Christian Jungwirth: Vom Fußballtalent zum MMA-Star

Der Traum von einer Profikarriere als Fußballer blieb Christian Jungwirth verwehrt. Doch als MMA-Kämpfer wurde der einstige Schützling von Thomas Tuchel zum Star. Nun bringt er die Halle zum Toben.

Die Anfänge im Fußball

Bereits als Teenager hatte der Sohn einer serbischen Mutter und eines deutschen Vaters nur Sport im Kopf. Damals hat ihn das Fußballfieber gepackt, er möchte Profi werden. Er schafft es als Torwart in die Jugendmannschaft des VfB Stuttgart, spielt unter dem heutigen Bayern-Trainer Thomas Tuchel auf Turnieren in ganz Deutschland. Seine Teamkameraden heißen unter anderem Serdar Tasci und Andreas Beck.

Letzterer stammt aus Aalen, nur 20 Minuten von Bopfingen entfernt. Logisch, dass Familie Beck und Familie Jungwirth schnell eine Fahrgemeinschaft bilden. "Das waren 100 Kilometer pro Weg - und das mehrmals in der Woche", erzählt Jungwirth. "Christians Papa wollte uns immer unterstützen und ist sehr oft gefahren. Da war dann schon schnell eine Bindung da. Und so hat sich dann eine Freundschaft entwickelt", erinnert sich Andreas Beck.

Die beiden Auswahlspieler werden bald gute Freunde, auch abseits des Platzes. "Christian traute sich immer, Dinge einfach zu machen. Wenn alle noch überlegt haben, ob sie die große Treppe springen wollen, hat Christian sofort gesagt: 'Ich mach das'", erzählt Beck. "So bin ich halt", stimmt Jungwirth zu. "Ich mache häufig Sachen ohne vorher groß darüber nachzudenken.

Serdar Tasci und Andreas Beck schaffen den Sprung zu den Profis beim VfB Stuttgart, werden schnell deutscher Meister und Nationalspieler. Jungwirth hingegen wird kurz vor dem großen Traum aussortiert. Hartnäckige Verletzungen lassen ihn zurückfallen, seine Trainer glauben nicht mehr an ihn. Nicht das Talent fehlt, sein Körper lässt Christian Jungwirth im Stich. Mit 22 Jahren gibt er den Traum vom Profifußball endgültig auf.

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Der Weg in die Krise

"Man hat es mir äußerlich nicht angemerkt", erzählt er heute, "aber innerlich war ich verzweifelt. Ich hatte kein Ziel mehr im Leben." Seine Mutter besorgt ihm eine Ausbildung als KFZ-Mechatroniker: "Ich bin von Tag eins an dort hingegangen und habe gewusst, das macht mir keinen Spaß. Anstatt mit seinen Jugendkumpels in der Bundesliga aufzulaufen, findet Christian Jungwirth sich in einem Abwärtsstrudel wieder. Das war die schlimmste Zeit, der Tiefpunkt in meinem Leben.

Mit dem Kämpfen kommt er über die Stuttgarter Hooligan-Szene in Berührung. "Die haben damals bemerkt, dass ich ein stabiler Junge bin", grinst er. Irgendwann geht er mit zu einer sogenannten "dritten Halbzeit". "Auf den Acker", wie er selbst sagt. "Im Grunde war das Mannschaftskickboxen", fasst er zusammen. Stuttgarter Hooligans gegen Hooligans anderer Vereine. Zehn gegen zehn, 20 gegen 20 - man trifft sich an einem vorher festgelegten Ort abseits der Stadt und dann geht es los.

Neuanfang im Kampfsport

Über ein erstes Sparring findet Jungwirth gefallen am Boxsport. Damals ist er bereits 28 Jahre alt. Eines Abends besucht der Bopfinger eine Mixed-Martial-Arts-Veranstaltung im LKA Longhorn in Stuttgart - und ist begeistert. Also begleitet er einen Freund ins Kongs Gym in Fellbach. "Christian habe ich erst mal mit einem 15-Jährigen in den Ring gestellt. Der hat ihn ordentlich verdroschen", lacht Meier. "Er konnte nichts. Also wirklich gar nichts. So hat er schnell bemerkt, dass Muskeln nicht alles sind."

MMA ist die Abkürzung für Mixed-Martial-Arts. Ein Kampfsport, der im Grunde einen Mix aus allen wichtigen Kampfstilen darstellt. Gekämpft wird im achteckigen Käfig, erlaubt ist fast alles. Nur Schläge auf den Hinterkopf, Tiefschläge, Kratzen sowie Stechen und Greifen in Körperöffnungen sind verboten. Was oft wie eine wilde Prügelei aussieht, ist in Wahrheit die wohl komplexeste Kampfsport-Disziplin.

Drei Mal fünf Minuten in einem regulären Profikampf, fünf Mal fünf Minuten in Titelkämpfen. Der Kampfsport hat in mir das Feuer wieder entfacht. "Ich bin kein aggressiver Mensch", erklärt Christian Jungwirth: "Aber ich verspüre den Drang zu kämpfen. Ich verspüre den Drang, aus mir rauszugehen, das Biest aus mir rauszulassen. Und hier in diesem Sport ist meine Energie genau am richtigen Platz aufgehoben. Und das das fühle ich mit jeder Faser in meinem Körper", sagt Christian Jungwirth.

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Die Karriere im MMA

Mit 30 Jahren bestreitet Jungwirth seinen ersten Profikampf im MMA-Käfig. Bald kämpft er in Tschechien, Indien, China und Russland. Seine wilde und ungestüme Art begeistert die Zuschauer. Sein Lebensweg sowieso. Seine Irrungen und Wirrungen, seine Depression, seine Fehler - alles scheint plötzlich zu etwas gut gewesen zu sein.

Als die Kampfsport-Organisation "Oktagon" Jungwirths "Heimspiel" in der Stuttgarter Schleyer-Halle ankündigt, sind innerhalb weniger Tage rund 10.000 Tickets verkauft. Dabei steht zu diesem Zeitpunkt Jungwirths Gegner noch nicht einmal fest. "Christian ist einer der beliebtesten MMA-Kämpfer in Deutschland", erklärt YouTuber Edmon Avagyan. Mit mehr als 400.000 Abonnenten betreibt Avagyan einen der größten Kampfsport-Kanäle im deutschsprachigen Raum.

Jungwirths Fanbase ist beachtlich, auch international. Wenn der Bopfinger in Tschechien antritt sind die Hallen voll. "Ich bin der letzte keltische Krieger", grinst Jungwirth stolz. Deshalb auch sein Kampfname "The Kelt". "Ich trainiere auch auf dem Ipf. Und genauso wie die Kelten ziehe ich dann von hier in die Schlacht." Er lächelt glücklich, während er davon erzählt. Christian Jungwirth hat sich endlich gefunden.

Am Samstag, den 23. März wird Christian "The Kelt" Jungwirth wieder in den Käfig steigen. Bei "Oktagon 55" will der Kelte nach zwei Niederlagen in Folge in seinem Heimspiel wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Sein Gegner ist dann der Slowake Robert Pukac. Christian Jungwirth war einst ein verheißungsvolles Talent beim VfB Stuttgart. Die große Fußballerkarriere blieb ihm verwehrt.

Für Jungwirth ist der Traum von der großen Fußballbühne längst geplatzt, nicht allerdings der Traum von der großen Sportbühne: Am Samstag wird Jungwirth vor rund 13.000 Fans in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle im Rampenlicht stehen - als MMA-Kämpfer beim Event OKTAGON 55.

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Der Weltergewichtler Jungwirth trifft am Samstag zum zweiten Mal auf seinen slowakischen Rivalen Robert Pukac, er ist das werbewirksame Aushängeschild des Kampfabends, mit der die in Tschechien ansässige Liga Oktagon MMA ihren Status als europäisches Pendant zum Milliarden-Unternehmen UFC untermauert.

Jungwirth war bereits 30 Jahre, als er sich den Mixed Martial Arts verschrieb. Das Engagement entpuppte sich jedoch für beide Seiten als Glücksfall: Jungwirth etablierte sich national und international so sehr als Attraktion, dass er seinen früheren Broterwerb als Staplerfahrer inzwischen aufgeben konnte.

Der Familienvater machte sich in der Szene durch spektakuläre Fights auf sich aufmerksam, fast schon Legendenstatus hat mittlerweile eine Szene aus einem Kampf gegen den Serben Bojan Velickovic im vergangenen Sommer, in dem Jungwirth eine eigentlich unmögliche Aktion gelang: Er kämpfte sich 40 Sekunden lang durch den gefürchteten Rear-Naked-Choke-Würgegriff seines Gegners - und schüttelte diesen dann einfach ab.

Einer, der den Sport auf seinen Schultern trägt, ist Christian Jungwirth. Der Schwabe blickt auf eine bewegte Vita zurück. Daher ist er nicht nur eines der Gesichter im deutschen MMA, "sondern das Gesicht des Sports in Deutschland", betont der 37-Jährige im Gespräch mit ntv.de. "Von den anderen Fightern hebe ich mich durch meine Geschichte ab", setzt "The Kelt" ("Der Kelte"), so sein Spitzname im Ring, fort.

Mit dem Traum vom Profifußballer wurde es bei Jungwirth schließlich nichts, eine Knieverletzung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. "Sport war schon immer mein Lebenselixier. Das wurde mir dann genommen. Ich hatte kein Ziel mehr im Leben. Schule war nichts für mich. Ausbildung war nichts für mich. Ich war schon immer ein extremer Typ und schon immer besonders. Nicht besser, aber besonders", erklärt Jungwirth.

Es folgten Alkohol, Drogen, Partys. Durch seine Liebe zum VfB Stuttgart kam er mehr und mehr in die Ultraszene des Vereins. Auch wenn er zu der Zeit noch im Amateurbereich gekickt habe, sei er eher wie ein "Discopumper" rumgelaufen, erinnert er sich. "Und so ein Typ wie ich fällt gleich auf." Wer die Ultraszene kennt, weiß, dass sich besonders fanatische Anhänger der Vereine auch schon mal Prügeleien auf dem Acker liefern.

Ein Event in Stuttgart habe ihn 2016 fasziniert. "Der Einlauf der Kämpfer hat bei mir schon Nervenkitzel ausgelöst", so "The Kelt". Ein Anruf beim Veranstalter und wenige Wochen später stand sein erster Amateurkampf fest. Danach war klar: Die sportliche Karriere soll mit MMA fortgesetzt werden.

"Ich hab' meine Tochter um acht in den Kindergarten gebracht, bin dann nach Stuttgart gefahren. Und da war dann von zehn bis um zwölf Training, schnell geduscht, ins Auto und zur Arbeit. Im Bestfall konnte ich vor der Spätschicht noch 20 Minuten pennen", beschreibt der 37-Jährige seinen durchgetakteten Alltag von damals.

Mittlerweile ist sein ganzes Leben auf MMA ausgelegt. "Meine Frau macht mit. Meine Kleine, meine Mutter und mein Vater, der leider vor vier Jahren verstorben ist, war Feuer und Flamme. 10 bis 12 Trainingseinheiten in der Woche stehen auf dem Programm. "Ich überlasse nichts dem Zufall. Mein Training, mein Essen, mein Schlaf, meine Regeneration - da liegt mein Fokus drauf. Umso besser ich mit meinem Körper umgehe, umso länger kann ich den Sport machen."

Vorbild in diesem Bereich sei Yoel Romero. Der Kubaner ist auch mit 46 Jahren noch in den größten MMA-Organisationen aktiv. "Der zeigt mir, dass alles geht, wenn man will." Die Willenskraft hat ihn über die Jahre getragen: Über kleinere nationale Veranstaltungen baute er sich eine gute Kampfbilanz (aktuell 14 Siege, 8 Niederlagen) und eine große Fanbase auf.

Dass Jungwirth einzigartig ist im deutschen MMA, hat er auf dieser Bühne mit der wohl ikonischsten Szene des Sports in den vergangenen Jahren gezeigt. Im Kampf gegen den Serben Bojan Veličković im Juni 2023 sah er sich plötzlich in einem Rear-Naked-Choke, einem Würgegriff bei dem man in der Regel nach wenigen Sekunden das Bewusstsein verliert, gefangen. Der "Kelte" trotzte dem Aufgabegriff ganze 40 Sekunden, richtete sich mit seinem Gegner auf dem Rücken auf und schüttelte ihn ab.

Der Kampf war Teil eines Turniers, das Europas bestes Weltergewicht ausmachen sollte und hatte mit 300.000 Euro noch ein hohes Preisgeld. Dass es so einen Moment mit Christian Jungwirth gibt, ist aber nicht ausgeschlossen. "Da ist noch sehr viel Potenzial drin, um auch Champion zu werden bei Oktogon. Das ist definitiv mein Ziel. Und darauf arbeiten hin. Den nächsten Schritt machen wir dann am 23. März Richtung Titel", so der Bopfinger.

Aus dem Macher Jungwirth ist nämlich mittlerweile der "Vollmacher" geworden. Er sorgt unter anderem dafür, dass die zweitgrößte Halle Deutschlands an besagtem Tag in Stuttgart mit dem MMA-Event Oktagon 55 ausverkauft sein wird. "Das wird brutal werden. Aber ich bin in der Balance und freue mich schon, zuhause zu kämpfen."

Gegner in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle (13.000 Zuschauer) wird Robert Pukač sein. Gegen den slowakischen Weltergewichtler war Jungwirth bereits im März 2022 angetreten. Der Deutsche siegte, nachdem Pukač in Runde zwei das Handtuch warf und dem Druck Jungwirths in diesem Käfigduell nicht gewachsen schien. "Ich werde einfach zeigen, dass es kein Zufall war und ich beim zweiten Kampf genau dasselbe machen werde mit ihm", kündigte Jungwirth an.

Christian Jungwirth, besser bekannt unter seinem Kampfnamen „The Kelt“, ist ein deutscher Mixed Martial Arts (MMA) Kämpfer, der sich durch unerschütterlichen Ehrgeiz, eiserne Disziplin und einen bemerkenswerten Willen in der europäischen Kampfsportszene etabliert hat. Geboren am 25. Februar 1987 in Deutschland, kämpft er heute in der Weltergewichtsklasse für die renommierte Organisation OKTAGON MMA.

Der Weg in den Kampfsport begann für Christian auf eher ungewöhnliche Weise: Durch sein damaliges Fitnessstudio, in dem sonntags geboxt wurde. Ursprünglich aus der Fußballszene Stuttgarts stammend, fand er im Kampfsport seine wahre Leidenschaft. Sein bisher größter Erfolg? Für Christian ist es nicht etwa ein bestimmter Sieg oder Titel - es ist der Weg selbst.

Mein bislang härtester Kampf fand in Sankt Petersburg statt, und zwar gegen Vladimir Tuyrin. Es war ein intensives und extrem forderndes Duell, das mir physisch und mental alles abverlangt hat. Mein aktuelles sportliches Ziel ist ganz klar: Ich möchte meinen nächsten Kampf gewinnen.

Er hat das geschafft, wovon viele Sportler in ihrem Leben träumen: das Hobby zum Beruf machen - und das, obwohl er erst mit 30 Jahren anfing! Jungwirth zu BILD: „Der Sport war mein Ausweg. MMA ist meine Freiheit.“

In BILD erklärt Jungwirth, wie er es trotz späten Starts zum erfolgreichen Profi geschafft hat: „Als ich mit dem Boxen anfing, habe ich sofort gemerkt, dass mir das liegt und ich Talent habe. Ich habe dann gedacht, dass ich ja blöd wäre, wenn ich mein Potenzial wegwerfen würde. Ich bin jemand, der schuften kann. Diese Kombination war ganz gut. Man muss den Sport leben. Ohne eisernen Willen und Disziplin klappt es nicht. Denn einem wird nichts geschenkt, gar nichts.“

Von seinen ersten zehn Profi-Kämpfen gewinnt Jungwirth acht. Jungwirth: „Das war verdammt hart. In dieser Zeit haben mir Hörbuch-Biografien über Athleten wie Michael Jordan geholfen. Dadurch ist mit noch einmal bewusst geworden, dass man niemals aufgeben darf. Dranbleiben war die Devise.“

Diese Haltung hat sich gelohnt. Seine letzten drei Kämpfe konnte Jungwirth alle vorzeitig beenden, hat realistische Chancen in Zukunft um den OKTAGON-Titel im Weltergewicht zu kämpfen.

Wichtige Stationen in Christian Jungwirths MMA-Karriere

Datum Event Ort Ergebnis
23. März 2024 Oktagon 55 - Hauptkampf Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle Sieg nach Punkten gegen Robert Pukač
12. Oktober 2024 Oktagon 62 Frankfurt, Deutsche Bank Park Niederlage nach Punkten gegen Christian Eckerlin