Die Standlautsprecher Canton Karat 790 DC sind etwas Besonderes, da sie beweisen, dass es auch in der kurzlebigen Technikindustrie Traditionen geben kann. Mit dem 790 DC wird eine solche nun fortgeführt. Das Modell Karat 790 DC wurde im Gegensatz zu seinem direkten Vorgänger aber nicht nur in kleinen Punkten bearbeitet, sondern es wurde eine wahre Revolution vollzogen. Das System wurde zum Dreieinhalb-Wege-Modell modifiziert. Somit musste auch für die sehr hochwertige Weiche mehr Aufwand betrieben werden.
Der 790 DC entstammt aus einer langen Reihe von Produkten. Alles begann mit dem M70 und setzte sich dann mit dem M80 fort. Es folgte der M90, aus dem zu einem späteren Zeitpunkt der 709 wurde. Nun erfolgte der direkte Schritt zum 790 DC.
Klangqualität und technische Details
In der Klangqualität hat sich vor allem eines geändert: Das 16er-Aluminium-Tiefmitteltonchassis wurde zu einem Mitteltöner modifiziert. Dieser liefert nun 3 kHz, wobei sich das obere bei einer Frequenz von 400 bis 500 kHz automatisch für die höheren Lagen ausblendet. Diese Veränderung hat bereits bedeutende Auswirkungen. Die Interferenzen werden um ein beträchtliches Maß verringert. Der Standlautsprecher erzeugt ein sehr einheitliches Rundstrahlverfahren, welches sich vor allem durch sehr geringe Verzerrungen darstellt. Im Wave-Sick wird zudem ein besserer Hub geboten, welcher bei den Vorgängern noch nicht verfügbar war.
Sehr schön, wenn es um die wesentlichen Details geht, sind die Silikon-Absorber, welche den Standfuß von der Unterlage trennen. Auch das gute Bi-Wing-Terminal ist wirklich ein kleines Meisterwerk und man merkt sehr schnell, dass die Konstrukteure viel Arbeit in die Entwicklung gesteckt haben. Der 26er Tieftöner wurde auf der Innenseite des Gehäuses angebracht, was durch die schmale Optik bedingt ist. Die Membran besteht aus Cellulose/Graphit und erzeugt damit einen einzigartigen Klang, welcher bei vielen anderen Systemen seines Gleichen sucht.
Das Gehäuse ist in Weiss und Schwarz erhältlich. Der Hochtöner kommt mit der neuen Aluminium-Mangan-Kalotte ADT - 25 daher. Auch die Frontplatte und die Linse wurden überarbeitet und entsprechend der Anforderungen der Kunden optimiert. Hierdurch werden viele Dynamikreserven freigesetzt und die Bandbreite steigert sich auf 40 kHz. Sehr schön und vor allem auch spürbar, sind die 3 Dezibel mehr Schalldruck, welche durch die Modifikationen erzeugt werden. Der Klang im Raum verändert sich dabei maßgeblich und füllt den Raum besser aus.
Lesen Sie auch: Karat 795 DC – Der ausführliche Test
Im Test in der Hörbox trumpft die Anlage so richtig auf. Die DC-Technologie verhindert wie gewöhnlich bei dieser Baureihe, unnötige Schwingungen der Membran. Da diese vor allem im Infraschall Bereich aufgehoben werden, werden viele Interferenzen beseitigt. Bei der Feinauflösung ist das System unübertroffen. Im Vergleich zeigte sich die zweitbeste Räumlichkeit und ein ausgewogener und immer kontrollierte Bass. Die Box ist ein wahrer Alleskönner.
Einsatzbereich und Design
Vor allem in größeren Räumen zeigt sie, was sie kann. Hier steht sie der Phonar in nichts nach. Durch diese Kombinationen ergibt das komplette System eine Leistung von 300 Watt. Optisch ist die Box von Canton ein Blickfang im Raum. Ein Leichtgewicht ist sie mit Ihren 26,5 Kilogramm Gewicht und einer Größe von 112 mm allerdings nicht. Dennoch kann sie sich klanglich in den Vordergrund schieben. Die Anlage schafft einen akustischen Feinsinn, welcher nicht jedem Gerät gegeben ist. Dabei eifert sie eine Dynamik, welche den Raum mit einem eindrucksvollen Klangerlebnis erfüllt. Ist der Pegel einmal eingestellt, so behält sie diesen ohne Veränderungen die gesamte Laufzeit über bei.
In Karat misst man das Gewicht von Gold und Edelsteinen. Wenn ein bekannter deutscher Boxenbauer wie Canton eine seiner wichtigsten Produktreihen generalüberholt, ist ihm Aufmerksamkeit gewiss. Da schon die alte Version der Karat-Serie hochkarätig war, erprobten wir gespannt, was die Entwickler um Frank Göbl nun ausgetüftelt haben. Dazu holten wir uns gleich das "große Besteck" ins Haus, nämlich als Frontlautsprecher das Flaggschiff Karat 790.2 DC, als Center den Karat 755.2 und als Surrounds ebenfalls Standboxen, und zwar die Nummer zwei der Serie, die Karat 770.2 DC. Der Subwoofer SUB 1200 R komplettiert das Set.
Technische Details des Subwoofers
Das 30-Zentimeter-Chassis des Sub verfügt über eine Sandwich-Membran aus Aluminium und Graphit. Sie hängt in einer so genannten Wave-Sicke, die statt einer halbkreisförmigen Wölbung deren zwei aufweist - eine nach vorn, die andere nach hinten. Die Vorteile: Bei gleichem Platzbedarf erlaubt die Wave-Sicke größere Hübe, schwingt kontrollierter und unterdrückt störende Resonanzen besser als herkömmliche Konstruktionen. Außerdem wählten die Entwickler statt eines Bassreflexrohres eine Passivmembran, die auf der Unterseite des Gehäuses sitzt. Sie verfügt ebenfalls über 30 Zentimeter und eine Wave-Sicke. Auf der Rückseite trägt der Sub nur die Anschlüsse; Einstellung und Bedienung erfolgt per Funkfernbedienung.
Über sie lassen sich auch vier Raumkorrektur-Modi für verschieden große Zimmer abrufen. Um Chassis und Elektronik vor Überlastung zu schützen, bauten die Canton-Entwickler gleich zwei Pegelbegrenzungen mit unterschiedlichen Frequenzbereichen ein. Die tieffrequente sorgt dafür, dass das Chassis nicht zu viel Hub ausführt, die obere schützt die Endstufe vor Übersteuerung.
Lesen Sie auch: Canton Karat 930 im Test: Was taugen sie wirklich?
Designmerkmale und DC-Technik
Sowohl die Frontboxen als auch die Surrounds tragen ihre Tieftöner nicht auf der Front, sondern auf der Innenseite. So kann Canton die Schallwände sehr schmal halten, was dem Rundstrahlverhalten und der Optik zugute kommt. Beide Boxentypen arbeiten im Bassbereich mit Cantons DC-Technik, die für mehr Tiefbass bei gleichzeitig geringerem Maximalhub sorgen soll. Auf der Vorderseite aller fünf Boxen sitzen zwei Tief-/Mitteltöner. Beim Center und den Frontboxen sind sie 16 Zentimeter groß, bei den Surrounds 13 Zentimeter. Einer der Tief-/Mitteltöner übernimmt jeweils die Übertragung bis zum Hochtöner, der andere kümmert sich nur um Bass und untere Mitten.
Bei all diesen Chassis verwendet Canton ebenfalls die Wave-Sicke sowie ausgeklügelte Aluminium-Membranen, die erst weit oberhalb des genutzten Frequenzbereichs in Resonanzen aufbrechen. Stolz der Canton-Entwickler ist der neue Hochtöner der Karat-Serie: Seine aus Aluminium-Mangan gefertigte Kalottenmembran und der Schwingspulenträger bestehen aus einem Stück. Das erhöht die Stabilität, spart eine resonanzanfällige Klebestelle ein und hilft, Hitze von der Schwingspule abzuführen. Die Form wurde mit Simulationsprogrammen so optimiert, dass der Frequenzbereich bis zu 38 Kilohertz reicht. Außerdem gaben die Entwickler der Kalotte eine kurze, hornartige Schallführung, was das Rundstrahlverhalten verbessern soll.
Die Vorteile der DC-Technik
Die Bassreflex-Bauweise kann helfen, die Tiefton-Wiedergabe eines Lautsprechers zu verbessern. Allerdings hat sie auch einen Nachteil: Unterhalb der Abstimmfrequenz des Bassreflexkanals spürt die Membran des Tieftöners keinerlei signifikanten Widerstand mehr und schwingt mit großem Hub, ohne dabei nennenswert hörbaren Schall auf der zugeführten Frequenz zu erzeugen. Dafür kommt es zu Verzerrungen, teilweise mit mehr als zehn oder sogar 20 Prozent. Auch mechanisch stellt das Bassreflex-Prinzip eine Herausforderung dar: Die Tieftöner müssen so gebaut sein, dass sie selbst große Hübe ohne Defekte überstehen.
Einen Ausweg aus diesem Dilemma eröffnet Cantons DC-Technik (Displacement Control, zu Deutsch etwa: Auslenkkontrolle). Innerhalb der Frequenzweiche sitzt dabei ein Filter, das Subbass-Frequenzen vom Tieftöner fernhält. Canton hat dieses Filter sogar so optimiert, dass die Box an ihrem unteren Bereichsende mehr Schall produziert als ungefiltert und trotzdem erheblich geringere Maximalhübe ausführen muss.
Messergebnisse und Klangeindruck
Im Messlabor setzt es nur einmal Kritik: Die Impedanz der Frontbox fällt bei 40 Hertz unter drei Ohm, was schwachbrüstige Verstärker in Bedrängnis bringen kann. Ansonsten stimmt alles. Das Rundstrahlverhalten des Centers ist zwar unsymmetrisch, für die horizontale Bauweise aber sehr ordentlich. Hochkarätig gerät der Auftritt des Sets im Hörraum. Das Toto-Konzert "Falling in Between" (DTS-HD Master Audio) wird zum wahren Ohrenschmaus, die Tester feierten mit Steve Lukather, Bobby Kimball und Co. richtig ab. Die Cantons bringen die Virtuosität und das höchst präzise Zusammenspiel der Band hautnah in den Raum. Kein Detail fehlt, trotzdem wirkt der Klang sehr dynamisch und wie aus einem Guss.
Lesen Sie auch: Nutzererfahrungen mit der Canton Karat M80 DC
Mit feineren Tönen von K.D. Langs Blu-ray "Live in London" (DTS-HD Master Audio) setzt sich der Hörgenuss fort. Traumhaft natürlich stellt das Set Langs Stimme vor die Zuhörer und lässt nichts von ihrer charakteristischen Färbung vermissen. Auch die Band spielt mit Präzision und höchst einfühlsam. Zudem überzeugt die sehr gelungene Raumwiedergabe, dank der sich die Tester geradewegs ins Publikum hineinversetzt fühlten.
Das Rundstrahlverhalten des Karat-Centers weist zwar an den Seiten Einbrüche auf, doch sie fallen nur schmal aus, wie auf dem Diagramm zu sehen. Auch seitlich sitzende Zuschauer genießen daher guten Klang. Mit "Ratatouille" (Mehrkanal-PCM) darf endlich der Subwoofer zeigen, dass er richtig laut und richtig sauber spielt. Der Blitzschlag zu Beginn fährt buchstäblich aus dem Nichts direkt in die Magengrube, die Schüsse aus der Schrotflinte schrecken regelrecht auf. Die Raumatmosphäre in den Abwasserkanälen gelingt ebenfalls traumhaft gut.
Fazit
In drei Hochglanz-Lackfarben, nämlich Schwarz, Weiß und Titan, bietet Canton die Karat-Serie an. Die Standboxen verfügen über eine Sockelplatte, die mit hochwertigen Dämpfern vom Restgehäuse entkoppelt ist. Die Frontboxen brauchen gar keinen Subwoofer zur Unterstützung - auch allein spielen sie Michael Ruffs "Speaking in Melodies" knackig, voluminös und tiefreichend. Wie selbstverständlich verlässt auch der Rest des Frequenzspektrums die Boxen und wird präzise am richtigen Platz und mit der korrekten Klangfärbung hörbar.
Der Tieftöner sitzt bei den Karat-Standboxen nicht auf der schmalen Front, sondern auf der Innenseite. 7.050 Euro kostet das neue Karat-Set von Canton - durchaus angemessen für eine solche Preziose. Das Set bietet für jeden Euro echten Gegenwert in Form von Klang und Verarbeitung. Ein wahrer Traum für anspruchsvolle Film- und Musikfans.
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Bauweise | Dreieinhalb-Wege-System |
| Tieftöner | 26er mit Cellulose/Graphit-Membran |
| Hochtöner | Aluminium-Mangan-Kalotte ADT - 25 |
| Besonderheiten | DC-Technologie, Wave-Sicke, interne Tieftönerpositionierung |
| Leistung | 300 Watt |
| Gehäusefarben | Weiss, Schwarz und Titan |
| Gewicht | 26,5 Kilogramm |
