Die World Wrestling Entertainment (WWE) hat im Laufe der Jahre einige bedeutende Veränderungen in ihrer Führungsebene erlebt. Nach dem Rücktritt von Vince McMahon im Januar 2024 aufgrund von Missbrauchsvorwürfen stellt sich die Frage: Wer leitet jetzt die WWE?
Aktuelle Führungsstruktur
Aktuell fungieren Nick Khan und Paul Levesque als Leiter des Verbandes. Nick Khan agiert als alleiniger WWE-Geschäftsführer, während Paul "Triple H" Levesque sein Amt als Chief Content Officer behält.
Die McMahon-Ära und ihr Ende
Der Name "McMahon" ist eng mit der Gründungsgeschichte der WWE verbunden. Vincent James McMahon gründete den Verband im Januar 1953 als "Capitol Wrestling Corporation". Sein Sohn, Vincent McMahon, machte die WWE über 40 Jahre hinweg zu einem globalen Erfolg. Zum ersten Mal in der Geschichte der WWE ist somit kein Mitglied der McMahon-Familie, Teil des Unternehmens.
Stephanie McMahons Rücktritt
Stephanie McMahon, die sich seit Juli den Posten der Geschäftsführung mit Nick Khan teilte, zog sich aus dem Unternehmen zurück. Sie erklärte, im vergangenen Sommer unerwartet die Chance ihres Lebens erhalten zu haben, das Unternehmen zu leiten. Sie sei stolz darauf, mit einem bemerkenswerten Führungsteam und Nick Khan zusammenzuarbeiten. In Zukunft wolle Stephanie WWE von der anderen Seite des Geschäfts aus anfeuern, „wo ich als kleines Kind angefangen habe, als reiner Fan."
Mit dem Rückzug Stephanies ist nun endgültig bestätigt worden, dass ihr Vater Vince die volle Kontrolle über WWE zurückerlangt hat. Am Dienstag hat der Verwaltungsrat Vince McMahon einstimmig zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. Damit ist der 77-jährige offiziell in der Position zurück, die er im vergangenen Sommer in Folge der Schlagzeilen um den Sex- und Schweigegeldskandal niedergelegt hatte.
Die Rolle von Paul Heyman
Paul Heyman ist ebenfalls eine Schlüsselfigur hinter den Kulissen. Er ist Executive-Director bei RAW und leitet die Show seit einem halben Jahr zusammen mit WWE-Chef Vince McMahon. Heyman ist bekannt für sein langfristigeres Denken, innovativere Segmente und ein konsequenteres, Talent-fokussierteres Booking.
Neben der TV-Rolle als Advocate von Brock Lesnar ist Paul Heyman hinter den Kulissen der Kreativdirektor. Heyman will jungen Stars Möglichkeiten geben, indem er ihnen kreative Entfaltungsfreiheit gibt. Ronda Rousey, Alexa Bliss und Aleister Black sagen, sie profitieren extrem von Heymans Tipps.
Fusion mit Endeavor zur TKO Group Holdings
Im September 2023 fusionierte die WWE mit dem Unternehmen Endeavor zu einer neuen Muttergesellschaft namens TKO Group Holdings. Endeavor bringt UFC in die TKO-Gruppe ein und hält einen Mehrheitsanteil von 51 Prozent der Aktien. Die bisherigen WWE-Aktionäre sind wiederum mit 49 Prozent an dem neuen Unternehmen beteiligt.
Vince McMahon, der bis zuletzt die Mehrheit der WWE-Aktien kontrollierte, hält rund 16 Prozent am neuen Unternehmen. Im Machtgefälle von TKO ist McMahon damit nicht mehr der erste Mann, wie er es seit Gründung seiner eigenen Firma Titan Sports in den Achtzigern war. Damals hatte er seinem Vater die Wrestling-Liga abgekauft.
Führung der TKO Group Holdings
Die Spitze von TKO setzt sich im Prinzip aus der Führungsriege von Endeavour zusammen:
- Ariel Emanuel, Chief Executive Officer
- Mark Shapiro, President und Chief Operating Officer
- Andrew Schleimer, Chief Financial Officer
- Seth Krauss, Chief Legal Officer
Der bisherige WWE-Präsident Nick Khan bleibt ebenfalls in seiner Rolle. Vince McMahon leitet den TKO-Vorstand als Vorstandsvorsitzender.
Mögliche Auswirkungen auf die WWE
Kurzfristig sollte der Mega-Zusammenschluss noch keine direkten Auswirkungen auf das WWE-Produkt haben. Inhaltlich werden die Shows weiterhin vom WWE-Kreativchef Paul Levesque auf den Weg gebracht. Auch Vince McMahon nimmt Einfluss auf die Gestaltung der Shows und wird - wie vor seinem mehrmonatigen Abgang im Sommer 2022 - das letzte Wort in allen Belangen haben.
Allerdings müssen die Mitarbeiter hinter den Kulissen spürbare Veränderungen erwarten. Emanuel versprach in Interviews, operative Synergien zu schaffen, um 50 bis 100 Millionen US-Dollar jährlich einsparen zu können. Dabei geht es zum einen um Personalkosten; Zu erwarten ist, dass verschiedene Abteilungen von WWE und UFC zusammengeführt werden. In Folge dürfte es schon bald zu Entlassungen kommen.
Die Zukunft der WWE
Wie erfolgreich WWE über die kommenden Jahre sein wird, entscheidet sich vor allem durch die Vergabe der Senderechte für Raw und SmackDown in den USA. Bereits seit einigen Monaten laufen die Verhandlungen, die mit Nick Khan und Ari Emanuel nun von zwei absoluten Schwergewichten der Branche geführt werden können.
Es wird auch über einen möglichen Verkauf des Unternehmens spekuliert. Die Investment-Bank JP Morgan ist in beratender Funktion an Bord geholt worden. Ein potenzieller Verkauf solle möglichst in den nächsten drei bis sechs Monaten vollzogen werden.
Linda McMahon und die Politik
Linda McMahon, die zusammen mit ihrem Ehemann lange Zeit World Wrestling Entertainment (WWE) leitete, war unter US-Präsident Trump als Bildungsministerin im Gespräch. Sie unterstützte Trump mit Wahlkampfspenden und fungierte als eine von zwei Wahlkampfchefs. In Trumps erster Regierung führte Linda McMahon die Behörde für kleine Unternehmen.
