Wrestling Mexiko-Stadt: Eine faszinierende Geschichte

Wer Mexiko bereist, kommt an der Hauptstadt nicht vorbei. Die Achtmillionenmetropole Mexiko-Stadt - im Ballungsraum leben gar 25 Millionen Menschen - bietet genug Spektakel für einen ganzen Urlaub. Wer in Mexiko Urlaub macht, sollte auf einen Stopp in der Hauptstadt nicht verzichten.

Auch unser Zwischenhalt dauert 48 Stunden. Wir stürzen uns ins Alltagsleben der insgesamt 16 Bezirke und in die ersten Reihen einer mexikanischen Wrestlingshow. In kaum einer anderen Stadt weltweit kann man in so kurzer Zeit so viel erleben.

Die Ursprünge von Lucha Libre

Hast Du schon einmal von Lucha Libre gehört? Es ist eine Sportart, genauer gesagt eine Form des professionellen Wrestlings, die sich in Mexiko entwickelt hat und die untrennbar mit der dortigen Alltagskultur verbunden ist.

Lucha Libre begann in den frühen 1930er Jahren, sich in Mexiko zu entwickeln und an Beliebtheit zu gewinnen. Entstanden ist der Lucha anscheinend in den 1930er Jahren, als Salvador Lutteroth das Wrestling aus den USA nach Mexiko brachte. Aus dieser Zeit stammt auch die älteste noch aktive Wrestling-Promotion der Welt, die Consejo Mundial de Lucha Libre (CMLL).

Während eines Aufenthalts in El Paso, Texas, besuchte der mexikanische Geschäftsmann Salvador Lutteroth 1929 zum ersten Mal einen Wrestling-Kampf. In den USA erfreute sich diese Mischung aus Kampfsport und inszeniertem Schauspiel, bei dem nicht mehr sportlicher Wettkampf, sondern die Unterhaltung des Publikums im Vordergrund stand, wachsender Beliebtheit. Doch in Mexiko war Wrestling praktisch unbekannt.

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Zurück in seiner Heimat stieß Lutteroth mit seinem Enthusiasmus zunächst auf taube Ohren: Als er 1933 als Chef seiner frisch gegründeten Promotion-Agentur "Empresa Mexicana de Lucha Libre" auf der Suche nach geeigneten Austragungsorten durch Mexiko-Stadt tingelte, wollte ihm niemand eine der großen Sporthallen der Stadt zur Verfügung stellen.

Doch Lutteroths Glück sollte sich schon bald zum Besseren wenden: Innerhalb nur eines Jahres zogen die Wrestling-Kämpfe nach US-Vorbild regelmäßig mehr als 5000 begeisterte Zuschauer in die Arena Modelo. Zugleich kam ihm eine Idee, wie er Lucha Libre über das bloße US-Wrestling erheben und ihm ein eigenes Gesicht geben könnte: Indem er die Gesichter der Kämpfer hinter bunten Masken verhüllte und fiktive Schurken- und Superheldenidentitäten für sie entwarf. Besonders nach der Einführung der Masken, die ein Markenzeichen des Lucha Libre wurden, gewann der Sport rasant an Beliebtheit und einige berühmte Luchadores wurden zu regelrechten Ikonen, die ihrem Sport in der ganzen Bevölkerung zu Bekanntheit verhalfen.

Was ist Lucha Libre?

Bei Lucha Libre (was wörtlich „freier Kampf“ bedeutet) handelt es sich um einen Zweikampf, der üblicherweise in einer Art Boxring ausgetragen wird. Allerdings nach bestimmten Regeln: Ziel ist, den Gegner hinunter auf die Matte zu bringen und ihn bzw. sie dort zu halten, während der Ringrichter auf drei zählt. Ist der Gegner bei drei noch nicht wieder oben, zählt das als „Pin“.

Ein Match muss aber nicht immer mit einem Sieg enden; manchmal sieht sich ein Luchador zur Aufgabe gezwungen oder wird disqualifiziert. Im Gegensatz zum amerikanischen Wrestling geht es beim Lucha Libre viel mehr um komplexe Technik.

Es gibt eine Vielzahl von Griffen, Würfen und Sprüngen, die nicht nur spektakulär aussehen, sondern die auch viel Raum für Abwechslung, Improvisation und Überraschung bringen. Trotz aller Show gibt es wichtige Regeln, die immer respektiert werden.

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Die Masken: Ein Markenzeichen

Die Zweikämpfe sind zwar an sich schon spannend, aber was Lucha Libre ganz offensichtlich von anderen Wrestling-Formen unterscheidet, sind die knallbunten Masken. Fast alle Luchadores und Luchadoras haben eine einzigartige Maske, die bei jedem Kampf und auch bei öffentlichen Auftritten getragen wird.

Hierbei geht es nicht darum, die Identität der Sportler zu verbergen, sondern vielmehr wird eine neue Kampf-Persona, ein Alter-Ego erschaffen, mit eigenem Charakter und Geschichte - repräsentiert durch die auffällige Maske. Riesiges Aufsehen erregen besonders die „Máscara vs. Cabellera“-Kämpfe, bei denen der Verlierer entweder seine Maske abnehmen oder seine Haare abschneiden muss.

Diese Begegnungen gelten als besonders emotional und haben eine große Bedeutung, da die Maske für einen Luchador ein Symbol der Ehre und Identität ist. Lucha Libre ist das mexikanische Wrestling und besteht bereits seit den 1930er Jahren. Lucha Libre bedeutet übersetzt so viel wie freier Kampf und ist eine eigene Form des Wrestlings, die es so nur in Mexiko gibt.

Berühmte Luchadores

Einige berühmte Luchadores wurden zu regelrechten Ikonen, die ihrem Sport in der ganzen Bevölkerung zu Bekanntheit verhalfen:

  • El Santo: Der wohl berühmteste und einflussreichste Luchador aller Zeiten. Nach dem Beginn seiner Wrestling-Karriere in den frühen 1940er Jahren auf und wurde er zu einer nationalen Ikone. El Santo nahm seine schlichte, silberne Maske die ganze Zeit über niemals ab - sogar nach dem offiziellen Ende seiner Karriere nicht.
  • Blue Demon: Ein Zeitgenosse und oftmals auch Gegner von El Santo.
  • Mil Máscaras: Dieser Wrestler, bekannt als „der Mann der tausend Masken“, gewann nicht nur innerhalb Mexikos viele Kämpfe, sondern war auch international aktiv, vor allem in den USA.
  • Rey Mysterio: Ein zeitgenössischer Wrestler, der sowohl in Mexiko als auch in den USA große Erfolge feierte und mitverantwortlich dafür ist, dass Lucha Libre bis heute nichts an Popularität eingebüßt hat.

Lucha Libre heute

Lucha Libre ist ein scheinbar urmexikanischer Volkssport. Alleine in Mexiko City finden heute in 15 verschiedenen Arenen und Sporthallen regelmäßig Lucha-Libre-Schaukämpfe statt. Dabei findet gar kein wirkliches Kräftemessen der Ringer statt, sondern eine Abfolge möglichst spektakulär durchchoreografierter Kampftheater-Bewegungen.

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Dennoch - oder gerade deshalb - sind die Ausstrahlungen Quotenrenner im mexikanischen Fernsehen. Wenn wichtige Lucha Libre-Veranstaltungen anstehen, kommen Freunde und Familie zusammen, um gemeinsam zuzuschauen - es wird ein soziales Event daraus. Für die Wrestler selbst ist der Sport nicht nur Karriere, sondern hat auch einen wichtigen sozialen Aspekt.

Viele Luchadores engagieren sich in ihren Gemeinden und nutzen ihre Popularität, um Aufmerksamkeit auf soziale Themen zu lenken, Kunst und Musik zu beeinflussen und mit Musikern und Künstlern zusammenzuarbeiten, die von dramatischen Inszenierungen und den bunten Charakteren inspiriert sind.

Ein Besuch einer Lucha Libre Show

Während eines Aufenthalts in Mexiko City solltest du einen Kampf besuchen, denn das ganze Spektakel ist ein einziger großer Spaß. Auch Interaktion mit dem Publikum ist beim Lucha Libre in Mexico durchaus normal und ein echtes Highlight. Insbesondere dann, wenn du ganz vorne sitzt.

Meist kämpfen bei den Luchas drei gegen drei, wobei auch andere Konstellationen denkbar sind. Luchadores werden in zwei Gruppen eingeteilt. Meistens erkennst du die „Guten und Bösen“ direkt an ihren Kostümen. Das Publikum ist in der Regel zum Großteil auf der Seite einer der Parteien und feuert diese lautstark und mit einigen Flüchen an.

In Mexiko City gibt es zwei offizielle Arenen, in denen du Lucha Libre ansehen kannst: die riesige Arena México und die Arena Coliseo. Beide Arenen liegen in nicht ganz ungefährlichen Vierteln. Zu welcher Arena du willst, kannst du vom Event und den Tagen abhängig machen. In der kleineren und intimeren Arena Coliseo finden meist samstags Kämpfe statt.

Tickets kannst du entweder online über Ticketmaster kaufen oder direkt vor der Halle. Vor Ort ist es grundsätzlich günstiger. Vor Ort in der günstigsten Kategorie gibt es auch Tickets für 50 Pesos (etwa 2,55 Euro). Je nach Platz können die Preise jedoch auch auf bis über 1.000 Pesos (etwa 50,00 Euro) ansteigen.

Tipps für den Besuch:

  • Bring Kleingeld mit und lerne vorher ein paar Flüche.
  • Während der Show laufen zahlreiche Verkäufer:innen durch die Reihen, die Getränke und Snacks verkaufen.
  • Du solltest unbedingt beachten, dass du keine Kamera mit in die Arena nehmen darfst.

Vor der Arena de México gibt es zahlreiche Händler:innen, die Merchandise verkaufen. Die Qualität der Masken ist zwar nicht immer gut, aber hier gibt es eine riesige Auswahl. Ansonsten werden auch an vielen Souvenirständen oder auf dem großen Artesania Markt, La Ciudadela, Masken verkauft.

Ich persönlich finde ein Besuch des Lucha Libre bei einer Reise durch Mexiko lohnt sich sehr. Die Atmosphäre ist einzigartig und du kannst für einen Abend in ein richtiges mexikanisches Erlebnis eintauchen und dich von der Stimmung mitreißen lassen.

Lucha Libre und Juana Barazza

Im Mittelpunkt steht Juana Barazza, die Tochter eines Polizisten und einer alkoholkranken Prostituierten. Seitdem Juana in Mexiko-City lebte, war Sie vom Lucha Libre fasziniert. So saß Sie bei vielen Wrestlingevents ganz vorn um ihren Helden zuzujubeln. Wrestling war in ihrem turbulenten Leben der Anker. Der Aus-Knopf für all den seelischen Schmerz. Für zwei Stunden einfach nur diese Show. Entertainment.

Sie wurde Wrestlerin und trat als maskierte La Dama del Silencio an - die Dame der Stille. Ein passender Name, weil Sie auch privat als stille und zurückhaltende Person gilt. Unglücklicherweise verletzte sich Juana Mitte der 80er Jahre, so schwer an ihrer Wirbelsäule, dass ihr der behandelnde Arzt empfahl, umgehend mit dem Lucha Libre aufzuhören. Sonst könnte die Karriere im Rollstuhl enden.

Trotz dieses Schicksalsschlags fand Sie eine Möglichkeit weiterhin mit ihrer Leidenschaft verbunden zu bleiben. Sie verkaufte während der Wrestlingevents Snacks und Getränke, später dann auch Tickets für die Events. Mit der Zeit stieg Juana in der Hierarchie des Wrestling-Veranstalters immer höher, bis Sie selbst die Promoterin wurde. Juana hatte ihren Platz in der Welt gefunden. Trotz ihres Lebens voller Schmerz, Gewalt und Rückschlägen.