Zen Kunst der Selbstverteidigung: Unterschiede zwischen Karate und Taekwondo

Grundlegend für alle martialischen Künste ist dabei, dass der Kampfsportler nicht angreift, sondern das Erlernte zur Abwehr oder sogar zur Friedfertigkeit nutzt. Doch vorher steht dem Anfänger, welcher Kampfkunst auch immer, stets ein jahrelanger Weg des Erlernens bevor. Denn die zahlreichen Faustschläge, Sprünge, Hebel- und Abwehrtechniken, später die Ausweichmanöver oder Angriffskombinationen, sind ungewohnt und schwierig.

Bei allem wird der Schüler noch mit dem konfrontiert, was in ihm ist, und was er zu jedem Training mitbringt: Angst, schlechte Konzentration, fehlende Kraft und eine ungenügende Körperhaltung. Das stetige Üben, der Durchhaltewille, nicht verbissen, doch beharrlich, bauen diese Mängel nach und nach ab. Dabei spielt der Lehrer, der Meister, eine wichtige Rolle. Er zeigt Wege auf, fordert und fördert so seinen Schüler. Und wenn aus dem Anfänger mit dem weißen Gürtel nach vielen Jahren ein Träger des schwarzen Meistergürtels geworden ist, dann liegt ein langer Weg zu Weisheit und Kraft hinter ihm.

Karate: Der Weg der leeren Hand

Nadine Zahn, Shaolin-Karatemeisterin, erklärt: "Shaolin bedeutet ja eigentlich kleiner oder junger Wald. Kempo bedeutet ja Faust, oder der Weg der Faust und Karate heißt ja auch Weg der leeren Hand. Und für mich ist es einfach interessant, sich mit der leeren Hand, ohne Waffen zu wehren."

Bei allen Wesenverwandtheiten gibt es dennoch Unterschiede vom Shotokan zum Shaolin-Kempo-Karate. Shaolin-Kempo-Karate ist durchmischt von chinesischen Kung Fu-Elementen und japanischem Karate. Daher auch der Zwittername. Diese Synthese von Elementen hat womöglich seinen Ursprung im Zweiten chinesisch-japanischen Krieg, als der 1928 in der Mongolei geborene Dschero Kahn Chen Tao diese Kampfkunst entwickelte. Ab den 1960er Jahren verbreitete sich Shaolin-Kempo-Karate in Europa.

Frank Takacs, Karatemeister, sagt: "Am besten ist es, man kann alle Bücher wegwerfen. Und das sage ich jetzt sowohl als Kampfkünstler, ich habe hier ja meterweise Karatebücher im Regal stehen, habe ich alle gesehen. Muss ich im Prinzip nicht weiter haben. Die stehen da, weil es schöne Bücher sind." Der heute 50-jährige Frank Takacs ist sowohl Diplomingenieur als auch Träger des 5. Dan im Shotokan-Karate. Seit rund 30 Jahren unterrichtet Frank Takacs das Shotokan-Karate des Gichin Funakoshi.

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Nadine Zahn: "Wir machen nicht nur starres Vor- und Zurückgehen. Das ist ja oft beim Shotokan so, dass da viel Grundschule ist mit Vor- und Zurückgehen. Sondern wir haben beim Kempo auch extrem viele Partnerübungen, wir machen sehr viel Selbstverteidigung, bringen wir auch mit rein, wir haben Hebel- und Würgetechniken aus dem Jiu Jitsu, Fallschule aus dem Judo, aus dem Kobudo, das heißt, wir nehmen auch Waffen in die Hand, nicht nur Stöcker, Messer und Tonfa, und BOs."

Nadine Zahn: "Man hat ein Ziel, den Weg, den man eben geht. Man sagt ja auch: der Weg ist das Ziel. Das heißt, man setzt sich Grenzen. Man sagt sich, ich möchte mal nen Schwarzgurt haben. Und daraufhin habe ich trainiert. Mittlerweile habe ich den dritten Schwarzgurt und sage mir natürlich ist das noch nicht alles. Ich gebe mich damit noch nicht zufrieden. Möchte noch mehr Erfahrung, noch mehr Aufnehmen, saugen. Man entwickelt sich so als Schwarzgurt, man guckt halt. Die eine geht mehr so in die Selbstverteidigung rein, die Schiene, der andere mag mehr so dieses statische Karate."

Taekwondo: Der koreanische Kampfsport

Chae-Su-Ung: "Taekwondo ist koreanischer Kampfsport. Und Tae bedeutet Fuss, und Kwon bedeutet Faust und Arm und Abwehr. Do ist ein geistlicher Weg." Der geistige Weg, ist auch im Koreanischen Nationalkampfsport Taekwondo präsent. Auch hier waren die ursprünglichen Handkantenschläge, Tritte und Sprünge dem chinesischen Kung-Fu und damit der Zen-Praxis entlehnt.

Anders aber als Karate, Kyudo oder Kendo, die eher Menschen ansprechen, die einen Weg zur Erkenntnis suchen, zieht das dynamische, moderne und mit seinen Drehsprüngen attraktive Taekwondo Millionen Jugendliche weltweit an. Taekwondo ist eher ein Kampfsport als eine Kampfkunst, darum ist es auch seit kurzem eine olympische Disziplin.

Chae-Su-Ung: "Taekwondo ist nicht brutal, sondern intelligente Sportart. Selbstverteidigung. Weltmeister natürlich bessere Technik zeigen, bessere Motivation zeigen, bessere Moral. Schmerz muß durchhalten. Mehr trainiert, mehr Schmerzen gehabt." Taekwondo ist wie Judo olympische Disziplin.

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Taekwondo ist also nicht nur eine Sportart, sondern vor allem eine Form der Charakterbildung. Die beiden wichtigsten Bereiche des Taekwondo sind der Wettkampf und der Formenlauf. Der Formenlauf (Poomse) umfasst verschiedene, von der Gürtelgraduierung abhängige Formen, die jeweils eine bestimmte Bedeutung haben (z.B. Taekwondo ist die koreanische Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung.

Frei übersetzt bedeutet Taekwondo "Kunst des Fuß- und Handkampfes". Zusammengefasst weist Taekwondo demnach auf eine Technik der unbewaffneten Selbstverteidigung hin. Darunter versteht man das geschickte Ausweichen, Abfangen eines Angriffs mit Händen und Füßen sowie den Konter, der zur schnellen Ausschaltung des Gegners führt.

Ein Merkmal des Taekwondo ist es, Angreifer waffenlos, d. h. nur mit Händen oder Füßen abzuwehren. Alle Bewegungen im Taekwondo gehen von dem Grundsatz der Verteidigung aus. Es gibt kaum einen Teil des menschlichen Körpers, der nicht als Abwehrwaffe beim Taekwondo gebraucht werden kann: Hände, Finger, Fäuste, Knöchel, Ellbogen, Knie, Füße, Kopf, usw.

Taekwondo vermittelt nicht nur körperliche Kraft, sondern auch die Einsicht zu diszipliniertem Denken. Taekwondo ist eine Einheit, die sich aus der Beherrschung des künstlichen Bewegungsablaufs (Poomse), des Kampfes (Jayukyorugi) und des Brechens (Kyokpa) zusammensetzt. Dies erfordert große geistige Konzentration, mit der man wiederum beinahe unglaubliche Kräfte entwickeln kann.

Die Taekwondo-Kleidung, der Dobok, ist so geschnitten, dass sie sich jeder Körperbewegung anpasst. Das Weiß des Anzuges drückt moralische Reinheit und Anfang im Sinne der Zen-Philosophie aus.

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Taekwondo ist dann traditionell, wenn in der Ausbildung die traditionellen Wurzeln Quanfa/Kempo - Budo - Zen zu erkennen sind.

Vergleich von Karate und Taekwondo

Der Unterschied zu einer weiteren fernöstlichen Kampfkunst, dem Karate, der hier wohl in erster Linie interessiert, ist mit dem Hinweis auf die Bevorzugung der Fußtechniken alleine nicht erklärt. Trotz der Unterscheidungsmerkmale, die im Vergleich zu Karate auftreten wird eine solche Vielfalt, wie sie Taekwondo aufweist, von keiner anderen, artverwandten Disziplin erreicht.

Merkmal Karate Taekwondo
Ursprung Japan Korea
Fokus Gleichgewicht zwischen Hand- und Fußtechniken Betonung der Fußtechniken
Wettkampf Nicht olympisch Olympische Disziplin
Philosophie Weg der leeren Hand Geistiger Weg