Vor 5000 Jahren wurde die Sportart Ringen zum ersten Mal in den Geschichtsbüchern erwähnt. Die antike Sportart Ringen wird weiterhin olympische Sportart bleiben. Das Internationale Olympische Komitee hat beschlossen, Ringen ins Programm der Olympischen Spiele 2020 und 2024 zu heben.
Nachdem das IOC-Komitee Ringen, zusammen mit der Leichtathletik, als älteste Traditionssportart im Februar zunächst aus dem Kreis der Kernsportarten geworfen hatte, folgte ein weltweiter Aufschrei der Entrüstung. In einer seltenen politischen Allianz setzten sich sogar Amerika, Iran und Russland für die Ringer ein. In New York fand ein Länderkampf zwischen den USA und Iran vor tausenden Zuschauern statt.
Bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Sport wie der russische Präsident Wladimir Putin, der einstige amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der selber Aktivringer war, oder Deutschlands „Fussball-Kaiser“ Franz Beckenbauer setzten ihren grossen Einfluss fürs Ringen ein. Dieser war scheinbar grösser als der des allzu reformfreudigen IOC-Boss Jaques Rogge.
Dieser sah sich weltweiten Vorwürfen ausgesetzt, die jahrhundertalte Sportart Ringen der Kommerzialisierung geopfert zu haben. Ihm wurde vorgeschlagen, dass die Olympischen Spiele nicht mehr so heissen sollten, sondern in „Business Games“ umbenannt werden sollen. Bald einmal gab Rogge zu, dass dieser Entscheid zu wenig überlegt war.
In 180 Nationen gibt es vier Millionen lizenzierte Ringer. Er musste auch erkennen, dass es kaum möglich ist, das olympische Programm gerecht und modern zu bestimmen. Dennoch hat die „Gelbe Karte“ bei den Ringern einiges bewirkt. Der Weltverband FILA mit dem gefeuerten Präsidenten Raphael Martinetti hatte seine Aufgaben in den letzten Jahren nicht gemacht und hielt nichts von olympischen Netzwerken.
Lesen Sie auch: Früher vs. Heute: Die Entwicklung des Wrestlings
Dass Ringen weiterhin olympisch bleibt, ist einer bemerkenswerten weltweiten Rettungsaktion zu verdanken. In Rekordzeit wurde unter dem neuen Präsidenten, dem Serben Nenad Lalovic, ein drastisches Reformprogramm verordnet. Es wurde wie in anderen Sportarten eine Athleten-Kommission installiert, Führungspositionen erstmals an Frauen vergeben und das zu komplizierte Regelwerk geändert und damit wieder telegener gemacht, ohne dabei den Kern des Sports zu verwässern.
So wird neu in zwei Runden zu drei Minuten gekämpft und Attraktivität wird wieder belohnt. Mit dem Entscheid bleibt die älteste Kampfsportart wie die anderen Disziplinen auch 2020 und 2024 olympisch. Auf der Strecke blieben hingen Baseball/Softball und Squash. Ringen setzte sich im ersten ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit durch.
Erleichtert über diesen Entscheid zeigte sich Einsiedelns Trainer René Buchmann:“Obschon ich eigentlich zuversichtlich war, bin ich froh, dass für die Ringer der Motivationsfaktor Olympiade erhalten bleibt.“ Er selber kennt die Bedeutung des Ringens aus seinem einjährigen amerikanischen College-Aufenthalt. „Da es Schulfach war, machte ich mit diesem Sport erstmals so richtig Bekanntschaft.“
Die gross angekündigte Reformpolitik des zurückgetretenen IOC-Präsidenten Jacques Rogge ist damit gescheitert. Mit seinem Lieblingsprojekt, den Olympischen Jugendspielen, wollte er Verbände zum Experimentieren mit Disziplinen und Regeländerungen bringen. Bisher hat das aber kaum etwas gebracht. Als neue Sportarten wurden für 2016 in Rio de Janeiro Golf und Rugby aufgenommen.
Sicher hätten auch noch andere Sportarten die Aufnahme verdient. Da Ringen nicht im Zentrum der Berichterstattung und eines breiten Publikums steht, sollten sich die Verantwortlichen nie in einer falschen Sicherheit wiegen.
Lesen Sie auch: WWE Wrestler – Alle Namen im Überblick
Ringerclub Oberriet-Grabs
Früher gehörten die Oberrieter Ringer als Untersektion dem ETV Oberriet an. Am 4. Januar 1964 fand dann im Hotel Sonne in Oberriet die Gründungsversammlung für den Ringclub Oberriet statt. Nach der Gründung wurde der Verein in vielen Jahren stabilisiert und aufgebaut. Es wurde hart am technischen Können von einheimischen Ringern gearbeitet und der Ringclub Oberriet durfte sich an guten Leistungen erfreuen.
Ringeranlässe wurden zu attraktiven und einzigartigen Veranstaltungen. Oft wurden Kämpfe im Kronensaal ausgetragen, der bald zu klein wurde für die grossen Zuschauermassen. 1986 schloss sich der Ringclub Oberriet mit den Ringern des damaligen ETV Grabs zum Ringerclub Oberriet-Grabs zusammen. Sie alle profitierten vom Zusammenschluss und der neue Club verfügte über eine grössere Anzahl talentierter Ringer.
Diese motivierten sich gegenseitig, machten das Training attraktiver und verhalfen dem RCOG vor allem in den Mannschaftskämpfen zu Spitzenrangierungen. Besonders im Nachwuchsbereich war der Ringerclub Oberriet-Grabs schon immer sehr erfolgreich unterwegs. In den 80er- und 90er-Jahren dominierten die Schülerringer unter der Leitung des Schülertrainers Paul Motzer die Meisterschaften. Im Jahr 2003 lancierten die heutigen Ehrenmitglieder Daniel und Silvan Steiger zur Stärkung des Nachwuchses das Kinderringen, kurz KiRi. Anfänglich waren nur ihre eigenen Kinder im Training, doch schon bald wurden es über 20 Jungen und Mädchen, welche spielerisch ins Ringen eingeführt wurden.
In seiner 60-jährigen Klubgeschichte brachte der Ringerclub Oberriet-Grabs immer wieder starke Ringerinnen und Ringer hervor. Die Gebrüder Kobelt, Basil Waibel, Inge Krasser, Beat Motzer und Urs Bürgler sind noch heute bekannte Namen in der Schweizer Ringersportszene. Unvergessen sind der vierte Rang von Beat Motzer an den Olympischen Spielen im Jahr 2000 in Sydney sowie dessen Vize-Europameistertitel im gleichen Jahr. Und auch in jüngster Vergangenheit machten RCOG-Ringerinnen und Ringer international Schlagzeilen: 2023 und 2024 wurde die Grabserin Annatina Lippuner bei den Junioren-Europameisterschaften jeweils hervorragende Vizeeuropameisterin.
Im Jahr 2014 lancierten die Verantwortlichen des RCOG das Projekt VISION 2020. Ein Kernziel dieses Projekts war der Aufstieg der Aktivmannschaft in die höchste Schweizer Ringerliga bis ins Jahr 2020. Ein sehr sportliches Ziel, das in der ganzen Ringerschweiz viel diskutiert worden war. 2019 scheiterte der RCOG im Auf-/Abstiegskampf gegen den «Premium League»-Letzten Schattdorf dann nur knapp mit drei Punkten Differenz.
Lesen Sie auch: Was WWE Wrestler verdienen
Als Anschlussprojekt an die Vision 2020 arbeitete ein Projektteam das Projekt «Next Level» aus und definierte für die Jahre 2021 bis 2025 vierzehn Ziele in den Bereichen Menschen, Ausstrahlung, Sport und Finanzen. Auch neben den vierzehn Zielen wurde in den vergangenen Jahren im Verein viel gearbeitet. Auf die Mannschaftsmeisterschaft 2023 hin wurde unter der Führung des Ehrenmitglieds Urs Wüstiner der Ligaauftritt an den Heimkämpfen verbessert.
Damian von Euw
Kampfsportarten stehen in der Schweiz nicht besonders hoch im Kurs. Abgesehen von den Schwingern kämpfen die meisten hierzulande vor eher kleinen Rängen. Doch das hält den Ringer Damian von Euw (25) keineswegs ab, für seinen Sport einen unheimlichen Aufwand zu betreiben. Dazu gehört unter anderem, Trainingspartner aus dem Ausland zu sich nach Hause in die Innerschweiz einzuladen.
Von Euw ist Ringer im Griechisch-Römischen Stil, auch Greco genannt. Das bedeutet, dass er nur den Oberkörper seines Gegners angreifen darf, im Gegensatz zum Freistil, wo auch Attacken auf die Beine erlaubt sind. Im Moment kämpft er um einen Platz bei den Olympischen Spielen nächsten Sommer in Paris. Im Ringen ist das einfacher gesagt als getan. Gerade mal 16 Startplätze gibt es in von Euws Gewichtsklasse. Um sich zu qualifizieren, muss er entweder beim entscheidenden europäischen Turnier ins Finale vorstossen oder beim letzten weltweiten Quali-Turnier auf dem Podest stehen.
Dass von Euw Ringer wurde, hat er seinem jüngeren Bruder zu verdanken, der zuerst mit dem Sport angefangen hat. Gleichzeitig schnupperte der in Brunnen SZ beheimatete Kampfsportler auch in einige Schwingertrainings hinein, liess es aber bald wieder sein mit dem Nationalsport. «Die ganze Zeit den Mund voller Sägemehl zu haben, das war gar nicht mein Ding. Und ich war viel zu leicht, als elfjähriger Bub mit 40 Kilo warteten Gegner auf mich, die doppelt so viel auf die Waage brachten», erzählt der Ringer, der mittlerweile über 90 Kilogramm wiegt.
Die Erfolgsaussichten auf eine Schwingerkarriere waren also schnell begraben. Und auch auf der Ringermatte sah es anfangs nicht allzu vielversprechend aus. «Mein Bruder hatte viel mehr Talent als ich. Bei meinem ersten Wettkampf wurde ich Letzter, beim zweiten Wettkampf Zweitletzter.» Doch diese kleine Steigerung war genug, um den Ehrgeiz des Brunners anzufachen, weiterzumachen, besser zu werden. Über Jahre hinweg. Nach seiner Lehre als Kaufmann setzte er alles auf eine Karte - und wurde Spitzensportler. Ein Weg, der mit grossem Risiko behaftet ist.
Die Sponsorensuche in einer derartigen Nischensportart gestaltet sich schwierig. Finanzielle Unterstützung erhält der Spitzensport-Rekrut unter anderem von der Armee, dem Kanton SZ, der Sporthilfe oder dem eigenen Supporterverein. Grosse Sprünge lassen sich damit nicht machen, das meiste Geld fliesst direkt in den Sport. Aber Von Euw will nicht jammern. «Mich hat ja niemand gezwungen, Ringer zu werden.»
Eine weitere Schwierigkeit ist der Mangel an ebenbürtigen Sparringpartnern. Vor dem Krieg trainierte von Euw regelmässig in der Ukraine und in Russland, überlegte sich sogar, nach Moskau zu ziehen. Dort hat Ringen einen ganz anderen Stellenwert als in der Schweiz. Doch Putins Einmarsch in die Ukraine liessen diese Pläne platzen. Zwar gibt es nach wie vor Trainingslager in Russland. Die Anreise ist aber mit grossen Kosten und hohem Aufwand verbunden. «Darum versuche ich nun regelmässig Ringer aus dem Ausland in die Schweiz zu holen, damit wir mit- und gegeneinander trainieren können».
Manchmal bleiben diese Athleten zwei Wochen, manchmal zwei Monate in der Schweiz. Aktuell ist der Serbe Sasha Komarov, mehrfacher Juniorenweltmeister, bei von Euw untergebracht. Er spricht weder Deutsch noch Englisch, sondern kommuniziert mit dem Schwyzer auf Russisch. Fast den ganzen Tag verbringen die beiden Sportler zusammen, vom Frühstück über die beiden Trainingseinheiten bis zum Abendessen. «Darum lade ich nur Leute ein, die ich bereits kenne. Es muss auch neben der Trainingsmatte passen.» So seien schon viele gute Freundschaften entstanden.
Sportlich sei es die einzige Möglichkeit, weiterzukommen. Ganz günstig ist diese Trainingsmethode allerdings nicht. Von Euw organisiert und bezahlt Anreise, Kost und Logis für die ausländischen Ringer. Auch könnte es sein, dass die beiden in der anstehenden Olympia-Qualifikation gegeneinander antreten werden.
Stefan Reichmuth
Es war sein ganz grosser zweiteiliger Kindheitstraum - die Teilnahme an Olympischen Spielen und der Gewinn einer Olympia Medaille. Der Freistil Ringer Stefan Reichmuth aus Grosswangen kämpfte an seinen ersten Olympischen Spielen in Tokio 2021 um eine Medaille. Geklappt hat dies leider nicht, Reichmuth beendete den Wettkampf unter Tränen auf Rang 8. Der Freistil Ringer Stefan Reichmuth sorgte Mitte September 2019 für den grössten Ringer-Erfolg seit 35 Jahren. Stefan Reichmuth holte an der Ringer WM in Kasachstan sensationell die WM Bronzemedaille.
Stefan Reichmuth ist Mitglied des RC Willisau Lions. Der 26 jährige Ringer des RC Willisau Lions, Stefan Reichmuth (aufgewachsen in Grosswangen), konzentriert sich mit einem professionellen Umfeld seit gut 4 Jahren voll und ganz aufs Ringen. Bereits seit einigen Jahren ist Stefan Reichmuth erfolgreicher Ringer, kam der Weltspitze immer näher und konnte bereits einige Erfolge erreichen. Mit dem Gewinn der WM Bronzemedaille landete er 2019 aber einen Coup und errang den grössten Erfolg seiner Karriere.
Stefan Reichmuth schaffte gleichzeitig mit dem Gewinn der WM Bronzemedaille die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio, welche dann um ein Jahr verschoben werden mussten. Mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio 2021 erfüllte sich für Stefan Reichmuth nun ein Kindheitstraum. Diesem Traum wollte er unbedingt eine Olympia Medaille beifügen.
Rund 300 Fans, Sponsoren, Freunde, Bekannte und die Familie fieberten mit Stifi, wie er von den meisten genannt wird, mit und belebten den Ochsen in Grosswangen früh morgens, wenn Stefan Reichmuth in Tokio seine Wettkämpfe bestritt. Am Ende wurde Stefan Reichmuth Achter und sicherte sich ein Olympisches Diplom. Ringen ist eine olympische Disziplin und die älteste Sportart der Welt.
Der 25-jährige Luzerner liess in einer der traditionsreichsten olympischen Sportarten überhaupt den grössten Teil der Weltelite hinter sich. Reichmuth stammt aus einer sportbegeisterten Familie. Sein Vater war Nationalturner sowie Ringer und Schwinger, die Mutter und die Schwester waren im Geräteturnen aktiv. Stefan Reichmuth begann schon als Fünfjähriger zu ringen, damals noch im Sägemehl als Nationalturner in Grosswangen. Allererste Sparringspartner waren freilich die Geschwister gewesen.
Reichmuth ist nur einer von vier Schweizer Freistil-Profiringern. Der Sportsoldat ist dabei aber der Einzige, der sich voll auf den Sport fokussiert und nicht noch einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht. Von gröberen Verletzungen ist der Zweikämpfer bislang verschont geblieben. Blut, Schweiss und Tränen stecken hinter seiner WM-Grosstat in dieser olympischen Kernsportart. Reichmuth nahm und nimmt Entbehrungen in Kauf. Seine Einkünfte sind niedriger als jene eines Handwerkers.
Rund 200 Trainingstage im Jahr verbringt er im Ausland. In Bulgarien, Ukraine, Polen, Rumänien, Russland oder Georgien misst er sich mit der Elite seines Fachs. «Es ist eine Investition. Mit dem Gewinn von CISM-WM-Bronze hatte er sich bereits 2018 bewiesen, dass er mit Topleuten nicht nur mitringen, sondern diese auch bezwingen kann. Die vielen Ausland-Aufenthalte haben einen Stil-Experten aus ihm gemacht. «Die Osteuropäer sind sehr variantenreich und eher die Filigrantechniker.
Er eifert(e) Grössen nach wie Jordan Burroughs, Weltergewichts-Olympiasieger von London 2012, oder liess sich persönlich von Kyle Douglas Dake inspirieren, der am Sonntag seinen WM-Titel im 79-kg-Limit erfolgreich verteidigte. Reichmuth lernte dabei den gewaltigen Stellenwert schätzen, den das Ringen in den USA vor allem auf College-Stufe geniesst. Von einem solchen Status kann dieser Sport hierzulande natürlich nur träumen.
Reichmuth kann und will sich aber nicht beklagen. «Ohne die breite Unterstützung von Familie und Freunden wäre der Gewinn der WM-Medaille nicht möglich gewesen. Ich habe Support in der Buchhaltung, den Social-Media-Kanälen und, und, und. Dieses ganze Management machen Kollegen. Am Montag wurde ihm von der Ringer-Familie und seinem Umfeld auch ein überaus würdiger Empfang in Willisau bereitet. Geschlafen hatte er davor nur wenig, denn die Schweizer Freistil-Delegation kehrte mit einem Nachtflug aus Kasachstans Hauptstadt Nursultan in die Schweiz zurück.
Den nächsten grossen Wurf hat er im Hinterkopf. «Es ist Zeit für eine Schweizer Olympia-Medaille im Ringen. Die Schweizer Ringer holten insgesamt schon 14 olympische Medaillen, je viermal Gold und Silber sowie sechsmal Bronze. Bei Olympia 2020 in Tokio wird die Schweiz im Ringen zumindest mit Reichmuth vertreten sein. 2016 in Rio war kein Schweizer Ringer am Start - zum erst fünften Mal nach 1932, 1952, 1956 und 1976.
Weitere bekannte Ringer
Viele weitere Ringer haben die Sportart geprägt. Hier eine Liste einiger bekannter Namen:
- Stone Cold Steve Austin
- Yokozuna
- Bret «The Hitman» Hart
- «The Million Dollar Man» Ted DiBiase
- «Hacksaw» Jim Duggan
- The Undertaker
- Jake «The Snake» Roberts
- André the Giant
- The Ultimate Warrior
- Hulk Hogan
