Der Unterschied zwischen Karate und Judo

Das Angebot an Kampfsportarten ist groß, von Aikido und Kickboxen bis Taekwondo. Wer heute Kampfsport ausübt, möchte oft außerdem die körperliche Fitness und das Selbstbewusstsein stärken. In Deutschland etablierte Kampfsportarten wie Judo oder Karate werden in vielen Sportvereinen angeboten.

Was sind die Unterschiede zwischen Judo und Karate?

Um die Unterschiede zwischen Judo und Karate besser zu verstehen, ist es sinnvoll, die beiden Kampfsportarten direkt miteinander zu vergleichen.

Ursprung und Philosophie

  • Karate: Der Vorläufer der heutigen Kampfkunst Karate wurde auf der Japan vorgelagerten Insel Okinawa unter dem Namen Tôde entwickelt. Durch eine Umdeutung der Schreibweise gelang es Gichin Funakoshi, das Schriftzeichen "Tô" (das für China steht) in die Silbe „Kara“ zu verändern, die „leer“ bedeutet. In der Übersetzung mit dieser neuen Schreibweise bedeutete Karate so viel wie „leere Hand“.
  • Judo: Judo wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Jigoro Kano entwickelt und betont den Einsatz von Technik über rohe Kraft. Judo bedeutet "der sanfte Weg". Damit soll nicht nur die Art zu kämpfen beschrieben werden, sondern eine Lebenseinstellung. Judo entwickelte sich aus Jiu-Jitsu.

Techniken

  • Karate: Beim Karate erlernt man Stoß-, Schlag- und Tritttechniken. Im Gegensatz zum Judo gibt es beim Karate wenig Körperkontakt. Ziel ist, sich mittels gezielter Schläge, Tritte und Stöße gegen die Angreiferin oder den Angreifer zu verteidigen. Die Karatekinder lernen, ihren ganzen Körper zu trainieren, besonders Hände, Ellenbogen, Knie und Füße.
  • Judo: Kano setzte den Schwerpunkt beim Judo auf Griffe, Hebel und Würfe - gefährliche Kampftechniken wie Schläge und Tritte strich er zugunsten von Fallübungen aus dem Training. Judo ist eine Kampfsportart mit viel Körperkontakt: Die Kinder packen sich beispielsweise an Armen oder Schultern und versuchen, ihre Partnerin oder ihren Partner, der im Kampf zu ihrer Gegnerin oder zu ihrem Gegner wird, auf die Matte zu schleudern. Sie lernen Wurf- und Bodentechniken, weniger Stoß- und Tritttechniken. Judo-Techniken basieren auf der Ausnutzung der Kraft und Bewegung der Gegnerin oder des Gegners, um diesen auf den Boden zu werfen und anschließend zu kontrollieren.

Wettkämpfe

  • Karate: Schläge und Tritte müssen aber im Training und im Wettkampf abgestoppt werden, bevor sie den Gegner oder die Gegnerin berühren. Das erfordert eine gute Körperbeherrschung, die bei dieser Kampfsportart systematisch trainiert wird.
  • Judo: Bei einem Judo-Wettkampf ist das Ziel, den Gegner oder die Gegnerin zu Boden zu bringen und dort für eine bestimmte Zeit festzuhalten. Außerdem gibt es Punkte für eingesetzte Wurf- und Grifftechniken. Die Judokämpfe finden meist in einem begrenzten Bereich statt, wobei die Kämpfer und Kämpferinnen ihre Punkte durch erfolgreiche Würfe, Haltegriffe und Bodentechniken erzielen.

Gürtelsystem

Bei beiden Kampfsportarten werden unterschiedlich farbige Gürtel verwendet, um den Grad eines Schülers bzw. einer Schülerin zu erkennen. Beim Judo wird der Fortschritt eines Schülers über insgesamt neun Farbgürtel von Weiß bis Schwarz markiert.

Selbstverteidigung

  • Karate: Im Gegensatz zum Judo gibt es beim Karate wenig Körperkontakt. Ziel ist, sich mittels gezielter Schläge, Tritte und Stöße gegen die Angreiferin oder den Angreifer zu verteidigen.
  • Judo: Die Judotechniken werden zwar auch für Selbstverteidigungszwecke gelehrt, aber der Schwerpunkt liegt oft auf den rein sportlichen Aspekten.

Kampfsport für Kinder

Viele Kampfsportarten eignen sich für energiegeladene extrovertierte Kinder genauso wie für schüchterne. Judo ist allerdings mehr auf Nähe ausgelegt als Karate oder Taekwondo. Deshalb kann es sein, dass zurückhaltende Kinder lieber Karate oder Taekwondo wählen. In vielen Kampfsport-Vereinen werden Kinderkurse bereits ab vier Jahren angeboten. Der Nachwuchs wird zunächst mit Spiel und Spaß an die der Kampfsportart zugrunde liegenden Bewegungsabläufe herangeführt.

Beim Kampfsport lernen Kinder ihre körperliche Kraft kennen und wie sie sich im Notfall verteidigen können. Gleichzeitig werden Werte wie Achtsamkeit, Disziplin und der Umgang mit den eigenen Gefühlen geübt. Den Kämpfenden wird Konzentration, Selbstbeherrschung und gegenseitiger Respekt abverlangt.

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Natürlich geht es bei Karate, Judo & Co nicht ums Kloppen. Man wird auch nicht gleich zum Schläger. In vielen Kampfkünsten trainiert man eher das Gegenteil: Nämlich den Angriff eines anderen abzuwehren. Mit Selbstbehauptung und Disziplin.

Letztendlich sollten die Eltern auf die Bedürfnisse ihres Kindes achten. Nur Sport, der Spaß und Freude bereitet, wird ihr Kind körperlich und mental stärken.

Weitere Kampfsportarten

Neben Judo und Karate gibt es noch viele weitere Kampfsportarten, die sich in ihren Techniken und Schwerpunkten unterscheiden.

  • Aikido: Die Kampfsportart Aikido ist defensiv: Hauptziel ist, die Bewegunsgenergie, die in einem Angriff steckt, abzuleiten und es dem Gegner oder der Gegnerin zu erschweren, den Angriff fortzuführen. Dazu gibt es spezielle Wurf- und Haltetechniken. Auf einen Gegenangriff wird verzichtet.
  • Boxen: Beim modernen Boxen versuchen die Sportler und Sportlerinnen Schläge auf den gegnerischen Kopf oder den Oberkörper zu landen, um Punkte zu erzielen oder einen Kampf durch K. O. zu gewinnen.
  • Capoeira: Die afro-brasilianische Kampfkunst Capoeira vereint Kampf, Musik und Tanz. Zwei Personen inszenieren in fließenden Bewegungen einen Kampf. Es gibt eine Vielzahl von Bewegungen und Bewegungskombinationen, darunter Kopfstöße, Würfe und Fußfeger, wobei Angriffe im letzten Moment gestoppt werden oder der Gegner oder die Gegnerin ausweicht.
  • Jiu Jitsu: Die Grundidee ist „Siegen durch Nachgeben“. Deshalb ist die erste Verteidigungsmaßnahme beim Jiu Jitsu schnelles und geschicktes Ausweichen, um dann die Kraft eines Angriffs gegen die angreifende Person selbst zu verwenden. Dazu stehen verschiedene Wurf-, Griff-, Hebel- und Schlagtechniken zur Verfügung.
  • Kickboxen: Die Kampfsportart verbindet Schlagtechniken des klassischen Boxens mit Tritttechniken aus Karate und Taekwondo.
  • Krav Maga: Krav Maga beruht vor allem auf den intuitiven menschlichen Reaktionsmustern und Reflexen. Es geht weniger um Spezialtechniken wie in der asiatischen Kampfkunst, sondern um einfache und dennoch effektive Methoden, um sich gegen Angriffe zu wehren
  • Ringen: Heute geht es bei der Kampfsportart darum, den Gegner oder die Gegnerin mit beiden Schultern auf die Matte zu bringen oder Punkte zu sammeln.
  • Taekwondo: Besondere Merkmale von Taekwondo sind die ausgeprägten Fußtechniken, Tritte, Drehungen und Sprünge.
  • Wing Chun: Ähnlich wie bei Aikido kommt es auch beim Wing Chun darauf an, die Kraft des gegnerischen Angriffs durch Schritttechniken und geschickte Wendungen abzuleiten.

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