Deutsche Kämpfer in der UFC: Eine wachsende Präsenz im Mixed Martial Arts

Mixed Martial Arts gilt als eine der härtesten Kampfsportarten überhaupt. Wie der Name schon sagt, werden bei Mixed Martial Arts (MMA) verschiedene Kampftechniken angewandt, es sind sowohl Schlag- und Tritttechniken als auch Bodenkampf- und Ringtechniken erlaubt - deswegen gleicht kaum ein Kampf dem andern. Die Kämpfer treten zudem nicht in einem Ring, sondern einem «Cage» gegeneinander an.

Die Vollkontakt-Kampfsportart wurde in den 1990er Jahren insbesondere durch die amerikanische Organisation Ultimate Fighting Championship (UFC) und die japanische Pride FC bekannt. Sie gilt als eine der härtesten Kampfsportarten überhaupt.

Der Weg zum Erfolg: Einblicke in die Welt eines MMA-Kämpfers

Für den 28-jährigen Mixed-Martial-Arts-Sportler Benjamin Brander ist Erfolg «vor allem Kopfsache». Der 28-Jährige hat letztes Jahr sein Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität Zürich abgeschlossen und arbeitet derzeit wie wild an einer professionellen MMA-Karriere. Letzten Sommer war er für einige Wochen in den USA und nahm an der Ausscheidung für das Nachwuchsturnier der UFC teil.

«The Ultimate Fighter» heisst das Programm, bei dem in einer Reality-TV-Show ein europäisches und ein amerikanisches Team gegeneinander antreten. «Ziemlich amerikanisch ist das Ganze», sagt Brander lachend. Doch die europäischen Kämpfer haben die Gelegenheit, bei Conor McGregor, dem Superstar der MMA-Szene, zu trainieren, und viele dieser Nachwuchstalente kämpfen nach der Show in der UFC. Doch Brander verpasste den Sprung in die USA. Er wurde zwar als Ersatz aufgenommen, doch in dieser Staffel fiel keiner der Kämpfer aus.

Ein Kampf in der Moldau habe ihn den Platz gekostet, sagt Brander. Es war ein Titelkampf gegen den «Poster Boy» der lokalen MMA-Organisation: ein haarscharfer Entscheid nach Punkten, der nicht zu seinen Gunsten ausfiel. Das Publikum buhte, als der Moldauer als Sieger verkündet wurde. Der Kampf selbst sei gut gewesen, sagt Brander, er habe viel gelernt. Doch für seine Bilanz war es eine entscheidende Niederlage, und auf diese folgte gleich eine weitere.

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Branders nächster Kampf wurde abgebrochen: Er hatte zwei Schrammen am Kopf und wollte weiterkämpfen, doch der Schiedsrichter hatte zu viel Blut gesehen. Nun tritt er in Horgen zum ersten Mal wieder an. Als wir die Umkleidekabine betreten, sitzt er im Trainingsanzug und mit Stöpseln in den Ohren auf einem Stuhl, dann kommt er grinsend auf uns zu. Er freue sich auf den Kampf, sagt er.

Kampfnacht in Horgen: Benjamin Brander zurück auf der Erfolgsspur

An der Kampfnacht in Horgen findet ein junger Zürcher Kämpfer zurück auf die Erfolgsspur. Ein langer roter Teppich säumt den Weg zur Bühne, auf der ein achteckiger Käfig aufgebaut ist. Als die ersten beiden Kämpfer in den Käfig steigen, wird es plötzlich ganz still im Saal. Ein 24-jähriger Tschetschene tritt für drei mal drei Minuten gegen einen 21-jährigen Schweizer an. Die beiden schlagen kaum, fast der ganze Kampf findet am Boden statt.

Zu Coldplays «A Head Full of Dreams» läuft Brander über den roten Teppich in den Saal. Sein T-Shirt trägt die Aufschrift «El Skeletto», Branders Kampfname. Er tritt gegen einen Italiener an. Drei Runden lang kämpft Brander, der immer wieder an den Zaun gedrückt wird, vor einem gespannten Publikum. Seine Gym-Kollegen und Trainer geben vom Rand des Käfigs Anweisungen. Am Schluss entscheiden die Punkte: Der Schiedsrichter hebt Branders Arm als Zeichen des Siegs in die Luft. Mit blutverschmiertem Gesicht läuft der Kämpfer dem Publikum entgegen - er ist zurück auf der Erfolgsspur.

Sichtlich berührt von seinem Sieg vor dem heimischen Publikum, bedankt er sich bei seinem Vater, seiner Freundin und der FCZ-Südkurve. Der Saal tobt.

Der Schweizer Star in der UFC: Volkan Özdemir

Der 29-jährige Fribourger ist der grösste Schweizer Star in der UFC, der grössten Mixed-Martial-Arts-Liga der Welt. Volkan Özdemir hat es als bislang einziger Schweizer geschafft, sich in der grössten MMA-Liga der Welt, der UFC, durchzusetzen. «Vor fünf Jahren habe ich Schulden gemacht, um in Brasilien, Dänemark oder den USA zu kämpfen. Ich habe als Nachtwächter bei der Post oder in der Bar meines Vaters gearbeitet», sagt er. «Jetzt gehöre ich zu den besten Kämpfern der Welt.»

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Den entscheidenden Aufschwung nimmt seine Karriere Anfang 2017. «Ich lag nach dem Training auf der Couch und habe irgendeinen Mist auf Netflix geschaut. Plötzlich klingelte mein Telefon und ein Vertreter der UFC fragte mich, ob ich zwei Wochen später für einen anderen Kämpfer einspringen wolle.» Özdemir wollte - obwohl er sich eigentlich auf einen anderen Gegner in einer anderen Gewichtsklasse in einer anderen Liga vorbereitet hatte. Egal.

Seinen ersten Kampf gewinnt der krasse Aussenseiter nach Punkten, die nächsten beiden via Knock-out innerhalb weniger Sekunden. Nach seinem dritten Sieg stürmt Özdemir durch das Oktagon und schlägt mit dem Finger immer wieder auf sein linkes Handgelenk. Seitdem nennen sie ihn in den USA, wo man traditionell etwas Mühe mit einem Namen wie Özdemir hat, «No Time». «Keine Zeit».

Innerhalb von sechs Monaten wird Özdemir in den USA zu einer Attraktion. Der Sohn einer Schweizerin und eines Türken gilt als bester Newcomer des Jahres 2017, verdient an einem Abend mehr als 100.000 Dollar und erhält einen neuen Vertrag von der Liga.

MMA in der Schweiz: Peter Mettler

Der gebürtige Brunner ist ein echter Kämpfer und betreibt seit seinem zwölften Lebensjahr Kampfsport. Angefangen hat er mit Kung-Fu - seit bereits acht Jahren betreibt er den Stil Mixed Martial Arts (MMA). Dabei handelt es sich um eine Mischung aus verschiedenen Sportarten wie Boxen, Ringen und Jiu-Jitsu. Doch was fasziniert den 23-Jährigen an den Mixed Martial Arts? «Dieser Sport verlangt einem viel ab, und er ist sehr anforderungsreich. Man muss seinen ganzen Körper, von der Fusssohle bis zu den Haaren, trainieren und einsetzen.

Da MMA ein derart intensiver Sport ist, sollte es keine Überraschung sein, dass der Brunner täglich mehrere Stunden in sein Training investiert. Dieses besteht aus Einheiten mit seinem Team von der Yogaka MMA-Academy und einem eigenen Fitnessprogramm. Trainiert wird er von Rafael Perlungher, einem der grossen Namen in der Schweizer Kampfsport-Szene.

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Am 14. April steht für Mettler ein weiteres Karriere-Highlight auf dem Programm. In Las Vegas nimmt er an einem Turnier teil, das ihn berühmt machen könnte. Laut Rafael Perlungher wäre Mettler der erste Schweizer, der diesen Sprung je geschafft hätte. Und der Innerschwyzer ist zuversichtlich, diesen Effort zu vollbringen: «Ich habe gut trainiert, und wir sind an internationalen Turnieren immer gut dagestanden. Ich werde mein Bestes geben und lasse alles auf mich zukommen.»

Für ihn stellt das eine mehr oder minder neue Erfahrung dar. Im MMA geht es richtig zur Sache. Zwei Kontrahenten treten in einem Käfig gegeneinander an und schenken sich, für drei Runden à fünf Minuten, rein gar nichts. Der Kampf ist vorbei, sobald einer der Kombattanten aufgibt oder - analog zum Boxen - K. o. geht. Da liegt die Frage nach dem Verletzungsrisiko nahe, doch gemäss dem Fachmann hält sich dieses mehr als nur in Grenzen: «Ich selber habe mir noch nie eine Verletzung zugezogen, und die Verletzungsquote ist auch geringer als in anderen Sportarten.»