Vince McMahon: Vom Wrestling-Mogul zum umstrittenen CEO der WWE

Vince McMahon ist ein Name, den in der Wrestling-Welt vermutlich jeder kennt. Schon als kleiner Junge war er fasziniert von der Schaukampf-Sportart. Sein Vater hat in den 1950er-Jahren mit der Gründung eines Wrestlingverbandes den Grundstein für die heutige WWE (Word Wrestling Entertainment) gelegt und seinem Sohn die Leidenschaft vererbt.

Wenige Stunden vor Beginn der WWE-Megashow WrestleMania platzte eine Bombe: Der Verkauf der Liga an das Mutterunternehmen von UFC soll unmittelbar bevorstehen. Der Wrestling-Marktführer und das MMA-Pendant UFC formieren ein neues Kampfsport-Imperium!

Die Anfänge und der Aufstieg zum Wrestling-Imperium

1983 kaufte Vince McMahon seinem Vater die damalige WWF ab. Innerhalb weniger Jahre führte er sie an die Spitze der Liste verschiedener Verbände und entwickelte sich zum einflussreichsten Menschen in der Wrestlinggeschichte. Alle berühmten Namen, die wir heute im Wrestling kennen, sind unter der Leitung von McMahon groß geworden: Dwayne "The Rock" Johnson, Hulk Hogan, John Cena, Dave Bautista - sie alle kämpften für die WWE.

Vince ist ein Visionär und hat angefangen, den Kämpfen einen Show-Charakter zu verleihen, was sie für die Medien und auch für das Publikum spannender macht. Zudem werden die Fights ab den 80er-Jahren auch im TV ausgestrahlt und können zeitweise mehr Zuschauende vorweisen als die National Football League.

McMahon, der einst selbst im Ring stand, wusste, wie er die Marktbedingungen und das geschäftliche Umfeld zu seinem Vorteil nutzen konnte. Zwischen 1982 und 2023 hatte er als Mehrheitseigentümer und Wrestling-Mogul erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der WWE und steigerte sein Vermögen auf bemerkenswerte Höhen.

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Vermögen und Einfluss von Vince McMahon

Das geschätzte Nettovermögen von Vince McMahon wird 2024 auf etwa 3,5 Milliarden US-Dollar beziffert. Als Mehrheitsaktionär der WWE besitzt McMahon sowohl Class-B- als auch Class-A-Aktien, die einen erheblichen Teil seines Vermögens ausmachen. Laut Forbes zählt McMahon zu den reichsten Persönlichkeiten im Sport, und seine Rolle als Promoter hat ihm geholfen, das Vermögen weiter zu steigern. WWE hat maßgeblich zum beeindruckenden Vermögen von Vince McMahon beigetragen, das derzeit bei etwa 2,79 Milliarden Euro geschätzt wird.

Der Erwerb von Zuffa, LLC im Jahr 2016 war ein entscheidender Wendepunkt in seiner Laufbahn. Die Übernahme von Zuffa, LLC, dem Unternehmen hinter der UFC, für 9,3 Milliarden Euro zeigt die weitreichenden Investitionen, die McMahon und die WWE in das Wrestling und die Veranstaltungsbranche getätigt haben.

Kontroversen und Rücktritte

Im Laufe der Jahre wurden aber auch kritische Stimmen immer lauter. Der "skrupellose Boss" soll nicht nur eine gespielte Figur sein, sondern auch im wahren Leben den Charakter des Unternehmers widerspiegeln. Es kam vermehrt zu Todesfällen von Wrestlern in Folge von Steroid-Missbrauch, der vom Chef persönlich unterstützt worden sein soll. Damit nicht genug, meldeten sich 2022 mehrere ehemalige Angestellte zu Wort und werfen McMahon sexuelle Gewalt sowie Machtmissbrauch vor. Angeblich soll er vier Frauen Schweigegeld in Höhe von 12 Millionen Dollar gezahlt haben.

Im Juli 2022 trat Vince McMahon zum ersten von zwei Malen zurück, nachdem mehrere Vorwürfe wegen sexuellen Fehlverhaltens und anschließende Ermittlungen des WWE-Vorstands und staatlicher Behörden bekannt wurden. Am 17. Juni legte er sein Amt als CEO und Chairman nieder, blieb aber Chef im Kreativbereich. Am 22. Juni legte der WWE Boss sein Amt dann vollständig nieder. Seine Tochter Stephanie McMahon und Nick Kahn bilden nun die CEO Doppelspitze.

Nach dem Rücktritt von Vince McMahon aus dem WWE-Vorstand und den anschließenden Klagen, einschließlich der Vorwürfe von Janel Grant bezüglich sexueller Handlungen und Missbrauch, steht die Zukunft des Wrestling-Imperiums auf der Kippe.

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Die Fusion von WWE und UFC

Im April 2023 einigten sich WWE und Endeavor auf eine Fusion von WWE mit dem Vermögen von Endeavor, UFC. Die beiden Kampfsportunternehmen wurden offiziell zusammengelegt, als der Deal im September 2023 abgeschlossen wurde. Die UFC-Mutterfirma Endeavor hat sich mit WWE „definitiv“ auf eine Übernahme verständigt, wie alle beteiligten Unternehmen in der Nacht zum Montag in einer Mitteilung bestätigten. Die neue, börsennotierte Firma hat noch keinen offiziellen Namen, läuft vorerst aber unter dem Kürzel „TKO“.

Im Zuge der Übereinkunft soll ein neues Milliarden-Unternehmen entstehen, das zu 51 Prozent Endeavor und zu 49 Prozent den WWE-Aktionären um Firmengründer und Hauptanteilseigner Vince McMahon gehören wird. Nummer 1 in der Führungshierarchie ist aber Hollywood-Mogul und Endeavor-Chef Ari Emanuel - der bei WrestleMania schon in der ersten Zuschauerreihe saß - als CEO auch der neuen Firma.

Endeavor wird von Ari Emanuel geleitet, der sowohl CEO von Endeavor als auch von TKO ist. Endeavor kontrolliert im Wesentlichen WWE und behält auch die Kontrolle über UFC. Der Chief Operating Officer von TKO, Mark Shapiro (der gleichzeitig denselben Titel für Endeavor trägt), überwacht die obersten Führungskräfte von WWE einschließlich des Präsidenten Nick Khan sowie die Führungskräfte von UFC einschließlich Dana White.

Die Rolle von Vince McMahon nach der Fusion

Der in diesem Jahr nach seinem zwischenzeitlichen Rücktritt wegen Skandal-Enthüllungen an die Macht zurückgekehrte McMahon übernimmt eine Führungsrolle als „Executive Chairman“, Dana White soll UFC-Präsident bleiben, der bisherige WWE-CEO Nick Khan wird zum Präsidenten des WWE-Zweigs der neuen Firma. Alleinherrscher ist McMahon also nicht mehr, was auch erklärt, warum er seine Rolle bei WWE soeben mit einem Anstellungsvertrag auf eine neue formale Grundlage gestellt hat.

McMahon erklärte, dass er eine „größere“ Rolle in dem Kreativbereich spielen werde, schränkte aber auch ein, dass er sich nicht mehr so sehr „in die Details einschalten wird“, wie er es früher „geliebt“ hätte. Es klingt so, als ob McMahons Schwiegersohn Levesque seine Rolle als „Chief Content Officer“ behält.

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Aktuelle Eigentumsverhältnisse bei TKO

Stand September 2024 hält Vince McMahon - der vor 2023 die kontrollierende Eigentümerschaft von WWE hatte - immer noch etwa 4 % aller TKO-Aktien. Stephanie McMahon und Linda McMahon halten kleinere, aber wertvolle Anteile am Eigentum, zumindest seit dem letzten Mal, als sie 2023 Offenlegungen machen mussten.

Obwohl Vince einen Großteil seiner TKO-Aktien bis Ende 2023 und Anfang 2024 liquidierte, hat er entgegen einiger Missverständnisse bis zum 30. September 2024 nicht alle seine Aktien verkauft. An diesem Datum hält er noch immer 8.021.405 Aktien. Je nach Aktienkurs an einem bestimmten Tag hat Vincents verbleibendes TKO-Eigenkapital einen Marktwert von etwa einer Milliarde Dollar.

Die Zukunft von Vince McMahon

Vince trat im Januar 2024 ein zweites Mal zurück, nachdem eine neue Klage gegen ihn und WWE von der ehemaligen Mitarbeiterin Janel Grant eingereicht wurde. Vince hat nicht mehr denselben Weg zur Rückkehr ins Unternehmen, den er Anfang 2023 genutzt hat. Ohne Kontrolle über WWE/TKO kann er nicht unilateral ins Unternehmen zurückkehren. Sollte er zurückkehren wollen, bräuchte er im Wesentlichen die Kooperation der Führung von Endeavor.

Die Zukunft von Vince McMahon im Wrestling-Geschäft bleibt ungewiss, aber sein Einfluss und seine Bedeutung für die Entwicklung der WWE sind unbestreitbar.

Wichtige Akteure und Eigentumsverhältnisse bei TKO
Akteur Position/Anteil
Ari Emanuel CEO von Endeavor und TKO
Mark Shapiro COO von Endeavor und TKO
Nick Khan Präsident des WWE-Zweigs von TKO
Dana White Präsident von UFC
Vince McMahon Ehemaliger CEO und Executive Chairman der WWE, hält ca. 4% der TKO-Aktien (Stand September 2024)
Endeavor Mehrheitsaktionär von TKO (ca. 60% der Aktien)