene Gurte: Weißgurt, Blaugurt, Lilagurt, Braungurt und Schwarzgurt. In der Regel hält man jeden Gürtel zwischen 2 und 4 Jahren.
Ein weiterer Unterschied bei der BJJ Graduierung besteht in der Verwendung von weißen Streifen, um die einzelnen Gurte noch feiner zu definieren. Der Schwarzgurt bildet dabei die Ausnahme, er kann bis zu 6 Steifen verliehen bekommen. Daraufhin folgt, das er den rot/schwarzen Gurt verliehen bekommt. Dies ist aber ein so seltener Fall, dass in diesem Artikel nicht näher darauf eingegangen wird.
Die Gurtfarben werden nochmals in sogenannte „Streifen“ unterteilt. Diese einfachen Tapestreifen werden von deinem Trainer am schwarzen Balken deines Gürtels befestigt. Sobald sich dort 4 Streifen befinden, kannst Du dich auf eine baldige Graduierung freuen.
Lesen Sie auch: Hingabe im BJJ: Der Weg zum Schwarzgurt
Die Vergabe eines neuen Gürtels wird individuell durch deine Trainer beurteilt. Die beiden entscheidenden Faktoren sind die Leistungen im Sport und die Zeit, die du auf der Matte verbringst. Es werden auch andere Fragen berücksichtigt: In welchen Lebensumstände befindest du dich? Gibst du dir auf der Matte Mühe? Hilfst du deinen Teamkollegen? Kannst du locker und mit Übersicht rollen? Sobald deine Zeit gekommen ist, werden all diese Fragen von deinen Trainern diskutiert.
Dir sollte jetzt aufgefallen sein, dass ein BJJ Farbgurt viel Wert ist. Hast Du einen Gürtel bekommen, musstest Du bereits sehr viel Arbeit und Zeit reinstecken. Generell sollte ein vergebener Gürtel immer durch die sogenannten „Lineage“ deiner Trainer bis zu den Wurzeln des BJJ zurück zu verfolgen sein. Graduiert ein Gym seine Schüler zu früh, stehen diese im Vergleich zu Farbgurten anderer Gyms nicht gut da. Auch die IBJJF hat eine Mindestzeit pro Gürtelfarbe festgelegt.
Tabelle: Graduierung im BJJ
| Gurtfarbe | Durchschnittliche Mindestzeit bis zur nächsten Graduierung |
|---|---|
| Weißgurt | - |
| Blaugurt | 2-4 Jahre |
| Lilagurt | 2-4 Jahre |
| Braungurt | 2-4 Jahre |
| Schwarzgurt | 5+ Jahre bis zu den ersten Graden |
Die Bedeutung von Ausbildern und Mentoren
Gute Ausbilder und Mentoren sind ein wesentlicher Bestandteil des Fortschritts in BJJ. Sie helfen nicht nur bei der Verfeinerung der Technik, sondern unterstützen auch die persönliche Entwicklung und Motivation. Häufig wird von Schülern erwartet, dass sie sich nicht nur im Sparring verbessern, sondern auch ein tiefes Verständnis der Philosophie und Ethik des BJJ erlangen. Ein erfahrener Ausbilder hilft dabei, das Training an die individuellen Bedürfnisse anzupassen und fördert den persönlichen Fortschritt.
BJJ als lebenslanger Lernprozess
Ein wichtiger Aspekt des BJJ ist die Fokussierung auf kontinuierliche Verbesserung statt auf das Erreichen einer bestimmten Gürtelstufe. Ein Black Belt ist zwar ein bedeutendes Ziel, aber der wahre Wert des BJJ liegt im Prozess des Lernens und der Selbstverbesserung.
Ein Black Belt ist ein Meister auf und abseits der Matte. Robson Moura beschreibt Jiu-Jitsu als einen Ozean, der einen Anfang, aber kein Ende hat.
Lesen Sie auch: Gürtellänge und ihre Bedeutung im Judo
BJJ für alle Altersgruppen
Eine der besten Eigenschaften von Brazilian Jiu-Jitsu ist seine Zugänglichkeit für Menschen jeden Alters und Fitnesslevels. Egal, ob du ein junger Erwachsener oder ein älterer Einsteiger bist, BJJ bietet jedem die Chance, unabhängig von körperlichen Voraussetzungen einzusteigen und Fortschritte zu machen. Grundvoraussetzung ist nur die Bereitschaft zur kontinuierlichen Verbesserung und das Engagement, regelmäßig zu trainieren.
Im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten gibt es im BJJ keine körperlichen Voraussetzungen für das Erlernen und das Bestehen der Gürtelstufen. Dies macht BJJ zu einer idealen Kampfkunst für Menschen aller Altersgruppen und Fitnessniveaus. Die einzige Voraussetzung ist das kontinuierliche Engagement und die Bereitschaft, sich ständig zu verbessern.
Die richtige Einstellung
Etwas Grundsätzliches soll zu den Graduierungen und den Gürtelfarben noch gesagt werden. Die primäre Aufgabe des Gürtels ist es, die Jacke des Gi zusammenzuhalten. Es ist nicht wichtig, welche Farbe dieser Gürtel hat. Beim Training motiviert zu sein und der feste Willen besser zu werden, sind weit wichtiger.
Das Erlernen einer Kampfkunst dauert viele Jahre. Menschen, deren einzige Motivation darin besteht, dass sie lernen möchten, wie man einem anderen möglichst effektiv auf die Nase haut, beenden das Training regelmäßig bevor sie höhere Graduierungen erreicht haben. Denn das Training des Jiu Jitsu ist vor allem ein Miteinander, kein Gegeneinander. Ohne Respekt und Fürsorge für meinen Trainingspartner werde ich nicht weit kommen. Der eigentliche Kampf findet in mir selbst statt. Es ist ein Kampf um Disziplin, Genauigkeit und Kontrolle. Der Preis, den es zu gewinnen gibt, besteht in Selbstdisziplin, körperlicher Fitness und Durchsetzungsfähigkeit.
In Japan, der Heimat des Jiu Jitsu gab es lange Zeit überhaupt keine Graduierungen. Das System der farbigen Gürtel wurde erst in Europa erfunden, später dann nach Japan reimportiert. Das Gürtelsystem ist vor allem eine Motivationshilfe für den Schüler, mit dem er innerhalb einer absehbaren Zeit eine offizielle Bestätigung seiner Fortschritte erhält. Erst die stark zielorientierte westliche Kultur sah eine Notwendigkeit für Graduierungen. Die ursprünglich sehr viel wegorientiertere japanische Kultur betrachtete die Entwicklung eines Schülers eher als niemals abgeschlossenen, fortlaufenden Prozess. Dieser Gedanke hat dann doch noch den Weg in das Graduierungssystem gefunden. Der Gürtel eines 10.Dan, der höchsten erreichbaren Graduierung, ist wieder weiß, wie der des Anfängers.
