Das aus Brasilien stammende Luta Livre (portugiesisch Luta ‚Kampf‘ und livre ‚frei‘) ist eine Boden-Kampfsportart, die seit Mitte der 90er Jahre fest in der deutschen Kampfsportlandschaft verankert ist. Das Brazilian Jiu-Jitsu, kurz BJJ oder auch Gracie Jiu Jitsu, ist eine Abwandlung und Weiterentwicklung des japanischen Kōdōkan Jūdō, die in Brasilien entwickelt wurde und unter Helio und Carlos Gracie große Bekanntheit erlangte.
Historische Entwicklung
Der Unterschied zwischen diesen beiden Grappling Stilen liegt primär in seiner jeweiligen historischen Entwicklung. Beide Stile entwickelten sich in Konkurrenz zueinander im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts, wobei sich das BJJ aus dem japanischen Jiu Jitsu entwickelte und das Luta Livre aus dem amerikanischen Catch Wrestling. Die Stile waren von Beginn an auf den effizienten Einsatz von Hebeln und Würgetechniken im Bodenkampf ausgerichtet, den sogenannten Submissions.
Die Gracie-Brüder und BJJ
BJJ ist die südamerikanische Variante des Kōdōkan Jūdō und wurde im letzten Jahrhundert von den Brüdern Carlos und Helio Gracie entwickelt. Carlos Gracie lernte Judo von Mitsuyo Maeda, einem Schüler von Kano und unterrichtete es seinem jüngeren Bruder Helio. Da Helio eher von “schwächlicher Konstitution” war, konnte er viele der traditionellen Judo-Techniken nicht anwenden. Dies macht die Kampfkunst auch für körperlich schwächere Personen effektiv und attraktiv. Helio und Carlos unterrichteten ihre Kinder und Neffen, wovon sie verdammt viele hatten, und erschufen so die nächste(n) Generation(en) von Kämpfern und Lehrern, die das Brazilian Jiu Jitsu und insbesondere den Namen Gracie weiter verbreiteten.
Trainingsmethoden und Bekleidung
Über Jahrzehnte bestand der hauptsächliche Unterschied in der Bekleidung. Im BJJ trägt man traditionell einen sogenannten Gi, eine Art Judoanzug. Dieser erlaubt Techniken, die erst durch den Griff an die Kleidung möglich werden. Anders als das Luta Livre wird BJJ in erster Linie mit dem Gi (Judoanzug) bzw. dem Kimono trainiert. Das Luta Livre wurde dagegen mit nacktem Oberkörper und einer langen Hose ausgeführt, was diese Techniken unmöglich macht. Darüberhinaus lag beim Luta Livre ein Focus von Beginn an auf Bein- und Fußhebeln, die beim BJJ lange verpönt waren.
NoGi BJJ und die Angleichung der Stile
Mit der Entwicklung des NoGi BJJ haben sich die beiden Stile aneinander angeglichen. Auf internationalen Wettkämpfen kommen die Techniken zum Einsatz, die sich als effektiv bewährt haben, unabhängig von ihrer Herkunft. Mit dem Wegfall des Gis haben sich das BJJ und das Luta Livre so sehr aneinander angeglichen, dass sich die technischen Inhalte nicht mehr voneinander unterscheiden lassen.
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Luta Livre in Deutschland
Wie kam Luta Livre nach Deutschland? Mitte der 90 Jahre studierte eine Gruppe von unterschiedlichen Kampfsportlern, zu der auch Mike Cüppers gehörte, an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Wie viele Kampfsportler beschäftigten auch sie sich mit der Frage, welche Techniken in einem realen Kampf funktionieren würden. Die Bedeutung des Bodenkampfes in realistischen Kampfsituationen wurde ihnen, wie dem Großteil der damaligen Kampfsportwelt erst nach der UFC1 im Jahr 1993 bewusst. Einer aus der Gruppe lernte 1995 Daniel D’Dane auf einer Kampfsportgala kennen und konnte ihn überreden die Gruppe zu unterrichten. Daniel D’Dane ist der Vater des Luta Livre in Deutschland. Er war es, der 1995 die erste Gruppe von Sportstudenten in Köln unterrichtete.
Graduierungssysteme
Befreit von Prüfungen wird im Luta Livre die Graduierung des Schülers vom Lehrer im regulären Training, meist nach einer ausgiebigen Rollphase (Sparring) vollzogen. Sie spiegelt das Erreichen eines neuen Plateaus wieder und ist ein Zeichen der Anerkennung von vorhergegangenen Leistungen im Training und Wettkampf. Eine große Rolle spielt hierbei vor allem die technische und taktische Umsetzung des Erlernten. Aber auch die Leidenschaft für den Sport und die Rolle im Team sind nicht zu verachtende Werte hierfür.
Selbstverteidigung und Wettkampf
Luta Livre bzw. BJJ decken einen zentralen Bereich der Selbstverteidigung ab - den Bodenkampf. Auch wenn es in Selbstverteidigungssituationen nicht immer ratsam erscheint den Bodenkampf zu suchen, ist man doch oft dazu gezwungen. Wettkämpfe sind ein wichtiges Element im BJJ um seine Fertigkeiten mit anderen Wettkämpfern zu messen und seinen eigenen Wissens- und Leistungsstand zu überprüfen. Wettkämpfe werden nach Gürtelfarben gestaffelt aufgeteilt.
Weitere Aspekte
- Fokus auf Technik über Stärke: Kraft ist wichtig, aber trotzdem steht die Technik über der Kraft, insbesondere gegen unerfahrene Gegner in Selbstverteidigungssituationen.
- Lifestyle Sport: Kein anderer Kampfsport hat dieses pulsierende Leben rund um den Sport wie BJJ.
BJJ und MMA
Das Wachstum der Mixed Martial Arts (MMA) hat die Popularität des brasilianischen Jiu Jitsu gesteigert und es zu einer gängigen Praxis unter Kämpfern gemacht. Die Kämpfer bedienen sich sowohl der Schlag- und Tritttechniken (Striking) des Boxens, Kickboxens, Taekwondo, Muay Thai und Karate als auch der Bodenkampf- und Ringtechniken (Grappling) des Brazilian Jiu-Jitsu, Ringens, Judo und Sambo.
Wo kann man trainieren?
Der effektive Kampfsport zur Selbstverteidigung ist inzwischen fast überall in Deutschland vertreten. Auf unserer Karte findest Du BJJ und Luta Livre Gyms in Deutschland, inzwischen über 180 Stück.
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