Höfliche Etikette, hart auf der Matte - für den Erfolg muss man einiges wegstecken können. So wie Tom Droste, der aktuelle Star des Dattelner Judo Club 1958 e. V.
Friedhelm Chmielewski, Vorsitzender und aktiver Judoka im Verein seit 1960, ist mächtig stolz auf das 22-jährige Talent, das zur Sportfördergruppe der Bundespolizei gehört und am Leitungsstützpunkt in Köln trainiert.
Tom Droste war als Dreijähriger über seinen älteren Bruder Jan zum Verein gekommen. Sein Talent, Ehrgeiz und unermüdliches Training wurden schnell von Erfolgen gekrönt: Wechsel zum Sportinternat am Judo-Stützpunkt in Köln, Bundesliga-Kämpfe für den Judoclub 66 Bottrop und seit 2023 Athlet im Bundeskader Männer.
Viel hat er seinem Verein zu verdanken. „Der Verein unterstützt mich immer, so gut es geht.“ Schon in der Jugend hat er Trainingscamps mitfinanziert. Auch mit seinem aktuellen Sponsor, Christian Weißmüller und seine Firma IFEP, hat ihn Friedhelm Chmielewski zusammengebracht.
Erfolgreiche junge Judokas lassen das Herz des 77-jährigen Club-Chefs und ehemaligen Polizisten höherschlagen. Er selbst ist mehrfacher Bezirksmeister, Polizeilandesmeister, war bei Deutschen Meisterschaften und erfolgreicher Kämpfer in der Mannschaft des Dattelner Judoclubs.
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Doch die Förderung der Kinder und Jugendlichen im Verein - aktuell sind es 200 - bedeuten ihm viel mehr. Friedhelm Chmielewski macht seine Heimatstadt Datteln weit über die Grenzen Deutschlands bekannt: mit bundesoffenen Jugend-Turnieren mit 10.000 Teilnehmern in 20 Jahren, als Ausrichter vieler Meisterschaften - auch internationaler - und einem Austausch über 14 Jahre hinweg mit Japan.
Alles verdient gewürdigt mit Ehrungen, Auszeichnungen und dem Bundesverdienstkreuz am Bande des Bundespräsidenten. Seine Schüler geben zurück - wie Tom Droste: Wenn es seine Zeit erlaubt - und die ist bei täglich sechs Stunden Training knapp bemessen -, gibt er in Datteln Workshops.
Erfolge bei nationalen und internationalen Wettkämpfen
Der Dattelner Judoka Tom Droste ist Gewinner der Bronzemedaille bei der Deutschen Meisterschaft. Die Fahrt nach Stuttgart hat sich für den Judoka Tom Droste allemal gelohnt. Tom Droste startete in der Klasse bis 81 Kilogramm.
Zum Auftakt traf er auf Gerrit Noack von der JG Sachsenwald. Durch einen Seoi-Nage (Schulterwurf) erhielt Tom eine Waza-ari-Wertung (halber Punkt). Anschließend folgte für Droste das Duell mit Lennard Slamberger vom JC Leipzig. Somit stand Tom Droste im Poolfinale. Hier hieß der Gegner Sebastian Kaun von der TSV München-Großhadern. Damit war das Semifinale erreicht.
Nun ging es um den Einzug ins Finale gegen Vladimir Stark vom Kampf- und Kraftsportverein Karow. In einem ausgeglichenen Kampf ging Droste zunächst durch seinen Spezialwurf Seoi-Nage in Führung. Jedoch glich Stark durch einen Schenkelwurf bereits kurze Zeit später aus.
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Im Kampf um Platz drei gegen Yerrick Schriever (TH Eilbeck) war Droste von Beginn an der aktivere Kämpfer und sicherte sich durch zwei schöne Wertungen vorzeitig den Sieg. Damit belohnte sich Tom Droste für seine engagierte Leistung mit der Bronzemedaille.
Der Dattelner Tom Droste (r.) stand in der Gewichtsklasse -81 Kilogramm als Bronzemedaillen-Gewinner neben Gerrit Noack von der JG Sachsenwald (2.v.r.), Sieger Schamil Dzavbatyrov vom TSV Großhadern (2.v.l.) und Silber-Gewinner Vladimir Stark (l.) von Kampf- und Kraftsport Karow.
Auch bei den Polizei-Europameisterschaften konnte Droste Erfolge feiern. In der Klasse bis 90 kg holte Tom Droste aus Datteln eine Bronzemedaille. Im "kleinen Finale" gewann der 22-Jährige gegen den Bulgaren Genadi Burdinyashki. Der ebenfalls für die Bundespolizei startende Droste hatte im Halbfinale gegen den späteren Titelträger Jiri Petr aus Tschechien verloren.
Bei den International Belgian Judo Open in Visé und Herstal glänzte Tom Droste ebenfalls mit einer Silbermedaille in der Klasse bis 81 kg.
Europameisterschaften U23
Im polnischen Pila fanden die Europameisterschaften der Frauen und Männer unter 23 Jahren statt. Tom Droste vom Dattelner JC kämpfte am Samstag in der Klasse bis 81 kg. Der 22-Jährige kam vor einem Jahr bereits bei den Teamwettkämpfen zum Einsatz. In diesem Jahr belegte er siebte Plätze bei den Turnieren in Warschau, Riga und Portimao.
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Droste gewann bei den nationalen Meisterschaften in Stuttgart ebenfalls Bronze. Für die Europameisterschaften in Pila waren insgesamt 325 Judoka aus 36 Nationen gemeldet. Der Deutsche Judo-Bund schickte sechs Frauen und acht Männer auf die Matte. Bei den Teamwettkämpfen am Abschlusstag ist Deutschland Titelverteidiger.
Bei den Europameisterschaften der U23 in Potsdam sorgte das deutsche Team mit dem Gewinn der Goldmedaille im Team-Event für einen grandiosen Abschluss. Zunächst gingen die Kämpfe von Tom Droste (bis 90 kg) und Raffaela Igl (über 70 kg) verloren.
Vorbereitung und Einstellung
Nach WM-Bronze im Team wollte der Dattelner Judoka Tom Droste an diesem Wochenende bei der Europameisterschaft einen ähnlichen Coup landen. Eine Bronzemedaille hat Tom Droste in diesem Jahr schließlich schon geholt und das sogar bei der Weltmeisterschaft.
Der 20-jährige Dattelner fühlte sich für die Europäischen Titelkämpfe deutlich besser gerüstet, als noch vor knapp einem Monat für die WM in Guayaquil. Mit der Bronzemedaille in der Tasche gönnte sich der Dattelner erst einmal eine Woche Ruhe und nutzte die Pause auch für einen Kurzurlaub.
„Das tut schon gut. Selbst mit meiner Verletzung hatte ich noch trainiert und daher schon lange keine Pause mehr gehabt. Zurück in Köln startete aber schon die EM-Vorbereitung: „Wir haben langsam wieder mit dem Training begonnen. Das lief zunächst nicht ganz so intensiv, wie zuvor und sei laut Droste aber mitunter richtig anstrengend gewesen.
In der vergangenen Woche fuhr Droste ins brandenburgische Kienbaum, wo von Montag bis Donnerstag ein nationales Trainingslager stattfand. Am Donnerstag kamen sogar internationale Gäste dazu: Schweizer, Tschechen und Schweden. Das verneint der junge Dattelner sofort, denn das werde im Judo so schon seit vielen Jahren schon praktiziert: „Von diesen internationalen Camps können alle Teilnehmer profitieren, weil man dort gegen unbekannte Gegner kämpft.
Zurück in Köln war intensives Training angesagt, ehe sich die Kämpfer am Mittwoch per Kleinbus auf den Weg nach Prag machten. Dort angekommen nutzte der Dattelner die ersten beiden Tage, um die Kämpfe seiner Teamkollegen zu verfolgen. Am heutigen Samstag wird es nun ernst für den Dattelner mit dem Einzelwettbewerb:
Auch in Prag wollte Tom Droste zumindest im Teamwettkampf wieder eine Medaille holen. Denn im ersten Kampf muss er gegen einen starken Österreicher ankämpfen.
Die Polizei-Europameisterschaften
Die Polizei-Europameisterschaften finden alle vier Jahre statt. Durch die Corona-Pause wurde nunmehr jedoch erst nach fünf Jahren die nächste EM vorbereitet. Das Deutsche Polizeisport-Kuratorium (DPSK) entsendet insgesamt 27 Athleten und besetzt damit fast alle Gewichtsklassen doppelt. Betreut werden die Athleten durch die Trainer Luise Malzahn und Holk Silbersack.
Auch Jessica Lindner, frischgebackene Veteranen-Europameisterin, startet in Sofia. Sie wurde bereits zwei Mal Vize-Polizei-Europameisterin. Carolin Weiß ist ebenfalls eine erfahrene Kämpferin und geht als Vize-Europameisterin in die Wettkämpfe. In den Mixed Team-Wettkämpfen ist das deutsche Team Titelverteidiger.
Mit 14 Medaillen, davon sechs Gold, ist der Maßstab sehr hoch angesetzt.„Wir haben viele Kaderathleten, auch ehemalige, im Team, es ist eine schöne Mischung aus ganz jungen Athleten und alten Hasen“, schaut DPSK-Fachwart Johannes Daxbacher optimistisch auf die EM.
Unterstützt wird das Team durch Kampfrichter Klaus Pfaffl. „Es ist bereits meine fünfte Polizei-EM und ich bin in der Vorbereitung gut mit eingebunden gewesen. Die Leistungsdichte ist stärker geworden und es ist gut, dass wir auch im taktischen Bereich gut aufgestellt sind“, hofft er auf ähnlich gute Ergebnisse wie beim letzten Mal im ungarischen Györ.
Teilnehmer an den European Police Championships in Sofia/Bulgarien: Bundespolizei: Helene Grau, Carolin Weiß, Tom Droste, Jonas-Schreiber, Dennis Mauer.
