Andy Kaufman und sein Wrestling-Hintergrund

Andy Kaufman war ein absonderlicher Kerl, den man vorstellen muss. Mit der Besprechung des Films würde ich sagen. Jim Carrey gab den Protagonisten. Ihm war die Rolle wie auf den Leib geschnitten, vermutlich spielte er sich auch selbst. Was man kritisieren kann, wenn man möchte. Der spielte in vielen albernen Filmen mit, wie ACE VENTURA, DIE MASKE und DUMM UND DÜMMER, und erhielt dafür teilweise Preise für die schlechteste oder eine gute Darstellung, bis er durch DIE TRUMAN SHOW endlich ernst genommen wurde.

Andy Kaufman polarisierte, und war ziemlich verrückt, und Carrey ist immerhin eine Sache für sich. Seine Grimassen und Verrenkungen sind eine Wucht, aber endlich verstanden viele, dass er diese nicht braucht, um eine Rolle auszufüllen.

Die Darstellung wurde noch von zahlreichen echten Stars aus anderen Bereichen verstärkt, die sich großartig selbst spielten. Etliche Freunde, Bekannte, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der toten Vorlage sind im Film ebenfalls zu sehen, allerdings nur in kleinen Nebenrollen oder als Statisten.

Das Meiste von dem, was der Film zeigt, beruht auf wahren Begebenheiten, die mehrmals lediglich leicht abgewandelt worden sind, auch zeitlich. Nichts wurde übertrieben dargestellt ! Tatsächlich wurde die Öffentlichkeit sogar über Jahre hinweg hinter das Licht geführt ! Enorm, dass Kaufmann aufgrund mancher Aktionen auch körperliche Verletzungen in Kauf nahm.

Die Figur dirigiert meistens auch diejenigen, die diesen Andy Kaufmann für bescheuert halten. Der macht viel, von dem, was Menschen normalerweise nicht machen, egal wo, und ist damit doch wohl auch ein Inbegriff für das, was künstlerische Freiheit genannt wird.

Formans Kunst bestand auch daraus, oft unauffällig zu inszenieren, so stimmig, dass die Dramaturgie das Publikum unterschwellig ins Geschehen zieht. Und bei der Inszenierung von DER MONDMANN war er brillant darin, die Kommunikation zwischen Publikum und Künstler (Ist das Kunst?) einzufangen, im kleinen Club, oder später in riesigen Hallen.

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Der Protagonist ist vielseitig präsent. Gut überlegt, werden skeptische Gesichter im richtigen Moment erwischt. Dann sieht man beispielsweise das innere Brodeln, von Menschen, die sich nie sicher sein können, ob sie in den falschen kreativen Kopf investiert haben. Unbekannte, die das alles nicht fassen können, ablehnen, willkommen heißen, hassen oder lieben.

Da sitzt dann eines Tages einer, der es spannend findet, was Kaufman performt. Fernsehproduzent George Shapiro, der immer auf der Suche nach neuen Talenten ist. Die Figur nähert sich dem Wahnsinnigen an, und pendelt dabei zwischen der Vorsicht, die man einem wilden Tier oder einem Kind gegenüber hat, und dem Interesse an der Kreativität, um herauszufinden, was mit diesem Herren möglich ist.

Kaufmann stellt denen, die das Ruder in der Hand halten, Bedingungen, lehnt deren Vorschläge praktisch immer chronisch ab, lässt sich nicht reinreden, und lebt davon, Eklats zu verursachen. Die komplette Verweigerung einer Performance, wie sie für gewöhnlich ins Programm gehört, darf auf einmal geboten werden, er erfinden dazu auch "dreidimensionale", manchmal maskierte, Figuren, wie Tony Cliffton.

Letztendlich ist das Spiel des etwas anderen Entertainers noch viel mehr. Er zeigt im Grunde vor, dass die Art und Weise, wie wir nach außen hin auftreten, immer auch eine Person darstellt, die auf dem beruht, was wir gesellschaftlich, kulturell und politisch beeinflusst durch Vorgaben, vorgelebt, erwarten.

Kaufmann hält mit seiner Fiktion der Realität den Spiegel vor, und kennt dabei kaum eine Grenze. So hat Forman auch einen Film gedreht, mit unendlich vielen Szenen, die sich unvorhersehbar entwickeln, was natürlich ganz im Sinne des Porträts ist. Auch, wenn einem bewusst ist, dass alles immer nur gespielt sein kann, werden durch die Vorgänge meistens viele Emotionen aufgeweckt.

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Und dann ringt er vor der Kamera eine Frau namens Lynne Margulies nieder, und verliebt sich dabei in sie. Courtney Love verkörperte diese Frau toll, und bewies damit, dass sie beträchtlich mehr kann als Singen (Band: Hole), zu polarisieren und die Ex von Kurt Cobain zu sein.

Andy Kaufman und das Wrestling

Neben seiner Parodie auf Jimmy Carter war er als Elvis-Parodist bekannt. Und zwar so gut, dass der echte Elvis davon begeistert war. Kaufman betrieb Wrestling und trat dabei gegen Frauen an. Allerdings war auch dies inszeniert. Und so ging es durch die Karriere von Andy Kaufman weiter.

Ein hohes Tier versucht den Protagonisten in einem tragbaren Rahmen arbeiten zu lassen. Aber jeder Auftritt ist für alle Seiten ein Tanz auf Messers Schneide, emotional und finanziell. Schiavelli hat das erwähnte Tier gemeistert.

Formans Kaufman tritt im Bordell befreiend komisch auf, das verspreche ich hoch und heilig.

Kaufman, ein Meister der Irritation, verstand es perfekt, sein Publikum nicht nur zu unterhalten, sondern auch zu verunsichern und gleichzeitig magisch anzuziehen. Seiner Zeit weit voraus, würde man seinen Anti-Humor heute vermutlich weltweit feiern.

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Mit seinem Alter Ego Tony Clifton - einem unverschämten, durchgeknallten Schmierensänger - und später mit einer kontroversen „Karriere“ als Wrestling-Star, der gegen Frauen kämpft, provoziert Kaufman sein Publikum zunehmend.

Regisseur Miloš Forman, der bereits mit „Einer flog über das Kuckucksnest“ und „Larry Flynt - Die nackte Wahrheit“ sein Gespür für kontroverse Charaktere bewies, bringt Andy Kaufmans schillerndes Leben perfekt auf die Leinwand.

Besonders bemerkenswert ist Formans Entscheidung, zahlreiche Weggefährten Kaufmans in Nebenrollen auftreten zu lassen, was dem Film eine zusätzliche Ebene der Authentizität verleiht.

Die Besetzung von Jim Carrey als Andy Kaufman erweist sich als Geniestreich. Carrey taucht nicht nur in die Rolle ein - er wird zu Kaufman. Seine Verkörperung geht weit über bloße Imitation hinaus; er erfasst die Essenz des Komikers mit all seinen Facetten, von seinen berühmten Bühnenauftritten bis hin zu seinen intimsten Momenten.

Danny DeVito, der mit dem echten Kaufman in „Taxi“ spielte, bringt als George Shapiro eine warmherzige Präsenz in den Film. Die Chemie zwischen Carrey und DeVito vermittelt glaubhaft die komplexe Beziehung zwischen dem exzentrischen Künstler und seinem pragmatischen Manager.

Die wahre Magie entsteht jedoch in den Momenten, in denen Carrey Kaufmans verschiedene Persönlichkeiten verkörpert - vom schüchternen Ausländer Latka über den unausstehlichen Tony Clifton bis zum provokanten Wrestling-Star.

Der großartige Danny De Vito ist als Andy Kaufmans erster Manager George Shapiro zu sehen. Der Clou an seinem mitwirken liegt darin, dass er bereits mit dem echten Andy Kaufmann in der Serie „Taxi“ (1978-1983) als Louie de Palma, Chef von Kaufmans Figur Latka zusammen spielte.

„Man on the Moon“ ist ein faszinierendes Biopic, das weit mehr bietet als die bloße Nacherzählung eines Künstlerlebens. Der Film spiegelt in seiner Struktur Kaufmans eigene Kunst wider: Er überrascht, verwirrt gelegentlich und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

GLOW: Gorgeous Ladies of Wrestling

Komiker wie Andy Kaufman parodierten und bewunderten das Spektakel, und es hat bis heute in einer gar nicht so kleinen Nische überlebt.

Die in den Netflix-Serie agierenden Figuren sind zwar an echte Vorbilder angelehnt, doch Anspruch auf historische Akkuratesse erhebt "GLOW" nicht. Die Macherinnen haben vielmehr das Potenzial des doppeldeutigen Ambientes erkannt.

Man on the Moon: Das Lied

In „Man on the Moon“ wird hinterfragt. Dafür eignet sich die Hauptfigur Andy Kaufman am besten. Er ist der Geist, der Sänger und Autor Michael Stipe auf der Reise durch die Kindheit und entlang der Prüfsteine des Lebens begleitet.

Kaufman, inzwischen zum Star aufgestiegen, weigert sich zwanghaft, Erwartungen zu erfüllen und tut im Grunde immer nur das Gegenteil davon. Seine sonderbare Faszination für Wrestling bringt ihm neben jeder Menge Aufmerksamkeit auch viel Ärger ein. Die Crux: Er kämpft zwar im Ring wie ein Mann, aber nur gegen Frauen, was die Öffentlichkeit zum Rasen bringt.

Die Stationen seines Lebens arbeitet Forman recht konventionell und chronologisch ab - mit einem klaren Fokus auf den künstlerischen Schaffensjahren. Der private Kaufman scheint nur ab und an durch, doch dieser war in der Realität eh kaum greifbar, da er immer irgendeine Rolle spielte und sich vollkommen in diese reinsteigerte. Das bildet auch Forman in „Der Mondmann“ ab.

Kaufman betrieb Wrestling und trat dabei gegen Frauen an. Allerdings war auch dies inszeniert.

Jerry Jarrett und die Inszenierung von Jerry Lawler

Jerry Jarrett kreierte das Phänomen Jerry „The King“ Lawler Jerry Jarrett war der Sohn von Christine Jarrett, einer der ersten weiblichen Promoterinnen.

Zusammen mit Lawler baute Jarrett ab 1977 seine eigene Liga auf, die CWA (Continental Wrestling Association - nicht zu verwechseln mit der deutsch-österreichischen Catch Wrestling Association von „Big“ Otto Wanz).

Das berühmteste Beispiel dafür, wie Jarrett seiner Zeit voraus war, war die Fehde zwischen Lawler und dem tragisch jung verstorbenen Hollywood-Komiker Andy Kaufman, filmisch verewigt später auch mit Jim Carrey in dem Kaufman-Biopic „Man on the Moon“.

Wrestling-Fan Kaufman hatte sich auch der späteren WWE angeboten, aber der damals noch regierende Vince McMahon Sr. lehnte ab: Von der Idee, die das Konzept „Sports Entertainment“ seines Sohns Vince Jr. vorwegnahm, wollte der traditioneller eingestellte Vater nichts wissen.