UFC 4 Schwierigkeitsgrade erklärt

Mit UFC 4 geht die Mixed Martial Arts Reihe in die nächste Runde. Anders als bei den meisten EA Sports Spielen erscheint UFC nur alle zwei Jahre ein neuer Teil. Man sollte also meinen, dass den Entwicklern genug Zeit für echte Innovationen zur Verfügung steht.

Konzentrieren wir uns also erstmal noch auf das Hier und Jetzt und schauen uns an, was sich seit UFC 3 getan hat. Ob sich der Kauf für die Besitzer des 2 Jahre alten Vorgängers überhaupt lohnt und ob Neueinsteiger nicht lieber zum mittlerweile preiswert zu bekommenden UFC 3 greifen sollten, erfahrt ihr in diesem Test.

Brutale Online & Offline Kämpfe mit viel Schweiß und Blut

Wo man im Vorgänger noch direkt in den Titelkampf im Leichtgewicht zwischen Conor McGregor und Tony Ferguson geworfen wurde, um dort die grundlegende Steuerung zu erlernen, muss man diesmal zuerst einen eigenen Kämpfer erstellen. Dabei fallen leider gleich mehrere Dinge negativ auf: Die Bedienung ist etwas umständlich, denn bei der Auswahl des Körpers oder Kopfes muss man immer zuerst die Auswahl bestätigen, um die Änderung am eigenen Kämpfer zu sehen. Eine Voransicht gibt es nicht und die kleinen Vorschaubilder sind viel zu detailarm, um erahnen zu können, wie das am Kämpfer aussieht.

Seltsamerweise funktioniert die Vorschau bei Hautfarbe, Frisur oder Ähnlichem wunderbar. Die Größe des Kämpfers lässt sich nur in 1-Inch Schritten verändern, was im metrischen System dann durch die Rundung zwischen 2 und 3 cm variiert. Man kann auf 100 Ebenen verschiedene Tattoos am Körper verteilen. Aber Vorsicht, man muss die Tattoos später Ebene für Ebene einzeln entfernen, falls man sie nicht mehr möchte. Das ist somit fast genauso langwierig, wie die Tattooentfernung mit Laser im Reallife.

Es gibt sehr viele Anpassungsgegenstände aber leider sind die Meisten nur über Echtgeld oder In-Game Währung freischaltbar. In meinen Augen ist das eher unklug, die Spieler direkt in den ersten Minuten auf diese Art mit Mikrotransaktionen zu konfrontieren. Aber wenigstens Lootboxen bleiben uns diesmal erspart. Und noch etwas ist seltsam und umständlich: Die Auswahl der Stadt ist nach Städtenamen sortiert und nicht nach Ländern. Deutsche Großstädte wie Berlin, Köln oder Frankfurt sind nicht zu finden dafür aber beispielsweise Freiburg oder Mannheim.

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Nach dem Speichern der eigenen Kämpferkreation wird man nach einer kurzen Intro direkt in einen Kampf geschmissen, den man als Neuling eigentlich nicht gewinnen kann. Man bekommt zwar ständig neue Tipps eingeblendet aber in der Kürze der Zeit und während dem laufenden Kampfgeschehen fällt es schwer diese Hinweise zu erfassen, geschweige denn umzusetzen. Ein frustfreier Einstieg in die UFC sieht anders aus.

Nach dem Kampf hat man dann die Wahl, die eigene Karriere fortzusetzen oder den Karrieremodus zu beenden, um ins Menü zu kommen. Neben dem schnellen MMA Kampf, gibt es auch wieder den in UFC 3 eingeführten K.O. Modus, der sich mehr an Arcade-Prüglern wie Tekken orientiert. Auch der Stand & Bang Modus ist erneut mit an Bord. Wie der Name schon vermuten lässt, sind hier der Bodenkampf und die Submissions deaktiviert und man kämpft nur im Stehen. Für Individualisten gibt es auch die Möglichkeit den Kampf mit 37 verschiedenen Einstellungen sehr präzise an die eigenen Vorlieben anzupassen.

Euch stehen fünf Speicher-Slots für Karrieren zur Verfügung. Dabei kann man mit einem echten UFC Kämpfer starten oder einen Kämpfer selbst erstellen. Hierbei steht eine riesige Auswahl an männlichen und weiblichen UFC Kämpfern zur Verfügung. Der Karriere-Modus läuft immer gleich ab, man startet als Niemand und nimmt Kampfangebote an, um sich bis an die Spitze der UFC zu kämpfen. Kampfangebote kann man natürlich auch ablehnen aber daraus könnten sich dann negative Effekte für Verträge und Boni ergeben oder eine künftige Rivalität entstehen.

Karriere-Modus im Detail

Durch Sparring trainiert und verbessert man den Kämpfer. Nebenbei kümmert man sich noch um Sponsorenverträge und Social Media, um Geld und Follower anzuhäufen. Für alle Aktivitäten stehen pro Woche 100 Wochenpunkte zur Verfügung, die man nach Belieben nutzen kann. Man kann auch die komplette Woche simulieren lassen, hat dann aber keinen direkten Einfluss darauf, was passiert und meist sind die Resultate besser, wenn man die Punktevergabe selbst macht und die Sparrings zum Training nutzt.

Dann kann man sich auch andere UFC Kämpfer einladen, um mit ihnen zu trainieren und dadurch ihre Moves zu erlernen. Durch Challenges im Sparring erhält der Kämpfer Entwicklungspunkte. Damit kann man Attribute verbessern oder Vorzüge kaufen. Beim Training hat man aber leider - wie im realen Leben - auch immer das Risiko sich und andere zu verletzen. Es kann also passieren, dass man den Trainingspartner versehentlich vor Erfüllung der Aufgaben ausknockt. Er steht dann in den darauf folgenden Wochen vorerst nicht mehr zur Verfügung, wodurch ein Trainingsnachteil entsteht.

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Wird man selbst im Sparring verletzt, wird dadurch ein Attribut verschlechtert. Das lässt sich einfach rückgängig machen, in dem man es wieder auflevelt. Außerdem hat man die Wahl zwischen Behandlung und Erholung. Wählt man Behandlung bezahlt man Geld und bekommt die verloren gegangenen Wochenpunkte wieder zurück oder man entscheidet sich für Erholung und kuriert sich für weitere 25 Punkte des Wochenbudgets aus.

Bei einigen Sparringsherausforderungen ist die größte Schwierigkeit nicht sie innerhalb der knappen Zeit zu schaffen, sondern sie überhaupt zu Ende zu bringen, ohne dass der Sparringpartner vorher K.O. geht. Die Challenge 16 Roundhouse Kicks zu treffen habe ich nach einigen Versuchen abgebrochen, nachdem der Gegner einmal sogar direkt beim ersten Tritt an den Kopf auf der Matte lag.

Begleitet wird die Karriere von kurzen Zwischensequenzen und zufälligen Social Media Kommentaren, die sich auf eure Kampfperformance und Social Media Aktivitäten beziehen. Große Überraschungen gab es in der Karriere nicht, weder positiv noch negativ. Besonders spannend oder gar innovativ empfand ich den Story Modus leider nicht, hier hatte ich mir mehr erhofft.

Weitere Spielmodi

Es gibt einen Trainingsmodus und Tutorials. Im Training kann man gegen die KI oder einen anderen lokalen Spieler kämpfen. Für die KI Gegner kann man bis zu 20 verschiedene Bewegungsfolgen mit je max. 12 Sekunden aufzeichnen und dann in zufälliger Reihenfolge abspielen lassen. So lässen sich sehr individuelle Trainingssituationen erstellen.

Das HUD dafür ist etwas ungünstig mitten über den Beinen der Kämpfer platziert und lässt sich nicht abschalten. Sie wurden im Rahmen des EA Game Changer Programms von Youtubern erstellt. Im Trainingshandbuch findet man zudem ausführlichere Lektionen, die als kurze Clips und Text vorgestellt werden.

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Man kann eigene Events und Turniere erstellen, die man dann Solo oder mit einem Freund bestreitet. In einem Turnier wird der erlittenen Schaden dabei von Kampf zu Kampf übertragen. Man muss also besser auf den eigenen Kämpfer aufpassen bzw.

Hinter Weltmeisterschaften mit Rangliste verbirgt sich einfach nur der Ranglistenmodus, in dem man nach 5 Online-Kämpfen basierend auf der gezeigten Leitung eingestuft wird und sich danach möglichst weiter nach oben kämpft. Jeder Kampf zählt, Abbrüche werden als Niederlage gewertet. Im Blitzkampf habt ihr immer nur 60 Sekunden Zeit, um euren Kontrahenten online in die Schranken zu weisen. Das Ganze geht über maximal sechs Runden, falls ihr nicht zuvor ausscheidet.

Wer sich einfach nur mit einem beliebigen Online-Gegner messen möchte, kann das im Schnellkampf tun. Hier kann man wie beim Offline Modus zwischen MMA, Stand & Bang und K.O. Modus wählen. Natürlich kann man auch gezielt gegen Freunde antreten, was ja meist am Spannendsten ist.

Gameplay & Steuerung

Der Kern von UFC 4 ist natürlich der blutige Kampf im Octagon. Ob man nun den Karriere-Modus spielt oder schnelle Kämpfe gegen KI, Freunde oder Online bestreitet, es läuft immer auf das Selbe hinaus: Zwei durchtrainierte Kampfmaschinen, die zu Allem bereits sind und mit Händen, Füßen, Knien und Ellenbogen aufeinander losgehen. Genau in diesem Punkt weiß UFC 4 voll zu überzeugen. Die Kämpfe fühlen sich gut an und sind spannend bis zum Schluss.

Schafft man den Knockout oder geht einem vorher vielleicht die Puste aus? Die Balance aus schnellem Geprügel und guter Technik inklusive der Einteilung der Kräfte ist sehr gut gelungen. Wie im echten Leben kann ein Kampf durch einen Lucky Punch sehr schnell entschieden werden, meist siegt aber der Kämpfer, der besser auf die Ausdauer achtet und gezielt einzelne Körperregionen attackiert. Natürlich ist auch Blocken und Ausweichen sehr wichtig und erfordert ein gutes Auge und schnelle Reaktion.

Eine gute Neuerung ist das Fortschrittsystem. Es gibt viele verschiedene Challenges die mit XP, Anpassungsgegenständen und in Game Währung (Coins) belohnt werden. Man muss die Belohnung aber immer manuell und einzeln einsammeln um sie zu erhalten. Einige Herausforderungen sind zeitlich begrenzt und werden vermutlich in regelmäßigen Abständen erneuert. Manche Challenges müssen in einer bestimmten Reihenfolge erledigt werden.

Über den Stufenaufstieg schaltet man auch Objekte frei, die man wahlweise aber auch für Coins oder echtes Geld kaufen kann. Leider verdient man nur extrem wenig Erfahrungspunkte durch normale Kämpfe. Um schnell im Level aufzusteigen sollte man also die Herausforderungen absolvieren.

Das neu eingeführte Sterne-Bewertungssystem für die Kämpfer hilft dabei schneller die Stärken und Schwächen erkennen zu können. Das ist besonders bei Online-Kämpfen eine Erleichterung, wo man ja nicht ewig nach einem passenden Kämpfer suchen möchte. Leider ist in der Auswahl der Kämpfer die Vorschau aber sehr träge, wodurch der zuvor erwähnte Vorteil wieder hinfällig ist. Optional kann man übrigens auch weiterhin auf die altbekannten Zahlenwerte umschalten, wenn das vertrauter ist als die Sterne.

Die Kämpfer haben nun außerdem bis zu 5 technische Spezialisierungen, wie zum Beispiel Beinwirbel, mit dem man schnellere Roundhouse-Kicks und Switchkicks machen kann. Die Attribute der Kämpfer können in UFC 4 durch Spieleupdates an die Leitung ihrer realen Vorbilder angeglichen werden. Diese Updates sollen nach jedem großen UFC-Event (im echten Leben) erfolgen.

Die komplexe Steuerung lässt sich leider nicht an eigene Vorlieben anpassen. Es gibt auch nur ein Preset aber das geht ok, da die Tastenbelegung sinnvoll gewählt ist. Die Basics hat man auch schnell verstanden: Es gibt je eine Taste für den linken und rechten Arm, sowie die beiden Beine. Mit R2 wird geblockt und mit L1 und L2 schaltet man zwischen hohen und tiefen Angriffen (und Blocks) um. R1 kann zusätzlich für spezielle Attacken gedrückt werden und es sind auch verschieden Kombinationen der Tasten möglich.

Auf dem Boden hat man nun die Wahl zwischen dem alten System und der vereinfachten neuen Steuerung. Beide Steuerungsarten werden im Spiel gut erklärt. Da ich als langjähriger Kick- und Thaiboxer noch nie viel mit dem Bodenkampf anfangen konnte, habe ich mich zum Testen für die vereinfachte Steuerung entschieden, die auch gut funktioniert.

Die Menüführung ist leider an einigen Stellen sehr konfus und umständlich. Es wirkt als hätten verschiedene Entwickler daran gearbeitet ohne sich gegenseitig abzusprechen. Warum man nicht durchgängig die gleichen Knöpfe für die selbe Funktion nutzt, ist mir ein Rätsel. Es erschloss sich mir auch nicht, wieso man L3 drücken muss, um die Kampfeinstellungen zu ändern. Das Menü klappt von unten hoch, also wäre ein Druck aufs Steuerkreuz nach unten deutlich intuitiver gewesen. Wieso gibt es keine selbst definierbaren Presets oder eine zufällige Auswahl des Austragungsortes?

Besonders erwähnenswert sind die neuen Austragungsorte Backyard und Kumite, die frischen Wind in die sonst immer gleiche Atmosphäre der typischen Octagons bringen. Wer sich ein wenig für Kampfsport interessiert, der wird bei Kumite natürlich sofort an den legendären Film Bloodsport mit Jean-Claude Van Damme denken - und liegt damit auch völlig richtig! Die Kumite Stage ist stark von dem 1988 erschienenen Film inspiriert. Auch die Soundeffekte und die Hintergrundmusik sind eine Hommage an Actionfilme der 80er Jahre. Sehr schade, dass man (zumindest bisher) nicht als Frank Dux (JCVD), Chong Li oder Ray Jackson kämpfen kann. Aber vielleicht kommt das ja noch per DLC. Bruce Lee ist ja auch seit Langem ein beliebter DLC-Kämpfer.

Grafik & Sound

In den Kämpfen gibt es optisch wenig zu meckern. Schon in den Vorgängern sah alles sehr realistisch aus und besonders in der Zeitlupe spürt man die Treffer selbst schon fast einschlagen. Die Animationen gehen sehr flüssig ineinander über und wirken natürlich. Blut und Schweiß spritzen in alle Richtungen und hinterlassen deutliche Spuren an Körper, Kleidung und dem Ringboden.

Die Grafikeinstellungen kommen extrem minimalistisch daher. Man kann nur die Deckkraft wählen, für Farben und Helligkeit bekommt man lediglich ein Testbild angezeigt und muss die Einstellungen am Fernseher vornehmen. Außerdem kann man zwischen höherer Auflösung oder Framerate wählen. Hier bin ich selbst von Indiespielen wesentlich mehr gewohnt.

Etwas besser wird es zum Glück beim Sound. Als Audiosprache stehen Deutsch, Englisch und Französisch zur Verfügung. Bei den Audioeinstellungen kann man immerhin aus vier Presets wählen oder die Lautstärke individuell an die eigenen Vorlieben anpassen. Dazu stehen neben der Gesamtlautstärke fünf weitere getrennte Regler zur Verfügung.

Fazit

UFC 4 ist sicherlich nicht perfekt, aber dennoch wohl das beste Spiel des MMA-Genres. Die verschiedenen Austragungsorte wie der Backyard, das Kumite, oder Octagon bringen Abwechslung im Spiel. Apropos Drumherum, ich möchte an dieser Stelle nochmal erwähnen, dass die DLC und Ingame-Käufe total fehl am Platz sind, man könnte Spieler viel länger bei Laune halten, wenn man nach einiger Zeit eine kostenlose Überraschung zum Beispiel in Form von optischen Goodies oder neuen Kämpfern spendiert.