Capoeira ist ein brasilianischer Kampftanz, der Spiel, Musik und brasilianische Geschichte in sich vereint.
Was ist Capoeira?
Capoeira ist eine Mischung aus Kampfsport und rhythmischer Bewegung. Sie wurde vor etwa 300 Jahren auf den Zuckerrohrplantagen Bahias von schwarzen Sklaven als Ausdruck des Widerstandes und zur Verteidigung entwickelt. Den Sklaven war es damals verboten einen Kampfsport zu lernen, daher tarnten sie ihre Kampfkunst als Tanz indem sie die Bewegungen zur Musik ausführten und akrobatische Elemente als Ausschmückungen einfügten.
Capoeira ist Kampf, Musik, Tanz und Spaß gleichermaßen. Dabei entsteht ein fließender Dialog von Bewegungen, ohne dass der eine den anderen überhaupt berührt, da Angriffe im letzten Moment gestoppt werden oder der Gegner ausweicht. Außerdem werden auch spektakuläre Akrobatiken benutzt.
Zwei Hauptrichtungen
Es wird zwischen zwei Hauptrichtungen unterschieden: Dem „alten“ Capoeira Angola und dem „modernen“ Capoeira Regional.
Die afrikanischen Elemente verschmolzen im Capoeira Regional im Laufe der Jahre zusätzlich mit Einflüssen anderer Kampfkünste wie zum Beispiel Ringen, Ju Jutsu und Wushu. Besonders im letzten Jahrhundert erfuhr sie Einflüsse aus anderen Kampfkünsten und entwickelte sich zu einem modernen und sehr vielfältigen Sport.
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Die Roda und die Musik
Herzstück der Capoeira ist die Musik. Das wichtigste Instrument ist der Berimbau, ein Musikbogen mit einer Seite, die nicht gezupft, sondern mit einem kleinen Stöckchen geschlagen wird.
Die Kampfkunst wird besonders von drei Elementen geprägt: dem Kampf, der Musik und der "Roda" (portugiesisch für "Kreis"). Der Kampf, der oft auch als Spiel bezeichnet wird, findet innerhalb der Roda statt. Die Roda, der Kreis, bildet den gesellschaftlichen Rahmen, in dem der Kampf stattfindet. Den Ton gibt hierbei die Musik an, die durch verschiedene traditionelle Instrumente untermalt wird. Ein gebogener Holzstock mit Drahtsaiten, Berimbau genannt, bestimmt den Rhythmus und somit auch das Geschehen innerhalb der Roda.
Vorteile von Capoeira
Das Capoeiratraining fördert Beweglichkeit, Gleichgewicht, Kraft, Ausdauer, Rhythmusgefühl, Koordination, Selbstbewusstsein und Reaktionsvermögen und gibt einen Einblick in die bunte Kultur Brasiliens.
- Spaßfaktor: Capoeira trainiert nicht nur den ganzen Körper, sondern macht auch noch richtig Spaß! Im Training wie auch im Spiel mit dem Gegner wird viel gelacht und es herrscht eine tolle Stimmung. Die Bewegungen sind so vielfältig, dass jeder auf seine Kosten kommt: Ob Akrobatik, Tritte, komplizierte Bewegungen oder Musik, es ist alles dabei.
- Fettabbau: Da man ständig in Bewegung ist, eignet sich Capoeira sehr gut, um Kalorien zu verbrennen. Gerade das Spiel mit dem Gegner ist sehr intensiv und anstrengend.
- Herz-Kreislauf-System: Je nach Musik erfolgen die Bewegungen langsamer oder schneller. So kann das Training ganz auf die körperlichen Belastbarkeit angepasst werden. Capoeira eignet sich sowohl für Verbesserungen im aeroben als auch im anaeroben Bereich.
- Ausdauer: Durch mittlere bis hohe Belastung, gut als Intervalltraining geeignet.
- Koordination: Die spektakulär aussehenden Bewegungen erfordern ein hohes Maß an Koordination, die Schritt für Schritt aufgebaut wird, sodass schon bald Kombinationen aus den kompliziertesten Bewegungen möglich sind. Auch das Rhythmusgefühl wird verbessert, da das Training zu Musik stattfindet.
- Kraft: Die gesamte Muskulatur wird gestärkt, ganz besonders Oberarme, Po und Bauchmuskulatur. Viele Bewegungen ähneln Bodyweight-Übungen und trainieren Muskelgruppen mithilfe des eigenen Körpergewichts.
Worauf man achten sollte
Für das Training der Capoeira gibt es keine besonderen körperlichen Voraussetzungen - jede*r kommt im eigenen Tempo und den eigenen Möglichkeiten entsprechend Stück für Stück voran.
Bewegungen wie Sprünge und Akrobatik belasten die Gelenke teilweise stark. Deswegen ist Capoeira bei bestehenden Gelenkproblemen nicht zu empfehlen.
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Positiv: Durch die Stärkung der Rumpfmuskulatur wird der Rücken generell entlastet.
Bei allen Übungen ist auf eine gute Haltung und einen geraden Rücken zu achten, damit es nicht zu Fehlbelastung kommt.
Kontraindikation: Nicht geeignet bei Knieproblemen und Beschwerden anderer Gelenke. Kein Training bei akuten Erkrankungen!
Trainingstipps
Viele Bewegungen erscheinen anfangs unmöglich und viele haben Probleme, Arme und Beine irgendwie in die richtige Richtung zu koordinieren. Oft klappen die Dinge nicht so, wie man sie gern hätte.
Doch schon nach wenigen Wochen sieht große Verbesserungen in Beweglichkeit, Ausdauer, Koordination und auch Kraft zu sehen. Also durchhalten und dabei bleiben.
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Wo kann man Capoeira lernen?
Capoeiratraining findet in Vereinen, Fitnessstudios, Kulturzentren oder Kampfkunstschulen statt und ist in der Regel recht günstig. Trainiert wird barfuß in Capoeirahose und Shirt.
Da die Capoeira nicht mit Kontakt gespielt wird, sondern ohne den Gegner zu berühren, sind Verletzungen sehr selten.
