Wrestling Dokumentation: Ein Blick hinter die Kulissen

Die Welt des Wrestlings ist voller Spannung, Drama und Kontroversen. Dokumentationen bieten einen faszinierenden Einblick in diese oft undurchsichtige Branche, beleuchten sowohl die sportlichen Höchstleistungen als auch die persönlichen Schicksale der Akteure.

Mexikanische Luchadoras: Die Moreno Sisters

Ein Beispiel für die Vielfalt im Wrestling sind die Moreno Sisters. Unter dem Namen Las Luchas Morenas praktizieren sie den Nationalsport Mexikos: Lucha Libre. Alle drei gehören zur Moreno Dynastie: Rossy, Esther und Cynthia kämpfen als Profi-Wrestlerinnen. Der Lucha Libre ist aber auch Teil ihres Lebens: Sie kämpfen mit Schweineköpfen, Blumen und Federn.

Marie Losiers charakteristische tanzende Kamera umkreist die drei Frauen und schafft dabei eine fröhliche, musikalische Ode an die Fantasie, an das Kind, das in jedem Erwachsenen steckt und an die Kultur Mexikos. Marie Losier, geboren 1972 in Frankreich, ist Filmemacherin und Kuratorin.

"BASTARDS.": Die deutsche Wrestling-Szene

Die Doku-Serie "BASTARDS." begleitet in zwei Staffeln das deutsch-iranische Duo "Pretty Bastards" auf seinem Weg durch die deutsche Wrestling-Szene. Zwischen großer Show und großem Schmerz stehen dabei neben sportlichen Herausforderungen die persönlichen Geschichten von "Maggot" und "Prince Ahura" abseits des Rings im Mittelpunkt. Geldnot, schwere Verletzungen oder die Corona-Krise - nicht nur ihre Karriere, auch die Freundschaft der beiden jungen Athleten aus Frankfurt steht immer wieder auf der Kippe. Ihren Weg gehen die charismatischen "Bastardsöhne des Wrestlings" trotz harter Konkurrenz nicht allein.

Netflix-Doku "Mr. McMahon": Aufstieg und Fall eines Imperiums

Eine neue Netflix-Doku leuchtet den Aufstieg und Fall des über verstörende Vorwürfe gestolperten WWE-Gründers Vince McMahon aus. McMahon bezeichnet sie als „irreführend“ - dabei sind es seine eigenen Worte, die entlarvend sind.

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Vince McMahon: Eine umstrittene Figur

Vince McMahon war nicht nur 40 Jahre lang der Chef des Wrestlingverbands WWE, machte diesen zum Marktführer und Wrestling zu einem Massenphänomen. Er stellte auch vor den Kameras einen Chef dar, und zwar einen tyrannischen. Leute feuern, weibliche Angestellte erniedrigen, seinen eigenen Sohn verprügeln - derlei sind die Lieblingsbeschäftigungen der Figur Mr. McMahon.

Diese Figur habe mit seiner Privatperson nichts zu tun, sagt er selbst in der Dokuserie „Mr. McMahon“, die nun bei Netflix erschienen ist. Die Figur sei eine Übertreibung seiner Privatperson, sagen viele der anderen Interviewten. Und einige sagen auch: Da ist gar kein Unterschied.

Die Serienmacher haben deshalb nachgedreht: In den letzten dreißig Minuten werden die Anschuldigungen behandelt, oder eher: abgehandelt. Statt des titelgebenden Protagonisten und illustrer Wrestlingpersönlichkeiten sprechen nun Jour­na­lis­t*in­nen des Wall Street Journal, die berichtet haben.

Es dauert nicht bis zur letzten Folge, bis das klar wird: Schon 1992 warf Rita Chatterton, damals die erste weibliche Schiedsrichterin, McMahon eine Vergewaltigung vor. Im selben Jahr gaben minderjährige Mitglieder der Ringcrew an, von WWE-Angestellten belästigt worden zu sein. Vince McMahon sei wahrscheinlich der Beihilfe schuldig, mindestens aber der Nachlässigkeit, sagt in der Serie der Sportjournalist Phil Mushnick.

Die Produktion und ihre Herausforderungen

"Mr. McMahon" ist das erste Projekt dieser Art überhaupt, für das der Unternehmer sich bereitwillig beleuchten ließ, ohne Kontrolle über das Ergebnis zu haben. Mit vielen Aussagen präsentiert er sich selbst als skrupellosen Geschäftsmann, der schon so viele Skandale überstanden hat, dass er sich zu diesem Zeitpunkt unantastbar wähnt.

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Das Timing der Produktion ist Stärke und Schwäche zugleich: Ein Porträt, das McMahon derart nah kommt, wird es wohl nicht noch einmal geben. McMahon, gegen den auch andere ungeklärte Vergewaltigungs- und Belästigungsvorwürfe im Raum stehen, weist alle Anschuldigungen strafbaren Verhaltens zurück. Der Fall ist aktuell Gegenstand staatlicher Ermittlungen.

Hinter „Mr. McMahon“ steckt der preisgekrönte Filmemacher Chris Smith, ausführender Produzent der Kult-Doku „Tiger King“ und Regisseur der für Emmys nominierten Dokus „Fyre“ und „Jim & Andy“ über Jim Carreys Porträt des wrestlingaffinen Comedians Andy Kaufman in dem Film „Man on the Moon“.

Smith und seine Mitstreiter hatten die Dreharbeiten eigentlich schon abgeschlossen, als sich im Sommer 2022 nach den ersten Enthüllungen brisanter Schweigegeld-Zahlungen McMahons die Ereignisse vor und hinter den Kulissen überschlugen. Dem Projekt drohte zwischenzeitlich das Aus, stattdessen wurde schließlich - ohne Mitwirkung McMahons - ein neuer Schluss ergänzt, der auch den Sturz des langjährigen WWE-Patriarchen aufarbeitete.

Das Endprodukt bietet Kennern des McMahon-Skandals und der WWE-Geschichte keine bahnbrechenden Neuigkeiten, aber ein packend erzähltes Panorama von McMahons Wirken und seines eigenwilligen Charakters.

Erfolge und Skandale

Die Doku zeichnet McMahons Vita und die Geschichte seines Lebenswerks WWE nach, das McMahon von einer regionalen Showkampfliga zu einem globalen Imperium aufbaute: Die ersten vier Episoden porträtieren den ersten Boom der damaligen WWF mit dem damaligen Superstar Hulk Hogan, die Krise der Neunziger und die Attitude Era, das zweite große Hoch der Promotion mit den Aushängeschildern „Stone Cold“ Steve Austin und Dwayne „The Rock“ Johnson - und den gewonnenen Konkurrenzkampf mit dem 2001 untergegangenen Rivalen WCW.

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McMahon unterhielt Schweigegeld-System. Eine investigative Enthüllungsserie des Wall Street Journal legte offen, dass McMahon jahrelang ein Schweigegeld-System unterhielt, mit dem er Vorwürfe sexueller Belästigung und Gewalt unter Verschluss hielt - unter anderem kam eine 7,5-Millionen-Dollar-Zahlung an eine anonyme Ex-Wrestlerin ans Licht, die ihm vorwirft, ihn im Jahr 2005 zu Oralsex gezwungen zu haben.

McMahon verkündete unter dem Druck der Ereignisse seinen Rücktritt und angeblichen „Ruhestand“, putschte sich Anfang 2023 aber mit Hilfe seiner Macht als Anteilseigner zurück ins Unternehmen und handelte die große Fusion mit dem UFC-Mutterkonzern Endeavor aus, wurde im neuen Konglomerat TKO der zweite Mann hinter Firmenboss Ari Emmanuel.

Trotz der umfassenden kritischen Betrachtung McMahons ist die Doku nicht als persönliche Vernichtung angelegt, Regisseur Smith und sein Team mühen sich spürbar um ein dreidimensionales Bild.

Das Verhältnis zur Familie

Demgegenüber steht - auch das wird in der Doku sehr deutlich - ein in vielfältiger Weise seltsames Verhältnis McMahons zur eigenen Familie: Zu Vater Vince Sr., den er ausbootete, als er die Vorgängerliga WWWF unternahm. Zu Frau Linda - Ex-Ministerin im Kabinett seines Geschäftsfreund Donald Trump -, mit der er seit langem eine De-facto-Scheinehe führt. Zu Sohn Shane, der offen zugibt, mit seinen waghalsigen Ringstunts die Liebe und den Respekt seines Vaters gesucht zu haben, den er sonst nicht bekommen hätte. In Teilen auch zu seiner Tochter und einst designierten Firmenerbin Stephanie, der er einmal - Vince erzählt es selbst - die Story-Idee vorschlug, dass er ihr ein Inzest-Baby gemacht hätte.

„Manchmal verlieren Performer den Sinn dafür, wer sie sind“ Was den Menschen McMahon stattdessen umtreibt, präsentiert die Serie am Ende der letzten Episode mit einem weiteren Interviewschnipsel aus dem Jahr 2021 - das durch die darauffolgenden Enthüllungen nun ebenfalls in anderem Licht erscheint.

McMahon räsoniert auf Nachfrage der Filmemacher über genau die Frage, die die Doku seiner späteren Behauptung zufolge falsch dargestellt hat: wie er wirklich sei und wie viel davon der Kunstfigur „Mr. McMahon“ stecke.

Die Antwort McMahons aus dem Jahr 2021: Die Frage sei schwierig, gewiss sei er „egomanisch“, wichtig seien ihm aber auch „Körperkultur“, „sexuelle Aktivität“ und sein Bedürfnis „jeden Tag herausgefordert“ zu werden: „Manchmal beginnen Performer zu glauben, dass sie die Rolle sind, die sie darstellen und verlieren jeden Sinn dafür, wer sie wirklich sind. Ich frage mich auch oft, was von mir die Rolle ist und was ich selbst. Vielleicht ist es eine Mischung. Ein Teil ist in jedem Fall etwas übertrieben. Ich bin nur nicht sicher welcher.“

Die Grenze zwischen Realität und Fiktion

Die Schlusspointe der Doku verdeutlicht, dass McMahon und seine verbliebenen Anhänger es sich zu einfach machen, wenn sie dem Filmprojekt vorwerfen, die Grenze zwischen Realität und Fiktion zu verwischen.

Es ist McMahon selbst, der dies immer wieder tat und tut, sich hinter seiner Rolle versteckt, sein Alter Ego als machtversessener Boss als Schutzschild für echte Machtspiele mit seinen Untergebenen benutzt hat und die kreative Kontrolle über die Story-Scheinwelt, um sich selbst und auch seine Skandale in ein günstigeres Licht zu tauchen - oder es zumindest zu versuchen.

Die Netflix-Doku zeigt in dieser Hinsicht diverse entlarvende Beispiele auf: Als McMahon 2006 von einer Solariums-Angestellten beschuldigt wurde, sie sexuell bedrängt zu haben, inszenierte er bei WWE zwei Wochen später eine Story, in der Wrestlerin Mickie James einen unschuldigen Mann mit erlogenen Belästigungsvorwürfen ins Gefängnis brachte.

Janel Grant? „Eine Affäre, die ich beendet habe“

Die Anwälte von Janel Grant sehen das Charakterportät als Bestätigung des Eindrucks, dass McMahon sein Wrestling-Reich als Machtinstrument gegen Frauen eingesetzt hätte.

„Die Serie verdeutlicht, dass es keinen Unterschied zwischen McMahons TV-Charakter und seinem wahren Selbst gibt“, kommentierten die Anwälte von Janel Grant die Doku: Die „gewalttätigen Ausbrüche, sexuelle Perversion und die Manipulation“, die McMahon in seiner Rolle auslebe, seien „genau das, was Janel Grant jahrelang hinter verschlossen Türen erlebt hat“.