Andrew Geoffrey Kaufman, der am 16. Mai 1984 viel zu früh verstarb, blieb der Welt als vielleicht brillantester Humorkünstler in Erinnerung: Er war ein Entertainment-Genie, der mit unorthodoxen Ideen und unglaublichem Einfallsreichtum das Comedy-Geschäft revolutionierte.
Hollywood-Superstar Jim Carrey verehrte ihn und setzte ihm Ende der Neunziger mit seiner Performance im Film "Man on the Moon" ein würdiges Denkmal. Die Band R.E.M. verewigte ihn schon sieben Jahre zuvor in einem Song mit demselben Namen:Mott the Hoople and the Game of Life - yeah, yeah, yeah, yeahAndy Kaufman in the wrestling match - yeah, yeah, yeah, yeah
Auch Regisseur Milos Forman widmete sich Andy Kaufman und dem einstigen "Saturday Night Live"-Star einen Spielfilm, mit Starkomödiant Jim Carrey in der Hauptrolle. Es lag nahe, den Film ebenfalls "Man on the Moon" zu nennen, für den deutschen Markt leider eingedeutscht in "Der Mondmann".
Es war ein Stilmittel, das es im Wrestling genauso gibt, dort nennt man es "Worked Shoot".
Kaufmans Wrestling-Faible
Und ganz nebenbei hatte er auch noch ein Faible für das Wrestling, für das der am 17. Januar 1949 geborene New Yorker ebenfalls ein Faible hatte.
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Auf der Bühne erzählte er keine Witze, er kreierte Situationen und reizte sie aus, spielte dabei oft mit dem Reiz der Täuschung, vermischte kunstvoll Realität und Fiktion. Immer wieder fiel er aus der Rolle und produzierte scheinbar reale Eklats: Auf Comedy-Bühnen inszenierte er gewalttätige Übergriffe seines cholerischen Sänger-Alter-Egos Tony Clifton auf vermeintlich unbeteiligte Fans. Einen Sketch bei der Show "Friday's" brach er mittendrin ab löste damit eine Prügelei aus - aber auch diese waren am Ende nur Teil seiner Show.
Zu Kaufmans berühmtesten Auftritten gehörten die als "Inter-Gender Wrestling Champion of the World", in denen der schmächtige Kaufman sich Schein-Kämpfe mit Frauen lieferte, diese Idee wollte er bei WWE auf die nächste Stufe heben.
WWE gab Andy Kaufman einen Korb
Kaufman war wie geschaffen für sein Wrestling-Gastspiel, denn seine Philosophie deckte sich in vielerlei Hinsicht mit der Showsport-Branche. Promoter Vince McMahon Sr., damals noch anstelle seines Sohnes bei der früheren WWF in der Verantwortung, lehnte das jedoch ab, er wollte seinen Ring frei halten von derartigen Spirenzchen (unter seinem Sohn undenkbar).
Kaufman nahm dann stattdessen Kontakt zu Jerry "The King" Lawler auf, dem regionalen Superstar in Memphis, Tennessee. Der schlug begeistert ein.
Zusammen mit einer regionalen Showkampf-Größe, die später auch bei WWE zur Legende wurde, heckte er eine eigenwillige Crossover-Rivalität aus, mit der er große Teile Amerikas unterhielt und reinlegte.
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In der Heimatstadt von Elvis Presley (dessen Imitation Kaufmans Glanznummer war) baute Lawler eine Fehde mit dem prominenten Gast auf - der sich vorher gekonnt die kalte Wut des Südstaaten-Publikums zuzog.
In perfekt auf sein Zielpublikum abgestimmten Videoeinspielern stellte Kaufman klar: "I am from Hollywood, I have the brains" - und erteilte den "Rednecks" höhnische Nachhilfestunden, wie sie Seife und andere Hygieneartikel zu benutzen hätten, um den Gestank in ihrer Gegend zu bekämpfen ("Ladies and gentlemen: this is toilet paper!").
Als der Provokateur Kaufman dann 1982 tatsächlich gegen Lawler antrat, war die Genugtuung der Fans groß, als der "King" dessen Kopf mit seiner Piledriver-Spezialaktion in die Matte rammte.
Lawler und Kaufman traten danach gemeinsam in der Late-Night-Show von David Letterman auf und gifteten dort weiter gegeneinander: Kaufman, der noch eine Halskrause trug, warf Lawler vor, in dem Kampf zu weit gegangen zu sein, ihm absichtlich den Hals gebrochen zu haben. Dabei hätte er doch nur eine Rolle gespielt.
Lawler wiederum zeigte sich genervt, dass Kaufman sich nicht beruhigen konnte und fegte ihn schließlich mit einer schallenden Ohrfeige aus dem Stuhl - worauf Kaufman eine gewaltige, nicht jugendfreie Schimpfkanonade losließ und mit Klage drohte.
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Die Auflösung der Fehde
Erst in den Neunzigern stellte Lawler klar, dass nicht nur das Wrestling-Match, sondern auch der Letterman-Auftritt reine Scharade war. Kaufman hatte sich in dem Match zwar tatsächlich ungeplant verletzt, aber nicht so schwer, wie sie es dargestellt hätten.
Der "King" war dann auch mit dabei im Jim-Carrey-Film und stellte die berühmte Fehde dort noch einmal nach (wobei Kaufman hinter der Kamera nie wirklich so unberechenbar war, wie er in dem Film dargestellt wurde). Kaufman war zwei Jahre nach der Fehde mit nur 35 Jahren an Lungenkrebs gestorben.
Obwohl Kaufman keinerlei athletischen Anlagen hatte, waren seine Wrestling-Auftritte ähnlich bahnbrechend wie die auf der Comedy-Bühne.
Auch Milos Forman nahm sich des Themas an und schuf mit „Der Mondmann“ ein Biopic über Andy Kaufman.
Die Stationen seines Lebens arbeitet Forman recht konventionell und chronologisch ab - mit einem klaren Fokus auf den künstlerischen Schaffensjahren. Der private Kaufman scheint nur ab und an durch, doch dieser war in der Realität eh kaum greifbar, da er immer irgendeine Rolle spielte und sich vollkommen in diese reinsteigerte. Das bildet auch Forman in „Der Mondmann“ ab. Brillant bebildert er die Finesse, die Kaufman für seine Finten an den Tag legt.
Mit Peter Weirs Meisterwerk Die Truman Show (1998) hatte der bisherige Clown Jim Carrey („Ace Ventura“, „Die Maske“) plötzlich schauspielerisches Talent erkennen lassen, das zuvor niemand für möglich gehalten hatte. Doch in „Der Mondmann“ legt der Komiker noch einmal zu und liefert die beste Leistung seiner Karriere ab - eben weil die Rolle des Andy Kaufman, den Carrey bewundert hat, zu hundert Prozent auf seinen Leib passt. Niemand anderes hätte diese Rolle ähnlich stimmig spielen können.
Der Ton des Films ist Kaufmans Charakter angemessen tragisch-komisch.
Die Berlinale-Jury 2000 prämierte "Der Mondmann" mit dem silbernen Bären für die beste Regie. Jim Carrey erhielt in den USA den "Golden Globe" für seine schauspielerische Leistung.
