Karate ist eine sehr vielfältige Kampfkunst. Ausdruck dieser Vielfältigkeit sind zum Beispiel die Stilrichtungen des Karate. Ausgehend von China hat sich Karate auf Okinawa und danach auf den Japanischen Inseln zu seiner heutigen Form entwickelt. Während dieser Entwicklung war die Kampfkunst verschiedensten Faktoren und Einflüssen ausgesetzt, auch daraus gingen dann die noch heute geübten Stilrichtungen hervor.
Die erste bekannte schriftliche Erwähnung des Begriffs "Karate" auf Okinawa stammt aus dem Jahr 1867. Ursprünglich als waffenlose Kampfkunst konzipiert, um sich gegen Angriffe zu verteidigen, durchlief Karate eine stetige Evolution, die zur Herausbildung verschiedener Stilrichtungen führte.
Die Entstehung der Karate Stile
Sehr grob gesagt gab es auf Okinawa schon zwei Ausprägungen, das Shorei Ryu, das weichere, rundere Bewegungen bevorzugte und das Shorin Ryu (Ryu = jap. „Schule“) mit den geraderen, härteren Bewegungen. Stile sind nicht selten Ausdruck der persönlichen Auffassung oder Ideen eines Meisters, der seinen Schülern seine Sichtweise und Ausführung des Karate näher zu bringen versucht und die sich in Form und Lehre niederschlagen.
Die vier großen Karate Stile
Heute gibt es auf der Welt verschiedene große und kleine Stilrichtungen, die vier am weitesten verbreiteten sind das Goju Ryu, Shito Ryu, Shotokan Ryu und Wado Ryu. Unter dem Dach des DKV haben sich zahlreiche Stilrichtungen versammelt, wobei die Unterschiede von Stilrichtung zu Stilrichtung mitunter nur Nuancen betragen. Hinzu kommt, dass bestimmte Stilrichtungen mehr oder weniger stark ausgeprägt und in Deutschland vertreten sind.
Die Stilrichtungen Shotokan, Wado-Ryu, Goju-Ryu und Shito-Ryu sind von der WKF und der EKF anerkannt. Aufgrund ihrer historischen Gründungsrechte haben die Stilrichtungen Shotokan, Wado-Ryu und Goju-Ryu ein Veto-Recht in der Bundesversammlung. Alle im DKV anerkannten Stilrichtungen haben gleiche, in der DKV-Satzung verankerte Rechte. Der DKV selbst ist an keine Stilrichtung gebunden.
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1. Shotokan
Gegründet wurde diese Karate-Stilrichtung von Gichin Funakoshi (1868 - 1957). Funakoshi wird auch als Vater des modernen Karate Do bezeichnet. „Shoto“ war sein Künstlername und bedeutet „das rauschen der Kiefernwipfel“. Funakoshis Dojo (Trainingshalle) wurde 1939 nach seinem Künstlernamen „Shotokan“ genannt. Shotokan ist eine der 4 großen japanischen Karate-Stilrichtungen. (neben Goju-Ryu, Shito-Ryu und Wado-Ryu). Ihr Begründer war Gichin Funakoshi, dessen Schüler sein Schriftstellerpseudonym „Shoto“ für die Bezeichnung seines Dojo wählten. Er selbst wehrte sich gegen eine spezielle Bezeichnung seines Stils, da er Karate stets stilumfassend sah. Bereits sein Lehrer Itosu begann damit, das traditionelle Karate auf Okinawa (Okinawa-Te) zu reformieren. Funakoshi setzte diese Arbeit bis zu seinem Tod fort. Er trug aus den verschiedenen Stilrichtungen (vorwiegend Shorin- und Shorei-Ryu) Techniken und Kata zusammen, um sie zu modernisieren und in sein neues System zu integrieren. Shotokan zeichnet sich durch hohe Dynamik mit starken und harten Techniken aus.
Shotokan ist die am häufigsten vertretene Karate-Stilrichtung im Deutschen Karate Verband. Distanz blitzartig überbrücken und kraftvoll zuschlagen ist eine der Paradedisziplinen des Shotokan. Der Tiger symbolisert Shotokan Karate
2. Goju-Ryu
Wörtlich übersetzt bedeutet Goju-Ryu „hart-weich“. Gründer dieser Stilrichtung ist Chojun Miyagi (1888 - 1953). Er studierte anfangs chinesisches Boxen (Shao Lin Chuan und Pa Kua Chuan). Unterrichtet wurde Miyagi von Meister Higaonna. Aus dem Erlernten und seinene Erfahrungen entwickelte er seine eigene Stilrichtung. Von den verschiedenen japanischen Karate-Stilrichtungen lässt das Goju-Ryu Karate den chinesischen Ursprung noch am deutlichsten erkennen. Das System enthält verschiedene Kata, die für die beiden Elemente „hart“ (go) und „weich“ (ju) stehen und oftmals auf kraftvoller Atmung (Ibuki) basieren.
Miyagi legte großen Wert auf die Balance zwischen kraftvollen ("harten") und fließenden ("weichen") Techniken. Dieser wechsel zwischen harten und weichen Techniken findet sich ebenfalls im Chi Do Kwan bzw. AKS wieder. Klare Ansage - Die Faust des Gojo Ryu
3. Wado-Ryu
Wado bedeutet "der Weg des Friedens". 1922 begann Hironori Ohtsuka (1892 - 1982) mit dem Karate-Training. Gichin Funakoshi (Shotokan-Karate) war sein Meister. Er lernte aber auch bei Kenwa Mabuni (Shito-Ryu-Karate). Ohtsuka studierte vorher bereits das Shindo Yoshinryu Jujutsu. Er kombinierte das Shotokan-Karate mit den Ausweichbewegungen des Jujutsu und entwickelte so den Karate-Stil Wado-Ryu. Hier ist die Stellung kürzer und die Bewegungen kleiner. Zeichnet sich durch kurze Schritte, geringerer Endspannung und schnelle Bewegungsfolgen aus. Viele Kata gleichen denen des Shotokan, jedoch wurden ihre ursprünglichen, z.T. begründet, einem Schüler Funakoshi (Shotokan).
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Wado Ryu wirkt in den Techniken und Katas leichter, weicher und wendiger, die Kombination von ausweichen und zuschlagen erzeugt hohe Wucht und überraschende Wendigkeit. Häufig wird schnelles und fließendes ausweichen (Tai Sabaki) mit direktem Konter verbunden um den Gegner zu überwältigen. Die Grundschultechniken des American Karate System entstammen dem Wado Ryu und sind (fast) identisch. Die Flügel des Wado Ryu - Hinweis zum Ursprung White Crane Kung Fu
4. Shito-Ryu
Kenwa Mabuni (1893 - 1957) wurde von den Meistern Itosu und Higonama in Karate gelert. Er „vermischte“ beide Karate-Richtungen Shorin-Ryu und Shorei-Ryu und gab seiner Karate-Stilrichtung den Namen Shito-Ryu. Aus den Initialen seiner beiden Meister wurde der Name abgeleitet. Mabuni unterrichtete dieses System auf Okinawa und bei seinen häufigen Besuchen in Japan. Ein 1939 in Japan gegründeter traditionsbewußter Mischstil aus dem okinawanischen Shorin- und Shorei-Ryu, in dem Kenwa Mabuni die Lehren seiner beiden Meister, Higashionna und Itosu, vereinigte („Shito“ enthält Schriftzeichen aus den Namen beider Meister).
Weitere Karate Stile im DKV
Im Bayerischen Karate Bund e.V. sind folgende Stile vertreten:
- Shotokan
- Goju-Ryu
- Wado-Ryu
- SOK
- Koshinkan
- Shito-Ryu
- Shorin-Ryu Seibukan
- JKD
- Wado-Kai
- JKA Shokukai
- JKF Goju-Kai
- Intern. Goju-Kan
- Shoto-Ryu
- Kempo
- AKS-Karate
- Kyokushin-Kai
- Yoshukai
- Koreanisches Karate
- Shorin-Ryu-Siu Sin Kan
- Tang Soo Do
- SOK - Kobudo
AKS / Chi Do Kwan Karate
Unser Karate-Stil, hat seine Wurzeln im Wado-Ryu und weiteren Kampfkünsten. Begründet von Ernest Lieb ab 1960. Als US-Militärangehöriger stationiert auf Okinawa und in Korea erlernte Ernst Lieb unterschiedliche Ansätze der Kampfkunst und fokussierte sich auf die Anwendung zur Selbstverteidigung. AKS zeichnet sich durch eine dynamische Mischung von weichen und harten Techniken aus. Unser Dojokun nehmen wir ernst.
Viele finden AKS deswegen so spannend, weil wir einen tiefen Einblick in die Kampfkunst anbieten.
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Welcher Karate-Stil passt zu mir?
Das ist sehr individuell, wie du merkst, je nachdem, in welcher Philosophie du dich am ehesten wiederfindest.
Karate: Mehr als nur ein Sport
Karate ist nicht gleich Karate. Es ist auch wichtig zu beachten, dass Karate mehr als nur eine Kampfkunst ist, es ist eine Lebensweise.
Karate fördert Selbstbeherrschung, Disziplin, Respekt und Geduld.
Vorteile des Karate
- Gesundheit: Karate verbessert die Fitness, Kraft und Ausdauer. Dies ist mehrfach Belegt und im Web dokumentiert.
- Selbstverteidigung: Karate vermittelt Techniken zur Selbstverteidigung in Gefahrensituationen.
Weitere Aspekte des Karate
Gürtelgrade im Karate
Im Karate gibt es verschiedene Gürtel, die die Fähigkeiten und den Fortschritt des Karateka (Karate-Schülers) anzeigen. Die Schülergrade bezeichnet man als „kyu“. Sie sind weiß, gelb, orange, grün, blau/violett und braun. Es gibt jedoch auch andere Karate-Stile, die verschiedene Gürtelfarben verwenden oder Gürtelsysteme mit mehr oder weniger Gürtelgraden haben.
Kiai - Das Schreien beim Karate
Das Schreien beim Karate wird "Kiai" genannt und ist ein wichtiger Bestandteil der Kampfkunst. Es dient dazu, die Energie des Körpers zu konzentrieren, den Fokus zu schärfen und Kraft zu erzeugen. Es wird oft bei kraftvollen Schlägen und Tritten eingesetzt, um die Wirkung der Technik zu verstärken. Das Schreien kann dazu beitragen, den Gegner zu überraschen oder einzuschüchtern, indem es die eigene Entschlossenheit und den Willen zur Verteidigung oder zum Angriff ausdrückt. Außerdem kann das Schreien auch dazu beitragen, den Atemfluss zu kontrollieren und den Körper zu entspannen. Es kann helfen, Stress abzubauen und die Konzentration zu verbessern.
Unterschiede zwischen Karate und anderen Kampfkünsten
Karate, Judo, Kung Fu und Taekwondo sind alle verschiedene Arten von Kampfkünsten mit unterschiedlichen Ursprüngen, Techniken und Schwerpunkten.
- Karate und Judo: Karate ist eine Kampfkunst, die sich auf Schläge, Tritte und Blocks konzentriert, um einen Gegner zu besiegen. Judo ist eine Kampfkunst, die sich auf Würfe und Bodenkampf konzentriert, um einen Gegner zu besiegen. Während Karate ein sehr direkter Kampfstil ist, der auf schnelle und präzise Schläge und Tritte setzt, ist Judo ein eher reaktiver Kampfstil, der darauf abzielt, den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihn auf den Boden zu werfen.
- Karate und Kung Fu: Karate stammt aus Japan und ist eine Kampfkunst, die sich auf Schläge, Tritte und Blocks konzentriert, um einen Gegner zu besiegen. Kung Fu stammt aus China und ist eine Kampfkunst, die sich auf eine breitere Palette von Techniken konzentriert, einschließlich Schläge, Tritte, Würfe, Griffe und Akrobatik. Während Karate ein sehr direkter Kampfstil ist, der auf schnelle und präzise Schläge und Tritte setzt, betont Kung Fu eine größere Vielfalt an Bewegungen, die dazu beitragen, den Körper zu stärken und die Gesundheit zu verbessern.
- Karate und Taekwondo: Karate und Taekwondo sind beide Kampfkünste, die sich auf Schläge, Tritte und Blocks konzentrieren, um einen Gegner zu besiegen. Taekwondo ist jedoch eher auf Tritte als auf Schläge spezialisiert und betont auch eine schnelle, akrobatische Bewegung. Karate betont die körperliche und geistige Disziplin sowie die schnelle Reaktion und die präzisen Techniken. Beide Kampfkünste haben auch verschiedene Wettbewerbsformate, die unterschiedliche Regeln und Vorschriften haben.
