Asiatische Kampfkünste blicken auf eine Tradition von einigen Tausend Jahren zurück. Sie werden unter dem Ausdruck «Budo» zusammengefasst. «Japanisches Budo» baut auf Kriegstechniken auf, die in Japan während ihrer Blütezeit im Mittelalter beispielsweise von den «Samurai» ausgeübt wurden.
«Budo» heisst wörtlich übersetzt «Weg des Kriegers» («bushido»), der «den Kampf anhält und beendet» («bu»). Traditionelles Budo ist aber nicht nur körperliche, sportliche Ertüchtigung, sondern vielmehr ein vom Buddhismus geprägter Schulungs- und Lebensweg. So soll über das Training bestimmter Bewegungsformen hinaus ein seelisch-geistiger Zustand innerer Zufriedenheit und Ausgeglichenheit erreicht werden. Angestrebt wird die Einheit von Körper und Geist.
Der zweite Wortbestandteil von Budo ist «do», der Weg, oder auch Grundsatz, Lehre, Philosophie, Richtung, Entwicklung. Dieser «Weg» offenbart sich erst nach jahrelangem, intensivem Üben, er steht für eine beharrliche Auseinandersetzung - vor allem mit sich selbst. Einheitlich ist der Grundgedanke des japanischen Budo: Es handelt sich um Kampfkünste mit wertbildenden geistigen und erzieherischen Inhalten. Zu den bewaffneten Formen zählen Kendo, Iaido und Kyudo.
Gemeinsames Kennzeichen der Budoka ist deren Kleidung, die der traditionellen asiatischen Kleidung («kimono») nachempfunden ist. Durch ihren weiten Schnitt - mit Kittel und Hose, bei Aikido-Meistern zusätzlich mit einem langen Rock - gewährleistet diese Bekleidung grösstmögliche Bewegungsfreiheit.
Dieser «gi» besteht zudem aus einem Gürtel, der auch symbolischen Charakter hat. Die Gürtelfarbe bringt den Kenntnis- und Entwicklungsstand des Budoka zum Ausdruck. Dabei kennzeichnet die hellste Farbe den Status eines Anfängers (Schülergrad), die dunkelste Farbe den Status des Meisters (Dan-Grad). Ein Meister ist im japanischen Sinne ein Begleiter des Schülers auf dessen «Weg». Im Allgemeinen sieht die Reihenfolge der Farben wie folgt aus: weiss, gelb, orange, grün, blau, braun und schwarz.
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Auf den ersten Blick ähneln sich viele asiatische Budo-Formen. Jeder einzelnen liegt aber eine verschiedene Technik zugrunde. Im Judo überwiegt beispielsweise die Wurftechnik, im Karate die Schlagtechnik. Die Unterschiede bei den Budo-Disziplinen ergeben sich nicht zuletzt daraus, dass sie geschichtlich gesehen in mehreren asiatischen Ländern zu ihrer heutigen Form entwickelt wurden.
Geschichte des Karate
Die Geschichte des Karate ist eng verbunden mit der Geschichte Okinawas. Strand auf der japanischen Insel Okinawa. Zwischen Japan und China war diese Insel ein strategisch wichtiger Punkt. So kam es, dass zu verschiedenen Zeiten die Insel unter chinesischen oder japanischen Einflüssen stand. Daher entwickelte sich auf Okinawa eine Kampfkunst, die eigene Selbstverteidigungserfahrungen und Erfahrungen der japanischen Samurai sowie des chinesischen Boxens enthielt.
In den letzten drei Jahrhunderten behielten die Japaner die Oberhand auf Okinawa. Der Besitz von Waffen war auf der Insel streng verboten. Die dort lebenden Menschen wollten sich aber gegen Übergriffe der jeweiligen Besatzer schützen. So entstand Karate und Kobudo. Genannt wurden die neuen Kampfkünste zunächst Okinawa-te (Okinawa-Hände). Einige Meister des Okinawa-te bereisten China, um Erfahrungen für ihre Kampfkunst zu sammeln.
Gichin Funakoshi (1868 - 1957) brach den Familienbann am Anfang des 20. Jahrhunderts und reiste nach Japan, um dort Okinawa-te zu unterrichten. In den Jahren 1917 - 22 hat er durch Karate-Demonstrationen an Universitäten die Aufmerksamkeit auf diese Kampfkunst gelenkt. In Japan erlebten die alten Kampfkünste gerade eine Zeit der Renaissance. Dies wirkte sich positiv auf die Verbreitung des Okinawa-te aus.
Es war etwa um 1900, als auf Okinawa der Wert der Kampfkunst Okinawa-te für die Erziehung erkannt und diese Kunst an den Mittelschulen eingeführt wurde. Damals wurde zum ersten Mal der Name Karate gewählt. Funakoshi begründete das Shotokan Karate, wie es später genannt wurde. Es beinhaltet sämtliche ihm damals bekannten grossen Stile des Ch`uan-fa (auch Kung Fu oder Kempo genannt), was man noch heute an den Verschiedenheiten der überlieferten Meisterkatas erkennt.
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Meister Itosu entwickelte aus diesen Meisterkatas Schülerkatas (Pinan) zum besseren Erlernen der Künste. Okinawa hatte viele Meister des Okinawa-te. Alle hatten dabei ihre eigenen Vorstellungen und Erfahrungen. Als sie den Erfolg Funakoshis erkannten, folgten ihm einige nach Japan.
Das "Do" in den Kampfkünsten
Den Begriff „Do“ finden wir im gesamten Spektrum der japanischen Kampfkünste wie z.B. Do ist ein Weg, in dessen Zentrum eine Übung steht, deren Ziel jedoch nicht das Erlernen irgendeiner Fertigkeit, sondern das Erweitern des im Menschen liegenden Potentials ist, durch das er zu seiner Sinnbestimmung wachsen und sein Leben mit Bewusstsein und Erkenntnis füllen kann. Erst das Do macht die Kampfkünste zu dem, was sie eigentlich sind: Möglichkeiten zur Selbstfindung, der wahren Erkenntnis und der Vervollkommnung der geistig-seelischen Fähigkeiten. Als Prinzip ist Do nichts ausschliesslich Japanisches, sondern ein allgemein menschliches Anliegen.
Auch andere fernöstliche Kampfkünste haben ihren Ursprung in Japan wie bsp. Judo, Aikido oder Jiu Jitsu (auch Ju Jitsu genannt). Ihren Ursprung haben sie in Okinawa. Wörtlich übersetzt bedeutet Goju-Ryu „hart-weich“. Der Begründer dieser Stilrichtung ist Chojun Miyagi (1888 - 1953). Miyagi studierte zunächst chinesisches Boxen (Shao Lin Chuan und Pa Kua Chuan). Unterrichtet wurde er von Meister Higaonna. Aus dem Erlernten entwickelte er seine eigene Karates-Stilrichtung. Von den verschiedenen japanischen Karate-Stilrichtungen lässt das Goju-Ryu Karate den chinesischen Ursprung noch am deutlichsten erkennen.
Kenwa Mabuni (1893 - 1957) lernte Karate von den Meistern Itosu und Higonama. Er „vermischte“ beide Karate-Richtungen (Shorin-Ryu und Shorei-Ryu) und gab seiner Karate-Stilrichtung den Namen Shito-Ryu. Dieser Name ist aus den Initialen seiner beiden Meister abgeleitet. Mabuni unterrichtete dieses System auf Okinawa und bei seinen häufigen Besuchen auch in Japan.
Wado bedeutet „der Weg des Friedens“. Hironori Ohtsuka (1892 - 1982) begann mit dem Karate-Training 1922. Sein Meister war Gichin Funakoshi (Shotokan-Karate). Er lernte aber auch bei Kenwa Mabuni (Shito-Ryu-Karate). Vorher hatte Ohtsuka schon das Shindo Yoshinryu Jujutsu studiert. Er entwickelte seinen Karate-Stil, das Wado-Ryu, in dem er Funakoshis Shotokan-Karate vor allem mit Ausweichbewegungen des Jujutsu kombinierte.
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Judo oder Karate - was ist der Unterschied?
Karate und Judo sind zwei bekannte japanische Kampfkünste, unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihrer Technik und Philosophie.
Karate legt den Fokus auf präzise Schläge, Tritte und Blocktechniken. Eine zentrale Rolle spielt das Training von Kata - festgelegten Bewegungsabfolgen, die Kampfprinzipien und Technik verinnerlichen helfen. Während es in vielen Karate-Stilen auch Wettkämpfe mit leichtem Kontakt gibt, bleibt das Training oft kontaktlos, da die Kontrolle über die eigene Technik essenziell ist.
Judo hingegen ist eine kontaktintensive Sportart, bei der das Ziel darin besteht, den Gegner mit geschickten Würfen auf die Matte zu bringen oder durch Halte-, Hebel- und Würgetechniken zu kontrollieren. Anstatt auf Schläge und Tritte setzt Judo auf die Prinzipien der maximalen Effizienz (Seiryoku Zenyo) und gegenseitigen Achtung (Jita Kyoei).
Die wichtigsten Unterschiede zwischen Judo und Karate
- Karate: Konzentriert sich auf Schläge, Tritte und Blocktechniken. Viele Techniken werden aus dem Stand ausgeführt.
- Judo: Besteht hauptsächlich aus Würfen, Griffen und Bodentechniken. Man muss den eigenen Körper und den des Gegners gut kontrollieren können.
- Beim Judo ist die Falltechnik essenziell, weil man geworfen wird.
- Für viele Anfänger wirkt Karate am Anfang einfacher zu erlernen, da die Techniken zunächst weniger körperintensiv und kontaktarm sind.
Philosophie von Judo: körperliche und geistige Schulung (Judo jap.
Philosophie von Karate Selbstverteidigung, Disziplin, körperliche und geistige Schulung (Karate-Do jap.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Judo eher auf Verteidigung ausgeht und mehr Körperkontakt beinhaltet, während Karate eine Abwehrsportart ist, die weniger intensiven Körperkontakt hat.
Weitere Aspekte von Karate und Judo
Sowohl Karate als auch Judo verstehen sich als «Do», was «Weg» bedeutet. Es geht nicht nur um das Erlernen von Kampftechniken, sondern um die Entwicklung des eigenen Charakters und der Persönlichkeit. Disziplin, Respekt, Selbstbeherrschung und Höflichkeit sind zentrale Werte, die in beiden Sportarten vermittelt werden.
Das «Do» ist ein wichtiger Bestandteil der japanischen Kultur, es findet sich auch in anderen Kampfkünsten wie Aikido wieder. Das «Do» steht für eine ständige Herausforderung. Es gibt kein Endziel, sondern es geht darum, sich ständig weiterzuentwickeln. Es wird traditionell auch im Alltag angewendet: Die Prinzipien des «Do» können helfen, Konflikte zu lösen, Probleme zu bewältigen und ein glücklicheres Leben zu führen.
Respekt spielt eine zentrale Rolle in der japanischen Kultur und ist im Karate und Judo tief verankert. Es beginnt beim Betreten des Dojos, der Begrüssung des Meisters und setzt sich im Training fort. Höflichkeit und gegenseitiger Respekt sind unerlässlich, um ein harmonisches und produktives Trainingsumfeld zu schaffen.
Die Gürtelfarben im Karate und Judo
Es gibt sowohl im Judo wie auch im Karate zwei grundsätzliche Stufen: Während die Schüler farbige Gürtel tragen, sind diejenigen der Meister schwarz, ab dem 6. Meistergrad (Dan) rot/weiss und ab dem 9. Dan rot. Die Gürtelfarben der Schüler (Kyu) in Karate und Judo symbolisieren den erreichten Kenntnisstand des Praktizierenden. In beiden Sportarten wird mit einem weissen Gürtel begonnen und steigt dann durch die Farben Gelb, Orange, Grün, Blau, Violett (Karate), Braun und Schwarz auf.
