Die Wettkampf-Regeln im Judo wirken auf den Laien zunächst kompliziert und nicht auf Anhieb verständlich. In diesem Beitrag erfahren Sie die Grundlagen der japanischen Kampfkunst. Judo ist eine traditionsreiche Kampftechnik, die den Respekt vor dem Gegner hochhält.
Grundprinzipien des Judo
- Behandle deine Trainingspartner und Wettkampfgegner wie Freunde.
- Hilf deinem Partner, die Techniken korrekt zu erlernen. Sei ein guter Uke.
- Unterstütze als Höher-Graduierter/Trainingsälterer die Anfänger.
- Sei bei allen Übungen und im Wettkampf konzentriert und voll bei der Sache.
- Begegne deinem Lehrer/deiner Lehrerin und den Trainingsälteren zuvorkommend.
- Spiele dich selbst nicht in den Vordergrund. Sprich über deinen Erfolg nicht mit Übertreibung.
- Nimm im Randori und Wettkampf dein Herz in die Hand.
- Achte auf Pünktlichkeit und Disziplin bei Training und Wettkampf.
- Achte all diese Werte und alle Menschen.
Das erste Prinzip beschreibt, wie man die Judotechniken ausführen soll und wie man sich im Kampf zu verhalten hat. Es kann mit "Bester Einsatz von Geist und Körper " oder "Bester Einsatz der vorhandenen Kräfte" umschrieben werden und beinhaltet eine deutliche Absage an das 'Kraftmeiertum', die bloße Anwendung schierer physischer Kraft. Mit diesem Prinzip will Kano den Begriff Ju ("sanft, nachgeben, geschmeidig") des Wortes Judo näher charakterisieren.
Der Judokampf
Nach der Durchführung des Anfangszeremoniells, einer freundschaftlichen Verbeugung der Judoka voreinander, ist das Ziel des Wettkampfs, den Gegner durch verschiedene Wurf- und Grifftechniken außer Gefecht zu setzen. Ein Judokampf hat eine Maximaldauer von 4 Minuten reiner Kampfzeit. Je nach Alterskategorie dauern Judo-Kämpfe von zwei Minuten für die Kleinen bis zu vier Minuten plus sog.
Im Standkampf versucht der Judoka, seinen Gegner auf den Rücken zu manövrieren. Dabei nutzt er die Bewegungen des gegnerischen Kämpfers, um ihn durch verschiedene Wurftechniken zu Fall zu bringen. Gelingt der Fall des Gegners, folgt der Bodenkampf. Hier versucht der Judoka, seinen Gegner mithilfe der drei verschiedenen Grifftechniken Halte-, Würge- oder Hebelgriff, außer Gefecht zu setzen.
Der Haltegriff hält den Gegner in einer Position auf dem Rücken, in der er handlungsunfähig ist. Schafft der Kämpfer es, seinen Opponenten 20 Sekunden lang in dieser Position zu halten, gewinnt er den Kampf. Ziel des Würgegriffs und des Hebelgriffs ist es dagegen, den Gegner zum Aufgeben zu zwingen. Der Würgegriff schneidet dem Opponenten dafür die Luft ab, während der Hebelgriff eine schmerzhafte Hebelwirkung auf das Ellenbogengelenk erzeugt.
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Der Kampf beginnt mit dem Kampfrichterkommando „Ha-jime“ und endet mit „Sore-made“. Mit dem Kommando „Mate“ wird der Kampf kurzzeitig unterbrochen.
Wertungen im Judo
Im Judo gibt es weder Tore noch Körbe. Um einen Gewinner zu bestimmen, vergeben die Kampfrichter darum während der Kampfhandlung Wertungen für erfolgreiche Manöver. Die Wertung richtet sich nach der Ausführung und Qualität der Kampfhandlungen. Je kraftvoller und schwungvoller ein Wurf stattfindet, desto höher die Bewertung. Ein Wurf auf den Bauch ist ungültig.
Zwei Wertungen gibt es derzeit im Judo-Sport: Waza-ari und Ippon.
- Ippon: "Ippon" vergeben Kampfrichter bei einem nahezu fehlerfreien Wurf auf den Rücken, wenn er mit vollem Schwung und Kraft ausgeführt wurde. Ein 20 Sekunden andauernder Haltegriff ergibt ebenfalls Ippon. Die höchste Wertung einer Technik wird durch den Kampfrichter-Ausruf „Ippon“ signalisiert. Dies beendet den Kampf vorzeitig. Wer einen Ippon erziehlt gewinnt den Kampf. Ippons können durch einen kontrollierten Wurf auf den Rücken, Festhalten des Gegners in Rückenlage für 20 Sekunden oder durch Aufgabe des Gegners z.B.
- Waza-ari: Eine Waza-ari-Bewertung erfolgt, wenn es dem Judoka gelingt, den Gegner auf den Rücken zu werfen, die Bewegung jedoch nicht technisch einwandfrei oder nicht kraftvoll genug war. Bei einer nicht ganz perfekten, aber dennoch erfolgreichen Technik gibt es ein „Waza-ari“. Eine Waza-ari-Wertung gibt es für einen Haltegriff (Osae-komi), der mindestens zehn aber weniger als 20 Sekunden gehalten wird. Wenn der Gegner nicht kontrolliert auf dem Rücken sondern z.B. auf der Seite landet gibt es Waza-Ari.
Wie gewinnt man einen Judo-Wettkampf? Wer die höchste Wertung Ippon erhält, ist sofort Sieger (es ist egal, was für Wertungen der Gegner erzielt hat) und der Kampf ist zu Ende. Diese Wertung kann also nur einmal pro Kampf vergeben werden und deshalb braucht sie auch nicht auf der Tafel angezeigt werden. Zweimal Waza-ari ist soviel Wert wie Ippon, auch dann ist man sofort Sieger.
Wenn mit diesen Wertungen der Kampf nicht vorzeitig beendet wurde, sondern die Kampfzeit regulär abgelaufen ist, gewinnt derjenige Judoka, der die höhere Wertung von beiden erzielt hat. Dabei gilt: Ein Waza-Ari ist mehr wert als alle Yukos des Gegners. Es entscheidet also immer die Anzahl der höchsten Wertung, die vergeben wurde. Ist diese bei beiden Kämpfern gleich, entscheidet die Anzahl der nächst niedrigeren Wertung, usw.
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Wenn beide Kämpfer überhaupt keine Wertung erzielt haben oder die Wertungen bei beiden absolut identisch sind, dann wird der Wettkampf durch „Golden Score“ entschieden, d. h. alle bisherigen Wertungen werden zurückgenommen und derjenige Kämpfer gewinnt, der in der Verlängerungszeit die erste Wertung erhält. Haben beide Kämpfer auch im „Golden Score“ keine Wertung erzielt, kommt es zu einem Kampfrichterentscheid.
Für die Entscheidung wird geprüft: Welcher Kämpfer war aktiver, d. h. Beim Kampf im Stand gilt: Je mehr der Gegner auf den Rücken geworfen wird, und je schwung- und kraftvoller die Wurfausführung ist, desto höher die Wertung. Landet der Gegner dagegen auf dem Bauch, gibt es keine Wertung. Im Bodenkampf gilt: je länger man es schafft, den Gegner in einem Haltegriff festzuhalten, desto höher die Wertung. Ein Haltegriff zählt aber nur dann, wenn der Partner mit mindestens einer Schulter auf dem Boden liegt. Bei höheren Altersstufen kommen Hebel und Würgegriffe dazu. Bei wirkungsvoll angesetzten Hebeln oder Würgegriffen signalisiert der Unterlegene durch Abklopfen seine Aufgabe.
Regelung bei Verstößen
Drei Kampfrichter achten während des Wettkampfs auf die Einhaltung der Regeln. Durch Rufe und Handzeichen vergeben sie die Bestrafungen "Shidos".
- Shido: Kleine Verstöße, etwa eine passive Kampfweise, ziehen einen "Shido" nach sich. Ein einzelner Shido bleibt ohne Konsequenzen. Zwei Shidos führen zu einer Waza-ari-Bewertung für den Gegner. Der dritte Verstoß beendet mit Hansoku-make den Kampf zugunsten des Opponenten. Die ersten zwei Shidos werden nicht unmittelbar in Wertungen für den Gegner umgerechnet und können den Kampf nicht entscheiden.
- Hansoku-make: Schwere Verstößen können direkt siegentscheidend sein. Der dritte Shido, Hansoku-make, führt zur sofortigen Disqualifikation. Die Disqualifikation heißt im Judo „Hansoku-make“. Drei Shidos führen zu einem Hansoku-make, also wiederum zur vorzeitigen Beendigung des Kampfes. Derart unsportliches Verhalten wird mit Hansoku-Make bestraft und der Judoka hat automatische Verloren.
Eine Ausnahme von dieser Regel begründen Shidos für das Greifen ans Bein während des Standkampfes.
Reguläre Kampfzeit: Wird der Kampf nicht vorzeitig durch Ippon oder Hansoku-make entschieden, so gewinnt am Ende der regulären Wettkampfzeit der Kämpfer, der bereits ein Waza-ari erzielt hat. Haben beide Kämpfer am Ende der regulären Kampfzeit eine Waza-ari-Wertung auf der Anzeigetafel stehen (unabhängig von der Zahl der Shidos), geht der Vergleichskampf im Golden Score, also in der Verlängerung, weiter.
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Golden Score: In dieser Verlängerung gibt es keine zeitliche Obergrenze. Golden Score kommt selten vor, da Judo eine schnelle Sportart ist und durch eine offensive Kampfweise die Mehrzahl der Kämpfe vorzeitig beendet wird. Haben nach der regulären Kampfzeit beide Kämpfer/innen einen Gleichstand in den Bewertungen, beginnt die Golden Score-Zeit (ohne zeitliche Begrenzung). Die erste erzielte Wertung oder ein Hansoku-make entscheiden den Kampf.
Die Wettkampfregeln werden durch den Internationalen Judo-Verband (IJF) festgelegt und vom Deutschen Judo-Bund (DJB) übernommen. Sie werden des Öfteren angepasst. So dürfen die Kämpfer im Stand zurzeit nicht unterhalb des Gürtelbereichs (z.B. an die Beine des Gegners) greifen. Im Internet findet sich leider noch immer eine Vielzahl veralteter Regeln (z.B. mit den früheren Kleinwertungen Koka und Yuko). Diese sind obsolet.
Judo vs. Karate - Das ist der Unterschied
Sowohl Judo als auch Karate sind asiatische Kampfsportarten mit langer Tradition. Im Laienbereich werden sie, trotz ihrer deutlichen Unterschiede, des Öfteren verwechselt.
Karate ist im Vergleich zu Judo die wesentlich ältere Kampfkunst. Während Karate bereits seit vielen Jahrhunderten praktiziert wird, entstand Judo erst im späten 19. Jahrhundert. Karate hat eine aggressivere Vorgehensweise. Aus einiger Entfernung werden Tritt- und Schlagtechniken ausgeübt, Körperkontakt hingegen vermieden. Im Judo ist Körperkontakt dagegen fester Bestandteil eines Kampfes. Der japanischen Pädagoge Jigoro Kano erfand Judo als eine weniger gewaltsame Alternative zum Jiu-Jitsu. Während im Karate auch Angriffstechniken einstudiert werden, steht beim Judo die Selbstverteidigung im Vordergrund. Kicke und Hiebe in die gegnerische Richtung werden hier geahndet. Judo eignet sich für Menschen jeden Alters.
