Mixed Martial Arts (MMA) hat in Deutschland in den letzten Jahren stetig an Popularität gewonnen. Besonders die Ultimate Fighting Championship (UFC) - als größte und prestigeträchtigste MMA-Organisation der Welt - bietet Athleten aus allen Ländern die Möglichkeit, sich auf höchstem Niveau zu messen.
Russland kann mittlerweile zahlreiche starke UFC-Fighter vorweisen, egal ob ehemalige wie Khabib Nurmagomedov oder aktuelle wie Khamzat Chimaev. Wie bei vielen anderen MMA-Kämpfern ist auch die Islam Makhachev Herkunft die russische Region Dagestan.
Dagestan: Eine Brutstätte für MMA-Kämpfer
Dagestan ist eine russische Bergregion und gilt als absolute Fighter-Fabrik. Statt in die Kita, droppen Eltern ihre Kinder direkt im Gym oder lassen sie gegen Bären ringen. Mit gnadenlosen Methoden werden dort die brutalsten MMA-Kämpfer der Welt ausgebildet.
Damals gehörte Dagestan noch zur Sowjetunion und hieß Dagestanische ASSR (Autonome Sozialistische Sowjetrepublik). Islam Makhachev ist Teil der Laken, die fünftgrößte Ethnie in Dagestan, zu der in ganz Russland rund 178.630 Menschen gehören.
In der neuen Folge von #ATLAS erfahrt ihr, warum in Dagestan gerade eine ganze Generation für die UFC trainiert und wer damit die fette Kohle verdient. Aber woher kommt dieser Hype um Kampfsport in Dagestan?
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Bekannte russische UFC-Kämpfer
Khabib Nurmagomedov
Khabib Nurmagomedow, geboren am 20. September 1988 in Russland, beendete seine Karriere ungeschlagen mit einer perfekten Bilanz von 29 Siegen. Er gilt bis heute als einer der besten und erfolgreichsten MMA-Kämpfer aller Zeiten.
Nach seiner aktiven Karriere war Nurmagomedow als Trainer seines Jugendfreunds Islam Makhachew aktiv. Er gilt als einer der besten UFC-Kämpfer aller Zeiten. Sein größter Sieg gelang ihm im Oktober 2018 gegen Superstar Conor McGregor.
Allerdings hat der ehemalige Käfig-Kämpfer mächtig Ärger am Hals, denn es gibt erhebliche Steuerschwierigkeiten mit dem russischen Staat. Jetzt wurden seine privaten und geschäftlichen Konten eingefroren.
Schon Mitte Mai haben russische Medien über eine mögliche Steuerhinterziehung in Höhe von 3 Mio. Euro berichtet. Jetzt die offizielle Bestätigung vom russischen Finanzministerium: Alle Konten von Nurmagomedov sind seit dem 1. Juli eingefroren.
Grund: Der Ex-Champ soll versäumt haben, seine Steuern und Strafzahlungen zu leisten. Der Vorwurf: Nurmagomedov hat seine Einnahmen aus dem Ausland in den Jahren 2019 bis 2021 nicht korrekt versteuert.
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Am 24. Juni kam es in Dagestan zu einer Anschlagsserie, wobei mehr als 20 Menschen getötet worden sind. Einer der Angreifer hatte in Vergangenheit im Fitnessstudio von Nurmagomedov trainiert. Daraufhin stürmte die Polizei das Gym.
Islam Makhachev
Islam Makhachev ist nach Khabib der nächste UFC-Star aus Dagestan. Das vorläufige Highlight hat er im Oktober 2022 erreicht, als er Champion im Leichtgewicht wurde. Er trat in die Fußstapfen seines Freundes und gewann den UFC-Titel im Leichtgewicht im Jahr 2022.
Im Finale siegte er 7-0 und holte so Gold. Bei der World Combat Sambo Championship 2016 kürte sich Makhachev zum Weltmeister bis 74 KG. Schon davor fing er aber mit Mixed-Martial-Arts an.
Im Oktober 2022 erfolgte dann die Krönung: Gegen Charles Oliveira kürte er sich zum Leichtgewicht-Champion und ist damit auch endgültig in die Fußstapfen seines Mentors Khabib Nurmagomedov getreten. Islam Makhachev verteidigte seinen Titel im Leichtgewicht bereits dreimal.
Dem Vernehmen nach hat Makhachev durch seine bisherigen Kämpfe bei der UFC ungefähr eine Million US-Dollar verdient. Das Islam Makhachev Vermögen dürfte sich Gerüchten zufolge auf rund 650.000 US-Dollar belaufen. Genaue Angaben gibt es allerdings nicht.
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Khamzat Chimaev
MMA-Profi Khamzat Chimaev ist ein Gefolgsmann des Diktators und ein Superstar in der Szene. Mit seinem süffisanten Lächeln, dem voluminösen Vollbart und schwarzen Haar erinnert er an ein Raubtier. Sein Kampfname „Borz“ passt da nur zu gut - es ist das tschetschenische Wort für Wolf.
Chimaev ist nicht nur einer der momentan größten Kampfsportstars, sondern auch enger Freund des tschetschenischen Diktators Ramsan Kadyrow. Chimaev versteckt seine Freundschaft zu Kadyrow nicht. Im Gegenteil, in den sozialen Medien zelebriert er sie regelrecht.
Politische Aspekte
Die UFC ignoriert das gekonnt. Selbst dann, wenn Chimaev dem Diktator im Käfig öffentlich die Treue schwört. Nicht nur wegen Chimaevs überwältigenden Siegs war der Kampfabend UFC 308 eine gute Nacht für Kämpfer aus der Russischen Föderation.
Kadyrow inszeniert sich gerne als großen Helden, Anführer und ist das, was man im Westen getrost als toxisches Männlichkeitsideal par excellence bezeichnen kann. Als Vehikel dafür benutzt er den Kampfsport, insbesondere MMA und das Boxen.
Die Neuausrichtung der Emirate als internationale Sportplayer inkludiert auch den Kampfsport. Dass inzwischen oft in den Vereinigten Arabischen Emiraten gekämpft wird, ist kein Zufall. Nicht nur, weil er sich dem Emirat als Muslim näher fühlt, sondern weil ihm die USA aufgrund seiner engen Verbindungen zu Ramsan Kadyrow ein Visum verwehrt haben. Die Yas-Insel wurde kurzerhand zur Mixed-Martial-Arts-Metropole und richtete in einer Hygienebubble die Kämpfe aus. Chimaev kämpfte bereits fünf Mal in Abu Dhabi.
Weitere bemerkenswerte Kämpfer
Auch Magomed Ankalaev, ein weiterer Vorzeigeathlet aus dem Fight Club von Kadyrow, gewann seinen Kampf im Halbschwergewicht und wird den nächsten Titelkampf bekommen. Zwar wurden Magomedov noch keine offiziellen Verbindungen zu Kadyrow nachgewiesen, dafür aber seinem Manager Ali Abdelaziz, der etliche Kämpfer des Fight Club Akhmat vertritt.
Deutsche Kämpfer in der UFC
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die fünf erfolgreichsten deutschen Kämpfer, die in der UFC gekämpft haben. Obwohl Deutschland bislang keinen UFC-Champion hervorgebracht hat, haben diese fünf Kämpfer bewiesen, dass deutsches MMA-Potenzial auf der größten Bühne des Sports existiert.
- Dennis Siver: Geboren in Russland, wuchs er in Deutschland auf und trat ab 2007 in der UFC an. Siver fiel durch sein vielseitiges Striking und seine spektakulären Spinning-Kicks auf. Er erzielte mehrere Siege, die ihn zeitweise in die Top-10 der Federgewichtsdivision katapultierten. Trotz eines hochkarätigen Kampfes gegen Conor McGregor blieb ihm ein Titelkampf verwehrt.
- Ottman Azaitar: Der in Köln aufgewachsene Ottman Azaitar machte zunächst in regionalen Ligen auf sich aufmerksam, bevor er 2019 in der UFC debütierte. Sein explosiver Kampfstil und seine Knockout-Power verschafften ihm rasch einen Ruf als gefährlicher Finisher. Gleich in seinem ersten UFC-Kampf gegen Teemu Packalén gewann Azaitar mit einem krachenden K.o. und wiederholte das Kunststück im zweiten Kampf gegen Khama Worthy.
- Nasrat Haqparast: In Afghanistan geboren und in Hamburg aufgewachsen, ist ein weiterer aufstrebender Name im Leichtgewicht. Mit seinem aggressiven Boxstil und soliden Bodenkampf hat er sich in der UFC schnell einen Ruf als harter Gegner erarbeitet. Nachdem er anfangs einige spektakuläre Siege - darunter gegen Marc Diakiese - feiern konnte, wurde er auch als potenzieller Kandidat für einen Platz in den oberen Regionen des Rankings gehandelt.
- Abusupiyan “Abus” Magomedov: Gewichtsklasse: Mittelgewicht, Zeitraum in der UFC: 2022 - heute, Highlight: Blitzschneller Erstrunden-K.o. Abusupiyan “Abus” Magomedov wurde in Dagestan geboren, besitzt aber die deutsche Staatsbürgerschaft und kämpfte lange Zeit in Deutschland. Nach Erfolgen in verschiedenen europäischen Promotionen gab er 2022 sein UFC-Debüt und sorgte direkt für Aufsehen: Mit einem spektakulären K.o. in der ersten Runde machte er auf seine Ambitionen in der Mittelgewichtsklasse aufmerksam.
- Nick Hein: Ein ehemaliger Polizeibeamter aus Köln, ging 2014 in der UFC an den Start und machte sich einen Namen als zäher und disziplinierter Kämpfer. Mit einem starken Judo-Hintergrund und guten Boxfähigkeiten konnte Hein mehrere Siege einfahren und begeisterte mit seinem Entertainer-Charakter sowohl die deutschen als auch die internationalen Fans.
Dennis Siver ebnete als Pionier den Weg für viele andere, während aufstrebende Talente wie Ottman Azaitar, Nasrat Haqparast und Abus Magomedov zeigen, dass der Traum vom UFC-Gold für deutsche Athleten längst nicht unerreichbar ist.
