Der Film "The Iron Claw" von Regisseur Sean Durkin erzählt die wahre Geschichte der vier unzertrennlichen Von-Erich-Brüder (Zac Efron, Jeremy Allen White, Harris Dickinson, Stanley Simons), die in den frühen 1980er Jahren in der hart umkämpften Welt des professionellen Wrestlings Geschichte schrieben.
80er-Jahre-Wrestling, fiese Frisuren, gestählte Körper - was wie eine Ansammlung veralteter Film-Klischees klingt, dient dem Regisseur Sean Durkin in «The Iron Claw» als Verpackung für ein bewegendes Familiendrama und eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Mythos der Männlichkeit.
Sein Markenzeichen ist die Iron Claw, ein eiserner Griff ins Gesicht seines Gegners, doch trotz seines zupackenden Charakters lässt sich der Traum des Wrestlers Fritz Von Erich vom Weltmeistertitel nicht erfüllen. Jahre später drillt er seine vier Söhne Kevin, David, Mike und Kerry unerbittlich, damit sie sein Erbe weitertragen. Sie alle sollen erfolgreiche Wrestler werden - um jeden Preis.
Der Stärkste, Härteste und Beste sein, damit man niemals verletzt werden kann - das ist die Lebensphilosophie des Familienoberhauptes Fritz Von Erich (Holt McCallany). Eingebettet in die Fönfrisuren-Welt des 80er-Jahre-Wrestlings erzählt «The Iron Claw» deshalb vor allem von einer Familie, die sich komplett ihrem Patriarchen und seinen toxischen Männlichkeitsidealen verschrieben hat. Jegliche Emotion wird hinter hypermaskulinen Muskelbergen versteckt, nur Kraft und Leistung zählt - ein Anspruch, an dem seine Söhne zerbrechen.
Im Zentrum des Sturms: Kevin Von Erich
Im Auge des Sturms und damit im Mittelpunkt des Films steht Kevin Von Erich (Zac Efron), der als Ältester den höchsten Ansprüchen genügen und gleichzeitig eine Stütze für seine jüngeren Brüder sein muss. Die niemals ausreichenden Anstrengungen der Söhne, ihre psychische und physische Überlastung und der lieblose Umgang des übermächtigen Vaters in diesem sportlichen Familiendrama sind mitunter nur schwer zu ertragen. Das liegt unter anderem an der exzellenten Leistung von Zac Efron, der trotz seines aufgepumpten Körpers überzeugend überbordende Gefühle, Empathie und einen Sinn für Familienzusammenhalt vermitteln kann und eine echte emotionale Bindung für das Publikum ermöglicht.
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«The Iron Claw» driftet trotz der zahlreichen Tragödien, die sich im Lauf des Films ereignen, niemals ins Kitschige oder vollends in die Hoffnungslosigkeit ab. Als Gegengewicht zu den väterlichen Grausamkeiten steht der enge und bewegende Zusammenhalt der Brüder, der dem Film abseits der beeindruckenden Wrestling-Performances grosse emotionale Tiefe gibt.
Die wahre Geschichte hinter dem Film
Fingerspitzengefühl beweisen der Regisseur Sean Durkin und sein Cast auch im Umgang mit den realen Hintergründen der Geschichte. Das Herausstreichen des jüngsten Bruders Chris aus dem Film ist sicherlich eine der radikalsten Änderungen, bewahrt aber vor einer zu langen Laufzeit und einer Abschwächung der Geschichte durch zu viele Wiederholungen. Spannend ist zudem, dass alle Wrestling-Matches ohne Unterbrechungen in voller Länge vor einem Live-Publikum gedreht und von den Darstellern selbst performt wurden. Diese Hingabe und Realitätsnähe ist in «The Iron Claw» deutlich zu spüren und bringt eine grosse Wucht und Dramatik auch in die sportlichen Szenen des Films.
Sean Durkin beweist in «The Iron Claw» echtes Gespür für Emotionen und Familiendynamik und platziert die Handlung geschickt und ohne unnötige Nostalgie in einer glaubhaften Version der 80er-Jahre.
Der Fluch der Von Erichs
Unfall, Krankheit und Suizid: Über der Wrestling-Dynastie der Von Erichs scheint ein Fluch zu hängen. Die wahre Geschichte, die er zu hören bekam, war unfassbar: «Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ein Mensch oder eine Familie dermassen viel durchgemacht hat», erzählt der Schauspieler im Interview zu seinem neuesten Film «The Iron Claw». Er spielt darin Kevin Von Erich, den einzigen überlebenden Sohn aus der in den 80er-Jahren bekannten Wrestling-Dynastie von Fritz Von Erich.
Mehr als über Wrestling ist «The Iron Claw» ein Film über Familie und Verlust und den Triumph von Kevin über den Familienfluch.
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In der amerikanischen Wrestling-Szene ist der «Von-Erich-Fluch» weit herum bekannt: Der Patriarch Jack Adkisson, der unter dem Wrestling-Namen Fritz Von Erich mehrere Titel gewinnt, fungiert kurz als Präsident der National Wrestling Alliance und ist in Japan als «The Iron Claw» bekannt.
Er ist als Wrestler und Promoter unterwegs, als sein erstgeborener Sohn Jack Jr. mit sechs Jahren bei einem Unfall mit einem Anhänger ums Leben kommt. Seine Frau Doris bringt fünf weitere Söhne zur Welt: Kevin, David, Kerry, Mike und Chris. Fritz ist ein harter Kerl und will aus seinen Söhnen harte Männer machen, die sich in der Welt behaupten können. Der Druck, David im Ring zu ersetzen, wird für den 23-jährigen Mike zu gross, und nach einer Verletzung nimmt er sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben. Vier Jahre später erschiesst sich der Jüngste, der damals 21-jährige Chris, weil er an die Wrestling-Erfolge seiner älteren Brüder nicht anknüpfen kann. Nachdem seine Ehe Anfang der 90er-Jahre in die Brüche geht, gibt sich auch Kerry, damals 33, auf der Farm des Vaters die Kugel.
Wie sich Kevin gegen den Fluch und den dominanten Vater auflehnte, ist das Kernstück von «The Iron Claw».
Die Vorbereitung auf die Rollen
Nicht nur Zac Efron, sondern auch seine Filmbrüder Jeremy Allen White («The Bear») als Kerry und Harris Dickinson («Triangle of Sadness») als David trainierten vier Monate, um in Wrestling-Form zu kommen. Gedreht wurden ganze Kämpfe vor Publikum, nicht nur Teilelemente. «Wir haben mit Profiwrestlern wie Chavo gearbeitet», so White, der zurzeit auch als Award-Season-Liebling aus «The Bear» und als Calvin-Klein-Unterhosenmodel Schlagzeilen macht. «So einen Körper zu erhalten, fordert einem einiges ab. Zudem waren die Männer, die wir spielen, 200 Tage im Jahr auf Tour. Chavo Guerrero, der selber aus einer Wrestling-Dynastie stammt, spielt zudem The Sheik, den ersten Gegner von Zac Efron, im Film: «Je mehr wir uns bemühten, desto interessierter war er, uns individuell zu pushen - was bedeutet, dass wir eins extra auf die Rübe bekamen. Deshalb sieht das Wrestling im Film so toll aus», schmunzelt Efron.
Viel passiere auch beim Showgehabe zwischen den grossen Zügen. «Da reagiert man auf das Publikum und saugt dessen Energie auf. Die elektrisierende Atmosphäre treibt einem trotz der Schmerzen an.»
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Wrestling ist nicht nur Show, sondern harte Arbeit. Verletzungen gehören dazu. Mit jedem Dropkick wuchs der Respekt der Schauspieler für die Wrestler. Das Training erleichterte es ihnen auch, Brüder zu spielen, die sich gegenseitig motivierten und zu übertreffen versuchten: Am Ende des Drehtages auf der Ranch liessen Zac Efron, Jeremy Allen White und Harris Dickinson laute Musik laufen, stemmten Gewichte und stürzten sich gemeinsam ins Eisbad.
Die Begegnung mit Kevin Von Erich
Eine engere Zusammenarbeit mit dem inzwischen 66-jährigen Kevin Von Erich gab es nicht. «Wir entschieden früh, Kevin nicht zu konsultieren», erklärt Sean Durkin. «Ich hatte einst an einem Film über eine reale Person gearbeitet, die fand, mein Script repräsentiere ihre Seite nicht genau, wie sie sie mir erzählt hatte. Das machte es sehr schwierig, den Film zu realisieren. Vor Drehbeginn habe ich Kevin aber kontaktiert und ihm gesagt, was wir vorhatten. Es war ein gutes Gespräch. Er ist ein friedliebender, weiser Mann und wir sind immer noch im Kontakt.»
Die Schauspieler trafen den wahren Kevin schliesslich an der Premiere in Dallas. Das Treffen beeindruckte besonders Zac Efron: «Ich war froh, ihn nach allem, was er erlebt hat, zufrieden und glücklich mit seiner grossen Familie zu sehen. Er kam mir vor wie ein Guru - ich kann es nicht genau in Worte fassen, aber der Mann gibt mir Hoffnung für die Zukunft.»
Der wahre Kevin, der inzwischen 13 Enkelkinder hat, soll die enge Beziehung unter den Brüdern im Film besonders geschätzt haben. Einen Bruder nach dem anderen zu verlieren, stimmt Zac Efron nachdenklich: «Ich kann nicht sagen, dass ich eine Tragödie dieser Art je erlebt habe. Aber ich habe einen jüngeren Bruder und kann mich mit dieser Beziehung gut identifizieren. Ein Bruder ist dein bester Freund und Motivator», so der 36-Jährige, der neben Bruder Dylan auch noch zwei Halbgeschwister im Vorschulalter hat.
Die vier Söhne, die unter der Fuchtel ihres ehrgeizigen Vaters zu leiden hatten, bekommen nun mit The Iron Claw ein Filmportrait.
Dabei mussten Fans erstmal leer schlucken, als bekannt wurde, dass ausgerechnet High School Musical-Star Zac Efron in The Iron Claw eine Hauptrolle übernehmen sollte. Nun, dieses Vorurteil müssen wir überdenken, denn der Kerl spielt seine Rolle überragend und reiht sich damit problemlos in den fantastischen Cast ein. «Vater» Holt McCallany, Jeremy Allen White aus The Bear oder Maura Tierney (Insomnia), sie alle sind optimal besetzt und verleihen dieser Familiengeschichte die nötige Tiefe und Dramatik.
Die Besetzung
- Zac Efron als Kevin Von Erich
- Jeremy Allen White als Kerry Von Erich
- Harris Dickinson als David Von Erich
- Stanley Simons als Mike Von Erich
- Holt McCallany als Fritz Von Erich
- Maura Tierney als Doris Von Erich
- Lily James als Pam
