Menschen fliegen durch die Luft und donnern auf die Matte. Arme werden gehebelt und Fäuste treffen ihr Ziel: Eine Frage ist immer wieder in der Jahnturnhalle zu hören: „Tut das nicht weh?“ Auch wenn es manchmal gefährlich aussieht: Beim Lindauer Kampfkunsttag verletzt sich niemand. Die Kämpferinnen und Kämpfer beherrschen ihre Techniken und der Partner wird pfleglich behandelt - er ist schließlich das „Trainingsgerät“ eines Kampfsportlers.
Der TSV Lindau musste erst 175 Jahre alt werden, um so eine Premiere zu erleben. Zu verdanken ist sie Julia Bek, Leiterin der Karate-Abteilung. Ihre Idee war es, das große Kampfsport-Angebot des TSV Lindau zu zeigen. Die Zuschauer sollten erleben, was die Kampfsportarten verbindet, was sie unterscheidet - und im besten Fall selbst herausfinden, welche Kampfsportart für sie geeignet ist.
Die Stühle in der Jahnturnhalle waren fast alle besetzt. Auch die achtjährige Amelie saß mit ihrer Familie im Publikum. Ob Karate, Judo, Ju-Jutsu oder Tai Chi: Die Zuschauer bekamen ein unterhaltsames und anspruchsvolles Programm zu sehen. Kampfkunst vom Feinsten.
Vorführungen der einzelnen Abteilungen
Dazu gab es zwei große Aufführungen, in der die einzelnen Abteilungen einen Querschnitt durch ihr Trainingsprogramm zeigten. Den Auftakt machten die Judokas, die älteste Kampfsport-Abteilung im TSV Lindau. Kinder und Jugendliche zeigten die Fallschule sowie Techniken vom Gelb- bis Schwarzgurt.
Auch wenn es nicht immer so aussieht: Im Judo geht es um das Prinzip „Siegen durch Nachgeben“, indem man die Kraft des Gegners umlenkt und für seine eigene Technik nutzt. Ziel ist es, den Partner zu werfen und am Boden zu kontrollieren: mit Haltegriffen, Würgern oder Hebeln.
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Laut wurde es beim Ju-Jutsu: Zu sattem Sound schlugen die Kämpferinnen und Kämpfer auf Pratzen ein. Dann wiederum kämpften sie mit Stöcken und warfen ihre Partner. „Wir sind die Zehnkämpfer des Kampfsports“, sagt Daniel Holzer, Abteilungsleiter Ju-Jutsu. Hier finden sich viele Varianten der Selbstverteidigung.
Den Gegner auf Distanz halten, das ist das Ziel der Karatekas. Und zwar mit Schlägen, Stößen und Tritten. Die demonstrierten die Jüngsten bis hin zu den erfahrensten Karatekas. Im Zweikampf oder in einer Kata, die ein festgelegtes Muster von Bewegungen vorsieht.
Langsam und fließend waren dagegen die Bewegungen im Tai Chi, die auch einen meditativen Charakter haben. Sie verbinden Elemente der Kampfkunst mit Elementen der Achtsamkeit. Wer Tai Chi ausübt, der teilt die „Mähne des Wildpferdes“, lernt aber auch „Das Knie streifen und stoßen“.
Eugen Schuhmann erklärt, warum Tai Chi Kampfkunst ist:
Mitmachen und Ausprobieren
Doch beim Lindauer Kampfkunsttag war nicht nur Zuschauen angesagt. Nach den Aufführungen durften alle die Matte erobern. Ob Alt oder Jung: Mitmachen war angesagt. Amelie ging direkt zu den Judokas. Hier wurde sie gleich von Pauline und einer Namensvetterin empfangen. Amelie lernte die Fallschule und nach einer halben Stunde konnte sie ihren ersten Wurf: eine große Außensichel.
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Wenige Meter entfernt lag Valentin auf dem Boden. Ein Ju-Jutsu-Trainer zeigte dem 18-Jährigen, was er in dieser Position machen kann, wenn ihn jemand angreift. Sehr gefragt waren die Pratzen - an ihnen wollten viele Kinder, aber auch einige Erwachsene Dampf ablassen.
Beim Üben zeigte sich: Die Karate-Tritte sind nicht so einfach, wie sie aussehen. Aber auch beim Tai Chi ist Koordination gefragt. Wer selbst mal probiert hat, die Mähne des Wildpferds zu teilen, erkennt, wie viel Übung dahintersteckt.
Auch die einzelnen Kämpfer wagten sich an andere Disziplinen und probierten diese aus. Frida stand an der Pratze an. „Ich will auch mal schlagen“, sagte sie. „Bei uns im Judo werfen wir ja nur.“
Die Atmosphäre war entspannt. Es wurde geschwitzt und viel gelacht. Die Kampfsportfamilie rückte zusammen. „Das ist eine Veranstaltung, der man nicht anmerkt, dass sie zum ersten Mal stattfindet“, freute sich Dominik Moll, Präsident des TSV Lindau.
„Jeder muss seins finden“
Julia Bek war erleichtert. Der Plan ist aufgegangen. „Man hat den Spaß gesehen, den die einzelnen Abteilungen haben“, sagte sie und die Vielfalt, die der TSV Lindau zu bieten habe. Was ist nun die beste Kampfsportart? „Jeder muss seins finden“, sagte Julia Bek und lachte.
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Amelie war da schon einen Schritt weiter. Die Achtjährige will unbedingt ins Judo. Ein Wurf allein reicht noch lange nicht.
Informationen zu den Kampfsportarten beim TSV Lindau
Der TSV Lindau bietet ein breites Spektrum an Kampfsportarten an. Die vier Budo-Abteilungen im TSV-Lindau sind: Judo, Ju Jutsu, Karate und Tai Chi. Konzentration, Fitness und Selbstdisziplin werden gezielt durch das Training gefördert und verbessert. Neben Kraft, Ausdauer und einer verbesserten Beweglichkeit ist auch die Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit gefordert.
Was ist die richtige Kampfkunst für mich?
- Judo, der „Sanfte Weg“, ist eine japanische Sportart, die Kindern und Erwachsenen ein spannendes Selbstverteidigungssystem präsentiert, um Geist und Körper zu trainieren.
- Ju Jutsu geht nicht vom Angriff aus, sondern primär von der Selbstverteidigung. Die verwendeten Selbstverteidigungstechniken sind hauptsächlich Grundformen aus Judo, Karate und Aikido. Jede Verteidigungstechnik ist gegen mehrere Angriffsarten einsetzbar. Der Verteidiger hat die Möglichkeit, mit an seine körperlichen Fähigkeiten angepassten Kombination, auf alle Arten von Angriffen angemessen zu reagieren. Zusätzlich gibt es eigene Trainingseinheiten für BJJ: Brasilian Jiu Jitsu, die Selbstverteidigung am Boden, und für Hanbo Jutsu, die Selbstverteidigung mit einem ca.
- Karate nutzt neben diversen Blocktechniken vor allem Schläge, Stöße und Tritte.
- Tai Chi ist eine traditionelle chinesische Kampfkunst. Ursprünglich als Selbstverteidigung entwickelt, wird sie heute vor allem als sanfte Bewegungsform zur Förderung der Gesundheit und Entspannung praktiziert. Es gibt verschiedene Stile des Tai Chi.
Alle Abteilungen sind Mitglied im TSV Lindau von 1850 e.V. Der große Vorteil für alle Mitglieder: dadurch kann jedes Training jeder Abteilung besucht werden.
Weitere Informationen
Wann kann ich ein Probetraining machen?
Ein Probetraining ist nach Anmeldung jederzeit möglich. Nutzen Sie hierfür unser Kontaktformular.
Gibt es Einsteigerkurse?
Von Zeit zu Zeit oder auch auf Nachfrage werden Einsteigerkurse angeboten. Wie bei Budosportarten üblich werden die Graduierungen mit Gürtelfarben gekennzeichnet. Bei den Schülergraden, den sogenannten Kyu-Graden, gibt es Weißgurt, Gelbgurt, Orangegurt, Grüngurt, Blaugurt und Braungurt. Nach den Kyu-Graden kommen die sogenannten Dan-Grade. Diese Meistergrade sind vielen Menschen durch den Schwarzgurt bekannt.
Was kostet die Mitgliedschaft?
Neben dem Mitgliedsbeitrag des TSV Lindau ist für aktive Mitglieder noch ein Beitrag an den Ju Jutsu Verband Bayern (JJVB) zu richten. Dieser liegt in einer Größenordnung von ca. € 20,- im Jahr.
Was muss ich zum Probetraining mitbringen?
Spezielle Ausrüstung wird für das Probetraining nicht benötigt. Bitte mit Socken oder Badelatschen in die Halle kommen, direkt vor der Matte die Socken/Latschen ausziehen und barfuß auf die Matte gehen. So bleibt die Matte sauber.
Wann kann ich ins Training einsteigen?
Ein Einstieg ist jederzeit möglich. Unsere Trainings werden individuell an die Gruppe angepasst. Um die nächste Graduierung zu erlangen ist eine Prüfung abzulegen. Für Schülergrade können diese Gürtelprüfungen bei uns im Verein abgenommen werden. Prüfungen zum schwarzen Gürtel werden auf Verbandsebene abgenommen und verlangen ein breites Können unserer Kampfkunst. Bitte unbedingt die Abteilung "Ju-Jutsu" beim Anmelden angeben.
Welche Gruppen gibt es?
Wir haben Kindertrainings für Kinder ab 6 Jahren. Unsere Jugendgruppe startet mit einem Alter von 12 Jahren. Ab dem 16. Über Klubraum erhaltet ihr von uns die neuesten Infos zu Trainings, Prüfungen oder Veranstaltungen. Ihr seht im Klubraum-Kalender, wann ein Training oder eine Prüfung stattfindet und könnt euch dazu anmelden.
