Vitali Klitschko, geboren 1971 in Kirgisistan, blickt auf eine einzigartige Karriere als Sportler und Politiker zurück. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Wladimir prägte er das Schwergewichtsboxen über Jahre hinweg.
Frühe Jahre und Erfolge im Kickboxen
Als sein Vater in den frühen 80er-Jahren in der damaligen Tschechoslowakei stationiert war, machte Klitschko, gemeinsam mit seinem rund fünf Jahre jüngeren Bruder Wladimir erste Bekanntschaft mit dem Kampfsport. Zurück in Kiew, der eigentlichen Heimat des Vaters, fing Vitali mit dem Kickboxen an und feierte darin schnell Erfolge.
Bevor Klitschko Anfang der 90er-Jahre zum Profiboxen wechselte, wurde er insgesamt sechs Mal Kickbox-Weltmeister, anschließend wurde er auch Weltmeister im Amateurboxen.
Allerdings gibt es eine Geschichte, die besagt, dass Pele Reid Klitschko in einem Kickboxkampf besiegte. Reid und Klitschko trafen im Finale aufeinander. Nach einer ruhigen ersten Runde, in der beide sich erst einmal ein Bild voneinander machten, begann Klitschko, sich zu öffnen. Der Ukrainer hob sein Bein zum Treten, ließ es zu lange draußen (das Kickbox-Äquivalent zum Tasten mit dem Jab), und Reid sah die Öffnung und traf mit einem perfekten Drehkick, der direkt auf der Spitze von Klitschkos Kiefer landete. Der Ukrainer ging zu Boden, und wären es reguläre Box- oder Kickboxregeln gewesen, hätte es niemals einen Zehn-Sekunden-Zähler gegeben.
Einem Amateurvideo zufolge soll Pele Reid Vitali Klitschko mit einem Drehkick gegen den Kiefer ausgeknockt haben. Auf die Frage danach soll WBC-Schwergewichts-Champion Klitschko gefragt haben: "Wer ist Pele Reid?", und als er daran erinnert wurde, dass Pele ihn angeblich in einem Kickboxkampf ausgeknockt hatte, antwortete Klitschko: "Es ist so lange her, dass ich alles darüber vergessen habe. Ich habe diesen Kampf wegen eines Tritts gegen den Oberschenkel verloren, nicht wegen eines Schlags."
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Wechsel zum Profiboxen und WM-Titel
Der ganz große Boxstern ging für Vitali Klitschko dann allerdings erst im Jahre 1999 auf, als er nach einer Serie von 24 K.o.-Siegen gegen Herbie Hide den Weltmeistertitel der WBO für sich entscheiden konnte - ebenfalls durch einen Niederschlag schon in der zweiten Runde.
In den Jahren 2000 und 2003 folgten seine einzigen beiden Pleiten als Profiboxer, obwohl man auch dort nicht von wirklichen Niederlagen sprechen kann. Zunächst musste er aufgrund eines Sehnenrisses einen Kampf abbrechen, drei Jahre später folgte eine der bis heute ikonischsten Box-Schlachten aller Zeiten. Im Juni 2003 duellierte er sich mit dem Briten Lennox Lewis in einem brutalen Boxkampf.
Obwohl Klitschko auf vier von sechs Zetteln der Punktrichter in Führung lag, nahm der Ringarzt aufgrund mehrerer Platzwunden am linken Auge Klitschkos den Ukrainer zu dessen Verwunderung aus dem Kampf. Doch auch aufgrund dieses epischen Duells mit Lewis war Vitali im absoluten Boxolymp angekommen und galt fortan als das Maß aller Dinge.
Nachdem er sich 2004 die Weltmeisterschaft in der Königsklasse des Schwergewichts zurückgeholt hatte, verteidigte er seinen Titel noch drei Mal durch K.o., bevor ihn mehrere Verletzungen - unter anderem der Rücken und das Knie machten ihm zu schaffen - zu einer Pause von knapp vier Jahren zwangen. Der 2,03 Meter große Athlet kehrte jedoch 2008 zurück in den Ring und knüpfte dort nahtlos an seine Erfolge an. 2012, nach weiteren zehn meist klaren Siegen, hängte er seine Handschuhe dann aber für immer an den Nagel.
Am Ende stand Klitschko 47 Mal für einen Profikampf in einem Boxring. Diesen verließ er 45 Mal als Sieger, davon 41 Mal durch K.o. Zwei Mal stoppten ihn Verletzungen.
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Der Kampf gegen Chris Byrd
Vor 25 Jahren verlor Vitali Klitschko seinen WBO-WM-Titel im Schwergewicht an den Amerikaner Chris Byrd. Klitschko gab kurz vor dem Gong zur 10. Runde auf - trotz klarer Führung. Bei den drei Punktrichtern lag "Dr. Eisenfaust" zum Zeitpunkt des Abbruchs haushoch vorne (zweimal 88:83, einmal 89:82).
Trainer Fritz Sdunek begründete die Entscheidung zur Aufgabe mit einer Schulterverletzung. Dem Ukrainer wurde ein Riss in der Rotatormanschette der linken Schulter attestiert.
Legendärer Kampf gegen Lennox Lewis
Erst 2003 stellte Vitali seinen Ruf in den USA wieder her. Am 21. Juni forderte er in Los Angeles den unumstrittenen Schwergewichts-Weltmeister Lennox Lewis heraus. Im Staples Center kämpfte Vitali Klitschko an jenem Juni-Abend wie ein Besessener. Und das, obwohl ihm Lewis in Runde 3 die Haut über dem linken Auge derart aufschlitzte, dass man in die Wunde drei Finger hätten stecken können.
Als der Ringrichter wenig später auf Anraten des Arztes das Duell beendete, war Klitschko außer sich. Er hätte weitergekämpft - bis zum letzten Tropfen.
Klitschko verlor in L.A. zwar den Kampf, aber er "gewann das Event", die Herzen der Fans, wie die HBO-Crew dieses Mal voller Respekt konstatierte.
Politische Karriere
Nach seinem Karriereende verstärkte Klitschko seine politischen Ambitionen. Bereits während seiner aktiven Zeit kandidierte er 2006 und 2008 für das Amt des Kiewer Bürgermeisters. Im April 2010 wurde er dann zum Vorsitzenden der pro-westlichen Partei UDAR gewählt und im Jahr 2013 deren Präsidentschaftskandidat. Diese Kandidatur zog er jedoch im Jahr 2014 zurück, um sich auf die Wahl zum Kiewer Bürgermeister zu konzentrieren.
2014 zog er dann auch als Chef des Kiewer Rathauses dort ein, 2015 und 2020 wurde er von der Bevölkerung wiedergewählt und hält das Amt trotz zahlreicher turbulenter Phasen in der ukrainischen Politik bis heute ununterbrochen.
Vitali Klitschko ist seit acht Jahren Bürgermeister von Kiew. Der ältere der beiden Klitschko-Brüder hat keine Angst vor dem Tod. "Ich habe keine andere Wahl. Ich muss das machen. Vitali Klitschko: "Kiew hält Stand!
"Ich glaube an die Ukraine, ich glaube an mein Land und ich glaube an mein Volk", so Klitschko. In einer Ansprache erklärte Vitali Klitschko, dass jeder Mann stolz darauf sei, für die Zukunft seiner Familie zu kämpfen - auch auf die Gefahr hin, im Krieg sein Leben zu verlieren.
"Dieser sinnlose Krieg wird keine Sieger hervorbringen, aber Verlierer.
Der Mut und die Einsatzbereitschaft von Vitali und Wladimir Klitschko sind nicht hoch genug zu bewerten. In dieser schweren Zeit beweisen beide, dass sie Helden sind.
"Die Hauptstadt bereitet sich auf die Verteidigung vor. Kiew hält Stand!
"Wenn ich sterben muss, dann sterbe ich.
Während Vitali Klitschko in Kiew im Krieg gegen Russland kämpft, leben Ehefrau Natalia und seine drei Kinder nach wie vor in Hamburg. Bereits während seiner Zeit als Profi-Boxer erwog Klitschko den Einstieg in die Politik.
Bereits jetzt machen sich viele Menschen Sorgen um die beiden, bewundern die Klitschkos aber für ihren Willen und ihren Einsatz.
"Putin will aus einer Demokratie in der Ukraine einen von ihm regierten Satellitenstaat machen.
"Das ist aber nicht das, wie die Ukrainer denken. Sie wollen Freiheit, Recht und Demokratie haben", so der ehemalige Klitschko-Manager weiter.
Privatleben
Seit 1996 ist Vitali mit dem ehemaligen Model Natalia Egorowa verheiratet. Das Paar hat drei Kinder: Sohn Yegor-Daniel kam im Jahr 2000 zur Welt, es folgten Elizabeth-Victoria (2002) und Max (2005) - benannt im Übrigen nach der deutschen Box-Ikone Max Schmeling. „Ich würde ihn immer unterstützen und ihm immer folgen", sagte Natalia Klitschko in einem Interview mit „Welt".
Auch in seinem Privatleben setzt Klitschko auf Kontinuität.
Klitschko und MMA
Wladimir Klitschko äußerte sich 2012 über MMA-Kämpfer und sagte, dass er großen Respekt vor ihnen habe. Er glaubt nicht, dass er bereit wäre MMA zu trainieren und darin zu kämpfen, dafür sei er zu alt. „Man muss viele Fähigkeiten haben und sehr vielseitig sein. Man muss ein guter Ringer sein, ein guter Kickboxer, ein guter Boxer, man muss eine gute Kondition haben.
Die Klitschko-Brüder halten alle Schwergewichtstitel
Mit dem Punktsieg von Wladimir am 2. Juli in Hamburg über den damaligen WBA-Weltmeister im Schwergewicht, David Haye, haben sich die Klitschko-Brüder ihren letzten großen Traum erfüllt: Sie halten nun sämtliche Schwergewichtsgürtel der vier bedeutenden Weltverbände, wobei drei Titel (WBA, IBF, WBO) auf Wladimir und einer (WBC) auf Vitali entfallen.
Dopingvorwürfe
Auch die Erfolgsgeschichte der Klitschko-Brüder hat ihre Schattenseite. So wurde Vitali zu Amateurzeiten bei der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta die Einnahme des Steroids Nandrolon nachgewiesen.
Vitali Klitschko kennt keine NiederlagenDass Klitschko von jeher nicht nur sportlich ein Überflieger ist, sondern auch ziemlich viel in seinem Kopf hat, beweist seine akademische Laufbahn. Er studierte nach seinem Schulabschluss Sport auf Lehramt, später noch Sportwissenschaften. Das Thema seiner Dissertation war „Sportbegabung und Talentförderung".
Ob ihn sein Engagement auch irgendwann einmal zum Staatsoberhaupt der Ukraine bringen wird, bleibt abzuwarten. Zuzutrauen ist es Vitali Klitschko in jedem Fall. Bisher gelang ihm in seinem nun 50 Jahre langen Leben zumindest alles, was er angefasst hat.
