Die Herkunft des Judo: Ein sanfter Weg mit tiefen Wurzeln

Das Wort Judo setzt sich zusammen aus den japanischen Begriffen ju (= edel, vornehm, sanft) und do (= Weg, Grundsatz, Prinzip). Der Begriff Judo ist also mit "sanfter Weg" zu übersetzen.

Ursprünge im Jiu-Jitsu

Judo entwickelte sich aus der Disziplin Jiu-Jitsu, einer in Japan gepflegten Form der Selbstverteidigung. Die frühen Ursprünge des Judo spiegeln sich in der Geschichte des Jiu-Jitsu wider, das seine Wurzeln im frühen japanischen Zweikampf hat. Dessen Entwicklung wurde in frühester Zeit durch den natürlichen Wunsch der Menschen nach gegenseitigen Kraftproben sowie durch kultische Handlungen eingeleitet und in der folgenden Zeit durch den Einsatz in militärischen Konfrontationen stetig vorangetrieben.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde Jui-Jitsu von der in Japan ansässigen Ritterkaste, den Samurais, für das Kriegshandwerk weiterentwickelt und dazu als Geheimwissenschaft innerhalb dieser Klasse gepflegt. Mit der Meiji-Restauration in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verloren die Samurais ihre Bedeutung als staatsbeherrschende Kaste.

Als Resultat des historischen Umbruchs in Japan und der stärkeren Öffnung des Landes nach außen entwickelte sich Judo immer mehr zu einer reglementierten Sportart, in der z. B. Schläge oder Tritte oder andere gefährliche Techniken nicht mehr zugelassen sind.

Die Entwicklung durch Jigoro Kano

Jigoro Kano entwickelte aus Jiu-Jitsu die heutige Disziplin Judo, entfernte aus dem überkommenen Jiu-Jitsu die zunächst der Selbstverteidigung dienenden gefährlichen und schmerzhaften Techniken und verbesserte dafür die für einen sportlichen Zweikampf notwendigen Angriffs- und Verteidigungselemente. Professor Kano wollte in seinem Judo nicht nur die Möglichkeit zur körperlichen Betätigung sehen; vielmehr betrachtete er diesen Sport auch als ein Erziehungssystem zur Ausbildung der Persönlichkeit auf der Grundlage des Zen-Buddhismus.

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Kanō Jigorō (1860-1938) wuchs in diesem Japan der extremen Veränderungen auf. Er lernte Jiu Jitsu an verschiedenen Schulen wie der Tenshinshinyo-Ryu und der Kito-Ryu. 1882 gründete Kanō Jigorō seine eigene Schule, den Kodokan („Ort zum Studium des Wegs“) in der Nähe des Eisho-Tempels im Stadtteil Shitaya in Tokio. Er nannte seine Kunst Judo, da das Kanji (Schriftzeichen) Ju sowohl „sanft“ als auch „Nachgeben“ bedeuten kann und das Zeichen Do ebenfalls mit „Grundsatz“ und nicht nur mit „Weg“ übersetzt werden kann.

Sein System bestand neben Wurftechniken (Nage Waza) aus Bodentechniken (Ne Waza) sowie Schlag-, Tritt- und Stoßtechniken (Atemi Waza), die er dem System der Kito-Ryu und der Tenshinshinyo-Ryu entnommen hatte. Dies waren traditionelle Jiu-Jitsu-Schulen, bei denen Kanō mittlerweile das Menkyo-Kaiden (die universelle Lehrerlaubnis und Meisterwürde) innehatte. Es war sogar eine kleine Sparte Waffentechnik (z. B. mit Schwert und Stöcken) im Curriculum vorhanden. Kanō selektierte zwar einige Techniken aus, welche dem von ihm gefundenen obersten Prinzip „möglichst wirksamer Gebrauch von geistiger und körperlicher Energie“ widersprachen.

Verbreitung und Etablierung

Im Jahre 1886 konnten Schüler Kanos einen regulären Kampf zwischen der Kodokan-Schule und der traditionellen Jiu Jitsu-Schule Ryoi-Shinto Ryu für sich entscheiden. Aufgrund dieses Erfolgs verbreitete sich Judo in Japan rasch und wurde bald bei der Polizei und der Armee eingeführt. 1911 wurde Judo an allen Mittelschulen Pflichtfach.

Im 20. Jahrhundert werden Jiu-Jitsu und Judo durch Kano und andere Meister in der ganzen Welt verbreitet und finden großen Zuspruch. In Deutschland wird das Jiu-Jitsu von Erich Rahn begründet und dient zur Ausbildung von Militär und Polizei. Es folgen zahlreiche Vereins- und Organisationsgründungen in ganz Deutschland und Europa, sowie erste überregionale und internationale Wettkämpfe.

1906 kamen japanische Kriegsschiffe zu einem Freundschaftsbesuch nach Kiel. Die Gäste führten dem deutschen Kaiser ihre Nahkampfkünste vor. Wilhelm II. war begeistert und ließ seine Kadetten in der neuen Kampfkunst unterrichten. Der damals bedeutendste deutsche Schüler war der Berliner Erich Rahn, der im Jahre 1906 die erste deutsche Jiu-Jitsu-Schule gründete.

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Techniken im Judo

Judotechniken können in folgende Gruppen unterteilt werden: Wurftechniken und Grifftechniken (nage-waza und katame-waza) sowie atemi-waza (Schlagtechniken). Die Wurftechniken werden wiederum unterteilt in zwei Gruppen: Tachi-waza und sutemi-waza. Sutemi-waza sind "Opfertechniken", d. h. Hier werden drei Bereiche unterteilt: Haltetechniken (osae-komi-waza), Hebeltechniken (kansetsu-waza) und Würgegriffe (shime-waza). Die Fallschule macht einen großen Teil nicht nur des Anfängertrainings aus: Das richtige Fallen, um Verletzungen bzw. Schmerzen zu vermeiden, wird wieder und wieder geübt.

Judorolle, Rückwärts- bzw. Kata sind, sozusagen die "Grammatik" des Judo: Das Üben geschieht nach Absprache mit dem Partner, so dass ein genaues Studium von Techniken möglich ist. Im Randori können die geübten Techniken im "spielerischen" Kampf, also ohne dass Sieg oder Niederlage von Bedeutung sind, angewendet werden.

Judo heute

Judo bietet sowohl Breiten- wie auch Leistungssportlern genügend Raum. Kinder und Erwachsene können mit dem Judotraining beginnen: Je nach Leistungsbereitschaft und -vermögen bzw.

Judo bedeutet wörtlich „sanfter/flexibler Weg“ (Zusammensetzung aus jū „sanft“, „nachgiebig“, „flexibel“ und dō „Weg“). Judo ist eine Kampfsportart, die grundsätzlich unabhängig vom Alter ausgeübt werden kann. Sie bietet ein vielfältiges Bewegungsangebot, das für jede Alterstufe geeignet ist. An Judo interessierte Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 6 Jahren sind zu einem unverbindlichen Probetraining eingeladen.

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