Nach seinem Karriereende als Fußball-Torwart wollte Tim Wiese als Wrestler durchstarten. Der frühere Fußball-Nationaltorwart hat aber schon neue Pläne im Kopf. Im SPORT1-Interview spricht Tim Wiese erstmals über die wahren Gründe für sein Aus bei WWE.
Der Beginn einer ungewöhnlichen Karriere
Am 3. November 2016 trat er unter dem Kampfnamen "The Machine" im Rahmen einer WWE-Deutschland-Tour in einem Schaukampf in München auf. Bei der WWE-Show in München am Abend bestritt der 34-Jährige seinen ersten Kampf - fast genau zwei Jahre, nachdem er das erste Mal die Showbühne betreten hat.
Die Anfänge bei WWE
Für mich, der als kleiner Junge schon Wrestling-Fan war, plötzlich ins Trainingszentrum von WWE nach Orlando eingeladen zu werden, um dort mit Trainerlegenden wie Robbie Brookside oder Matt Bloom arbeiten zu können, war etwas ganz Besonderes.
Auch die anderen Trainer und Wrestling-Kollegen zu treffen und mit ihnen zu arbeiten, die gesamte Atmosphäre vor Ort, es war einfach klasse. Auch meine Treffen mit Triple H und nicht zuletzt meine Tag-Team-Partner Cesaro und Sheamus, mit denen ich mich auf Anhieb super verstanden habe, die mich großartig aufgenommen haben und mit denen ich eine Mega-Show abgeliefert habe. Das alles hat irre Spaß gemacht und war Gänsehaut und Entertainment pur.
Wiese erinnert sich: "Ich habe hart für diesen Augenblick gearbeitet und kann es kaum erwarten".
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Das Debüt als "The Machine"
Wiese durfte für sein Team sogar den Sieg einfahren. Es war ein gutes Debüt. Ich bin froh, dass es so gelaufen ist", sagte Wiese hinterher im ran-Interview.
Das Feedback der Fans war unglaublich. Selbst die, die mich überhaupt nicht leiden können, haben mir Respekt gezollt, dass ich das Ding tatsächlich durchgezogen habe. Die WWE-Kollegen haben mir zu meinem Auftritt und meiner Show gratuliert und auch Triple H und der damalige WWE-Chef für Deutschland und Europa zählten zu den Gratulanten.
Schaut man sich die Medien in der Zeit an, herrschte zum Thema WWE und Tim Wiese Ausnahmezustand. Noch heute vergeht kein Tag, an dem mich nicht Fans auf der Straße oder in den sozialen Medien fragen, wann "The Machine" endlich wieder in den Ring steigt.
Die Gründe für das Aus bei WWE
Als die WWE zu Beginn auf mich zukam, stellten sie mir folgendes Konzept vor: Sie wollten in Deutschland zukünftig mit lokalen Helden arbeiten. Also mit Typen, die bereits eine erfolgreiche Karriere hinter sich gebracht hatten und einen hohen Bekanntheitsgrad bei den Menschen besaßen.
Das klang für mich total plausibel. Da kann ein Boom entstehen und genau das hatte die WWE mir im Vorfeld erklärt, dass man das mit mir beabsichtigt. Wir sprachen von einem Auftaktmatch und je nach Erfolg von einer regelmäßigen Deutschland-Tour. Ob es später zu einzelnen internationalen Auftritten kommen würde, wolle man dann sehen.
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Ein Punkt war mir von Beginn an wichtig und den habe ich auch deutlich gemacht: Ich wollte nicht nach Amerika ziehen oder 200 bis 250 Tage, so wie viele anderen Wrestler, durch die Welt tingeln. Meine Familie steht an erster Stelle und unsere Heimat ist Bremen.
Das Angebot war, dass ich in die USA kommen und mich in den kommenden Jahren in Orlando zum Wrestler ausbilden lasse. Natürlich war mir klar, dass ich noch viel hätte trainieren müssen, um ein großer Wrestler zu werden. Das ist ein richtig harter und anspruchsvoller Job.
Da wir jedoch genau diesen Punkt mit USA und einem Umzug vorher geklärt hatten, war ich schon sehr verwundert. Deshalb haben sich mein Management und ich uns mehrfach - mündlich und schriftlich - bei WWE gemeldet, was ich denn unter "Tim, komm doch in die USA und lass dich die nächsten Jahre ausbilden" zu verstehen habe.
Ich habe nie eine offizielle und ehrliche Antwort bekommen. Immer nur dieses Rumgeeier. Der Europa-Chef hatte gar nichts zu melden, war eher ein Erfüllungsgehilfe der Amis. Und die Amerikaner hatten Angst vor mir. Anders kann ich mir das Verhalten nicht erklären.
Ich glaube sie haben gemerkt, dass ich kein kleiner Junge bin, den man herumkommandieren kann und der für eine Karriere bei WWE alles stehen und liegen lässt. Irgendwann, Monate später, hieß es dann, ich müsse eine mehrjährige Ausbildung in Orlando machen, vor Ort, sechs Tage die Woche. Und wieder einige Wochen später hieß es, man würde von einer Zusammenarbeit absehen.
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Mit mir zusammen zu arbeiten ist ganz einfach. Man muss mir nur auf Augenhöhe begegnen und damit meine ich nicht Körpergröße. Respekt, klare Ansagen und zu dem stehen was man sagt. Ganz einfach. Das wird auch jeder bestätigten, der bisher mit mir zu tun hatte. Das ist für mich Professionalität. Kannst du das nicht leisten, bist du ein Amateur.
Die WWE in Deutschland ist für mich Amateur-Liga und die WWE in den USA verhält sich so wie ihr Präsident (Donald Trump, Anm. d. Red.). Von all dem sind die Athleten ausgenommen. Die sind definitiv Profis und haben meinen vollen Respekt.
War das Gehalt ausschlaggebend?
Wrestling ist purer Kommerz. Da geht es um Geld, teilweise um sehr viel Geld. Es geht um Gagen, Merchandising, TV-Rechte, Streaming-Rechte usw. Da unterscheidet sich Wrestling kaum vom Fußball, außer dass die beim Wrestling mit weniger Nullen rechnen müssen. Und auch ich bin nicht nur zum Spaß angetreten. Geld ist keine Motivation für mich. Entweder habe ich auf etwas zu 100 Prozent Lust oder nicht. Wenn ich jedoch Lust habe, dann bekommt man mich nicht unter Wert.
Zukunftspläne von Tim Wiese
Es gibt immer wieder interessante Projekte aus dem Bereich Werbung und TV. Außerdem werde ich mich zukünftig wieder intensiver mit Fußball beschäftigen. Diese ganzen Pseudo-Experten mit ihren auswendig gelernten Fremdwörtern und ihrem intellektuellen Möchtegern-Getue nerven mich total. Es wird Zeit, dass nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes Klartext gesprochen wird.
Was die Wenigsten jedoch wissen, ist, dass ich auch unternehmerisch tätig bin und den einen oder anderen Startup unterstütze.
Inzwischen habe ich auch meinen ersten kleinen Youtube-Channel zusammen mit Murat Demir, meinem langjährigen Fitness-Trainer.
Die wichtigsten Stationen von Tim Wieses Weg zum Wrestler
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 26. Januar 2013 | Letztes Bundesliga-Spiel für 1899 Hoffenheim |
| 21. Januar 2014 | Verlässt Hoffenheim |
| 16. September 2014 | WWE unterbreitet Angebot |
| November 2014 | Schließt Fußballkarriere ab |
| 16. November 2014 | Auftritt bei WWE-Tour in Frankfurt |
| 16. Mai 2015 | Training im WWE-Leistungszentrum in Orlando |
| 3. November 2016 | Debüt als "The Machine" in München |
