Im Karate stellt der Dan mehr als nur eine Stufe dar; er markiert den Beginn einer fortlaufenden geistigen, charakterlichen und körperlichen Entwicklung. Mit dem 1. Dan fängt der lange Weg für den Karateka beim Karate erst an, denn Dan bedeutet „Stufe”. Der Dan-Träger strebt im Laufe der verschiedenen Meistergrade zur Perfektion.
Das Dan-System (Schwarzgurte - Kuro Obi) hat Meister Gichin Funakoshi in das Karate - Do eingeführt. Die letzte Stufe eines lebenden Karateka ist der 10. Dan. Aber wie perfekt kann ein Mensch wirklich werden?
Das Dan-System und seine Grade
Das Graduierungssystem (kyūdan) des budō besteht aus einer Vorstufe (mudansha - Personen ohne dan), gefolgt vom System der dansha (Personen mit dan). Die mudansha klassifizieren sich in einer absteigenden Struktur der kyū (9. bis 1. kyū), die dansha sind Rangbezeichnungen für Schwarzgurtträger von (1. bis 12. dan).
Die Dan-Grade (dansha) des budō sind Graduierungen für Fortgeschrittene und bezeichnen die Träger des schwarzen Gürtels (kuro obi). Verglichen mit dem Werdegang eines Handwerkers wäre das begriffliche Äquivalent zum mudansha der „Lehrling“, dem yūdansha entspräche der „Geselle“, und dem kōdansha käme der „Meister der Handwerkskunst“ gleich.
Das vollständige Graduierungssystem (kyūdan), in dem sowohl die mudansha als auch die (yūdansha und kōdansha) klassifiziert werden, wurde 1926 von Funakoshi Gichin aus dem dankyū seido des butokukai übernommen und im japanischen karate eingeführt.
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Hier eine Übersicht der Dan-Grade:
- Shodan - 1. Dan
- Nidan - 2. Dan
- Sandan - 3. Dan
- Yondan - 4. Dan
- Godan - 5. Dan
- Rokudan - 6. Dan
- Nanadan - 7. Dan
- Hachidan - 8. Dan
- Kūdan - 9. Dan
- Jūdan - 10. Dan
Es ist auch möglich sich Kampfkunst-/Verbandsübergreifend prüfen und graduieren zu lassen. Gerade für Schulen/Lehrer, die keinem eigenen Dachverband angehören ist das eine gute Möglichkeit weiterzukommen. Viele Verbände bemühen sich darum, dennoch hat sich bisher nichts einheitliche etabliert.
Die Bedeutung der einzelnen Dan-Grade
Die einzelnen Dan-Stufen repräsentieren den persönlichen, technischen bzw. geistigen Entwicklungsstand der Weg-SchülerInnen in speziellen Bereichen.
1. Dan (Shodan)
Der erste Dan bedeutet für ihn ein Ausgangspunkt für seine Entwicklung. Am Anfang seines langen Wegs der Dan Stufen hat der Shodan eine „Vorahnung” über das Wissen der Techniken. Mit der technischen Grundlage des Trainings und seiner inneren Haltung hat er den Weg des Karate do gemeistert und begibt sich jetzt als „Suchender Schüler ” auf den Weg zur geistigen Reife.
Er ist interessiert an der Verbindung von Geist und Technik und sieht das als nächste Herausforderung.
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2. Dan (Nidan)
Der Schüler hat nun die Bedingungen des Weges durch seine rechte Haltung verstanden. Noch warten viele Hindernissen auf seinem Weg, doch er hat sich noch nicht endgültig entschieden, diese Herausforderungen mit allen Konsequenzen zu meistern. Dieser Dan-Grad wird auch “Schülers am Anfang des Weges” genannt.
Seine intensive Karate-Praxis und sein Studium des Weges lassen ihn über den Tellerrand des reinen Kampfsports blicken und ihn den Weg der Kampfkunst verstehen. Er kann sie auf seine täglichen Lebenssituationen übertragen. Ob der Schüler allerdings den Anforderungen des Weges wirklich gewachsen ist, wird sich zeigen.
3. Dan (Sandan)
Der Karateka ist nun entschlossen den Weg der Kampfkunst bis an sein Lebensende zu gehen. Erst jetzt wird ihn der Meister als wahren Wegschüler anerkennen. Hier beginnt der Eintritt in die Ha-Form( Zweite Stufe des Shu-Ha-Ri - Wege und stufen des Lehrens) “Der anerkannte Schüler” zeigt an seiner Haltung und nicht nur an seinem technischen Fortschritt seine Weg-Stufe.
Er lässt sich durch nichts von seinem Weg abbringen. Seine Treue gegenüber dem Stil (Ryu), dem Weg (Do), der Schule (Dojo) und dem Lehrer (Sensei) haben Kopf, Herz und Hand gleichermaßen gestärkt.
4. Dan (Yondan)
Ab dem 4. Dan beginnt der Weg des Budos. Der Karateka hat nun die technischen und körperlichen Grenzen erreicht und weiß nun, dass er sich auf einer anderen Ebene des Budo-Weges neuen Herausforderungen stellen muss. Er lebt und verinnerlicht die geistigen Aspekte der Kampfkunst täglich im Dojo oder im Alltag.
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Der Yondan verbindet die Karate Philosophie und die Budo-Technik so miteinander, dass er Wege zur inneren Perfektion suchen und finden kann. Er ist in der Lage, seinen Geist, seine Atmung und seinen Ki-Fluß in den körperlichen Übungen zu kontrollieren und verleiht damit seiner Technik die maximale Wirkung.
5. Dan (Godan)
Der Karateka mit dem 5. Dan Grad bekommt den Titel Renshi - Mensch mit reifem Bewusstsein. Dieser Grad kann frühestens im Alter von 31 Jahren erreicht werden. Die Voraussetzung sind eine entsprechende Budo-Erfahrung und Lebenserfahrung.
Der 5. Dan (Godan) und 6. Dan (Rokudan) zeichnen sich durch viel Wissen, Lebenserfahrung und eine starke innere Haltung aus. Das Karate-Do ist mit seiner Tradition ein wichtiges Lebensprinzip geworden. Der “Kodansha” ist kein “Schüler” mehr, sondern ein wahrer Meister.
Er hat die Theorie und die Praxis verinnerlicht und ist ein Vorbild und mit seinem Wissen eine Autorität für seine Schüler.
In den Graden werden die Titel Renshi, Kyoshi und Hanshi vergeben. Man spricht diesen Meistergraden Seishin (geistige Reife) zu.
Der 10. Dan und die Perfektion
In Japan wird der 10. Dan hoch angesehen. Laut Wikipedia gibt es heute nur noch einen lebenden Meister mit dem 10.Dan. Der Japaner Hirokazu Kanazawa, am 3. Mai 1931 in der Präfektur Iwate, Japan geboren, ist einer der bedeutendsten Karate-Meister. Seit 2002 ist er Träger des 10. Dan Hanshi.
Es gibt immer wieder Diskussionen um hohe Dan-Grade und es gibt nicht wenige, die den 10. - neuerdings sogar 11., 12. und was weiß ich wievielten Dan erreichen. Safar Sensei, 8. Dan, ein Schüler von Nakayama Masatoshi Sensei fragte einmal seinen Lehrer nach der Bedeutung des 10. Dan, der ihm dieselbe erklärte.
Davon ausgehend erläutert Safar Sensei die Bedeutung des 10. Dan heute so:"Den 10. Dan kann eigentlich niemand wirklich zu Lebzeiten erreichen, denn der 10. Dan bedeutet, dass man perfekt ist, dass man keine weiteren Fortschritte mehr machen kann. Man kann immer etwas dazu lernen.
Das bedeutet also (zumindest im Karate-Graduierungssystem und Graduierungsverständnis der JKA) - wenn jemand den 10. Dan zu Lebzeiten erreicht hat, dann ist er entweder (bereits geistig) tot oder ein kompletter Idiot... Deshalb hatte Nakayama Sensei auch zu Lebzeiten nur den 9. Dan erreicht, denn solange man sich verbessern kann, ist es unmöglich eine Graduierung zuerreichen, die etwas anderes aussagt."
Die Ausbildung im Karate geht ein Leben lang und endet nie. Daher kann man sich auch immer weiter verbessern und immer wieder etwas dazulernen, was es letztlich unter Berücksichtigung der Bedeutung "perfekt sein" unmöglich macht, zu Lebzeiten den 10. Dan zu erreichen.
Welchen Wert solch eine Graduierung letztlich wirklich hat, wird jeder der ehrlich zu sich selbst ist, selbst einschätzen können. Resepkt nötigt eine hohe Graduierung an sich nur dem Anfänger ab. Wer schon etwas länger dabei ist schaut hinter die Kulissen.
Wenn ein Träger des 10. Dan nicht die Techniken eines 10. Dan zeigen kann, so wird er sich früher oder später von selbst als Schwindler entlarven. Wahres Können zeigt sich nicht unbedingt in äußerlichen Dingen wie hohen Graduierungen, sondern beweist sich von selbst - in den Techniken, in der Person und dem Charakter des Trägers.
Er wird mit Sicherheit nicht immer darauf hinweisen müssen, dass er ja schon den Xten Dan hat. Schwarz und auch der "Schwarze Gürtel" ist die Farbe der Meisterinnen und Meister und nur diesen vorbehalten.
